Ia orana! Vom Leben in Tahiti

Wir haben nichts Exotisches erlebt, in letzter Zeit hier in der Marina von Papeete, Hauptstadt von Französisch Polynesien auf Tahiti. Zum Glück, muss man sagen! Es gibt also eigentlich keine bestimmte Geschichte, über die wir schreiben könnten. Daher ist jetzt vermutlich ein guter Moment, von den kleinen Dingen zu berichten, die mich und uns hier so umtreiben.

Immer wenn wir mal länger mit Familie und Freunden telefoniert haben, wird uns wieder bewusst, wie schön es hier ist und was für ein Glück wir haben, ausgerechnet in diesen Zeiten auf einem Schiff und in Polynesien zu leben! Klar treibt auch hier der Virus sein Unwesen, aber vergleichsweise moderat. Heute gab es nur noch vier Neuinfektionen im ganzen Archipel! – ca. 280 000 Einwohner. Aber hier wurde von der Regierung, trotz einer Spitzen-7-Tage-Inzidenz von etwa 900 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, kein allgemeines Confinement oder Lockdown befohlen. Stattdessen wurden auf Tahiti und der Nachbarinsel Moorea, wo etwa 180 000 Einwohner leben, schon einschneidende Maßnahmen getroffen. Dies betraf aber nicht die Leewärtigen Inseln – Raiatea, Bora Bora, Tahaa, Huahine – auf denen wir uns zu der Zeit aufhielten. Nachdem durch die strikte Umsetzung der Maßnahmen mit der Unterstützung fast der gesamten Bevölkerung zurück gingen, konnten nach und nach die Maßnahmen zurückgenommen werden. Als wir im letzten Dezember nach Tahiti zurückkamen, war die Gastronomie und Geschäfte alle geöffnet. Das Einschneidendste war die Ausgangssperre zwischen 21 und 4 Uhr. Und nun konnte auch diese auf 22 bis 4 Uhr verkürzt werden.

Vor kurzem wurde die gesamte Bevölkerung über 18 aufgerufen, sich gegen COVID impfen zu lassen. Interessant ist, dass viele Tahitianer abwartend sind und erst sehen wollen, wie es den Erstgeimpften ergeht.

Aber zurück zu unserer quasi-residente Marina-Zeit. Segler sind es gewohnt, viel Zeit unter sich auf ihrem Boot zu verbringen – da muss man eher aufpassen, nicht kauzig zu werden, als sich anzustecken.

Außerdem spielt sich das Leben hier meist im Freien ab. Gerade jetzt – im hiesigen Spätsommer – blühen ganz viele Bäume, was einfach wunderbar aussieht! Hier in Papeete, der einzigen richtigen Stadt, in diesem Land das aufgrund der riesigen Ozeanflächen zwischen den Archipelen größer ist als Europa, bringen die Wandmalereien – Graffiti ist eindeutig das falsche Wort – viel Farbe in die Straßen. Hier kommt eine Auswahl meiner Favoriten, die ich Euch schon lange einmal zeigen wollte:

Von surreal, …
…über romantisch, …
…zu animalisch…
…und ein bisschen kitschig.

Einkaufen: und es gibt doch alles!

Das moderne Französisch-Polynesien ist kulinarisch, welch Wunder, ganz dicht dran an Frankreich. Croissant, Baguette, Paté und Camembert sind allgegenwärtig und haben es auch auf die einsamen Atolle geschafft. Während wirklich jeder Baguette zu essen scheint, ist Rohmilchkäse bei den Polynesiern allerdings nicht sonderlich beliebt.

Noch während der Zeit in Panama, hätte ich mir nie träumen lassen, welches Schlaraffenland ein tahitianischer Carrefour sein kann! Klar, nicht immer gibt es alle und so manche Importware sprengt preislich jeden Rahmen, aber wenn ich aufschreiben soll, was ich wirklich vermisse, komme ich schon ins Grübeln…. Ah: Frische Pilze! Champignons und Portobellos kann man schon finden, aber sicher keine frischen Steinpilze oder Pfifferlinge. Oder Nachschub für unseren Brita-Wasserfilter, solche Systeme sind hier weitestgehend unbekannt. Wenn dann werden große Akkivkohlefilter angeboten. Und, ja, eine kleine Eiswürfelmaschine ist auch nicht aufzutreiben – klar, kleines Luxusproblem, aber schön wäre es schon…

Obwohl – wer weiß? Denn das Problem ist meistens nicht die Verfügbarkeit, sondern das Aufspüren. Online Shopping kannste hier (fast) vergessen und auch Google kann nichts finden, wenn niemand seine Waren im Internet anpreist. Fast alle Geschäfte haben eine FaceBook-Seite. Aber die ist völlig nutzlos um einen Überblick über das angebotene Sortiment zu liefern. Online-Kataloge sind eine außergewöhnliche Seltenheit.

Wo gibt es … ? Gute Frage! Wohl dem, der Einheimische kennt, denen er diese stellen kann. Und nicht jeder Restaurantbesitzer weiß, wo man nach einer bestimmten Schiffspumpe suchen kann. (Unser Sushi-Dominique allerdings schon!)

Sogar noch in Panama, haben wir von vielen verschiedenen Quellen gehört, dass es im Südpazifik praktisch nichts zu kaufen gibt. Lebensmittel, Ersatzteile, Alkohol, was du nicht auf deinem Boot hast, bekommst du erst wieder in Australien. Was für ein hartnäckiges Gerücht! Okay, man muss natürlich nach Tahiti kommen, um aus dem Vollen schöpfen zu können. Aber selbst auf den abgelegenen Inseln gibt es gute Möglichkeiten, sich Dinge auch aus Tahiti schicken zu lassen. Und was die Preise angeht; nun wenn man geradewegs aus Lateinamerika kommt, darf man natürlich keinen direkten Vergleich ziehen, aber mit Europa durchaus! Gute Qualität kostet hier wie dort das Gleiche. Allerdings haben es die Schnäppchenjäger hier wirklich schwieriger.

Allein als wir hier das erste mal an Land gingen und dann im Bus an einem großen Porsche-Händler vorbei fuhren, vielen uns erstmal die Augen aus dem Kopf. Sowas hatten wir nicht erwartet. Später haben wir gehört, dass auf Tahiti eine der höchsten Porsche-Dichte geben soll. Das kommt wohl auch daher, dass es in Paris als chic gilt, ein Domizil auf Tahiti zu haben.

Um nochmal aufs Essen zurückzukommen: manches bleibt uns einfach Unerklärlich, z.B. die Kühlregale für Gemüse. Wir haben hier so viele, mühsam importierte Tomaten, Brokkoli, Karotten, Auberginen, Salate und selbst Kartoffeln schon den Kältetod sterben sehen, dass es wirklich traurig ist. Ob es wohl einen Grund dafür gibt? Hängt das vielleicht irgendwie mit dem Transport zusammen? Aber warum werden lokal aquaponisch erzeugte Bio-Tomaten ausgeliefert mit dem Lagerhinweis auf dem Etikett „Lagern bei +0 bis +4 *C“???

Wir werden es wohl nie erfahren. Auch wenn wir so gerne den Filialleitern sagen würde, dass die schwarzen Flecken auf den Möhren nicht weniger werden, wenn man die Temperatur noch näher an den Gefrierpunkt bringt! Und die Tomaten bestimmt auch besser schmecken, wenn sie nicht unter 6 Grad gelagert werden.

Medizin, Ärzte und wie kann ich mich noch dünner anziehen

Die medizinische Versorgung hier auf Tahiti, ist hervorragend. Das hatten wir ja schon bei Michels Beinbruch festgestellt. Das Krankenhaus ist modern und es gibt jede Menge niedergelassener Fachärzte. Allerdings sind alle die wir bisher getroffen haben, Franzosen und da gibt es gelegentlich Sprachprobleme, wenn wir uns auf Englisch verständigen müssen. Andererseits sprachen zwei von zehn fließend Deutsch!

