Rund Raiatea

MOTU La Pirogue. Im Hintergrund JaJapami vor Tahaa

Tahaa und Raiatea liegen dicht beieinander und sind von einem einzigen, großen Barriereriff umschlossen. Wir haben von Huahine erst Tahaa angelaufen und sind danach, in einer eleganten Schleife, einmal rund um Raiatea. Eigentlich könnten wir jetzt einen kleinen Küsten-Restaurantführer für hier herausgeben!
Ungefähr alle zwei Tage ein neuer Ankerplatz und die meisten davon, mit Bedacht so ausgewählt, dass ein kleines Restaurant in Dinghi Reichweite liegt. Um sowas zu finden, braucht es übrigens nicht mehr viel Pioniergeist: Wir haben hier überall Internet und gucken einfach bei GoogleMaps nach! Gerade bei den kleinen Hotels, sollte man unbedingt einen Tisch reservieren, und dann wird es manchmal lustig. Wir haben zwar beide mittlerweile einiges an Französisch gelernt, sind aber noch weit, weit davon entfernt, flüssig zu sprechen. Ich rufe also da an und frage: „Ia Orana, Bonjour, parle vous englaise?“ Auf ein energisches „No“, antworte ich dann meist mit „Ici le catamaran in front of you. Ce possible un reservation pour dinner tonight?“
Ich könnte natürlich einfach mal nachgucken, wie man das korrekt auf Französich sagt. Dann würde sich aber konsequenter Weise ein französischer Wortschwall über mich ergießen, den ich unmöglich verstehen kann. Also bleibe ich bei meinem „Frenglisch“, wodurch sich mein Gegenüber meist auch noch über jedes weitere Wort, was mir in seiner Sprache einfällt, freut.
Häufig sind es Frankreich-Franzosen, die hier die Restaurants betreiben und schon mal kommt jemand mit ein paar halb vergessenen Sätzen Schuldeutsch zu uns an den Tisch. Also Verständigungsprobleme gibt es eigentlich nicht und irgendwie macht es auch immer ein bisschen Spass (vor allem, wenn am Ende ein leckeres Essen dabei rauskommt)!

Brotzeit zum Abendessen. Die Jungs sind begeistert und futtern in höchster Konzentration!

Weniger witzig sind Sprachbarrieren, wenn man zum Arzt muss. Das haben wir natürlich auch schon erlebt. Manchmal aber kann ein Arztbesuch auch ungeahnte Nettigkeiten nach sich ziehen. So geschehen, als ich hier wegen einer Halsentzündung, fachkundige Hilfe gesucht habe: Die Ärztin hatte ihre Praxis nahe dem Anleger und als ich ankam, saßen schon fünf wartende Patienten, vor der Tür auf dem Verandawartezimmer. Alles Polynesier; eine bunte Mischung mit bunten Masken und brav immer mit einem Platz Abstand (obwohl die ganze Insel nur einen positiven Fall hatte). Die älteren Damen trugen bunte Knöchellange Kleider und zwei auch Blumenkränze auf dem Kopf, als wären sie auf dem Weg zu einer Hochzeit. Sehr schön anzusehen und offensichtlich reine Geschmacksache, ob man dieses blumig-polynesische bevorzugt oder nicht. Die junge Mutter trug auf jeden Fall Shorts und Top wie ich und der arme Kerl mit dem entzündeten Bein, irgendwas Schmuddeliges. Ungewöhnlich war die Anwesenheit einer Sprechstundenhilfe. Einer jungen Frau, wie einem Gauguin-Gemälde entsprungen! Als sie meine Daten eingibt, fängt sie auf einmal an zu strahlen und erklärt mir auf französisch, dass ihr Chefin auch Alleman ist! Was für eine Fügung!
Natalie ist so alt wie ich, Mutter französisch, Vater deutsch und hat als Kind in Deutschland gelebt. Wir kommen so ins quatschen, dass wir uns kaum um meinen Hals kümmern können. Am Ende verabreden wir uns, dass sie mit Mann und den zwei kleinen von vier Kindern, am Samstag zu uns auf Boot kommt. Es wird ein netter Nachmittag, wir telefonieren und schreiben uns weiter, und wir versuchen sie demnächst in ihrem Haus zu besuchen. Das sind so die Perlen der Begegnungen hier, bei denen man viel über Land und Leute erfährt. Aber auch viel über Gleichgesinnte, Reisefreudige, mit Pioniergeist.

Wer den Witz nicht versteht, hat die hängende Kokosnuss übersehen!

In Raiatea erkunden wir die Insel nur vom Wasser aus. Es ist hier überall so schön wie im Reiseprospekt. Zudem wenig los, der Großteil der Charterflotte an Katamaranen liegt ungenutzt im Hafen. Wir haben die meisten Ankerplätze für uns alleine. Hier ist wirklich Katamaran Gebiet: von den Tiefen um die Insel, geht es zum Aussenriff von 40 auf 2 Meter in steilem Hang. Wir hören von LOLA, mit denen wir uns alle paar Tage treffen, das es für einen Einrümpfer mit viel Tiefgang, richtig schwierig ist, einen Ankerpaltz zu finden. Für uns ist das nett und ein bisschen spannend. Vor uns das Barriereriff links ein malerisches Motu, hinter uns die Insel. Das Meer sieht aus als hätte jemand mit einem Lineal die Grenze zwischen dunkelblau und türkis gezogen. Ganz vorsichtig tasten wir uns über diese Grenze. Ich stehe am Bugsprit und versuche die Tiefe abzuschätzen, denn das Echolot ist erst kurz vor der Mitte des Schiffs, also eine recht späte Warnung, um auf der Hinterhand kehrt zu machen.
2 Meter – 1,90 – 1,80 – 1,70 (schön vorsichtig!) – 1,80 – 1,90 – Okay! Das geht! Da vorne ist auch genug Sandflächen ohne Korallen, also lassen wir das Eisen fallen.

