Zurück zur Gold Coast

Wir sind zurück an der Gold Coast. Es wurde einfach zu kalt weiter südlich!

Ich muss mich mal ein wenig kürzer fassen, da der letzte Blog schon so lange her ist, dass ich einfach nicht alles erzählen kann.

Ins Coffs Harbour hatten wir noch einige schöne Momente, Sand, Meer und Natur und viel, viel Regen. Ray und Roberto, die beiden aus Taiwan und Süditalien, die dort Fuß gefasst haben, haben uns mit zu einem tollen Känguru Ausflug genommen. Wenn man weiss wo, ist es so einfach, ganz nah an die putzigen Gesellen ran zu kommen!

Es gab viele schöne Strandtage mit Wellentoben für die Jungs. Sie konnten einfach alleine hinlaufen, wenn sie wollten. Das war für uns alle Vier toll!

Das ist kein Fluss! Vor dem Regen war das der Weg vom Strand nach Hause!

Auch ein ausgewachsenen Sturm war mit im Programm! Der hat uns drei Fender gekostet! Schöner Mist. Zum Glück konnten wir den dicken Kugelfender später flicken.

Spitze waren 53 kt in der Marina, die uns voll auf den Steg gedrückt haben. Es hat gejault und geheult und geklappert und mir total meinen Geburtstag verhagelt. Man man man

Trotz Sturm und Regen gehen wir an meinem Geburtstag abends Essen! Jawohl!

Es gab auch einen Partyabend auf der Pami, wie wir ihr in Polynesien ständig hatten. Sehr nett war das!

Von links: JD, Dascha, Mathias, Earl, Diane, Ray, Roberto

Nach einigem Recherchieren und langen Gesprächen mit Earl und Diane, die ja gerade aus Sydney kamen, haben wir schliesslich und traurig beschlossen, nicht mehr nach Sydney aufzubrechen. Die Überflutungen dieses Jahr und die mangelnden Marina Liegeplätze für ein Boot wie die Pami, dazu wenig Möglichkeiten mit unserm Dinghi irgendwo anzulegen und allem voran und am wichtigsten, die Temperaturen zu dieser Jahreszeit, haben es einfach nicht ratsam erscheinen lassen.

Wir sind einige Tage bei 16 Grad aufgestanden und das ist nicht witzig auf einem Familienboot ohne Heizung. So haben wir, nachdem die Enttscheidung einmal gefällt war, nur auf das nächste Wetterfenster gewartet und sind dann zurück noch Norden, ins Warme.

Matthias und Dascha, das deutsch-ukrainische Paar mit dem wir uns angefreundet haben, sind ein paar Tage vor uns los, sind aber auf halber Strecke in eine Flussmarina eingekehrt. Wir dagegen, haben in einem Rutsch die 210 nm von Coffs nach Southport abgerissen. Mit guten Wind und einer entspannten Nachtwache, sind wir problemlos wieder in Southport eingelaufen und haben dort, auf vertrautem Terrain, mit viel Abstand zum Helikopterlandeplatz, geankert.

Leider mussten wir gemeinsames Essengehen, nachdem die beiden wieder hinter uns geankert hatten, erst einmal verschieben, denn uns hat Covid erwischt…. Erst JD, dann Paul und schließlich Michel und mich – wie die Dominosteine, Klack, Klack, Klack. JD und Michel, die beiden, die auf Tahiti letztes Jahr keine Symptome gezeigt hatten, als Paul und ich Delta hatten, hat es recht heftig erwischt. Dennoch, nach zwei Wochen war bis auf JDs Reizhusten alles wieder gut.

Wir haben in Southport noch ein bisschen Shoppen, Strand, Essen mit Freunden und Spielplatz genossen und uns dann auf den Weg zur Marina-Werft the Boat Works gemacht. Da gab es ein Missverständnis mit der Reservierung und aufgrund einer Bootsmesse in der Nähe ist dort alles ausgebucht. Mit Glück haben wir neben an in der Gold Coast City Marina, die benachbart ein sehr ähnliches Angebot haben, auf den letzten freien Platz gekommen. Ein sehr enges und aufregendes Einfahrts- und Anlegemanöver war nötig, um zwischen den dort liegenden Fischtrawlern hindurch in den Liegeplatz zu kommen. Aber es hat letztlich alles gepasst!

Und hier sind wir jetzt. Im Serviceparadies der Ostküste für Boote. Was und wie hier wieder alles so flott gemacht wird, kann hoffentlich einen neuen Blog füllen! …Und wie das Wetter jetzt so ist?? – Tja, Tiefpunkt heute erreicht hoffen wir: 15 Grad und Dauerregen.

Araukarien (die Bäume!) vor dem Vollmond in Coffs Harbour.

Fisch und Regen in Coffs Harbour

Coffs Harbour ist ganz putzig. Schöne Strände, viel Grün und der kleine Fischerhafen mit der Marina ziehen viele Spaziergänger und Wochenendausflügler an.

Fussläufig gibt es einige Restaurants, einen Bäcker mit gutem Sauerteigbrot und einen kleinen SPAR Supermarkt. Zur nächsten Mall kommt man easy mit dem Bus.

Für unsere Grundbedürfnisse ist also ausreichend gesorgt und in normalen Jahren, hätte man hier gerne mal, für ein paar Tage, auf guten Wind gewartet.

Leider ist es aber kein normales Jahr. Selbst in den deutschen Nachrichten habe ich viele Berichte über die unglaublichen Regenmassen und die Überflutungen gelesen, welche die Ostküste Australiens heimsuchen. Brisbane und Sydney und viele Ortschaften ringsum, hat es voll erwischt. Bis zu den Dächern überflutete Häuser, Seen wo vorher Parks und Innenstädte waren und Gullys, die wie Geysire sprudeln. Mit den Flüssen werden Pontonteile, Bäume und Kühlschränke bis zum Meer gespült. So Viele haben so Viel verloren. Es tut uns furchtbar leid.

Und wir sind mitten drin, müssen das Beste daraus machen und haben eigentlich auch noch richtig Glück gehabt. Die meisten Marinas und geschützten Ankerplätze liegen hier in den Flüssen und Deltas landeinwärts, Coffs Harbour dagegen im Meer. Und im Meer steigen weder die Pegel, noch werden hier Trümmerteile angeschwemmt. Wären wir noch in Brisbane, oder schon in Sydney gewesen, hätten wir sicherlich eine stressige Zeit gehabt! Hier hieß und heißt es nur: Regen, Regen Regen.