Warum wir überhaupt so viele Ärzte getroffen haben? Nun, Dr. Sand, der Zahnarzt ist unter uns Seglern fast schon legendär: Mit neuester Technik (im-Mund-3D-Scanner und 3D-Drucker) hat er schon vielen Boaties, für kleines Geld, langersehnte, neue Zähne verpasst. Da mussten wir natürlich auch mal hin, wenn auch nur für ein paar kleine Füllungen. Auch die Dermatologen haben ganz gut an uns verdient. Bei dem Klima hier schimmelt nämlich nicht nur das Boot… Was wir alles für unterschiedliche Pilze an allen möglichen Stellen hatten, geht auf keine Kuhhaut! Dann der Beinbruch und langaufgeschobene Routinechecks; Mandelentzündung und Covid-Test, da kommt schon was zusammen. Ein Freund von uns hat ambulant fünf künstliche Bandscheiben in den Halswirbeln implantiert bekommen, und kurz zuvor hatte er auch noch Titanstiftzähne bekommen. Nach zehn Tagen war er schon wieder bei uns und ist gern mit uns zum Abendessen geblieben. Unglaublich.

Jetzt im Spätsommer in der Marina, stellt sich mir oft die Frage: wie kann ich mich noch dünner anziehen, ohne obenohne zu sein, wie die meisten Segler hier. Bikini aus Polyester? Nicht auszuhalten. Minikleidchen? Ist mir zu warm am Bauch. Der Griff zur Schere hat es schließlich gebracht: schneid dein dünnstes Hemdchen einfach überm Bauch ab und du hast den perfekten Hausanzug für hier. Das führt allerdings direkt zur nächsten Problematik: Wann und wo kann ich die nötige Gymnastik machen, um mich in diesem Outfit nicht zu schämen? Denn Raum, im Schatten auf dem Boot zu finden, wo man die Flügel mal so richtig aufspannen kann, ohne anzustoßen, ist auch eine Kunst.

Das schreibe ich natürlich in erster Linie, um Euch zum Schmunzeln zu bringen. Es hat aber auch eine gewisse medizinische Bewandtnis. Denn inkubiert man unsere europäische Haut, dauerhaft im eigenen Saft, bekommt man was? Richtig. Pilze. Womit wir wieder beim Thema wären…

Die letzten Ärzte haben wir übrigens noch am letzten Sonntag gesehen, als sie JD und mir kleine Nadeln in die Arme gepickst haben. Wir hatten nämlich das Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, als Tahiti jedem über 18, der sich in die Schlange gestellt hat, eine Covid-Impfung spendiert hat! Über kurz oder lang sollen alle, die sich im Land aufhalten, geimpft werden können. Aber das kann aus logistischen Gründen natürlich noch ein Weilchen dauern. Für uns war es praktisch; am 11.4. gibt’s den zweiten Schuss und danach können wir das Thema erst mal abhaken. Sollte uns wieder die Reiselust packen, wird es damit bestimmt viel einfacher!

Das „Schlangestehen“ war übrigens eher ein „Schlangesitzen“ und wie die Reise nach Jerusalem, eigentlich ganz lustig: Endlose, rote Stuhlreihen haben die wartenden aufgenommen und immer wenn zwei abgefertigt waren, rückte man eine Reihe auf. Im ersten Cluster zur Registrierung, im zweiten zur medizinischen Aufklärung und im dritten zu den Spritzen. Ziemlich gut organisiert, fanden wir.

Wir hatten echt Glück und waren schon nach einer Stunde durch. Es hat auch Phasen gegeben, wo die Leute noch vor den Stuhlreihen, bis zur Straße in der Sonne standen.

Ein Samstag in Tahiti

Zu Schluss nun doch noch eine kleine Geschichte: Wir haben ein ausgesprochen nettes Trüppchen Mittzwanziger, beim Ausgehen kennengelernt. Zwei sind hier geboren, zwei kamen vor ein paar Monaten aus Frankreich. Besonders Lena und Nathan sind total verspielt und haben schon Abende lang, mit den Jungs, Yenga, Schach und Verstecken im fast leeren Restaurant gespielt. Am Samstag haben wir uns dann alle zu einem gemeinsamen Ausflug verabredet und hatten einen herrlichen Tag! Vormittags kamen sie, mit Picknick, auf der Pami eingetrudelt und wir haben gemeinsam die Leinen losgeschmissen. Nach einem knappen Stündchen durch die Lagune tuckern (mit Genua!), viel der Anker auf wohlvertrautem, türkisen, Grund.

Schwimmen, spielen, toben, futtern – der Tag ist schnell vergangen und hat uns alles ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. Wenn wir das öfter machen, kriegen die Jungs noch einen französischen Akzent in ihrem Englisch – das wäre allerdings lustig!

Ein Bad im Fluss

Wir liegen immer noch behaglich in der Marina Papeete. Das hat bekanntermaßen viele Annehmlichkeiten. Allerdings gehört Baden natürlich nicht dazu! Daher haben wir begeistert eine Einladung zu einem Familienausflug am Fluss angenommen. Und das kam so:

Dominik, dem unser Lieblings-Sushi gehört, und der uns mittlerweile ein guter Freund geworden ist, hatte uns in letzter Zeit ein paar Mal mit Hund und Hannah besucht. Hannah ist eine ganz süße Tahitianerin, arbeitet im Sushi Restaurant, und scheint so was wie eine Kusine von Dominik zu sein. Auf jeden Fall ist es schwierig zu klären, welche der 12 Hunde nun eigentlich ihr, oder doch Domi gehören. Drei von den Welpen haben nun schon, zum allergrößten Entzücken der Jungs, die Pami besucht. Und während die Lütten, beim letzten Mal, übers Boot getobt sind, hatten wir Großen uns für den nächsten Sonntag zum Picknick am Fluss verabredet.

Besuch von Hannahs kleinstem Hund.

Wir haben uns also ein Auto gemietet und uns vormittags auf den Weg um die halbe Insel gemacht. Tahiti ist, sozusagen, eine Doppelinsel. Tahiti Nui (Nui=groß) ist nur im Osten, in einem kleinen Bereich, mit Tahiti Iti (Iti=klein) verbunden. Papeete liegt im Norden der großen Insel, unser Ziel im Norden der Kleinen. So waren wir etwas über eine Stunde auf der einzigen, richtig großen Straße, an der Küste entlang unterwegs.

Wenn man schon mal ein Auto hat, muss man natürlich auch an einem der großen Supermärkte stoppen und ein paar schwere, oder auch schwer zu ergatternde, Sachen einladen. Für uns hieß das in diesem Falle, Milch, Saft und Rigatoni! Leider hatte auch dieser Carrefour nur noch drei Packungen und wir essen die doch so gerne zu Bolognese…  Nun ja, im Büdchen gegenüber gab es belegte Baguettes für mittags, das war auch schon gut. Eine, aus unserer Sicht, echte Abartigkeit der Essenkultur hier, sind übrigens die mit Pommes und irgendwelchem Fleisch oder Käse belegten Baguettes! Gibt’s das bei Euch auch?

Als wir uns dem Ziel näherten, rief Dominik an: Sie würden an der Straße auf uns warten und wir sollten bitte Hannah und die Hunde mitnehmen. Okay – aber wie viele Hunde hat er nicht gesagt! Es waren aber dann doch nur Boboule, ein besonderer Freund von Michel, und sein Bruder Noiro (natürlich ein schwarzer Welpe). Fünf Minuten später hielten wir an der Böschung eines wunderschönen Flüsschens. Dominik kam kurz danach im Pickup mit Hannahs Eltern und Bruder und weitern vier Hunden. Die Familie hat sich sichtlich gefreut, uns kennen zu lernen und jeder hat für mich und für JD, je eine Muschelkette zur Begrüßung mitgebracht. Sehr nett!

Domi hatte, sehr weise, einen Sonnenschirm und einen Plastikstuhl dabei. Ohne den Schirm hätte es diese Familie vermutlich nicht lange ausgehalten! Auch so, trotz Eincremens, sind wir nur knapp dem Sonnenbrand entwischt, während die Tahitiens stundenlang in der prallen Mittagssonne sitzen konnten.

Das Baden im Fluss war herrlich! Glasklares Wasser, mittig bis 1,50 m tief mit so starker Strömung, dass ich nicht gegen an schwimmen konnte. Vatern hat Aale mit ein paar Sardinenähnlichen, toten Fischen angelockt. Ziemlich cool zum Beobachten! Mit jedem Bierchen konnte er sich auch besser mit JD unterhalten. Allerdings weiß ich nicht so recht, welche Sprache sie eigentlich benutzt haben. Mit Mutter und Bruder, ging es bei mir jedenfalls fast nur mit Pantomime. Trotzdem hatten wir Spaß. Sie hatten zum snacken bissfeste Mangos, mit einem unglaublich rot färbenden, süßlich würzigen Pulver bestreut mit, ich hatte Babybel, weil ich mit dem Wachs noch was basteln will. Die arme Hannah hat einen der Käse aus der Plastikfolie gewickelt und dann herzhaft in die rote Wachshülle gebissen – Uarrgh. Und auch ohne Wachs, war die Mango tausendmal besser!