Besonders schön war der Korallengarten vor der „Vogelinsel“. Die Kinder sind im Knietiefen Wasser geschwommen, wir Großen haben Nemo und Consorten einfach beim Waten beobachtet und Dinghi hinter uns hergezogen.


Schon mal klappt auch etwas nicht: Wir wollten eine Flussmündung erkunden; eine bekannte und empfohlene Tour mit dem Dinghi. Schon auf dem Weg vom Ankerplatz, zu der Bucht mit der Mündung, werden wir ganz schön erschreckt. Das riesige Gebiet einer aufgegebenen Austernfarm ist bekannt, aber normalerweise hängt an einer Boje ein Austernkorb. In diesem Fall waren die Bojen aber durch dicke Taue miteinander verbunden und wenn man mit dem Propeller in diese Fallstricke gerät, kann das ganz schön blöd werden! Im klaren Wasser konnten wir also plötzlich, bei voller Fahrt, direkt vor uns, eines dieser dicht bewachsenen Taue sehen. Gruselig! Aber zum Glück in zwei Meter Tiefe, also kein Problem. Auf dem Rückweg haben wir aber einen weiten Bogen um das Gebiet gemacht! Kurz vor dem Ende der tiefeingeschnittenen Bucht, wurde das Wasser dann plötzlich schlammbraun und flach und wir haben planmäßig den Motor angehoben und angefangen zu paddeln. Unplanmäßig war eine ordentlich starke Strömung und eine deutliche Äußerung meines Rückens, dass die Bewegung eines 250 Kg Dinghis mit kleinen Paddeln, für mehr als fünf Minuten, definitiv nicht angeraten ist! Wir mussten also den ganzen, weiten Weg zurück ohne etwas gesehen zu haben. Sengende Sonne, kurze, kleine Wellen in denen das Dinghi immer viel zu hard aufknallte, quengelige Kinder und genervte Eltern. Und alles selber Schuld. Super.

Eindeutig schöner war da die Besichtigung des größten und bedeutendsten Marae in ganz Polynesien. Ein großes Areal, das einstmals den Mittelpunkt der spirituellen Kultur hier bildete.

Marae Hititai. 14.-15. Jhd., mittig der Initiationsstein

Nach der Umrundung kehren wir, mit LOLA, noch einmal zu dem so malerischen „Fish&Blue“ zurück um danach noch ein paar entspannte Tage an einer Mooring-Boje vor dem Städtchen zu schaukeln und einzukaufen. Die Bojen muss man natürlich bezahlen. In diesem Fall allerdings mit Naturalien: ein sixpack Bier oder Soda pro Tag. Auch eine interessante Variante!

Im „Fish&Blue“

Huahine

Huahine, im Hintergrund ist Raiatea zu erkennen

Huahine ist nicht gerade eine Berühmtheit in der Welt. Tahiti und Bora Bora, davon haben Viele schon gehört und denken an Südseeromantik, Palmen und türkisfarbenes Meer. Huahine liegt tatsächlich, mehr oder weniger, zwischen diesen beiden Gesellschaftsinseln und zwar nicht nur geographisch, sondern auch erdgeschichtlich. Ihr Aussenriff ist größer als das Tahitis und hat auch mehr Motus (Inseln am Außenriff), allerdings längst nicht so viele und große wie Bora Bora. Die 74 Quadratkilometer sanfter, grüner Hügel, verteilen sich auf zwei Inseln, die nur durch eine schmale Brücke miteinander verbunden sind.

Für uns ist dieses schöne, ruhige Eiland durch etwas ganz besonders geworden, das man eigentlich überall in Polynesien erwarten würde, was aber tatsächlich ausgesprochen selten ist: Ein Yachtclub im Hauptort und ein Hotelrestaurant mit Bootsanleger in einer wunderschönen Bucht im Süden, perfekt für unsere segelnde Familie!

In Fare, dem Hauptort, lieg der Yachtclub. Malerisch, direkt beim Ankerplatz, mit Blick auf die Bucht. Wer nicht in einem schwimmenden Haus wohnt, kann sich wahrscheinlich nicht so recht vorstellen, wieviel Mehrwert für den Alltag so ein Plätzchen bietet. Fare hat einen für hiesige Verhältnisse bemerkenswerten Supermarkt, dazu Apotheke, Zahnarzt, Autovermietung etc. Ist ein Familieneinkauf fällig, düst man in ein paar Minuten zu einem guten, sicheren Dinghidock (viele Docks sind nicht für Dinghis und man muss mit Klimmzug obenauf klettern, oder die Klampen sind lose oder verrottet wie das Holz oder das Schlauchboot schürft an Beton… da könnte ich jetzt einen eigenen Blog drüber schreiben). Mal eben hinfahren, festmachen, aussteigen und loslaufen ist also sehr erfreulich. Wenn man die Einkäufe danach, binnen 10 Minuten, wieder sicher im Boot verstaut hat, ist das noch erfreulicher. Und falls nichts dringend in den Kühlschrank muss, kann man auch einfach bei dem netten Nachbarn am Tisch im Yachtclub hocken bleiben und noch zur Happy Hour ein Hinano (tahitianisches Bier) trinken. Darüber hinaus ist die Speisekarte ausgesprochen ansprechend und wer uns kennt, weiß wie sehr wir das, vor allem Abends, genießen.

Fischfallen im Inselinneren

Wir hatten also eine gute Zeit in Fare. Mal Strand, mal Kayak, mal gesellige Happy Hour während die Jungs Krabben fangen, und einmal auch wieder einen Mietwagen um ein bisschen rumzufahren. Wahnsinnig viel gibt es hier nicht zu erkunden, aber der Tag hatte ein paar schöne Highlights. Wir sehen den Dschungel der Inseln ja meist nur von der Küste aus, da ist es immer toll, mal wieder mitten drin zu sein. Ein Flüsschen ist bekannt für seine blauäugigen Aale und Michel und ich fanden es super spannend, hineinzuklettern und die friedlichen Riesen vorsichtig zu streicheln. Sie sind unglaublich weich, so dass man die Berührung kaum spüren kann!