Eine shelfcloud oder Böenwalze kommt genau auf uns zu.
Es sieht aus, als wollte sie die Masten unserer Nachbarn fressen! Zum Glück bringt sie nicht mehr als 25 kt Wind und natürlich noch mehr Regen.
In blau und Sonne gibts das Bild auch!

Unsere Kuchenbude hält das Cockpit ja schön trocken und windgeschützt, nur hinten, wo die stabile Decke in den letzten Meter Stoffdach übergeht, hat sich eine nervige Tropfkante gebildet. Hat mich schon in Papeete gestört, aber was soll man machen? Eine Regenrinne im Schiff? Warum eigentlich nicht? Ein aufgeschnittenes Rohr könnte gehen – nur ist der nächste Baumarkt ohne Auto kaum zu erreichen.

Genau während dieser, meiner Überlegung, kam der freundliche, australische Zufall auf einem Stand-up Paddle Board vorbei! Während ich mit Michel frühstücke, paddelt Troy an uns vorbei, wir grüßen freundlich und er dreht um, kommt näher und meint, wir seien doch nicht von hier. Woher wir denn kommen, ob wir vielleicht Hilfe bei irgendwas brauchen. Er hätte ein Auto hier und könnte mich gerne mal irgendwohin mitnehmen. Tja – also, wenn Du mal zum Baumarkt fahren solltest, würde ich schon gerne…!

Noch am selben Nachmittag haben wir mein Drei-Meter-Rohr auf seinen Surfbrett-Dachgepäckträger geschnallt und – voila! – jetzt hat die Pami eine Regenrinne! War das nicht eine super nette Aktion, von diesem segelnden Australier?

Auch sehr nett war ein Wiedersehen mit Earl und Diane von der DUNRACIN. Die beiden waren ein paar Tage vor uns in Tahiti aufgebrochen und wir haben während der Pazifik Überquerung und danach, immer Emailkontakt gehalten. Jetzt sind sie auch hier, in der Marina und wir kommen viel zum Quatschen. Dann gibt es noch Matthias, der hier auf seinem Boot lebt und arbeitet und öfter mal bei uns vorbeischaut und „unseren“ neuen Italiener, bei dem wir jetzt schon immer wie ganz alte Stammgäste begrüßt werden.

Das Fiasko ist ein sehr freundlicher und leckerer Italiener um die Ecke.

Wir sind also nicht einsam und die Sonne kommt auch immer mal zum Vorschein.

Aussi-Humor: ich habs im ersten Moment für echt gehalten und mich tierisch erschreckt!

Und dann war da noch der Fisch im Ansaugrohr! Irgendwas hat die Ansaugpumpe für Seewasser blockiert. Also haben wir das kleine Sieb, was vor der Pumpe ist, rausgenommen und gereinigt. Es war allerdings nicht besonders dreckig. Beim wieder einsetzen, hat es zwar klick gemacht, aber man kommt nicht gut dran und sehen kann man es auch nur, wenn man den Kopf halb in die Bilge steckt. So blieb unbemerkt, dass nur die eine Seite wieder eingerastet war. Und was passiert, wenn man ein Loch im Schiffsrumpf nicht ordentlich verschließt? Klar, es sprudelt leise und stetig Wasser ein.

Die Folge war, das kurz vorm Morgengrauen die Bilgepumpen mit lautem Getöse ansprangen! Diesmal mussten wir aber nicht lange suchen, wo das ganze Wasser herkam und mit einem Griff war das Ventil vor dem Sieb geschlossen. Die fiese Überraschung kam beim zweiten Wiedereinsetzen des Siebes: ein leicht verwester, sardinengroßer Fisch hat das Rohr blockiert – bähhh!

Fisch raus, Sieb rein, war schnell erledigt. Die Bilge leer pumpen, nochmal mit Süßwasser spülen und dann ganz trocken legen ging leider nicht ganz so schnell. Und das, obwohl wir damit nun schon reichlich Übung haben. Man man man.

Von Southport nach Coffs Harbour und dann in den Motorraum

Unterm Sonnenzelt mit Hörbuch, so gehts!

Die See lehrt einen wirklich Demut. Wenn man sich hinauswagt, in das weite Blau, kann man sich nie sicher sein, was einen wirklich erwartet.

Die modernen Wettervorhersagen bieten viel, man kann auf jeden Fall vermeiden, sich ernsthaft in Gefahr zu bringen, aber das Quäntchen, das zwischen dem Rausch durch See und und Wind zu pflügen und dem genervt, gestresstem Lass-es-doch-endlich-vorbei-sein liegt, das kann keiner voraussagen.

Nackte Zahlen zeigen Dir, es ist zu viel Wind für das große Segel. Aber für wie lange? Nach der Regenzelle, nach dem Kap, wird es sich bestimmt wieder einpendeln… Und wenn nicht, haben wir uns und das Material viel zu lange strapaziert. Mach doch noch ein bisschen weiter auf, JD, um den Druck rauszunehmen, dann können wir noch 20 Minuten warten und kommen vielleicht doch noch vor Mitternacht an.

Ich starre auf die ewigen Wellen im Sonnenuntergang. Nie sind sie perfekt. Zu steil, zu kurz, zu seitlich, denn bei spiegelglatter See gibt es natürlich keinen Wind zum segeln. Also nimm es wie es kommt und mach das Beste draus. Schlimmer geht immer!

…und hier werden ich in meinen Gedanken unterbrochen. Der Gennaker muss jetzt wirklich eingeholt werden. Ich vermisse ein bisschen Carlos, das Ganze war so viel leichter zu viert, obwohl wir natürlich auch alleine klarkommen. Aber Carlos und Julie sind ja schon lange wieder auf ihrer LOLA in Tahiti, haben eine Menge Reparaturen erledigt und starten jetzt mal wieder eine Runde auf die anderen Inseln. (Sie konnten im Dezember, nach einer Woche Quarantänehotel und viel Organisierens, über Fiji, zurück nach Tahiti fliegen.)

Auf jeden Fall hat sich das Warten auf den richtigen Wind gelohnt! Am ersten Tag, von Southport nach Byron Bay, sind wir noch viel mit Motorunterstützung gesegelt. Die 47 Meilen haben wir aber gut geschafft und konnten, kurz nach Sonnenuntergang, den Anker fallen lassen. Byron Bay ist nur mäßig geschützt und die Nacht war ganz schön schaukelig, aber hey, allemal besser als Nachtwache schieben zu müssen!

