Verflixte Technik

Was ist ein DC/DC Inverter? Offensichtlich ein völlig unterschätztes, kleines Stück Bordelektronik!

Rick’s und Judy’s Insel

Aber fangen wir von vorne an. Vor gut vier Wochen wollten wir mal wieder für ein paar Tage durch das Archipel gondeln. Denn auch der schönste Platz wird irgendwann langweilig, wenn man zwischendurch nicht ein bisschen rumkommt. Die fünf Katamarane die, wie wir, dauerhaft in der Marina liegen, sind von Land aus gesehen gleich links am Ponton aufgereiht. Danach gehen noch zwei Ponton-Finger nach links ab, an denen die viele Einrümpfer und ein paar andere Kats liegen. Wollen wir auslaufen, müssen wir einmal halb um dieses spiegelverkehrte „F“ drum rum, denn die Ausfahrt ist sozusagen hinten rechts.

An diesem Morgen sind wir genau bis vor den hinteren Finger gekommen, als plötzlich die gesamte Motorelektronik ausfiel. Manövrierunfähig mitten im Hafenbecken. Blöde Situation. Echt blöd. Früher wäre ich in Panik geraten, heute lief es ungefähr so ab: JD: „…nee, es geht nichts mehr.“ Jana: „Okay, ich mach mal den Anker klar.“ JD: „Solange wir noch Fahrt machen kann ich uns näher ran manövrieren. Dann schmeiß rein.“  … Jana: „Anker hält! Da fährt Rex in seinem Panga (größeres Beiboot), der kommt bestimmt helfen. Und Hans und Hazel sind auch schon auf dem Steg und können Leinen annehmen.“

So war es dann auch. Ich habe Rex vorne einen Festmacher zugeworfen und er hat uns vorsichtig längsseits an den Ponton gezogen, wo Hans und Hazel die Leinen festmachen konnten. Leider gab es noch ein kleines Kommunikationsproblem: Ich hatte den Käpten gefragt ob ich den Anker noch aufholen soll, oder Kette geben bis wir am Steg sind. Ich dachte, ich hätte „Kette rauslassen“ verstanden… Naja, erstmal war es nicht weiter schlimm, denn unsere hundert Meter haben bis zum Steg gereicht und auch nicht weiter gestört.

JD hat sofort in Finnland, bei Oceanvolt angerufen und verschiedenen E-Mails verschickt und nach 5 Minuten war auch schon DeeCee, unser Marinamanager an Bord und das Troubleshooting in vollem Gange. Rick, der Mann von Judy, die unsere window coverings und den Segelsack genäht hat, ist Techniker und konnte noch am selben Tag kommen. In Gemeinschaftsarbeit wurde der Fehler gefunden: ein DC/DC Inverter war durchgeschmort und der zweite konnte die Last nicht alleine tragen. Die Inverter versorgen normalerweise das CAN Bus Netzwerk der Motorelektronik (für die Kommunikation der Geräte untereinander), auch die Gashebel und kleinen Motordisplays, mit 12 Volt. Die 12 V werden aus den 48 V der Batteriebank generiert. Ohne Gashebel, kann man natürlich auch kein Gas mehr geben!

Wir sind über Nacht an dieser Position geblieben und so hatte ich immerhin ein kleines Bisschen der erhofften Luftveränderung. Zu dem Zeitpunkt war es noch kein Komplettausfall der Platinen. Nachdem sie sich abgekühlt hatten, konnten wir tatsächlich am nächsten Morgen aus eigener Kraftzurück zu unserem eigentlichen Liegeplatz motoren. Allerdings musste erst noch der Anker wieder an Bord und der Käpten war nicht gerade glücklich über dieses ungewollte Manöver zu diesem Zeitpunkt! Knapp hundert Meter Kette raufholen braucht so seine Zeit. Rick war schon in seinem Panga angekommen und wartete am Steg, während ich vorne die Winsch heißlaufen ließ. (Übrigens muss man ungefähralle 20 Meter kurz unterbrechen, sich bäuchlings aufs Deck schmeißen, Kopf und Arme in den Ankerkasten hängen und den sich bildenden Kettenhaufen zur Seite zerren, damit sich die Kette nicht bis hoch zum Zahnrad staut und alles blockiert. Nicht gerade der schönste Job, wenn alles mit sämig-stinkendem Hafenschlick bedeckt ist!) Als die Kette stramm kam und wir direkt über dem Anker waren, fing die Winsch an auf vertraute Art zu ächzten. Erst hoffte ich noch, der Bodenschlamm wäre tatsächlich so zäh, dass die Kraft nur für das Ausbrechen des Ankers nötig wäre. Aber nach fünf Sekunden war klar, dass wir irgendetwas Größeres „geangelt“ haben. Nicht das auch noch! Wer weiß wie lange die Motoren noch funktionieren! Ein Hilferuf Richtung Ponton und Rick kam rübergefahren während ich vorsichtig weiter hochgezogen habe. Der Anker hatte sich unter einem in Boden verankertem Haltetau des Schwimmpontons verhakt :-O

Zum Glück gab es genug Spiel, dass wir die Leine bis knapp unter die Oberfläche heben konnten und es möglich war den Anker mit vereinter Kraft frei zu bekommen! Man, man, man. Fünf Minuten später waren wir sicher vertäut an unserem angestammten Liegeplatz und die Männer haben weitere Schadensanalysen durchgeführt. Am Ende blieb uns nichts anderes übrig, als auf neue Inverter aus Finnland zu warten.

Die kamen denn auch vor etwa einer Woche hier auf Bastimentos an, wurden flux von Rick eingebaut (wirklich kein Hexenwerk, jetzt kann JD das auch selber) und wir haben uns glücklich auf eine Probefahrt begeben. Zum Ziel haben wir sinniger Weise die kleine Insel genommen, auf der Rick und Judy ihr Domizil aufgeschlagen haben.  Wir lagen dort vor Anker, haben einen netten Nachmittag mit den beiden Amerikanern und ihren zwei Papageien verbracht, die Insel besichtigt (ein Rundgang fünf Minuten) und die Männer haben ausführlich JaJapamis Schaltkreise diskutiert. Die mit Finnland abgestimmte Lösung zur Vermeidung eines Wiederauftretens klingt simpel: Diese Inverter werden gar nicht mehr genutzt und Gashebel etc. direkt von dem „Haushalts“-12 Volt Stromkreis versorgt. Leuchtet sogar mir ein, dass sie dann nicht mehr kaputt gehen können!

JD repariert die Ankerwinsch

Rick war ja vor Ort und hatte das am nächsten morgen schneller erledigen können. Wir wollten uns hernach zum Blue Coconut verholen, ein gemütliches Mittagessen genießen und dann nach Hause um Pauls Geburtstag vorzubereiten. …Und schon wieder ließ sich der Anker nicht aufholen! Auch das Problem hat JD zum Glück schnell lösen können, während ich der hungrigen Brut „Petterson und Findus“ vorgelesen habe.

JaJapami vor dem Blue Coconut

Jetzt sind wir wieder hier, genießen die letzten Tage auf „unserer“ Insel und machen uns bereit, die große Reise fortzusetzen! Mal sehen, was als nächstes kaputt geht! 😉