„Komm, mein kleiner Aal!“
1,5 Meter Weichheit mit blauen Augen

Kühe und Pferde wirken hier zwischen Lianen und Palmen immer noch etwas skurril auf uns, während wir die ständige Präsenz von verwilderten Hühnern und Hähnen, überhaupt nicht mehr wahrnehmen.

Natürlich gibt es auch hier ein Marae, eine der alten Kultstätten, zu besichtigen. Aber obwohl die große Steinkonstruktion sehr gut erhalten war, ist bei uns der Funke nicht so richtig übergesprungen. Wahrscheinlich muss man kinderlos ein wenig meditieren, damit man den Geist des Ortes spüren kann.

Zum Mittag waren wir in dem einzigen, geöffneten Snack, den wir gesehen haben. Es gab zwar nur ein Gericht, dafür war alles besonders sauber, hübsch gebaut und dekoriert. Selbst das Dach war mal aus echten Palmblättern und nicht, wie mittlerweile überall üblich, aus täuschend echtem Plastikimitat. Thunfisch mit Reis war zu erwarten, aber wir wüssten gerne mal, warum es hier überall und immer grüne Bohnen gibt? Selbst im schrömeligsten Minimarkt der abgelegenen Inseln finden sich Tiefkühl-„Haricot Verts“ in den Gefriertruhen. Seltsam, und uns wäre Brokkoli ehrlich gesagt lieber.

Kurz vor Ende der Tour haben wir noch neben dem Hotel geparkt, vor dem wir mittlerweile ankern. Die tolle Klettermagrove am Strand und die wirklich wunderschöne Bucht, haben uns dazu bewogen, gleich am nächsten Tag nach einem letzten Einkauf runter zu tuckern.

Wir ankern hier auf 1,80 Meter. Köpper von Bord ist also nur mit Vorsicht zu praktizieren und unter den Kielen könnte ich nur mit eingezogenem Bauch durchtauchen. Will ich aber auch gar nicht. Der Sandboden hier ist nämlich übersäht mit schwarzen Seegurken und obwohl diese Spezies völlig ungiftig sein soll, bin nicht mal ich scharf darauf, die Dinger zu berühren.

LOLA und ATREJU, die Einrümpfer, liegen vis-a-vie im tieferen Wasser und neben uns schwoit ein Hausboot im Pirouge-Stil. Wir vermuten, das es als Feriendomizil vermietet wird; sieht auf jeden Fall super aus! Das Hotel ist sehr seglerfreundlich mit Dinghidock und hat ein köstliches Restaurant direkt am Strand. Während wir bestellen und aufs Essen warten, können die Jungs am Strand spielen und – wie immer im Moment – Krabben fangen. Das alles zusammen bewirkt sehr entspannte Eltern und Kinder!

Bei einem Dinghiausflug mit den anderen Crews, finden wir ein Rudel Mantarochen. Hier leben zwar recht viele, aber es ist immer Glückssache, sie zu finden wenn man es darauf anlegt und Schnorchelsachen dabei hat! Während Carlos und Sanne, die ausnahmsweise die große Kamera mithat, sie vorsichtig im Boot verfolgen, springen Julie, Trols, Klein-Sally, Michel und ich ins Wasser. Das größte Tier hat ca. 2,5 m Spannweite und es ist unglaublich beeindruckend, wie es majestätisch unter uns hindurch fliegt. Immer wieder sehen wir sie ihre großen, langsamen Loopings drehen. Die beiden Großen im Dinghi behalten den Überblick und lotsen uns Schwimmer in die richtige Richtung, wenn wir die Riesen aus den Augen verlieren. Die beiden Kleinen sind begeistert und Michel würde soo gerne mal einen von ihnen streicheln, aber näher als zwei Meter kommen wir nie heran. Sie scheinen uns zwar überhaupt nicht zu bemerken, aber ich glaube nicht, dass dieser Abstand Zufall ist. Wir haben kleinere Adlerrochen gesehen, die, genervt von unserem Dinghi, ganz plötzlich in einem irren Tempo davon geflitzt sind. Mantas können, laut Wikipedia, 12 km/h erreichen, was sollen sie sich da von einem Menschlein stören lassen.

Michel im Landeanflug auf einen, im Rückensturzflug befindlichen, Mantarochen

Wale haben wir bei diesem Ausflug leider nicht gesehen, aber die Fahrt zum Aussichtspunkt am Rande der Lagune, war auch cool. Nicht dass da irgendetwas wäre, wo man hinkönnte. Wir sind einfach nur zu siebt in einem kleinen Dinghi, so nahe wie möglich an das Riff gefahren und haben Ausschau gehalten. Einfach ist das nicht. In dem ein bis zwei Meter tiefen Wasser, ist alles voll mit Korallenköpfen, manche bis zur Oberfläche, dazu starke Strömung und fünf erfahrenen Segler, die alle überzeugt sind, als einzige den richtigen Weg durch dieses Labyrinth zu erkennen! Ich muss grinsen, während ich das schreibe. Es hätte total nervig sein können, aber wir hatten alle Spass und haben Witze gemacht, wer denn jetzt eigentlich der Käpt’n ist.

Statt Walen haben wir dann unsere französischen Nachbarn beobachtet: Die haben ihr Dinghi neben uns geankert und sind in Neoprenkomplettmontur zum Riff geschnorchelt. Dann sind sie mühsam über die ca. 15 Meter Barriere gekrabbelt, vor der sich der Pazifik in hohen Wellen bricht und sie ständig mit Knöchel-, bis Kniehohen Wellen überspült. Ziel war natürlich draußen vor dem Riff zu schnorcheln, was auch sehr schön sein muss, aber wie das bei der Brandung gehen sollte, war uns schleierhaft. Ihnen offensichtlich auch, denn nach einer Weile sind sie unverrichteter Dinge wieder zurückgekehrt. Nun, wir waren nicht allzu mitleidig, denn sie haben uns schließlich eine interessante Show geboten.