Byron Bay

Von dort sind wir nach dem ersten Kaffee aufgebrochen. 110 sm bis Coffs Harbour sind auch unter besten Bedingungen kein Pappenstiel. Wie geplant haben wir ca. 5 sm vor der Küste, den OAS, den Ostaustralischen Strom erreicht und sind bei netten 15 kt Wind mit Gennaker flott nach Süden geschoben worden.

Wie erwähnt musste das große Tuch am späten Nachmittag wieder rein, aber auch nur mit Genua, haben wir es geschafft mit etwa 20 Knoten scheinbaren Wind noch kurz vor Mitternacht in Coffs Harbour Bay einzulaufen. In die Marina sind wir mitten in der Nacht natürlich nicht mehr. Ankern in der großen Bucht, war zum Glück easy und schnell getan. Noch ein gute Nacht Schlückchen und dann ab ins Bett. Tatsächlich war ich den ganzen nächsten Tag total erschöpft, von den zwei Tagen auf See. Man verweichlicht doch ganz schön, wenn man mal zwei Monate nicht ordentlich gesegelt ist!

Die Jungs haben es recht gelassen genommen, auch wenn Michel natürlich keine Chance hatte, Seebeine zu entwickeln. Spannende Hörbücher und ein großer Topf pürierte Kartoffelsuppe, mit dem Strohalm genossen, hilft über viel Ungemach hinweg.

Am nächsten Tag haben wir uns in die Marina verholt – und nicht zu früh! Der erwartete Regen kam und blieb mit aller Heftigkeit! Wie gut, dass die Kuchenbude wieder einsatzfähig ist!

Der Kontrast von hier zur Gold Coast könnte kaum größer sein. Kleine Segler mit Rostnasen und Fischkutter, statt Luxus Motoryachten. Bäume, Strand und ein kleines Städtchen statt Villen und Hochhäusern. Die Nachbarlieger sind freundlich, ein Deutscher kam zum Hallo-sagen vorbei, weil er unsern Akzent beim Funken erkannt hat und nachmittags schnauft immer ein alter, großer Delfin vor uns herum. Der Regen war echt heftig, konnte uns aber nicht davon abhalten, abends zum Italiener zu gehen. Auch hier endlich nette Tischnachbarn, mit denen wir uns lange und lustig unterhalten haben.

Mittagspicknick

Die Waagschale wäre schön ausgewogen gewesen, wenn nicht erst Putin und dann der Generator gewesen wäre. Als wir um 22 Uhr nach Hause kamen, war letzterer nämlich nicht angesprungen. Das hättet er aber tun sollen! Dieses vermaledeite Mistding, irgendwann muss doch mal gut sein!

Also lassen wir die Jungs noch ein bisschen was gucken und gehen, noch mit dem italienischen Wein im Kopf, auf Fehlersuche. Alleine kommen wir nicht dahinter und laut Batterieladestand können wir am nächsten Morgen kaum die Kaffeemaschine anschmeißen. Also ist kritisches Niveau erreicht und wir rufen bei Fischer Panda in Paderborn an. Mit telefonischer Unterstützung misst JD die Spannung am Kontrollpaneel drinnen und an verschiedenen Stellen des Generators draußen. Irgendwas stimmt nicht, aber was? Die Werte sind nicht konstant. Aber die Fühler von unserem Messinstrument sind auch ziemlich dick – vielleicht kommen sie nicht richtig an die Messpunkte heran? Mit vier Händen ziehen wir vorsichtig die Kabel aus den Buchsen und messen noch mal. Ich lerne viel! Auf der 1 ist der Strom, auf der 10 der Anlasser und 9 die Dieselpumpe. Will man wissen ob Spannung am Kontrollpaneel anliegt, muss man die Klemme 1 gegen die 2 messen.

Hah! Diesmal messen wir dort eindeutig 12 Volt. Das heißt, das Paneel, also der Ein/Aus Schalter selber, muss abgeraucht sein!

Noch bevor der Herr am Telefon sagt, dass sie diese Dinger nicht mal in Paderborn auf Lager hätten, sehe ich uns schon sechs Wochen in Coffs Harbour auf ein Ersatzteil warten. Man man man.

Mittlerweile ist es Mitternacht. Die Kinder habe ich längst ins Bett gebracht und wir können jetzt auch nichts mehr tun. Also kriechen auch wir geknickt in die Federn. Irgendwo muss ich auch noch Nescafé für solche Notfälle haben.

Wer mitdenkt, fragt sich vielleicht, warum wir nicht einfach Landstrom einstöpseln. Das sich die Batterien bei dem Wetter nicht über Solar laden ist klar, aber in einer Marina gibt es schließlich Steckdosen für Boote! Tja, leider sind das aber australische Steckdosen und wir haben nur europäische und Panama Stecker an Bord.

So macht sich denn JD, am nächsten Morgen, auf die Suche nach einem Elektriker. Kurz nach dem Mittag kommt auch tatsächlich ein Netter und hilft sofort. Zack zack hat er einen Aussi Stecker an unser Kabel gebastelt und wir haben wieder Landstrom. Dann fummelt er kleine Kippschalter an die losen Kabel, die eigentlich in dem Generatorpaneel stecken sollten. Jetzt kann man den Generator manuell kurzschliessen, ohne blanke Kabel aneinander zu halten, auch wenn man das natürlich auf keinen Fall tun sollte – aus sicherheitstechnischer Sicht und so.

Schalter basteln

Erster Funktionstest: Anlasser EIN und… nichts tut sich. Also geht der Messmarothon noch mal von vorne los. Gestern war hier doch noch Strom drauf! Bestimmt! Starterbatterie, Hauptschalter, Sicherungen die wir noch gar nicht kannten… und auf einmal hat er es! Bei dem großen Hauptschalter des Generators im Motorraum haben sich die Schrauben, welche die Kabelschuhe an die Kontaktflächen pressen, im Schaltergehäuse gelockert. Wir waren gar nicht zu blöd zum messen, da war einfach ein Wackelkontakt drin! Und das Beste ist, das Kontrollpaneel ist gar nicht kaputt! Alles wieder gut!

Wir sind also frei, jederzeit weiterzusegeln, wenn der Wind passend ist und die Mannschaft wieder los will.

Coffs Harbour. Links über Pauls Ohr liegt die Pami.

Der Wind hat gedreht!

Der Wind hat gedreht! Morgen früh können wir los! Endlich, ich dachte schon, das wird nie was.