Gegen Vier waren dann alle müde gespielt und wir wurden noch für einen letzten Cafe zu ihnen nach Hause eingeladen. Interessant, so ein Heim bei dem man eigentlich keine Wände braucht. Der Hauptaufenthaltsort, war nicht der Bungalow, sondern der von Wellblech überdachte Bereich davor. Schutz vor Regen und Sonne, mehr ist ja nicht nötig. Ein riesiger Tisch – die Eltern haben 9 Kinder – und noch ein paar Sitzgelegenheiten, dazwischen die vielen Hunde und eine Hühnerfamilie.

Vorne JD und Dominik, hinten Hannah und ihr Bruder.

Vater hat uns Fotos von seinem selbstgebauten Auslegerboot gezeigt und erklärt, mit welch ausgeklügelter Technik, er durch farbig markierte Bojen, erkennen kann, ob ein großer Tuner am Haken hängt. Hannah hat stolz ihre eigene, kleine Holzhütte neben dem Elternhaus vorgeführt. Viele Fotos, Schuhe und Kissen, so wie es sich eben für Anfang zwanzig gehört! Sie studiert Bio an der Uni von Tahiti (1.300 Studenten) und war letztes Jahr, für ein Semester, in Nordfrankreich. Das hat ihr aber überhaupt nicht gefallen! Wetter und Männer waren so gar nicht das, was sie von zu Hause gewohnt war und mag! Kann ich mir ganz gut vorstellen. Arroganz ist den Polynesiern vollkommen fremd, was den Graben zwischen den vielen Franzosen hier, und den Locals, auch nicht gerade kleiner werden lässt.

Hannahs Vater

Der Abschied war herzlich – nächsten Sonntag sollen wir zu einem typischen Tahitianischen Essen wiederkommen. Wir freuen uns schon! Michel hat noch eine große Uru (Brotfrucht) geschenkt bekommen und ist dann, natürlich, auf dem Rückweg im Auto eingeschlafen.

Die Uru hat mich noch einiges an Arbeit gekostet, denn natürlich wollte er sein Geschenk auch essen! Die melonengroße Frucht hat weißes, extrem stärkehaltiges Fleisch, dass gerne als Beilage zu Fleisch- und Fischgerichten gegessen wird. Dafür wird sie normalerweise im offenen Feuer gebacken. Finde ich super, genau wie Maniok oder Taro, aber meine Männer mögen das leider nicht. Ganz davon ab, dass offenes Feuer in einer Marina, nicht so wirklich gern gesehen ist… Aber die Seglerin vom Nachbarboot wusste Rat: Lässt man Uru in der Sonne bis zur Matschigkeit reifen, werden sie süßlich und man kann Kuchen damit backen. Also habe ich, ohne Mixer, einen sehr rührintensiven, riesigen Kuchen gebacken. Einmal und nie wieder! Der Muskelkater war bemerkenswert, dass Resultat aber eher nicht. Immerhin, Michel mag ihn gerne und das war ja das Ziel der Übung. Er isst schon seit einer Woche daran.

Eine schöne Anekdote noch zum Schluss: Im Le Retro, gegenüber der Marina, essen wir mindestens einmal die Woche zu Abend. Von den meisten Angestellten wissen wir, wie viele Kinder sie haben und von welcher Insel sie stammen. Und sie wiederum, kennen unsere Geschichte. Zwei Tage nach dem Flussausflug, kam eine von den Netten, strahlend auf uns zu: wir wären ja mit ihrem Cousin unterwegs gewesen! Kurze Verwirrung, bis sie ihr Facebook zeigte. Da waren ganz viele Fotos von uns, die Hannahs Bruder gepostet hat und da die Welt hier sehr klein und überall vernetzt ist, weiß jetzt vermutlich die halbe Insel über unsern Ausflug Bescheid. Auch gut.

Weihnachten 2020

Ihr Lieben, wir wünschen Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr und hoffen, dass Ihr fröhliche und besinnliche Weihnachten feiern konntet!

Bei uns war es fröhlich, friedlich, lecker und sehr warm. Allen und Maria waren ein paar Tage da, bevor sie weiter in die USA zu ihrem neuen Boot geflogen sind. So war es richtig familiär und die Geschenke konnten in großer Runde bespielt werden. JD hat sich mit einem wunderbaren Fillet Wellington mal wieder selbst in der Küche übertroffen!

Wir sind mitten in der Regenzeit und gerade in den Weihnachtstagen, hat es immer wieder geschüttet wie aus Eimern. Bei 32 Grad hat das einen bemerkenswerten Dampfsauna-Effekt! Jetzt scheint die Sonne wieder mehr und eine angenehme Brise lockt zu mehr Aktivität. Es sind auch noch ein paar andere Kinder in der Marina. Hide and seek zwischen den Booten geht in jedem Alter und die Jungs genießen offensichtlich ihre Weihnachtsferien!

Zur allgemeinen Erbauung kommt hier noch die Geschichte, die uns Paul zu Weihnachten geschenkt hat. Da die Buchbindung die Leserlichkeit doch sehr erschwert, habe ich sie Euch, buchstabengetreu, abgetippt.

Der Fuchs und die Hühner!!!

Grade sehen wir das schöne Haus der zehn Hüner.

Die Hühner haben einen sehr schönen morgen. Erst standen sie auf, dann machten sie sich einen Tee, holten das früstükund setzten sich an denn runden tisch.

Plötzlich klopfte es wild an der Tür! Und eine Stime rif „Häida Hühner macht mir auf!“

Es war der Fuchs!

Die Hühner geriten in panik und ranten herum! Dann riss der Fuchs die Tür auf. Ale Hühner wollten sich versteken abr der Fuchs war schneler. Er verschlukte 7 Hüner! 

Die anderen 3 Hühner haten sich drausen verstekt. Wo der Fuchs sie nicht suchte.

Und da der Fuchs soooo müde war legte er sich auf 3 Sesel. Wärend der Fuchs schlif, wagten die 3 Hühner sich aus iremVerstek. Sie wollten am Fuchs vor bei um an das Telefon zu komen.

Doch der Fuchs bemerkte sie. Er sagte „Ich habe gedacht ihr wist das ich einen leichten Schlaf habe!?“ Da sagte eine Stime„Lass uns raus!“ die Stime war kurz vor dem weinen.

Der Fuchs ergrif das Wort „Ruhe! Und nun zu euch!“ Der Fuchs schaute zu den 3 Hühnern in seiner rechten. „Ich werde euch auf dem Weg nach hause essen. Ha Ha ha!!!“

Da sagte das klügste Huhn „Las uns wenigstens etwas mitnemen!?“ der Fuchs antwortete „Nun gut, jeder von euch darf etwas holen.“ Sofort lifen die 3 Hühner los und nach 5 minuten kamen alle mit etwas in der Hand.

Das erste Huhn hate eine schwere Kiste dabei. Das zweite eine risige Tasche. Und der Trumpf war ein Bücher regal! Der Fuchs schluckte.

Aber dann verschlugte er ales! 

Aber nach 3 minuten muste er sich so übergeben das aleswider raus kam. Aiiihhh.

Aber die Flasche stekte noch im Hals! Und nach 2 minutensank der Fuchs zu Boden und ein Huhn sagte „Das ist wohl das ENDE!“

Papeete, 22.12.2020

Paul Berend Lohmüller

Engel links, Teufel rechts, oder?

Hoch mit dem Kahn!

Letze Woche fügten sich die Dinge endlich. Ein Email bestätigte, dass das Antifouling verfügbar ist und endlich, endlich hatte der neue Saildrive seinen Weg durch den Zoll gefunden! Vier Tage nur, war er von Finnland nach Tahiti unterwegs, um dann zwölf Tage im Zoll rumzugammeln. Nun ja, über 16 Tage darf man sich wahrscheinlich nicht beschweren, andere haben auch schon mal 6 Wochen auf wichtige Ersatzteile gewartet. (Mhh, wir zum Beispiel! Auf Galapagos – fällt mir gerade ein.)