Der Tag endete in einem fröhlichen Pot Luck Dinner auf der Pami. Jede Crew hat ein Gericht gekocht und am Ende waren alle Neune, satt, zufrieden, müde und leergequasselt.

Da seufzten drei Mäuse „Was für ein Tag!“ und sanken erschöpft in die Betten. (Bilderbuch; Drei mal Drei an einem Tag.)

Unterwegs nach Huahine

Fünf Uhr morgens, es ist kurz vor Neumond und noch stocke finster. Ich höre wie die Ankerwinsch arbeitet und die Kette rasselt. Nun gut, dann mal raus aus dem kuscheligen Bett. Ich kann den Käpt’n schließlich nicht alles alleine machen lassen. Dabei habe ich so gut, wie seit Wochen nicht, geschlafen! Ruhig und dunkel und die Luft duftet so frisch. Wir sind nämlich nicht mehr in der Marina Papeete, sondern am Anker in der Cook‘s Bay auf Moorea.

In den letzten Wochen hatten wir ausgesprochen nette Gesellschaft in der Marina. Hauptsächlich Europäer und bunt zusammengewürfelt, wurde mal auf diesem, mal auf jenem Boot, auf spanisch, deutsch oder englisch, geplaudert, geholfen und spontanen Konzerten gelauscht. Pianist, Journalistin, Ärztin oder Koch – alle haben sich für einige Zeit zu einem Leben unter Segeln entschlossen.

Die Jungs haben ihre Freunde von der OLENA wiedergetroffen und auch der deutsche Fritz ist mal wieder für ein paar Tage über unser Boot getobt. Wir haben die nette Auswahl guter Restaurants ausgiebig genutzt, und uns durch die Maskenpflicht möglichst wenig stören lassen. Es ist allerdings schon ein bisschen merkwürdig, wenn zum Einkaufen Kleidchen oder Hemd nicht dünn genug sein können, man aber seinen Kopf, mit Sonnenhut, -Brille und Maske, regelmäßig auf Siedetemperatur bringen muss. Nun ja, wenigstens verbrennt einem die Nase nicht mehr, weil man die Sonnencreme vergessen hat!

Seit im Juli wieder regelmäßige Flüge, mit Touristen und französischen Beamten stattfinden, hat sich der Virus natürlich auch in Polynesien wieder verbreitet. Die Fälle konzentrieren sich aber zum Glück, fast ausschließlich, auf die Hauptinsel Tahiti und es scheint alles einigermaßen unter Kontrolle zu sein.

Vor ein paar Tagen haben sich schließlich vier von den netten Booten, fast gleichzeitig, aber völlig unabhängig voneinander, entschlossen wieder Segel zu setzten. Alles repariert und gewartet? Die Schapps voll mit Lebensmitteln, die es nur in Tahiti gibt? Alle Brüche verheilt? Dann mal los, denn der Wind war gerade günstig! Nick und Lauri von SEA BEAR und Javier der Koch, haben uns die Leinen losgeworfen und nach einem wunderschönen ersten Segeltag, mit gutem Wind, Genaker, flacher See und Walsichtungen(!) haben wir für zwei Nächte in Moorea geankert. Keine Marinabeleuchtung mehr, kein Straßenlärm oder Superyacht-Partys bis zum Morgengrauen, kein schwarzer Staub in der Luft, von Stadt und Hafen. Nur leises Geplätscher und dieser zarte, typisch polynesische, Blütenduft in der Luft. Wunderbare Nächte.

Aber wir wollten ja weiter, zu den etwas entfernteren Gesellschaftsinseln. Deshalb muss ich jetzt auch zum Bug krabbeln und versuchen, im Dunkeln die Kette zu erkennen, um dem Käpt’n die Richtung zum Anker im Sand zu weisen. Denn nur wenn man Kette und Anker möglichst senkrecht an Bord hievt, vermeidet man so weit wie möglich, Schäden an Korallen und Ankerwinsch. Die Kinder schlafen einfach weiter, während wir im Morgengrauen durch den Pass von Moorea fahren und draußen Groß und Genaker setzten. Bleibt uns Aeolos gesonnen, sollten wir noch vor Sonnenuntergang in Huahine sein und bei LOLA und ATREJU ankern können.

Der Tag ist nicht ganz so gemütlich wie erhofft. Zwar bleibt der Wind beständig, aber die, für den Pazifik leider so typischen Kreuzseen, machen es vor allem Michel schwer. Zum Glück haben wir ja mittlerweile eine riesige Auswahl an Hörbüchern. So begleiten uns für 13 Stunden die drei ???, Mogli und Rüdiger, der kleine Vampier. Kochen geht auch gerade noch, daher können die Lütten den ganzen Nachmittag pürierte Gemüsesuppe mit Strohhalmen nuckeln. Das ist perfekt für solche Seetage!

Perfekt ist auch die Ankunft in Huahine: es ist gerade noch hell, Carlos eilt sofort im Dinghi herbei und weißt uns einen super Ankerplatz mit 12 Metern auf sehr gut haltenden Sand. Und der Hefeteig ist auch gut gegangen. So sitzen wir schon nach kurzer Zeit, müde aber gemütlich Pizza schmausend, im Cockpit und freuen uns auf ein neu heruntergeladenes ZDF Märchen: „Der Zauberlehrling“.

Von Freud und Leid

Zu unser aller großer Freude ist Michels Bein bestens verheilt und am 11. August konnte der Gips ganz abgenommen werden. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut sich Kinder nach so etwas wieder regenerieren! Er konnte tatsächlich sofort aufstehen und die ersten staksigen Schritte machen! Den Rollstuhl haben wir trotzdem noch etwas behalten. Bis in den Park, oder zu manchem Restaurant ist es noch zu weit und anstrengend, aber Frisbee spielen geht schon wieder und schwimmen sowieso.