Die Sandbank mit Paul und Kayak

Als das Wetterfenster sich abzuzeichnen begann, haben wir sofort Aktion „Propeller putzen“ eingeleitet. Das ist hier nämlich nicht so schön wie in Polynesien und bedarf einer gewissen Planung: Bei passender Tiede und ausreichend Sonnenschein, sind wir mit JaJapami zur nahen Sandbank getuckert. Noch bei der Suche nach einem geeigneten Plätzchen, sind wir erst mal sanft auf Grund gelaufen. Man sieht ja nix in dieser trüben Brühe!

War zu Glück nicht schlimm und wir konnten einfach rückwärts wieder runter fahren. Also weiter im Text: vorsichtig in Position manövrieren, Anker fallen lassen und mit der Strömung langsam das Heck ins flache Wasser, Richtung Sandbank bringen. Da das Echolot vorne unter dem Rumpf ist, kann man die Tiefe am Heck nur mit der Besenstielmethode ermitteln. Bei 1,60 m haben wir angehalten, obwohl der Grund noch nicht zu sehen war. Schließlich war immer noch ablaufend Wasser.

Ich bin dann in voller Montur, sprich Shorty, Bleigurt und Handschuhen, vorsichtig ins Wasser gekrabbelt und nach kurzen Rundumblick sofort wieder raus. Hier kann ich ja ein Monster erst sehen, wenn es direkt vor meiner Brille vorbeischwimmt! Uuuaahh!

Erst nach gutem Zureden „Du bist doch schon nass, jetzt guck doch mal kurz nach dem Propeller!“, habe ich es fertig gebracht, mich kurz von der Badeleiter zu lösen und runter zu tauchen. Erst kam das Ruder in Sicht: wie mit Schlamm überzogen, aber nur eine Seepocke. Dann wurde die Schraube erkennbar. Herrje, total bewachsen mit Algen, vielen kleinen Seepocken und ein paar großen. Und das war nur steuerbord, wo es noch ganz gut lief. Der Backbordantrieb hatte soviel mehr Energie verbraucht als normal und musste demnach noch in viel schlimmeren Zustand sein.

Nach nochmaligem gutem Zureden und JD auf der Badeplattform sitzend, konnte ich mich auch noch zu dieser Inspektion durchringen. Aber nicht gerne. Echt nicht. Sah dann auch echt übel aus. Und natürlich gruselig. Das kann ich nicht! Da müssen wir jemanden für bezahlen!

Irgendwie ging es dann doch, denn die menschliche Psyche adaptiert ja doch recht schnell, auch bei fiesen Situationen. Am Ende war die ganze Familie im Wasser. JD hat alles geputzt, wo er mitt Nase aus dem Wasser drankam, die Jungs hatten Spass und ich konnte an beiden Seiten das Gröbste mit Spachtel und Handschuhen runterholen.

Normalerweise hätte mich das stolz und glücklich gemacht, diesmal war ich aber einfach nur fertig. Luftanhalten ist nunmal totale Trainingssache und ich war seit Monaten nicht tauchen.

Ende gut, alles gut und nachmittags lagen wir wieder entspannt in der Marina. Hoffentlich wird es das nächste Mal nicht ganz so unentspannt!

Ein Regenbogen in fast perfekter Symmetrie

Am Ende noch ein paar unkommentierte architektonische Eindrücke von den Broad Water waterways, wie wir sie immer bei den Einkaufstouren vom Dinghi aus sehen. Ist schon einen Blick wert, wie mancher hier sein Anwesen gestaltet und vor allem die Vielfalt der Stielrichtung!

Die Gold Coast

Jetzt ist der Januar doch tatsächlich schon vorbei und wir sind immer noch an der Gold Coast! Wir wollten doch längst in Sydney sein! Aber Segeln an Australiens Ostküste ist eine verzwickte Sache, erst recht in einem La Niña Jahr.

Der Australia Day hat uns ein tolles Feuerwerk spendiert!

Es wäre schön, wenn wir es wie Nemo machen könnten und einfach auf dem Rücken einer Schildkröte, mit dem ostaustralischen Strom, nach Sydney sausen würden! Ach nein, das waren ja Marlin und Dori, nicht Nemo… egal.

JD und ich sausen auf der Pami nach Sydney…

Nun ja, irgendwann wird sich Aeolos erbarmen und uns ein Wetterfenster schenken und dann gehts weiter. Bis dahin ist es hier nicht so schlecht, auch wenn es nicht das rechte Australien ist.

Hinter dem langen, weißen Traumstrand, der sich über viele Kilometer erstreckt, liegt das Broad Water, mit vielen, kleinen Kanälen, die um vollkommen umgekrempelte Mangroveninseln meandern. Die Inseln sind vollgestopft mit Villen in jeder architektonischen Stilrichtung, jede mit einem kleinen Anleger und einem mehr oder weniger großen Motorboot davor. Erinnert etwas an die Palmeninseln in Dubai.

Quelle: Google Maps

Hier, wo die vier Marinas nebeneinander liegen, ist das Broad Water wirklich broad und es ist der große Wasserspielplatz für alles, was Sprit verbrennt. Genau vor unserem Cockpit, schwimmt das Helipad, von dem, in Stoßzeiten im 5 Minuten Takt, die vier Hubschrauber starten und landen. 10-Minuten Rundflug für 100 $ – und leider ausgesprochen gerne gebucht! Was für ein Krach, und Resourcenverschwendung!

Daneben kann man Trips mit allem was schwimmt mieten: Jetski, Powerboat, Partysegler oder Luxusmotoryacht. Die High Society der Ostküste tummelt sich hier.

Zum Glück konnten wir uns mittlerweile an einen anderen Liegeplatz verholen. Hier ist es vergleichsweise ruhig und friedlich und der ständige Regen prasselt auch nicht mehr so direkt ins Cockpit!

Harris Farmer Market ist 20 Dinghiminuten entfernt und liegt in einer Mall mit Dinghidock und Restaurants – leckere Einkaufstouren!