Die Werft um die Ecke, in Papeete, hatte den Termin zum Rauskranen für den 14.12. nochmals bestätigt und ein Hotelzimmer nahe bei, war auch schon gebucht. Man kann zwar auf einem Schiff an Land wohnen, aber lustig ist das nicht. Spülwasser in kleinen Mengen kann man wohl noch auf das Werftgelände kleckern lassen, das verdunstet hier schließlich sofort, aber Klo und Dusche sind selbstverständlich tabu und die Sanitären Anlagen meist nicht die Tollsten. Außerdem ist ein Werftgelände eindeutig kein Platz für Kinder. Gabelstapler, Lieferwagen und der Riesenkran sausen überall rum, es wird geschweisst, geschliffen und gestrichen und es herrscht Tagsüber ein Ohrenbetäubender Lärm.

Zum Wochenende hin, haben wir also, im wahrsten Sinne des Wortes, nochmal gründlich Klarschiff gemacht. Die Deckskissen sollten alle nach drinnen, damit sie nicht einstauben. Dafür müssen sie natürlich sauber sein und vor allem Stauraum haben – was wiederum zu weiteren Aufräum- und Putzaktionen führte… Außerdem, selbst wenn wir planmäßig nach fünf Tagen wieder ins Wasser kommen, bleibt nicht mehr viel Zeit bis Weihnachten, und die will man ja auch nicht nur mit Haushalt verbringen.

Am 23. muss nämlich die Gästekabine hergerichtet sein und da hat schon lange keiner mehr geschlafen. Ja, wir kriegen Besuch! Allen und Maria, ehemals LADY JANE, kommen über die Feiertage zu uns! Die Lady ist verkauft und sie fliegen erst im nächsten Jahr zur ihrem neuen Schiff in die USA. Da ist uns die super Idee gekommen, die Zeit doch gemeinsam zu verbringen.

Pass Papeete

Vorgestern morgen haben wir uns also, nach einer schnellen Tasse Kaffee, auf den Weg gemacht. Leinen los, raus aus Hafen und Pass und einmal um die halbe Stadt motort. Nach zwei Stunden waren wir vor der Kraneinfahrt und wurden dort schon von einem Team und dem riesigen Kran erwartet. Ein bisschen hektisch wurde es noch für mich, weil die Fender zu tief hingen, um uns vor dem Beton ringsum zu schützen. Also schnell noch ringsum nachjustieren, während die ersten Techniker schon an Bord kamen, um die Arbeiten am Generator zu besprechen – sehr professionell!

Hoch mit dem Kahn!

Und dann hieß es: Hoch mit dem Kahn! Zwei Arbeiter sind ins Wasser gesprungen und haben die Hebeschlingen unterm Rumpf positioniert und schon ging es nach oben. Ziemlich merkwürdiges Gefühl, so mitsamt seinem Heim hochgelupft zu werden! Kaum über festem Boden wurde dann erst einmal angehalten und wir durften mit einer Leiter von Bord. Die Schiffsarbeiten gingen praktisch im selben Moment los; Mit einem Hochdruckreiniger wurde der Rumpf gesäubert. Während ich mit den Jungs die meiste Zeit in dem kleinen Aufenthaltsraum gewartet habe, hat JD alle anstehenden Arbeiten besprochen und anschließend den Papierkram erledigt. Kurz vor Mittag war dann alles geklärt und wir konnten uns zum Hotel aufmachen. Seit dem ist Papi tagsüber auf Arbeit, während die Familie das klimatisierte Hotel genießt. Ungewohnter Zustand für uns. Leider verhindert eine gemeine Erkältung die ausgiebige Nutzung des Pools. Schlechtes timing.

Erste Reinigung startet nach fünf Minuten.

Wichtiger ist aber, dass das timing auf der Werft passt und da gibt es keine Klagen. Das Unterwasserschiff ist mit frischen Antifouling gestrichen und der neue saildrive ist eingebaut. In letzter Sekunde ist uns eingefallen, dass wir noch einen funkelnagelneuen Propeller im Keller der Pami spazieren fahren! Kann ja mal passieren. Als wir in Galapagos einen neuen bestellen mussten, hatten wir gleich zwei genommen – man weiß schließlich nie, wann man mal einen Propeller braucht. So ist der gesamte Steuerbordantrieb erneuert und der alte Prop kann jetzt sein Dasein als spare part im Keller fristen.

Das blaue ist der neue Saildrive!
Da ist der Bösewicht: die abgenutzten Zähne waren das Problem.
Das alte Getriebeöl war schwarz!

Spannend war der Abseilakt des Generators! Das gute Stück musste dringend mal überholt werden und wurde dafür, kurzer Hand, aus dem Motorraum gekrant und in der Werkstatt ganz unglaublich aufgehübscht.

Raus…
…und wie neu wieder rein.
Ganz oben ist das von Salzwasser zerfressen Fußteil vom Generator. Darunter die hier, mit dem Wasserstrahlschneidemaschiene neu gefertigten Teile.

Auch die Propeller haben wir mit einer Art Propeller-spezifischem Antifouling gestrichen. Bin mal gespannt wie gut das wirkt und ob ich zukünftig wirklich nicht mehr Stunden, mit dem Spachtel, unterm Boot verbringen muss, um den Bewuchs abzukratzen.

Neuer saildrive, neuer Propeller.
Mit Propspeed gestrichen.
Da hängt sie wieder und wartet aufs Wassern morgen früh. Strahlt wie neu, oder?

Also nochmal: wir total zufrieden mit dem Service hier! Von Technik über spontane Ersatzteifertigung, bis zur Politur, die Pami ist besser in Schuss als bei ihrer Auslieferung. Für uns hier, in der Seglergemeinde, ist es immer sehr schwierig, vom HörenSagen her, auf gute Qualität und guten Service zu schließen. Viele diskutieren offensichtlich um den letzten Heller und beschweren sich später, das dies und das nicht inklusive war. JD war, wie ihr ihn kennt, freundlich, diskussionsbereit, in Vorkasse tretend und korrekt. Als Dankeschön haben sich alle ein Bein ausgerissen, um uns schnell wieder ins Wasser zu bringen, einen super Job gemacht, und überall betont, wie angenehm die Zusammenarbeit war! So läufts!

P.s.: Donnerstag Nachmittag: Die Jungs sind wieder munter und eben kam die Nachricht vom Käpt’n: Alles klar zum Wassern morgen! Juchuh! Weihnachten kann kommen!!!

Wieder Papeete

Wir sind zurück in der Stadt-Marina von Papeete, Tahiti. Ruhig ist es hier, nur wenige Boote sind bewohnt. Es regnet viel und ist oft schwül-heiß. In der Stadt ist auch wenig los, wegen Covid. Die Restaurants haben zwar geöffnet, aber ab 21 Uhr herrscht Ausgangssperre, so sind alle immer früh im Bett.

Wir sind still vergnügt zu unserem Marina-Rhythmus zurückgekehrt. Schule, Haushalt, Bootsreparaturen und -Pflege, Austoben in den Parks und Essengehen.

Endlich kann Michel wieder Fußball spielen und der Beinbruch ist vergessen!

Am 14.12. soll die Pami aus dem Wasser, für ein paar Reparaturen und einen neuen Unterwasseranstrich.

Lästige Baustellen an Bord müssen bearbeitet werden: beim großen Segelsack ist in ganzer Länge die Naht vom Reisverschluss gerissen. (Wer hat da bloß so ein schrottiges Segelgarn verwendet?) Irgendwo läuft Regenwasser in die Bilge; das heißt Putzen und detektivisch nach der Quelle fahnden. Und am schlimmsten, der Mantel vom Genackerfall ist gebrochen! Als wir das Segel bergen wollten, hat sich das Fall, oben am Mast in der Rolle verklemmt, weil sich der Mantel hochgeschoben hatte, während die Seele durchgerutscht ist.

Das hieß also rauf in den Mast und irgendwie das Fall befreien.

Großartig, beeindruckend und ein bisschen gruselig war es, in 22 m Höhe zu hantieren und die Aussicht zu genießen!

Am Ende haben wir es geschafft. Der Genaker ist wieder sicher verstaut, aber dem Fall kann keiner mehr helfen, das ist kaputt. Teurer Spaß.