Letzte Woche hatten wir noch einmal Karten für eine der lokalen Heiva-Tanzaufführungen. Während letztes Jahr wochenlang Tanzwettbewerbe zwischen verschiedenen Inselgruppen, und kleinere und größere Shows überall stattfanden, war dieses Jahr, Covid-bedingt, nur sehr wenig los. Wir hatten echt Glück, dass wir diese tolle Darbietung noch genießen konnten. Zwischenzeitlich hat sich Polynesien nämlich wieder ganz den Touristen geöffnet. Von unserem Liegeplatz sehen wir nun täglich „Covid-Bomber“ landen und können spekulieren, wieviele positive Amerikaner und Europäer wohl diesmal an Bord sind. Trotz freiwilliger Quarantäne und Selbsttests, ist die Fallzahl hier, binnen Tagen, von 0 auf über 150 gestiegen. Es herrscht wieder Maskenpflicht und moderate Einschränkungen in der Gastronomie. Nun gut, das war zu erwarten und wir sind froh, dass es wenigstens keinen weiteren Lock down geben soll.

Das Versammlungsverbot von über 50 Leuten, kam zum Glück erst kurz nach der Show. So hatten wir einen langen Abend Zeit, uns die bemerkenswerten Tänze dieser schönen Polynesier, die mit allem geschmückt und dekoriert waren, was die Natur hier zu bieten hat, anzuschauen. Anmutig sind sie, und vor allem die Männer, unglaublich kräftig. Der Hüftschwung der Mädels, läßt sicherlich sämtliche, orientalische Bauchtänzerinnen erblassen und dazu diese unglaublich Flut von langen, dichten, dunklen Haaren! Einfach toll!

Die Jungs haben tatsächlich erst kurz vor dem Ende angefangen zu quengeln, dass sie nach Hause wollen und das will echt was heissen!

Hier ein paar Fotos (Quelle: Fotograf Mike Leyral für Tahiti Nui Television, https://www.tntv.pf/tntvnews/o-tahiti-e-rend-son-dernier-souffle/)

Natürlich ist auch mal wieder etwas am Schiff kaputt gegangen: Der Wassersammler des Generators war durchgerostet. Zum Glück ist uns das hier, in Tahiti, bei einer Motorraum-Putzaktion, aufgefallen, bevor mehr als nur ein paar Tropfen austreten konnten. In Papeete ist es kein Problem gewesen, einfach bei unserem Lieblingsschweißer ein neues Teil fertigen zu lassen. Das Original vom Hersteller THOR hatte zwar Edelstahl V4A, aber mit einer Wand“stärke“ von weniger als einem Millimeter. Jetzt haben wir Dank Jean-Philippe ein Teil aus 4 mm! Das sollte für einige Jahrzehnte halten 🙂

Passend zu Michels wiedergewonnener Beinfreiheit, gab es auch Nettes für die Jungs. OLENA hat mit ihren drei Kindern, nach über einem halben Jahr, mal wieder in der Nähe geankert. Sie kamen uns schon für einen langen, glücklichen Spieltag besuchen und wir werden sicher die Tage mal zum Schwimmen und spielen, mit dem Dinghi, zu ihnen rausfahren.

Es gab auch einen Kindergeburtstag, wie immer im Park, mit Topfschlagen und Torte und allem was dazugehört.

Und dann sind wir vorgestern noch alle zusammen Blumen sammeln gegangen. Blumen für Eddies Trauerfeier. Wir kannten ihn nicht gut, er und seine Schwester waren und sind schon Teenager, so haben die Kinder, in den zwei Wochen die wir Nachbarn waren, sich nicht zum Spielen gefunden. Dennoch war natürlich die Nachricht von seinem Tot, für uns, und alle um uns herum, ein großer Schock. Eddie ist beim Schnorcheln von einem Boot überfahren worden und an den schlimmen Verletzungen noch am Strand gestorben.

Um ihn zu verabschieden, haben sich über 50 Dinghis und Boote im flachen Wasser der Lagune versammelt und Blumen auf das Meer gestreut. Es war herzergreifend.

Dank der vielen, anwesenden Kinder, wurden die Tränen aber bald weggewaschen. Seine Schwester ist als Erste, einfach aus dem Boot gesprungen. Eddie hat das Meer so geliebt, hat sie gesagt und wir sollen doch zu ihr kommen. Auf so etwas hatten die Kleinen natürlich nur gewartet und mit ihnen sind auch die meisten Großen, wie sie grad waren, in die Blüten getaucht. „Bittersüß“ war das Erste, was mir dazu in den Sinn kam.

Das Leben hier, geht natürlich weiter. Unsere Schule läuft im Moment sehr gut. Paul und JD kommen in Englisch-Unterricht sehr gut voran, während Michel bei mir gerade erstaunlich schnell Lesen und Schreiben lernt. Er profitiert sicher auch davon, dass ich durch Paul schon weiss, wie hier der Hase läuft (nämlich sehr hasig: hakenschlagend im stopp-and-go 😉

Für Sonntags haben wir Musikunterricht eingeführt. Das Internet bietet hier tolle Sachen und so saßen wir gestern stundenlang bei Strawinskys „Feuervogel“ und letzte Woche bei „Peter und der Wolf“. Ein Themenkreis, bei dem zumindest ich mit den Kindern zusammen was lernen kann.

Unser zehnjähriger Hochzeitstag liegt zwar schon ein paar Tage zurück, aber mit diesem Bild soll er auch kurz gewürdigt werden.

Jetzt ruft der nächste Geburtstag. Der dänische Papa von schräg gegenüber hat zum Sundowner geladen. Da gehe ich wohl besser noch mal schnell Duschen…

Geburtstage und Gips

Unser Geburtstagsmarathon liegt nun auch schon wieder zwei Wochen zurück.