Obwohl wir uns dieser Art Vergnügungen nicht ergeben, kommt keine Langeweile auf. Wie immer in neuen Landen, muss man etwas seine Garderobe anpassen. Und auch hier ist das nicht so einfach. Um an der Gold Coast normale Sandalen für Michel und einen Pulli für Paul zu kaufen, mussten wir erst mal rausfinden, dass es ein Shoppingcenter mit entsprechenden Sachen und Bootsanleger überhaupt gibt. Natürlich sind um uns rum jede Menge Läden, teuerste Boutiquen und auch Supermärkte, aber keine einfachen Kinderklamotten. Für wen auch? Letztlich waren wir nach 40 Minuten Dinghiritt, in einer wirklich super tollen Mall mit allem was man braucht. In den Shops von Pacific Fair fanden sich nicht nur die dringend benötigten Sandalen, sondern auch so nette Kleinigkeiten, die es in Papeete nicht, oder nur sehr teuer gab, wie z.B. Badezimmermülleimerchen.

Erholungszone für Besucher der Mall. Hier sehr luxuriös mit viel Wasser und Liegestühlen.

Ein anderer, auch sehr wichtiger Dinghiausflug, ging etwas nördlicher, zu einem Gebiet mit Baumärkten, Marine Shops und Elektrogeschäften. Das war nicht ganz so einfach, da sich nirgendwo in der Nähe ein öffentlicher Anleger finden ließ. Schließlich haben wir an einem Zaun festgemacht, der nahe genug am betonierten Ufer stand, sind raufgeklettert und quer übers Feld, Richtung Läden gestiefelt.

Heimweg nach einem langen Einkaufsbummel.

An dem Tag hat sich vor allem JD echt die Hacken abgelaufen! Vieles haben wir bekommen, aber die Gasverbindungen, für Ofen und Grill, die nötig wären um eine australische Flasche an unser europäisches System anzuschließen, die gabs auch im dritten Fachgeschäft nicht. So reihen wir uns in die Riege der Segler ein, die sich seufzend wünschen, dass solche Dinge weltweit genormt wären! Zoll, Zentimeter, rechtsdrehend, linksdrehend, Milchsäure oder Kupfer – es ist echt zum Mäuse melken. Wie gut, dass der Herd Induktion ist!

Hoffentlich kann ich im nächst Blog berichten, wie wir das gelöst haben.

Die nächste Baustelle war dann wieder für mich: Die Kuchenbude der Pami, also die PVC-Fenster, die man rings ums Cockpit anbringen kann, passte nicht mehr ganz, seit wir in Panama die zweite Lage Solarpaneele angebracht haben. Seit den Kanaren haben wir die großen, heckwärtigen Teile nicht mehr gebraucht und im Keller verstaut. Hier sind sie plötzlich wieder ganz wichtig geworden und so habe ich mich ein paar Tage lang an meine kleine Nähmaschine gesetzt und Lösungen genäht. Wen es interessiert: die Bernina 215, mit dünnem Segelgarn und Ledernadel, schafft zwei Lagen Sunbrella mit einer Lage PVC, ziemlich problemlos! Daumen hoch!

An drei Punkten musste der Edelstahl eingebettet werden.
Fertig!
Vorher ging nur ein Stückchen Reißverschluss noch zu.

Als Nächstes hat der Chartplotter am Steuerstand endgültig den Geist aufgegeben. Also haben wir schweren Herzens einen Neuen bestellt, was JD wieder Stunden gekostet hat. Daneben hat er noch die Dinghipumpe repariert und ich den Schwarzwassertank wieder frei bekommen. Wie gesagt, es wird uns nicht langweilig!

Was gerade richtig gut läuft, ist die Schule! Wir haben hier zwar leider noch keine Freunde gefunden, aber das Englisch macht trotzdem Fortschritte. Paul liest, mit seinem Papi zusammen, sein erstes, dickes, englisches Buch und kommt ganz gut voran!

Paul hat seine ersten englischen Bücher bekommen und freut sich wie ein Schneekönig! Michel dagegen, hat Superspass mit seinem Gummitaipan.
Wie gemalt, der Vollmond über Fisherman’s Wharf.
Vor allem Punkt 4 ist höchst bemerkenswert! 😂

Erste Eindrücke aus Brisbane

Nachdem wir einige Tage in der Rivergate Marina rumgelungert haben, wurde es Zeit sich zu bewegen. Jason, der Marina Manager war zwar furchtbar nett und hat uns mehrfach ins nächste Einkaufszentrum gefahren, aber ausser der Brauerei, die wir zugegebenermaßen öfter besucht haben, gab es fussläufig nichts für uns.

Ein Gartenschlauch mit unbegrenzt fließendem, sauberem und auch noch kostenlosem Wasser, ist zwar nach einer Ozeanüberquerung etwas ganz wunderbares, aber natürlich am Ende kein Grund zu bleiben. Den ursprünglichen Plan gleich gemütlich Richtung Süden, sprich Sydney, aufzubrechen, hat Zyklon Seth vereitelt. Er hat tagelang direkt vor Queensland’s Küsten rumgewütet und wir waren froh, dass wir so weit landeinwärts sicher festgemacht hatten. Außerdem hat es dauernd geregnet. Wäre schade um die Aussicht auf der schönen Strecke gewesen.

Taxi-Fähre in Brisbane

So haben wir dann an einem sonnigen Tag die Taxifähre, von denen es hier zahlreiche gibt, bestiegen und einen ersten Ausflug in die Innenstadt gemacht. Und es hat uns immerhin so gut gefallen, dass wir direkt beschlossen haben, uns für ein paar Tage mit der Pami hierhin zu verholen.

Wenn man möchte, kann man direkt vor den Hochhäusern des Zentrums ankern. Kein Problem. Allerdings gibt es kaum Möglichkeiten mit dem Dinghi irgendwo festzumachen. Da liegt der Hase im Pfeffer! Was nutzt der schönste Ankerplatz, wenn man nicht an Land kann? Ein zugänglicher Jetty, wie die kleinen Anleger hier heißen, ist aber direkt zwischen dem Botanischen Garten und der City – was will man mehr!

JaJapami auf dem Brisbane River

Wir liegen also jetzt sehr malerisch direkt im Zentrum neben dem ausgesprochen schönen Park. Ankern in einem Fluss und dann auch noch mit Gezeitenströmung, ist für uns was Neues, zumindest seit sehr vielen Jahren! Im Moment gucke ich mittags ins Grüne und abends auf die illuminierten Hochhäuser und die Brücke. Wie bestellt, das Panorama!

Der Ficus Benjamina sieht von Bord aus wie eine Weide!