Die Überfahrt von Huahine nach Tahiti, vor ein paar Tagen, war auch mal wieder scheußlich! Wir hatten uns Wind gewünscht und auch eine Weile auf eine günstige Vorhersage gewartet. Dreißig Knoten von Achtern, mit strömendem Regen, der fast das ganze Cockpit von hinten überflutet hat, war dann allerdings wirklich zu viel des Guten! Drinnen Dampfsauna, draußen alles nass und der arme Michel seekrank, weil die Wellen mal wieder aus allen Richtungen kommen mussten. Und das ganze von fünf Uhr morgens bis 23 Uhr. Man man man.

Nur im Hafen hatten wir dann endlich Glück und haben einen freien Liegeplatz an unserer Lieblingsposition vorgefunden. Auch eine helfende Hand war zur Stelle – Uwe, der ältere, friesische Käptn, kommt seit dem gerne mal auf einen Schnack und ein Bierchen vorbei.

Von den letzten Wochen in Huahine gibt es nichts Spektakuläres zu berichten. Ende Oktober sind wir, gemeinsam mit LOLA, von Raiatea aus zurück gesegelt. Wir hatten eine schöne, ruhige Zeit an bekannten Lieblingsankerplätzen, während der viele, tolle Fotos entstanden sind.

Daher schließe ich hier schon meinen Bericht und lasse nur noch Bilder sprechen.

Easy Ankern auf 5 m.
Gleich gehts an Land!
Raiateas Silhouette perfekt inszeniert.
Sundowner mit LOLA
Michel und Mami gehen wandern.

Rund Raiatea

MOTU La Pirogue. Im Hintergrund JaJapami vor Tahaa

Tahaa und Raiatea liegen dicht beieinander und sind von einem einzigen, großen Barriereriff umschlossen. Wir haben von Huahine erst Tahaa angelaufen und sind danach, in einer eleganten Schleife, einmal rund um Raiatea. Eigentlich könnten wir jetzt einen kleinen Küsten-Restaurantführer für hier herausgeben!
Ungefähr alle zwei Tage ein neuer Ankerplatz und die meisten davon, mit Bedacht so ausgewählt, dass ein kleines Restaurant in Dinghi Reichweite liegt. Um sowas zu finden, braucht es übrigens nicht mehr viel Pioniergeist: Wir haben hier überall Internet und gucken einfach bei GoogleMaps nach! Gerade bei den kleinen Hotels, sollte man unbedingt einen Tisch reservieren, und dann wird es manchmal lustig. Wir haben zwar beide mittlerweile einiges an Französisch gelernt, sind aber noch weit, weit davon entfernt, flüssig zu sprechen. Ich rufe also da an und frage: „Ia Orana, Bonjour, parle vous englaise?“ Auf ein energisches „No“, antworte ich dann meist mit „Ici le catamaran in front of you. Ce possible un reservation pour dinner tonight?“
Ich könnte natürlich einfach mal nachgucken, wie man das korrekt auf Französich sagt. Dann würde sich aber konsequenter Weise ein französischer Wortschwall über mich ergießen, den ich unmöglich verstehen kann. Also bleibe ich bei meinem „Frenglisch“, wodurch sich mein Gegenüber meist auch noch über jedes weitere Wort, was mir in seiner Sprache einfällt, freut.
Häufig sind es Frankreich-Franzosen, die hier die Restaurants betreiben und schon mal kommt jemand mit ein paar halb vergessenen Sätzen Schuldeutsch zu uns an den Tisch. Also Verständigungsprobleme gibt es eigentlich nicht und irgendwie macht es auch immer ein bisschen Spass (vor allem, wenn am Ende ein leckeres Essen dabei rauskommt)!

Brotzeit zum Abendessen. Die Jungs sind begeistert und futtern in höchster Konzentration!

Weniger witzig sind Sprachbarrieren, wenn man zum Arzt muss. Das haben wir natürlich auch schon erlebt. Manchmal aber kann ein Arztbesuch auch ungeahnte Nettigkeiten nach sich ziehen. So geschehen, als ich hier wegen einer Halsentzündung, fachkundige Hilfe gesucht habe: Die Ärztin hatte ihre Praxis nahe dem Anleger und als ich ankam, saßen schon fünf wartende Patienten, vor der Tür auf dem Verandawartezimmer. Alles Polynesier; eine bunte Mischung mit bunten Masken und brav immer mit einem Platz Abstand (obwohl die ganze Insel nur einen positiven Fall hatte). Die älteren Damen trugen bunte Knöchellange Kleider und zwei auch Blumenkränze auf dem Kopf, als wären sie auf dem Weg zu einer Hochzeit. Sehr schön anzusehen und offensichtlich reine Geschmacksache, ob man dieses blumig-polynesische bevorzugt oder nicht. Die junge Mutter trug auf jeden Fall Shorts und Top wie ich und der arme Kerl mit dem entzündeten Bein, irgendwas Schmuddeliges. Ungewöhnlich war die Anwesenheit einer Sprechstundenhilfe. Einer jungen Frau, wie einem Gauguin-Gemälde entsprungen! Als sie meine Daten eingibt, fängt sie auf einmal an zu strahlen und erklärt mir auf französisch, dass ihr Chefin auch Alleman ist! Was für eine Fügung!
Natalie ist so alt wie ich, Mutter französisch, Vater deutsch und hat als Kind in Deutschland gelebt. Wir kommen so ins quatschen, dass wir uns kaum um meinen Hals kümmern können. Am Ende verabreden wir uns, dass sie mit Mann und den zwei kleinen von vier Kindern, am Samstag zu uns auf Boot kommt. Es wird ein netter Nachmittag, wir telefonieren und schreiben uns weiter, und wir versuchen sie demnächst in ihrem Haus zu besuchen. Das sind so die Perlen der Begegnungen hier, bei denen man viel über Land und Leute erfährt. Aber auch viel über Gleichgesinnte, Reisefreudige, mit Pioniergeist.

Wer den Witz nicht versteht, hat die hängende Kokosnuss übersehen!

In Raiatea erkunden wir die Insel nur vom Wasser aus. Es ist hier überall so schön wie im Reiseprospekt. Zudem wenig los, der Großteil der Charterflotte an Katamaranen liegt ungenutzt im Hafen. Wir haben die meisten Ankerplätze für uns alleine. Hier ist wirklich Katamaran Gebiet: von den Tiefen um die Insel, geht es zum Aussenriff von 40 auf 2 Meter in steilem Hang. Wir hören von LOLA, mit denen wir uns alle paar Tage treffen, das es für einen Einrümpfer mit viel Tiefgang, richtig schwierig ist, einen Ankerpaltz zu finden. Für uns ist das nett und ein bisschen spannend. Vor uns das Barriereriff links ein malerisches Motu, hinter uns die Insel. Das Meer sieht aus als hätte jemand mit einem Lineal die Grenze zwischen dunkelblau und türkis gezogen. Ganz vorsichtig tasten wir uns über diese Grenze. Ich stehe am Bugsprit und versuche die Tiefe abzuschätzen, denn das Echolot ist erst kurz vor der Mitte des Schiffs, also eine recht späte Warnung, um auf der Hinterhand kehrt zu machen.
2 Meter – 1,90 – 1,80 – 1,70 (schön vorsichtig!) – 1,80 – 1,90 – Okay! Das geht! Da vorne ist auch genug Sandflächen ohne Korallen, also lassen wir das Eisen fallen.

Besonders schön war der Korallengarten vor der „Vogelinsel“. Die Kinder sind im Knietiefen Wasser geschwommen, wir Großen haben Nemo und Consorten einfach beim Waten beobachtet und Dinghi hinter uns hergezogen.