In der Marina ist es viel ruhiger geworden. Wer dringend Richtung Westen musste, konnte, mit negativem Covid-Test, ein Permit für Fiji bekommen. So sind zwei befreundete Boote in der letzten Woche ausgelaufen. Auch das Familienschiff, mit Michels Geburtstagsgästen, hat sich auf den Weg nach Hawaii gemacht, unser netter Nachbar ist zurück nach Spanien geflogen und die Brieten kreuzen in Polynesien. Ein paar Freunde sind aber noch da und wer weiß, wer als Nächstes kommt? Wir müssen auf jeden Fall noch knapp drei Wochen bleiben: heute war Kontrolle für Michels Bein und obwohl alles bestens heilt, kommt der Gips nicht vor dem 11. runter. Nun gut, dass schaffen wir auch noch. Außerdem konnten sie den Gips um ein Drittel kürzen, so dass er jetzt das Knie wieder beugen kann.

Die versprochenen Fotos von JD’s Geburtstagsparty muss ich euch leider vorenthalten. Einige der Abgebildeten befinden sich zur Zeit auf hoher See und ich kann sie daher schlecht um Erlaubnis fragen. Aber seid versichert, das wir standesgemäß gefeiert haben! Xavier von nebenan hat, auf der Pami, Paella für 20 Leute zubereitet und nach einem glücklichen Geschlemme, wurde noch lange gefeiert und getanzt!
Bemerkenswert: keine zwei Gäste in der ersten Runde, stammten aus dem selben Land! Schweden, Kanada, Kanaren, Chile, Deutschland, Basken, Australien, England und Frankreich – ein sehr geselliges Durcheinander!

Auch Michel ist, trotz Gipsbein, nicht zu kurz gekommen. Zu seinem Geburtstag haben wir eine große Schokotorte bestellt und neben dem deutschen Peter und zwei weiteren Crews, haben die Mädels der CHASING WATERFALLS die Kinderfahne hochgehalten. Topfschlagen und Dosenwerfen im Park, war auch vom Rollstuhl aus möglich!

Weil es so ein erstaunlicher Zufall ist, sei hier noch kurz erzählt, dass Peter selbst Papa von zwei Jungs im gleichen Alter ist und seine deutsche Adresse tatsächlich in der gleichen Straße (!!!) wie unser vormaliges Domizil liegt! Die Welt ist ein Dorf, oder?

Tanzeinlagen mit Gips

Kurs Tahiti – zum Röntgen!

Fiel herab, fiel herab
Und das linke Bein war ab.
Kam der Doktor angerannt,
mit der Nadel in der Hand,
näht es an, näht es an,
dass sie wieder laufen kann.

Seit zwei Wochen gehen mir diese Verse im Kopf herum. Dabei war es Michels rechtes Bein, dass brach!

Ausgerechnet an Tuia’s Geburtstag, auf den wir uns schon so gefreut hatten. Denn unser letzter Kindergeburtstag, mit Party und Torte, ist schon eine ganze Weile her!

Wir saßen am Tisch, im Cockpit und haben nicht gesehen, was passiert ist, aber Michel hat es uns später ausführlich erklärt: Paul und er haben im Wasser gespielt und Michels Auftrag war, ein Teil vom Boot zu holen. Als er die Badeleiter hochkletterte, ist ihm die Leine von dem kleinen Surfboard entglitten und er wollten hinterher springen, um es wieder einzufangen. Irgendwie hat sich dabei der rechte Fuß oben in der Leiter verhakt und das Schienbein ist, unter seinem eigenen Gewicht, glatt durchgebrochen.

Die erste Stunde war die schlimmste. Wir haben mit Schmerzmittel und Ruhigstellen getan, was wir konnten und zum Glück war die Nummer des kleinen Medical Centers von Rangiroa gleich zur Hand. Sie haben den Krankenwagen zum Dock geschickt, während wir den armen Wurm ins Dingi verladen haben. Gott sei Dank war es ein ruhiger Tag und die Boote lagen ganz still!

Nach einer Viertelstunde holperiger Fahrt, wurden Michel und ich von einer Flasche Lachgas und ein paar ruhiger, erfahrener Hände in Empfang genommen, das Bein vorsichtig abgetastet und dann fachmännisch eingegipst. (Ich lasse den Satz mal so stehen – wer mag, darf schmunzeln 😉

Leider gibt es kein Röntgen- oder Ultrschallgerät auf Rangiroa. Wir mussten also möglichst schnell nach Tahiti ins dortige Krankenhaus, um sicherzustellen, dass keine OP nötig war.

Auf perfekten Wind konnten wir natürlich nicht warten, aber ein paar Tage, bis es zumindest halbwegs vernünftig aussah, mussten es schon sein. Im Nachhinein war das auch in Bezug auf den Bruch ziemlich gut, da die ersten zwei Tage, mit Abstand die schlimmsten waren. Als wir schliesslich Anker auf gegangen sind, hatten alle vorher wieder eine Nacht durchschlafen können und Michel war in Ruheposition, auch ohne Medikamente, fast schmerzfrei.

Wir haben nur schweren Herzens von Rangiroa Abschied nehmen können, aber es wäre auch ohne den Unfall an der Zeit gewesen. Es gibt viele, reizende Menschen dort und die Wasserwelt ist einfach unvergleichlich. Die Tauchgänge im Pass waren mit weitem Abstand die schönsten, die ich jemals gemacht habe. Auch Schnorcheln an der kleinen Koralleninsel, oder schlicht unter dem Rumpf der Pami, ist so wunderbar, wie man es sich nur vorstellen kann. Dennoch war es schließlich eindeutig an der Zeit, mal wieder Stadtluft schnuppern zu gehen.

