Von Vigo, Spanien nach Portimao, Portugal

Man wird ein bisschen antriebslos nach 2,5 Tagen auf See. Ich musste mich ordentlich aufraffen um den Rechner rauszuholen und etwas zu schreiben, anstatt nur auf die graue See zu starren. Dabei ist es gerade perfekt: die Jungs spielen in ihrem Zimmer, das Tagwerk ist bis aufs Abendessen getan und mir sind schon solche Seebeine gewachsen, dass lesen und schreiben auch bei fiesen Wellen überhaupt nichts mehr macht.

Ein grünes Segel für unser grünes Schiff

Heute gab es eigentlich nur zwei bemerkenswerte Dinge: wir haben den Wingaker (das riesige, bunte Leichtwindsegel) gesetzt und statt eines Thunfisches eine Möwe gefangen.

Armes, blödes Federvieh! Es hätte echt einen Darwin Award verdient… Ich habe schon oft gesehen, dass Möwen um die Köder kreisen, aber noch nie gehört, dass eine mal versucht hätte einen Gummikalmar mit Haken zu verschlucken! Es war skurril und traurig die Leine mit diesem Fang einzuholen. Zum Glück konnte ich den Haken entfernen und sie wieder fliegen lassen.

Dagegen ist mit dem Wingaker zu segeln ein wirklich erhebendes Gefühl. Dieses gigantische, grüne Tuch sieht wunderschön aus und wenn normalerweise nur noch der Motor ein Vorwärtskommen ermöglichen würde, fängt man damit den leisesten Lufthauch ein und gleitet leise und sanft durch die Wellen.

Land in Sicht und Delphine voraus!!!! Die letzte viertel Stunde gehört mit zu den Sternstunden des Segelns: Paul und Michel waren zufällig schon vorne angeleint, als uns die Schule mit 10 bis 15 Tieren anfing zu umspielen und hatten so beste Sicht. Diese Tiere sind so nett, wenn sie um das Schiff herumtollen, dass einem einfach immer das Herz aufgeht. Egal wie oft man das schon gesehen hat.

Während auch ich vorne zum Beobachten war, schälte sich dann der südwestlichste Zipfel Portugals aus dem Nebel. Cabo de Sâo Vicente. Woahw, was für ein Moment! Ausgerechnet jetzt, wo die Abendsonne alles auch noch so richtig schön kitschig macht! Das Felskap sieht aus wie ein Kastenbrot, lauter gerade Flächen und Kanten in Sandbraun. Selbstverständlich ist da auch ein richtig malerischer, rot weißer Leuchtturm auf der äußersten Spitze. Unser Abendbrot gibt es dann zum ersten und wahrscheinlich für langen Zeit auch zum letzten Mal, in einem westwärts gerichteten Cockpit, vom Sonnenuntergang überflutet.

Danach geht es noch ein bisschen weiter Richtung Osten, bis wir Portdiemâo erreicht haben. Dort soll es dann endlich einen Kran geben, der breit genug für JaJapami ist. (In Vigo hatte es doch nicht funktioniert, da das Liften mit Autokran und speziell gebauter Unterkonstruktion am Ende einfach viel zu teuer war.) Wenn dann auch noch der Techniker von Oceanvolt vor Ort ist, könnten wir unsere flügellahme Ente endlich wieder fit bekommen. JD meinte eben, dass er von einem Entschuldigungs-Geschenkekörbchen samt Wein von Werft und Motorhersteller geträumt hat. Außerdem von reibungslosen Reparaturarbeiten an Motor, Watermaker und Geschirrspüler. Ich vermute ja, das wird ein Traum bleiben, bin aber optimistisch genug zu sagen: irgendwann kommen auch wir in Gibraltar an! Dann geht Phillipe, der neue Skipper von Bord und wir sind endlich ganz allein verantwortlich. Ursprünglich wollten wir Ende Juli bis Anfang August zu den Kanaren segeln. Das hat sich ja nun erledigt. Leider haben jetzt auch die ursprünglich geplanten Mitsegler keine Zeit mehr. Falls also einer von Euch geneigten Lesern ein paar Tage Zeit und den Drang nach frischer Meeresluft hat – oder vielleicht jemanden kennt – meldet Euch!

Heute morgen kam dann wieder so eine Nachricht: Die Planung des Krans war wohl falsch und wir können heute, am 16. August immer noch nicht aus dem Wasser. Morgen früh um 8:30 soll es aber passieren. Mal sehen, ob wir dann zum Wochenende Richtung Gibraltar (160 Seemeilen) aufbrechen. Eventuell müssen wir wegen vorhergesagtem starkem Ostwind in der Straße von Gibraltar in Cadiz auf bessere Bedingungen warten. Immerhin haben wir gehört, dass es dort tolle Tapas zu günstigen Preisen geben soll!

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