Der Fluss ist leider trüb braun, aber schwimmen kann man hier sowieso nicht. Bullenhaie kommen wohl auch so weit landeinwärts noch vor! Dafür gibt es gleich neben dem Fluss die South Banks Parkanlage mit großer Wasserlandschaft, die von richtigem Schwimmbad bis knöcheltiefen Kleinkindvergnügen alles bietet. Kostenlos, für jeden zugänglich, mit viel Gastronomie drumrum — ein echter Familientraum!

Fließender Übergang von einem Gewässer zum nächsten.
Statt Tauben picken hier Ibisse die kalten Pommes vom Boden!

Brisbane gefällt uns sehr gut. Die Stadt hat die richtige Größe um einen nicht total zu überfordern und trotzdem alles zu bieten. Mich erinnert es sehr an Düsseldorf: Die Rheinuferpromenade, der Volksgarden, die Innenstadt und die Kö – alles da! Auch die Restaurants lassen kaum Wünsche offen. Wir waren schon deutsch, thailändisch, Sushi, italienisch und indisch Essen und waren immer sehr zufrieden. Die Weine sind wunderbar und die Biere vielfältig. Nur mit Woolworth, Aldi und Coles, den großen Supermärkten, werden wir noch nicht so richtig warm. Alles Frische ist sehr gut, aber der Rest… na ja. Und einen so tollen Lebensmittelladen, wie in der großen Mall in Carinsdale haben wir bisher nicht finden können.

Die Menschen sind nett und zeigen die selbe, bunte Mischung wie in jeder westlichen Großstadt. Natürlich mit einem höheren asiatischen Anteil. Ich bin überrascht, wie kalkweißhäutig hier viele sind! Dabei sieht man nie jemand in langen Hosen. Hier muss sehr viel Sonnencreme im Spiel sein, denn die Sonnenintensität ist echt der Hammer. Selbst wenn man aus Polynesien kommt!

Die Vegetation ist wunderbar, auch wenn ich bislang nur die domestizierte Variante gesehen habe. Dazwischen, statt Tauben, die skurrilen Ibisse, die nach kalten Pommes picken und Schwärme von schönen, weißen Kakadus, die in den Parkbäumen landen. Koalas, Kängurus, Spinnen und Schlangen haben wir auch schon gesehen. Allerdings nur ausgestopft… Denn wir waren in einem naturkundlichen Museum und in der Brickman Lego Ausstellung. Beides echt toll für unsere Familie!

Unglaubliche Lego-Kunstwerke!

Bald soll es weiter Richtung Süden gehen, bevor uns ein nächster Zyklon hier wieder für Tage festhält! Vorher gehen wir aber auf jeden Fall noch mal Essen und Einkaufen! 😉

Weihnachten und die ersten Tage in Freiheit

Natürlich ist es nicht toll, 14 Tage in einem Hotel eingesperrt zu sein, aber für uns war es aus verschiedenen Gründen ganz erträglich. Die Kinder und die Suite haben den großen Unterschied gemacht! Frühstück, Schule, Kitzeltoben, Gymnastik, Badewanne und Mittagessen – der halbe Tag ist rum. Lesen, spielen, Weihnachtsbasteln, bis es endlich 17.45 Uhr ist und Internet mit Minecraft, YouTube und co., von den Eltern freigegeben wird. So sind die Tage nicht in endlosem Rumgehänge versumpft.

Wir mussten eine Zeit festlegen, damit es nicht total einreißt und so hat das Abendessen regelmäßig ein recht stressfreies iPad-Ende gesetzt. Abends wurde Deutschland dann langsam wach und wir haben viel telefoniert, wenn wir nicht mit den Kindern was zusammen geguckt haben.

Alle Weihnachtsdeko wird aus Tüten, Boxen und Besteck der Essenslieferungen gebastelt.

Online Bestellungen waren möglich, aber nicht so einfach wie gedacht. Kabel, Rasierer und das Christkind haben ihren Weg in unsere Hütte gefunden. Ein Weihnachtsessen zu organisieren, hat JD allerdings etliche graue Haare wachsen lassen! Das vom Hotel gelieferte Essen, hat nämlich in der zweiten Woche deutlich an Qualität eingebüßt. Heiligabend mit Fish and Chips, nachdem es 14 Tage lang gefühlt ständig Pasteten, Wraps und Frittiertes gegeben hat? Och nö.

Am Ende hat er es doch noch geschafft und nach einer recht schönen Bescherung, mit Singen vor dem selbstgebastelten Baum und vielen Lego- und Spielegeschenken, gab es für jeden was er liebt: Steak, Lachs und Kartoffelpüree!

So haben unsere anfängliche Trennung und Weihnachten, die Zeit recht kurzweilig gemacht. Auch wenn wir auf erstere Erfahrungen liebend gerne verzichtet hätten!

Unser erster Tag in Freiheit hat sich dann leider zu einer Katastrophe, mit nur einem einzigen, kurzen Lichtblick entwickelt und bedarf einer etwas ausführlicheren Schilderung:

Alle Taschen, Kaffeemaschiene, Nähmaschiene, Spielzeug gepackt? Nichts vergessen? Frühstücken will auch keiner? Dann können wir los!

Das Telefon klingelt und ich sehe JD sofort an, das die Rezeption nicht einfach Bescheid sagt, dass sie uns jetzt holen. Er wird erst blass, dann rot und zischt etwas wie, dass wir alle gestern getestet worden sind und jetzt mit gepackten Taschen vor der Tür stehen. Dann hält er mir den Hörer hin, unfähig noch ein Wort zu sagen, ohne den Typ am anderen Ende, durch das Telefon zu erwürgen. Ich versuche ruhig zu bleiben, als mir erklärt wird, dass von Jan-Dirk kein Testergebnis vorliegt. Davon das unsere Quarantäne jetzt abgelaufen ist, dass wir ohne PCR nicht gehen dürfen und das wir eine Familie sind, die gleichzeitig getestet wurde, weiß er nichts. Auch nicht, dass wir jedes mal wenn unsere Proben genommen wurden, gebeten haben JDs Geburtsdatum zu korrigieren – auch in den Listen, nicht nur auf dem Röhrchen! Ja, na gut, dann suche ich wohl noch mal und melde mich wieder, sagt er schließlich. Man man man.

10 Minuten später meldet sich die Polizei. Sie kommen uns jetzt abholen. Den Test? ach ja, den haben sie gefunden. Falsches Geburtsdatum…

Sobald wir unten sind, sind wir auch frei und können das Gepäck stehen lassen um erst mal einen Spaziergang durch den Park zu machen. Das ist der Lichtblick des Tages! Die Sonne scheint, es ist schwülwarm und wir werden von einem großen Leguan und duzenden von Schmetterlingen, in üppigem Grün und blühenden Bäumen, begrüßt. Das bloße Laufen, nach sechs Wochen auf engem Raum, ist richtig Sport für mich. Nach einer halben Stunde tun mir die Füße und der Rücken weh und es zieht bedenklich in den Waden! Zeit endlich auf die Pami zurückzukehren.