Wie so oft in diesen Breiten, war auch für diesen Törn die Wettervorhersage knapp vorbei an der Realität. Leider auch diesmal wieder zu unseren Ungunsten… Den ersten Tag und die Nacht mussten wir fast permanent die Motoren bemühen. Dafür wurde die Welle und der Wind, mit 8 Bft, am zweiten Tag so ungemütlich, dass wir drei Kleinen nur in der Ecke hängen und Hörbuch hören konnten. Auch das hatte irgendwann ein Ende und wir konnten gegen 23 Uhr, direkt neben unserem alten Liegeplatz vom letzten Jahr, in der Marina Papeete festmachen. Hat sich angefühlt, wie nach einem langen Urlaub nach Hause zu kommen!

Als JD am nächsten Vormittag, beim Anmelden im Marinabüro unsere Geschichte erzählt hat, war der nette Hafenmeister nicht davon abzuhalten, sofort einen Krankenwagen für Michel zu rufen. Als Folge wurden er noch vor dem Mittagessen, von drei Feuerwehrleuten, mit einer Trage vom Boot abgeholt. Das Brimborium fanden die Jungs natürlich großartig!

Das Krankenhaus hier, speziell auch die Notaufnahme, hat einen hervorragenden Eindruck auf mich gemacht. Wir wurden schnell und professionell versorgt und da eine OP zum Glück nicht notwendig war, konnte Michel schon am Nachmittag, mit neuem, leichtem Gips, zurück aufs Boot.

Mit dem Kinderrollstuhl, den wir hier mieten konnten, flitzt er mittlerweile alleine durch die Restaurants, den Park, und sogar auf der Pami kann er von drinnen nach draussen rangieren. Es ist ja mittlerweile Winter hier. Um die 27 Grad tagsüber und 20 Nachts, also eigentlich perfekt und auch mit Gips gut auszuhalten. Wenn ich mir vorstelle, das wäre nach Weihnachten, bei 34 Grad passiert – Eieiei.

Mittlerweile ist der Unfall drei Wochen her, also noch drei weitere und dann kann der Kurze wieder laufen lernen! Langweilig war es seit dem keinen einzigen Tag hier. Es sind so viele nette Segler da, die wir teils neu kennen gelernt haben und teils schon vor Jahren getroffen haben. Lauri und Nick von SEA BEAR zum Beispiel, sind uns schon vor zwei Jahren in Panama gute Freunde geworden. Sie gehören zu den Seglern, die mitten auf dem Pazifik vom Lock down erwischt wurden. Galapagos hatte bereits zu gemacht, als sie dort ankamen. So mussten sie mit frischem Fisch, Reis und Dosenbohnen bis zu den Marquesas durchhalten. Ging wohl auch ganz gut.

Viele hier haben spannende bis dramatische Geschichten durch die Corona-bedingten Schließungen erlebt und nur die wenigsten haben einen echten Plan, wie es nun weitergehen soll. Französisch Polynesien ist noch ein virus- und touristenfreies Paradis. Zumindest Letzteres wird sich aber bald ändern und wir werden sehen wie es dann weiter geht. JaJapami macht auf jeden Fall noch keine Pläne. Es ist alles noch viel zu unsicher und uns geht es, von dem Gipsbein mal abgesehen, ja bestens hier.

In den letzten Tagen haben wir eine knackige Erkältung, Michels und JDs Geburtstag überlebt. Die beiden Partys haben aber eindeutig einen eigenen Blog verdient und JD beendet auch gerade die Vorlesestunde mit Tim und Struppi. So gehabt Euch denn wohl, liebe Leser!

Coq au Vin á la Lili

Hier in Rangiroa gibt es leider keine genießbaren Hühnchen zu kaufen. Gelegentlich findet man ganz gute, tiefgekühlte Schenkel, sehr selten auch mal Hühnerbrüste. Ich würde aber so gerne mal wieder ein Hühnchen aus dem Ofen essen!

Lili (unsere Freundin vom „Snack Lili“) war natürlich total verständnisvoll und wir haben schon vor Wochen überlegt, eines der freien, verwilderten Hühner zu fangen. Aber diese Streuner sind wie die Hunde: mager und verlaust und damit nicht besonders appetitlich. So gab es erst mal weiterhin hauptsächlich Fisch, Steak-Frites und Hamburger (Lilis Mahi-Mahi in Vanilla-Sauce ist übrigens sagenhaft lecker!!).

Vorgestern waren nur wir und ein weiterer Gast/Freund beim Dinner und nachdem die Bestellungen in der Küche gelandet war, kam Sie strahlend zu mir und hat in ihrem unvergleichlichen Lili-Englisch verkündet: „Anna (das bin ich)! My havn surprise for you!!! Come, come. Lookin!“ Also sind wir hintenrum, durch die Küche in ihr Haus. Und da saßen sie. Ein Hahn und ein Huhn, gackernd in ihrem Verandawohnzimmer.

Irgendwer hatte ihr dieses gar nicht verwildert aussehende Federvieh angeboten und sie hat an mich gedacht und zugeschlagen. Da gestern hier, und auch in Lilis Heimat Madagaskar, Muttertag war, und das Restaurant geschlossen, hat sie uns zum frischesten Coq au Vin eingeladen, das nur möglich ist.

Aus der Nummer kam ich nun nicht mehr raus. Erst rumtönen, dass ich für frisches Hühnchen auch selbst zum Hackebeil greifen würde und dann kneifen, geht natürlich nicht. Nach kurzer Einweisung, habe ich also schnell, zwischen Aperitif und Hauptgang, zwei Seelen in den Hühnerhimmel geschickt.

Nach dem Essen kam das Abbrühen und dann haben wir uns, zu viert, gemütlich an einen der Draußentische gesetzt, geplaudert und Lili und ich haben nebenbei die Hühner gerupft. Was für ein Idyll!

Paul und Michel fanden das alles übrigens nicht weiter bemerkenswert. Michel hat sich zwar ein Weilchen das gerupfte Huhn näher beguckt, wollte dann aber auch lieber wieder mit Paul und Lilis Sohn Tuja spielen.