Schon mal klappt auch etwas nicht: Wir wollten eine Flussmündung erkunden; eine bekannte und empfohlene Tour mit dem Dinghi. Schon auf dem Weg vom Ankerplatz, zu der Bucht mit der Mündung, werden wir ganz schön erschreckt. Das riesige Gebiet einer aufgegebenen Austernfarm ist bekannt, aber normalerweise hängt an einer Boje ein Austernkorb. In diesem Fall waren die Bojen aber durch dicke Taue miteinander verbunden und wenn man mit dem Propeller in diese Fallstricke gerät, kann das ganz schön blöd werden! Im klaren Wasser konnten wir also plötzlich, bei voller Fahrt, direkt vor uns, eines dieser dicht bewachsenen Taue sehen. Gruselig! Aber zum Glück in zwei Meter Tiefe, also kein Problem. Auf dem Rückweg haben wir aber einen weiten Bogen um das Gebiet gemacht! Kurz vor dem Ende der tiefeingeschnittenen Bucht, wurde das Wasser dann plötzlich schlammbraun und flach und wir haben planmäßig den Motor angehoben und angefangen zu paddeln. Unplanmäßig war eine ordentlich starke Strömung und eine deutliche Äußerung meines Rückens, dass die Bewegung eines 250 Kg Dinghis mit kleinen Paddeln, für mehr als fünf Minuten, definitiv nicht angeraten ist! Wir mussten also den ganzen, weiten Weg zurück ohne etwas gesehen zu haben. Sengende Sonne, kurze, kleine Wellen in denen das Dinghi immer viel zu hard aufknallte, quengelige Kinder und genervte Eltern. Und alles selber Schuld. Super.

Eindeutig schöner war da die Besichtigung des größten und bedeutendsten Marae in ganz Polynesien. Ein großes Areal, das einstmals den Mittelpunkt der spirituellen Kultur hier bildete.

Marae Hititai. 14.-15. Jhd., mittig der Initiationsstein

Nach der Umrundung kehren wir, mit LOLA, noch einmal zu dem so malerischen „Fish&Blue“ zurück um danach noch ein paar entspannte Tage an einer Mooring-Boje vor dem Städtchen zu schaukeln und einzukaufen. Die Bojen muss man natürlich bezahlen. In diesem Fall allerdings mit Naturalien: ein sixpack Bier oder Soda pro Tag. Auch eine interessante Variante!

Im „Fish&Blue“

Huahine

Huahine, im Hintergrund ist Raiatea zu erkennen

Huahine ist nicht gerade eine Berühmtheit in der Welt. Tahiti und Bora Bora, davon haben Viele schon gehört und denken an Südseeromantik, Palmen und türkisfarbenes Meer. Huahine liegt tatsächlich, mehr oder weniger, zwischen diesen beiden Gesellschaftsinseln und zwar nicht nur geographisch, sondern auch erdgeschichtlich. Ihr Aussenriff ist größer als das Tahitis und hat auch mehr Motus (Inseln am Außenriff), allerdings längst nicht so viele und große wie Bora Bora. Die 74 Quadratkilometer sanfter, grüner Hügel, verteilen sich auf zwei Inseln, die nur durch eine schmale Brücke miteinander verbunden sind.

Für uns ist dieses schöne, ruhige Eiland durch etwas ganz besonders geworden, das man eigentlich überall in Polynesien erwarten würde, was aber tatsächlich ausgesprochen selten ist: Ein Yachtclub im Hauptort und ein Hotelrestaurant mit Bootsanleger in einer wunderschönen Bucht im Süden, perfekt für unsere segelnde Familie!

In Fare, dem Hauptort, lieg der Yachtclub. Malerisch, direkt beim Ankerplatz, mit Blick auf die Bucht. Wer nicht in einem schwimmenden Haus wohnt, kann sich wahrscheinlich nicht so recht vorstellen, wieviel Mehrwert für den Alltag so ein Plätzchen bietet. Fare hat einen für hiesige Verhältnisse bemerkenswerten Supermarkt, dazu Apotheke, Zahnarzt, Autovermietung etc. Ist ein Familieneinkauf fällig, düst man in ein paar Minuten zu einem guten, sicheren Dinghidock (viele Docks sind nicht für Dinghis und man muss mit Klimmzug obenauf klettern, oder die Klampen sind lose oder verrottet wie das Holz oder das Schlauchboot schürft an Beton… da könnte ich jetzt einen eigenen Blog drüber schreiben). Mal eben hinfahren, festmachen, aussteigen und loslaufen ist also sehr erfreulich. Wenn man die Einkäufe danach, binnen 10 Minuten, wieder sicher im Boot verstaut hat, ist das noch erfreulicher. Und falls nichts dringend in den Kühlschrank muss, kann man auch einfach bei dem netten Nachbarn am Tisch im Yachtclub hocken bleiben und noch zur Happy Hour ein Hinano (tahitianisches Bier) trinken. Darüber hinaus ist die Speisekarte ausgesprochen ansprechend und wer uns kennt, weiß wie sehr wir das, vor allem Abends, genießen.

Fischfallen im Inselinneren

Wir hatten also eine gute Zeit in Fare. Mal Strand, mal Kayak, mal gesellige Happy Hour während die Jungs Krabben fangen, und einmal auch wieder einen Mietwagen um ein bisschen rumzufahren. Wahnsinnig viel gibt es hier nicht zu erkunden, aber der Tag hatte ein paar schöne Highlights. Wir sehen den Dschungel der Inseln ja meist nur von der Küste aus, da ist es immer toll, mal wieder mitten drin zu sein. Ein Flüsschen ist bekannt für seine blauäugigen Aale und Michel und ich fanden es super spannend, hineinzuklettern und die friedlichen Riesen vorsichtig zu streicheln. Sie sind unglaublich weich, so dass man die Berührung kaum spüren kann!

„Komm, mein kleiner Aal!“
1,5 Meter Weichheit mit blauen Augen

Kühe und Pferde wirken hier zwischen Lianen und Palmen immer noch etwas skurril auf uns, während wir die ständige Präsenz von verwilderten Hühnern und Hähnen, überhaupt nicht mehr wahrnehmen.

Natürlich gibt es auch hier ein Marae, eine der alten Kultstätten, zu besichtigen. Aber obwohl die große Steinkonstruktion sehr gut erhalten war, ist bei uns der Funke nicht so richtig übergesprungen. Wahrscheinlich muss man kinderlos ein wenig meditieren, damit man den Geist des Ortes spüren kann.

Zum Mittag waren wir in dem einzigen, geöffneten Snack, den wir gesehen haben. Es gab zwar nur ein Gericht, dafür war alles besonders sauber, hübsch gebaut und dekoriert. Selbst das Dach war mal aus echten Palmblättern und nicht, wie mittlerweile überall üblich, aus täuschend echtem Plastikimitat. Thunfisch mit Reis war zu erwarten, aber wir wüssten gerne mal, warum es hier überall und immer grüne Bohnen gibt? Selbst im schrömeligsten Minimarkt der abgelegenen Inseln finden sich Tiefkühl-„Haricot Verts“ in den Gefriertruhen. Seltsam, und uns wäre Brokkoli ehrlich gesagt lieber.

Kurz vor Ende der Tour haben wir noch neben dem Hotel geparkt, vor dem wir mittlerweile ankern. Die tolle Klettermagrove am Strand und die wirklich wunderschöne Bucht, haben uns dazu bewogen, gleich am nächsten Tag nach einem letzten Einkauf runter zu tuckern.

Wir ankern hier auf 1,80 Meter. Köpper von Bord ist also nur mit Vorsicht zu praktizieren und unter den Kielen könnte ich nur mit eingezogenem Bauch durchtauchen. Will ich aber auch gar nicht. Der Sandboden hier ist nämlich übersäht mit schwarzen Seegurken und obwohl diese Spezies völlig ungiftig sein soll, bin nicht mal ich scharf darauf, die Dinger zu berühren.

LOLA und ATREJU, die Einrümpfer, liegen vis-a-vie im tieferen Wasser und neben uns schwoit ein Hausboot im Pirouge-Stil. Wir vermuten, das es als Feriendomizil vermietet wird; sieht auf jeden Fall super aus! Das Hotel ist sehr seglerfreundlich mit Dinghidock und hat ein köstliches Restaurant direkt am Strand. Während wir bestellen und aufs Essen warten, können die Jungs am Strand spielen und – wie immer im Moment – Krabben fangen. Das alles zusammen bewirkt sehr entspannte Eltern und Kinder!