Keine Kaninchen auf Brisbanes Wiesen!

Am Hotel kriegen wir unser Gepäck ausgehändigt und warten, ungemütlich auf einem Steinmäuerchen vor dem Eingang, auf das Taxi, das sie uns rufen wollen. Der Himmel verdüstert sich genau wie unsere Stimmung, als nach 45 min immer noch nichts passiert ist. Zum dritten Mal kommt jemand raus zu uns, diesmal nicht um zu sagen, dass es wegen Weihnachten noch etwas dauert, sondern mit dem flapsigen Kommentar, ob wir uns nicht bitte selber ein Uber-Taxi organisieren könnten, die Rezeption könnte kein normales erreichen. Bitte?? Wir haben nicht nicht mal eine simcard, geschweige denn einen Uber Account! Tja, dann wüsste sie auch nicht… Wir könnten ja eins von der Straße ranwinken? Während ich noch Luft für eine Erwiderung hole, hechtet JD auf die andere Straßenseite, wo tatsächlich ein Taxi an der Ampel wartet. 10 Minuten später fahren wir, mit all unserem Kram und uns, auf zwei kleine Wagen verteilt, zur Rivergate Marina.

Es regnet, meine Fahrer kennt denn Weg nicht, fährt kriminell schlecht, die Kinder quengeln und die Marina ist wirklich am Ar… der Welt. Die Pami ist feucht und ungastlich, das Teak am Eingang voller Vogelschiete. Es ist der 25. Dezember, keine Menschenseele ist zu sehen und auch kein bisschen Weihnachten. Nach einer Ewigkeit gelingt es JD, nochmal ein Taxi zum einzigen, offenen Supermarkt zu organisieren. Schließlich sind von der Überfahrt nur noch 3 Zwiebeln und ein bisschen Knoblauch übrig und Essen gehen können wir uns offensichtlich heute auch abschminken. Alkohol allerdings, erfährt er im Laden, wird hier und heute nicht verkauft. Der Tag endet doof wie er begann. Mit einem, immerhin frischem, leckeren Salat einer Invasion von Mücken und sandflys und alkoholfreiem Bier…

Am 26. kommt der Herr von der biosecurity and agricultur um uns endgültig in Australien einzuchecken. Ein Blick auf unsere frischen Einkäufe und mein Stresslevel steigt schon wieder bedenklich: Möhren, Gurken, Tomaten, alles muss in den Sondermüll! Der australische Kassenbon nutzt überhaupt nichts, auch nicht die schlichte Tatsache, das keines dieser Früchtchen, sechs Wochen nach Polynesien, noch so aussehen könnte! Regel ist Regel und frisches darf einfach nicht an Bord bleiben.

Dabei ist der Beamte sehr nett, guckt im Kühlschrank nicht so genau hin und konfisziert nur was er unbedingt muss. Reis (das ahnten wir nicht und hatten ziemlich viel) Linsen, Saaten fürs Brot. Während er da ist, dürfen wir essen was wir können. So werden Pfirsiche, Tomaten und Erdbeeren doch noch „gerettet“. Nach Termiten und Ameisen wird hingegen sehr gründlich gefahndet. Zum Glück und erwartungsgemäß ist die Pami sauber. Endlich ist das auch überstanden und wir dürfen die gelbe Flagge streichen!

Jetzt wären wir endlich wirklich frei, überall in Australien hinzusegeln, auch nach Sydney zum Sylvester Feuerwerk, aber das Wetter spielt nicht mit. Völlig ausgeschlossen es auch nur zu versuchen. Wir ergeben uns den Umständen, versuchen erst mal richt anzukommen und warten auf den nächsten, nicht verregneten, Tag um uns in eine schönere Umgebung weiter südlich zu verholen.

Gestern Abend wurde es hier dann zum ersten Mal richtig nett. Wir sind zur nahen Brauerei gelaufen, haben Pelikane, Kröten und Menschen bestaunt, sind frei über Wiesen und richtige Bürgersteige getobt und haben selbstgewähltes Essen und Bier genossen. Jetzt haben wir wieder die Kontrolle über unser Leben und es kann nur noch besser werden!

Polynesien nach Australien in Bildern

Julie down under 😁
Little monkey 🐒
Ob Seegang oder nicht, morgens macht unsere Crew erst einmal Yoga.
Es wird finster am Horizont. Wir bergen den Gennaker.
Wir sind mitten drin. Es schüttet, aber der Wind bleibt bei unter 30 Knoten.
Van Halen…
…Jump! Jump!
4000 Meter Wasser unter uns, als sich eine Leine in den Propeller wickelt. Die See ist ziemlich ruhig und Carlos kann uns freischneiden.
Auf der Suche nach dem Tiefenmesserfehler in den Eingeweiden der Pami.
Thunfisch am Haken: ohne den Anglergürtel geht es nicht und trotzdem reißt er sich am Ende los.
Sun Downer

Beverage Reef, mitten im Pazifik

Das Beverage Reef von außen, kurz vor dem Pass.
Geschafft! Wir sind in der Lagune!
Unglaubliche Farben! Mittig erkennt man gerade noch den Kiwi-Katamaran, der sich vom Pass her, unserem Ankerplatz nähert.
Für meinen Geschmack kommen diese Haie ein bisschen zu nahe. Geordneter Rückzug!
Der Käptn steuert aus dem Beverage Reef hinaus in die offene See.
1.Advent, wir backen Bethmännchen
Kinderchaos und drei Adventskalender
Der letzte Gin-Tonic wird schwesterlich geteilt!
Kollektives Garnelen pulen
„Almosen für den Bettler!“
Alle Mann an Deck zum bergen Gennaker! Ungemach voraus!
Die Genua wird vor dem Gennaker ausgerollt, um beim bergen den Druck aus dem großen Segel zu nehmen.
Eingerollt wird er gut gesichert, oder abgenommen und in der Segelbox verstaut.
Alles klar, Kaptn? Drinnen sieht es so gemütlich aus.
Die selbsterdachten Spiele sind die coolsten!
Du hast uns begleitet, in Flaute und Sturm, ohne Delle und ohne Wurm…
…nun ist es Zeit zu gehen, und wir sagen hungrig: Auf Wiedersehen!
Bald geschafft! Nur noch eine Nacht auf See!
Kurz vor dem Landfall, überhitzt der Generator und springt erst nach einer halben Stunde Kühlung wieder an.
Land in Sicht!!!

Tag 30 – die Ankuft in Brisbane, Teil 2

3.30 Uhr morgens, tiefschwarze Nacht, wir sind kalt, müde und aufgeregt. Ein Scheinwerfer blitzt, vom Büro aus, über uns hinweg. Wir sind also gesehen worden, aber keiner kommt um die Festmacher anzunehmen.

JD manövriert vorsichtig an einen Finger der Box heran, so das Carlos rüberspringen und die Leinen annehmen kann. Dann sind wir fest. Ruhe im Karton, nach knapp 30 Tagen Geschaukel. Einmal tief durchatmen.

Nur kurze Zeit später, erscheint schon das Empfangskommando. Sechs oder sieben schwarz gekleidete, natürlich maskierte, Beamte mit Taschenlampen und vielen Fragen. Zoll, Einwanderung, Agricultur, Queensland Health stehen vor uns auf dem Ponton: Bitte nicht das Boot verlassen! Haben alle Masken an? Ist jemand krank? Bitte die Pässe, und diese Formulare ausfüllen, bitte alle einmal in den Lichtkegel und kurz die Maske abnehmen. Wo sind Paul und Michel? Weibliche Stimme aus dem Off: Lass sie schlafen bis wir fertig sind, wir können sie zum Schluss angucken! (Danke Schwester.)

Kann jemand schon mal mit dem Ausfüllen beginnen während wir den Kapitän befragen? Wir wollen uns doch alle ein bisschen beeilen, right? Von den Gesprächen kriege ich nicht so viel mit, während ich gehetzt Namen und Passdaten eintrage und parallel überlege, ob ich den Kindern schon warme Sachen rausgesucht habe und ob ich jetzt wirklich Brotmesser und Brett noch mitnehmen soll.

Dann fragt eine junge Frau, wer denn den Blog geschrieben hätte? (Schluck, das haben die Behörden gelesen? Was habe ich nochmal genau geschrieben?) Ich! Sie guckt mich freundlich an und meint, ich solle die Nähmaschine unbedingt mit ins Hotel nehmen… wie nett! Wird gemacht!

Der Druck wird erhöht, wir sollen uns jetzt wirklich mal beeilen. Das Taxi wartet schon vor dem Marina Gate! Warum wohl, wüsste ich gerne. Wollen die einfach nur schnell wieder ins Bett? Oder gibt es einen anderen Grund? Wir werden es wohl nicht erfahren.

Die Jungs werden geholt. Zitternd aber munter zeigen sie dem Zollbeamten ihr Gesicht und beantworten ein paar Fragen in flüssigem Englisch. Gut gemacht!

Im Angesicht unserer Gepäckberge, werden wir ermahnt, dass wir auf keinen Fall zweimal zum Taxi laufen dürfen und das sie nichts von uns anfassen dürfen. Kein Problem, wir haben ja unseren Klapptrolly! Ein letzter Rundumblick: alles aus und verschlossen? Okay, dann kann’s losgehen. Polizei vor und hinter uns, werden wir wie Sträflinge zum Taxi eskortiert. Und auch während der Fahrt bleibt die Polizei hinter uns.

Hier muss ich erst noch einmal meine Schilderung, der Realität anpassen. Es ist schon sehr interessant, wie der Blickwinkel und der emotionale Zustand, die Wahrnehmung beeinflussen!

JD sagt, dass sie alle ausgesprochen freundlich waren! Sie durften nichts anfassen, haben aber geholfen, so gut sie konnten. Zum Beispiel, die Festmacher mit den Füßen runter gedrückt, um uns näher ranzuholen. Auch waren mitnichten alle schwarz gekleidet. Ich habe halt nur die schwarze Polizeiuniform wahrgenommen. Es war auch nicht nur eine Frau, die die Kinder schlafen lassen wollte, sondern es waren sich alle einig. Und den Zeitdruck hat er auch nicht so krass empfunden wie ich. Tja, so schnell kann man ein falsches Bild erschaffen, wenn man die Dinge zu einseitig betrachtet!

Vor dem Hotel müssen wir lange warten und dürfen nicht aussteigen. Dann werden Carlos und Julie gerufen und verschwinden. Wir können nicht mal Tschüss sagen, so überrumpelt sind wir. Dann kommt der junge Polizist zurück und erklärt, als wäre es die normalste Sache der Welt, das kein Doppelzimmer mehr frei wäre und wir, je ein Elter ein Kind, für die zwei Wochen in getrennte Zimmer müssten.

Mich überflutet nackte Panik, schlimmer als vor jedem Sturm, und das sieht und hört man mir wohl auch an, als wir lautstark protestieren. Der junge Mann wird unsicher, versucht zu beruhigen und verschwindet schließlich wieder Richtung Rezeption.

Nach bangen Minuten, in denen JD schon die Nummer der Deutschen Botschaft raussucht, kommt er wieder und bietet uns folgendes an: die Kinder können zusammen bleiben und einer von uns geht für ein, zwei Nächte in ein Einzelzimmer. Dann können wir gemeinsam in ein freiwerdendes Doppelzimmer umziehen. Wir willigen zögerlich ein. Können wir uns auf das Wort verlassen? Oder werden aus den 2 Nächten vielleicht doch 5, oder 10?

In aller Eile sucht JD ein bisschen Wäsche, Kosmetik und ein iPad aus den verschiedenen Taschen zusammen. Ein letzter Blick zurück, dann verschwindet unser Papi mit einem Polizisten Richtung Aufzug. Ich kriege kaum noch mit, was mir erzählt wird und stolpere irgendwann, mit beiden Jungs und all dem Gepäck, in ein kleines Zimmer mit zwei Betten.

Die große Überraschung ist ein Minibalkon und die Tür ist nicht zugeschraubt! Wir können ihn betreten! Als ich am Geländer stehe geht die Sonne auf und es riecht nach Land und Grün und Stadt. Die Kinder erkunden fröhlich und munter jede Ecke und Papi ruft uns schon aus seinem Zimmer an. Gleich gibts Frühstück und danach ein kuscheliges, gar nicht schwankendes Bett. Wird schon alles irgendwie gutgehen!