Bei einem Dinghiausflug mit den anderen Crews, finden wir ein Rudel Mantarochen. Hier leben zwar recht viele, aber es ist immer Glückssache, sie zu finden wenn man es darauf anlegt und Schnorchelsachen dabei hat! Während Carlos und Sanne, die ausnahmsweise die große Kamera mithat, sie vorsichtig im Boot verfolgen, springen Julie, Trols, Klein-Sally, Michel und ich ins Wasser. Das größte Tier hat ca. 2,5 m Spannweite und es ist unglaublich beeindruckend, wie es majestätisch unter uns hindurch fliegt. Immer wieder sehen wir sie ihre großen, langsamen Loopings drehen. Die beiden Großen im Dinghi behalten den Überblick und lotsen uns Schwimmer in die richtige Richtung, wenn wir die Riesen aus den Augen verlieren. Die beiden Kleinen sind begeistert und Michel würde soo gerne mal einen von ihnen streicheln, aber näher als zwei Meter kommen wir nie heran. Sie scheinen uns zwar überhaupt nicht zu bemerken, aber ich glaube nicht, dass dieser Abstand Zufall ist. Wir haben kleinere Adlerrochen gesehen, die, genervt von unserem Dinghi, ganz plötzlich in einem irren Tempo davon geflitzt sind. Mantas können, laut Wikipedia, 12 km/h erreichen, was sollen sie sich da von einem Menschlein stören lassen.

Michel im Landeanflug auf einen, im Rückensturzflug befindlichen, Mantarochen

Wale haben wir bei diesem Ausflug leider nicht gesehen, aber die Fahrt zum Aussichtspunkt am Rande der Lagune, war auch cool. Nicht dass da irgendetwas wäre, wo man hinkönnte. Wir sind einfach nur zu siebt in einem kleinen Dinghi, so nahe wie möglich an das Riff gefahren und haben Ausschau gehalten. Einfach ist das nicht. In dem ein bis zwei Meter tiefen Wasser, ist alles voll mit Korallenköpfen, manche bis zur Oberfläche, dazu starke Strömung und fünf erfahrenen Segler, die alle überzeugt sind, als einzige den richtigen Weg durch dieses Labyrinth zu erkennen! Ich muss grinsen, während ich das schreibe. Es hätte total nervig sein können, aber wir hatten alle Spass und haben Witze gemacht, wer denn jetzt eigentlich der Käpt’n ist.

Statt Walen haben wir dann unsere französischen Nachbarn beobachtet: Die haben ihr Dinghi neben uns geankert und sind in Neoprenkomplettmontur zum Riff geschnorchelt. Dann sind sie mühsam über die ca. 15 Meter Barriere gekrabbelt, vor der sich der Pazifik in hohen Wellen bricht und sie ständig mit Knöchel-, bis Kniehohen Wellen überspült. Ziel war natürlich draußen vor dem Riff zu schnorcheln, was auch sehr schön sein muss, aber wie das bei der Brandung gehen sollte, war uns schleierhaft. Ihnen offensichtlich auch, denn nach einer Weile sind sie unverrichteter Dinge wieder zurückgekehrt. Nun, wir waren nicht allzu mitleidig, denn sie haben uns schließlich eine interessante Show geboten.

Der Tag endete in einem fröhlichen Pot Luck Dinner auf der Pami. Jede Crew hat ein Gericht gekocht und am Ende waren alle Neune, satt, zufrieden, müde und leergequasselt.

Da seufzten drei Mäuse „Was für ein Tag!“ und sanken erschöpft in die Betten. (Bilderbuch; Drei mal Drei an einem Tag.)

Unterwegs nach Huahine

Fünf Uhr morgens, es ist kurz vor Neumond und noch stocke finster. Ich höre wie die Ankerwinsch arbeitet und die Kette rasselt. Nun gut, dann mal raus aus dem kuscheligen Bett. Ich kann den Käpt’n schließlich nicht alles alleine machen lassen. Dabei habe ich so gut, wie seit Wochen nicht, geschlafen! Ruhig und dunkel und die Luft duftet so frisch. Wir sind nämlich nicht mehr in der Marina Papeete, sondern am Anker in der Cook‘s Bay auf Moorea.

In den letzten Wochen hatten wir ausgesprochen nette Gesellschaft in der Marina. Hauptsächlich Europäer und bunt zusammengewürfelt, wurde mal auf diesem, mal auf jenem Boot, auf spanisch, deutsch oder englisch, geplaudert, geholfen und spontanen Konzerten gelauscht. Pianist, Journalistin, Ärztin oder Koch – alle haben sich für einige Zeit zu einem Leben unter Segeln entschlossen.

Die Jungs haben ihre Freunde von der OLENA wiedergetroffen und auch der deutsche Fritz ist mal wieder für ein paar Tage über unser Boot getobt. Wir haben die nette Auswahl guter Restaurants ausgiebig genutzt, und uns durch die Maskenpflicht möglichst wenig stören lassen. Es ist allerdings schon ein bisschen merkwürdig, wenn zum Einkaufen Kleidchen oder Hemd nicht dünn genug sein können, man aber seinen Kopf, mit Sonnenhut, -Brille und Maske, regelmäßig auf Siedetemperatur bringen muss. Nun ja, wenigstens verbrennt einem die Nase nicht mehr, weil man die Sonnencreme vergessen hat!

Seit im Juli wieder regelmäßige Flüge, mit Touristen und französischen Beamten stattfinden, hat sich der Virus natürlich auch in Polynesien wieder verbreitet. Die Fälle konzentrieren sich aber zum Glück, fast ausschließlich, auf die Hauptinsel Tahiti und es scheint alles einigermaßen unter Kontrolle zu sein.

Vor ein paar Tagen haben sich schließlich vier von den netten Booten, fast gleichzeitig, aber völlig unabhängig voneinander, entschlossen wieder Segel zu setzten. Alles repariert und gewartet? Die Schapps voll mit Lebensmitteln, die es nur in Tahiti gibt? Alle Brüche verheilt? Dann mal los, denn der Wind war gerade günstig! Nick und Lauri von SEA BEAR und Javier der Koch, haben uns die Leinen losgeworfen und nach einem wunderschönen ersten Segeltag, mit gutem Wind, Genaker, flacher See und Walsichtungen(!) haben wir für zwei Nächte in Moorea geankert. Keine Marinabeleuchtung mehr, kein Straßenlärm oder Superyacht-Partys bis zum Morgengrauen, kein schwarzer Staub in der Luft, von Stadt und Hafen. Nur leises Geplätscher und dieser zarte, typisch polynesische, Blütenduft in der Luft. Wunderbare Nächte.

Aber wir wollten ja weiter, zu den etwas entfernteren Gesellschaftsinseln. Deshalb muss ich jetzt auch zum Bug krabbeln und versuchen, im Dunkeln die Kette zu erkennen, um dem Käpt’n die Richtung zum Anker im Sand zu weisen. Denn nur wenn man Kette und Anker möglichst senkrecht an Bord hievt, vermeidet man so weit wie möglich, Schäden an Korallen und Ankerwinsch. Die Kinder schlafen einfach weiter, während wir im Morgengrauen durch den Pass von Moorea fahren und draußen Groß und Genaker setzten. Bleibt uns Aeolos gesonnen, sollten wir noch vor Sonnenuntergang in Huahine sein und bei LOLA und ATREJU ankern können.

Der Tag ist nicht ganz so gemütlich wie erhofft. Zwar bleibt der Wind beständig, aber die, für den Pazifik leider so typischen Kreuzseen, machen es vor allem Michel schwer. Zum Glück haben wir ja mittlerweile eine riesige Auswahl an Hörbüchern. So begleiten uns für 13 Stunden die drei ???, Mogli und Rüdiger, der kleine Vampier. Kochen geht auch gerade noch, daher können die Lütten den ganzen Nachmittag pürierte Gemüsesuppe mit Strohhalmen nuckeln. Das ist perfekt für solche Seetage!

Perfekt ist auch die Ankunft in Huahine: es ist gerade noch hell, Carlos eilt sofort im Dinghi herbei und weißt uns einen super Ankerplatz mit 12 Metern auf sehr gut haltenden Sand. Und der Hefeteig ist auch gut gegangen. So sitzen wir schon nach kurzer Zeit, müde aber gemütlich Pizza schmausend, im Cockpit und freuen uns auf ein neu heruntergeladenes ZDF Märchen: „Der Zauberlehrling“.

Von Freud und Leid

Zu unser aller großer Freude ist Michels Bein bestens verheilt und am 11. August konnte der Gips ganz abgenommen werden. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut sich Kinder nach so etwas wieder regenerieren! Er konnte tatsächlich sofort aufstehen und die ersten staksigen Schritte machen! Den Rollstuhl haben wir trotzdem noch etwas behalten. Bis in den Park, oder zu manchem Restaurant ist es noch zu weit und anstrengend, aber Frisbee spielen geht schon wieder und schwimmen sowieso.

Letzte Woche hatten wir noch einmal Karten für eine der lokalen Heiva-Tanzaufführungen. Während letztes Jahr wochenlang Tanzwettbewerbe zwischen verschiedenen Inselgruppen, und kleinere und größere Shows überall stattfanden, war dieses Jahr, Covid-bedingt, nur sehr wenig los. Wir hatten echt Glück, dass wir diese tolle Darbietung noch genießen konnten. Zwischenzeitlich hat sich Polynesien nämlich wieder ganz den Touristen geöffnet. Von unserem Liegeplatz sehen wir nun täglich „Covid-Bomber“ landen und können spekulieren, wieviele positive Amerikaner und Europäer wohl diesmal an Bord sind. Trotz freiwilliger Quarantäne und Selbsttests, ist die Fallzahl hier, binnen Tagen, von 0 auf über 150 gestiegen. Es herrscht wieder Maskenpflicht und moderate Einschränkungen in der Gastronomie. Nun gut, das war zu erwarten und wir sind froh, dass es wenigstens keinen weiteren Lock down geben soll.

Das Versammlungsverbot von über 50 Leuten, kam zum Glück erst kurz nach der Show. So hatten wir einen langen Abend Zeit, uns die bemerkenswerten Tänze dieser schönen Polynesier, die mit allem geschmückt und dekoriert waren, was die Natur hier zu bieten hat, anzuschauen. Anmutig sind sie, und vor allem die Männer, unglaublich kräftig. Der Hüftschwung der Mädels, läßt sicherlich sämtliche, orientalische Bauchtänzerinnen erblassen und dazu diese unglaublich Flut von langen, dichten, dunklen Haaren! Einfach toll!

Die Jungs haben tatsächlich erst kurz vor dem Ende angefangen zu quengeln, dass sie nach Hause wollen und das will echt was heissen!

Hier ein paar Fotos (Quelle: Fotograf Mike Leyral für Tahiti Nui Television, https://www.tntv.pf/tntvnews/o-tahiti-e-rend-son-dernier-souffle/)

Natürlich ist auch mal wieder etwas am Schiff kaputt gegangen: Der Wassersammler des Generators war durchgerostet. Zum Glück ist uns das hier, in Tahiti, bei einer Motorraum-Putzaktion, aufgefallen, bevor mehr als nur ein paar Tropfen austreten konnten. In Papeete ist es kein Problem gewesen, einfach bei unserem Lieblingsschweißer ein neues Teil fertigen zu lassen. Das Original vom Hersteller THOR hatte zwar Edelstahl V4A, aber mit einer Wand“stärke“ von weniger als einem Millimeter. Jetzt haben wir Dank Jean-Philippe ein Teil aus 4 mm! Das sollte für einige Jahrzehnte halten 🙂

Passend zu Michels wiedergewonnener Beinfreiheit, gab es auch Nettes für die Jungs. OLENA hat mit ihren drei Kindern, nach über einem halben Jahr, mal wieder in der Nähe geankert. Sie kamen uns schon für einen langen, glücklichen Spieltag besuchen und wir werden sicher die Tage mal zum Schwimmen und spielen, mit dem Dinghi, zu ihnen rausfahren.

Es gab auch einen Kindergeburtstag, wie immer im Park, mit Topfschlagen und Torte und allem was dazugehört.

Und dann sind wir vorgestern noch alle zusammen Blumen sammeln gegangen. Blumen für Eddies Trauerfeier. Wir kannten ihn nicht gut, er und seine Schwester waren und sind schon Teenager, so haben die Kinder, in den zwei Wochen die wir Nachbarn waren, sich nicht zum Spielen gefunden. Dennoch war natürlich die Nachricht von seinem Tot, für uns, und alle um uns herum, ein großer Schock. Eddie ist beim Schnorcheln von einem Boot überfahren worden und an den schlimmen Verletzungen noch am Strand gestorben.

Um ihn zu verabschieden, haben sich über 50 Dinghis und Boote im flachen Wasser der Lagune versammelt und Blumen auf das Meer gestreut. Es war herzergreifend.

Dank der vielen, anwesenden Kinder, wurden die Tränen aber bald weggewaschen. Seine Schwester ist als Erste, einfach aus dem Boot gesprungen. Eddie hat das Meer so geliebt, hat sie gesagt und wir sollen doch zu ihr kommen. Auf so etwas hatten die Kleinen natürlich nur gewartet und mit ihnen sind auch die meisten Großen, wie sie grad waren, in die Blüten getaucht. „Bittersüß“ war das Erste, was mir dazu in den Sinn kam.

Das Leben hier, geht natürlich weiter. Unsere Schule läuft im Moment sehr gut. Paul und JD kommen in Englisch-Unterricht sehr gut voran, während Michel bei mir gerade erstaunlich schnell Lesen und Schreiben lernt. Er profitiert sicher auch davon, dass ich durch Paul schon weiss, wie hier der Hase läuft (nämlich sehr hasig: hakenschlagend im stopp-and-go 😉

Für Sonntags haben wir Musikunterricht eingeführt. Das Internet bietet hier tolle Sachen und so saßen wir gestern stundenlang bei Strawinskys „Feuervogel“ und letzte Woche bei „Peter und der Wolf“. Ein Themenkreis, bei dem zumindest ich mit den Kindern zusammen was lernen kann.

Unser zehnjähriger Hochzeitstag liegt zwar schon ein paar Tage zurück, aber mit diesem Bild soll er auch kurz gewürdigt werden.

Jetzt ruft der nächste Geburtstag. Der dänische Papa von schräg gegenüber hat zum Sundowner geladen. Da gehe ich wohl besser noch mal schnell Duschen…

Geburtstage und Gips

Unser Geburtstagsmarathon liegt nun auch schon wieder zwei Wochen zurück.

In der Marina ist es viel ruhiger geworden. Wer dringend Richtung Westen musste, konnte, mit negativem Covid-Test, ein Permit für Fiji bekommen. So sind zwei befreundete Boote in der letzten Woche ausgelaufen. Auch das Familienschiff, mit Michels Geburtstagsgästen, hat sich auf den Weg nach Hawaii gemacht, unser netter Nachbar ist zurück nach Spanien geflogen und die Brieten kreuzen in Polynesien. Ein paar Freunde sind aber noch da und wer weiß, wer als Nächstes kommt? Wir müssen auf jeden Fall noch knapp drei Wochen bleiben: heute war Kontrolle für Michels Bein und obwohl alles bestens heilt, kommt der Gips nicht vor dem 11. runter. Nun gut, dass schaffen wir auch noch. Außerdem konnten sie den Gips um ein Drittel kürzen, so dass er jetzt das Knie wieder beugen kann.

Die versprochenen Fotos von JD’s Geburtstagsparty muss ich euch leider vorenthalten. Einige der Abgebildeten befinden sich zur Zeit auf hoher See und ich kann sie daher schlecht um Erlaubnis fragen. Aber seid versichert, das wir standesgemäß gefeiert haben! Xavier von nebenan hat, auf der Pami, Paella für 20 Leute zubereitet und nach einem glücklichen Geschlemme, wurde noch lange gefeiert und getanzt!
Bemerkenswert: keine zwei Gäste in der ersten Runde, stammten aus dem selben Land! Schweden, Kanada, Kanaren, Chile, Deutschland, Basken, Australien, England und Frankreich – ein sehr geselliges Durcheinander!

Auch Michel ist, trotz Gipsbein, nicht zu kurz gekommen. Zu seinem Geburtstag haben wir eine große Schokotorte bestellt und neben dem deutschen Peter und zwei weiteren Crews, haben die Mädels der CHASING WATERFALLS die Kinderfahne hochgehalten. Topfschlagen und Dosenwerfen im Park, war auch vom Rollstuhl aus möglich!

Weil es so ein erstaunlicher Zufall ist, sei hier noch kurz erzählt, dass Peter selbst Papa von zwei Jungs im gleichen Alter ist und seine deutsche Adresse tatsächlich in der gleichen Straße (!!!) wie unser vormaliges Domizil liegt! Die Welt ist ein Dorf, oder?

Tanzeinlagen mit Gips