Gestern morgen bin ich zum Ausnehmen und Filetieren noch mal schnell rübergefahren, wodurch wir abends nur noch schmoren mussten. Um es gleich zu sagen: geschmacklich war es ganz gut, allerdings war das Fleisch recht zäh. Nächstes mal mindestens zwei Stunden länger schmoren!

Ich fand die ganze Aktion sehr lehrreich, gar nicht ekelig, erstaunlich unblutig und ausgesprochen gesellig. Klar würde ich das wieder machen, allerdings entweder mit jungen, fetten Hühnern, oder dem Ziel einer Suppe, denn dann würden es meine Männer auch gerne essen!

Kissen überbord!

Zur Zeit herrscht eine sehr unglückliche Wettersituation in unserem Teil Polynesiens. Es ist schon seit Tagen windig und regnerisch, aber gestern und heute kam’s richtig dicke: 44 Knoten spitze und bestimmt 20 Minuten mit über 35 kt!

Als es gestern losging, war JD im Dorf einkaufen. So haben die Kinder und ich alles Regensicher dicht gemacht und wollten uns gerade zu einer Partie Risiko niederlassen, als sich die Windstärke in kürzester Zeit verdoppelte.

Ich stand drinnen und habe die Instrumente und die Anker der vier Boote in der Bucht beobachtet, als Paul bei der ersten 40-Knoten-Böe plötzlich schrie: „Mami! Die Kissen von oben sind ins Meer geweht!“ Tatsächlich, die beiden größten und schwersten Kissen vom Oberdeck, trieben direkt hinter dem Heck in den immer höher werdenden Wellen!

Ich habe Sekunden gezögert: Shorts ausziehen? Flossen suchen? Leine ausbringen? Schaff ich das?? Aber die Kissen trieben so schnell vom Schiff weg, das keine Zeit für irgendwas blieb – also bin ich einfach dem Aufruf meines Adrenalins gefolgt und gesprungen. Das erste hatte ich sofort beim auftauchen, das zweite nach zwei Schwimmzügen. Zum Glück haben die Kissen Laschen, an denen ich sie festhalten konnte und nachdem ich es geschafft hatte, beide in eine Hand zu bekommen, kam ich auch einigermaßen voran. Aber es war unglaublich anstrengend, zurück gegen die Wellen zu schwimmen. Ich habe viel Wasser geschluckt und konnte kaum etwas sehen.

Wenn die Kinder nicht gewesen wären, hätte ich es nicht geschafft und zumindest ein Kissen wieder loslassen müssen. Aber unsere cleveren Jungs hatten in der Zwischenzeit die lange Schwimmleine klargemacht, auf die Klampe belegt und mir entgegengeworfen! Die konnte ich gerade noch erreichen. Und dann haben sie mich auch noch bis zu Pami gezogen!

Als ich die Badeleiter erreicht hatte, konnte ich mich erst mal einen Moment ausruhen. Dann mussten die, mittlerweile völlig vollgesogenen, Matten an Bord. Wieder waren es die Jungs, die es gewuppt haben! Vom Wasser aus, konnte ich, vor allem bei dem ersten, kaum helfen. Wie gut, dass Paul schon so stark ist! Sie haben beide, nacheinander, an Deck gezerrt bekommen und waren nachher – absolut zurecht! – stolz wie Bolle und konnten es kaum abwarten, bis Papi endlich zurück war und sie die Geschichte erzählen konnten.

Ich dagegen, habe eine ganze Weile, in ein Handtuch gewickelt, nur still dagesessen, viel Wasser getrunken, und gewartet, dass sich mein Adrenalinpegel wieder auf ein normales Maß reduziert…

Confinement beendet

Französisch Polynesien hat das Confinement beendet. Wir sind wieder frei, im ganzen Land umherzusegeln. Die Grenzen bleiben aber weiterhin geschlossen.

JaJapami wird noch ein Weilchen in Rangiroa bleiben, bevor wir uns Richtung Tahiti aufmachen.

Unsere Haustiere hier! Oben: Jack und Jill die Schiffshalter, dann Elvis, dessen Frau nicht mit aufs Bild wollte. Die Stäflingsfische schwimmen interessanterweise oft Kieloben unter dem Propellerschaft. Und ein merkwürdiger Fisch, den wir Paul genannt haben!

Confinement Tag 55

Alles ruhig und entspannt auf der Pami. Die Tage vergehen in stetem Reigen aus Schwimmen, Schule, Kochen und Spielen. Nur gelegentlich unterbrochen, durch eine Einkaufsfahrt mit Lili, einen Landspaziergang zum Relais de Joséphine, oder eine Wasserversorgungs-Notaktion!

Regelmäßige Leser werden sich erinnern, dass uns Anfang März der Druckbehälter für die Frischwasserversorgung durchgerostet war. Mit Sikaflex, Brettchen und Schraubzwinge, war die provisorische Reparatur ganz gut – allerdings nur darauf ausgelegt, zu halten bis wir in Papeete einen neuen kaufen könnten. Dann kam das Confinement und wir sind Papeete noch keine Meile näher gekommen…

Ausgerechnet an einem Sonntag hat sich sich das Provisorium verabschiedet! Aber immerhin erst beim Frühstück, und nicht wieder mitten in der Nacht. Wir haben beide die Frischwasserpumpe anspringen hören, obwohl niemand an einem Hahn war, und wussten sofort Bescheid.

Zum Glück hat der Minimarkt auch Sonntag morgens auf, so dass JD gleich eine 25 l Wasserflasche kaufen konnte und wir nicht auf dem Trockenen saßen, nachdem der Haupthahn geschlossen war. Während er an Land war, habe ich Joséphine angerufen. Die nette Französin betreibt, mit ihrer Mutter, seit 20 Jahren das Relais, spricht sehr gut englisch und wusste sofort wer am Telefon ist. Schließlich sind wir im Moment fast die einzigen Gäste und plaudern, beim gelegentlichen Sundowner, immer sehr gerne mit Ihr.

Sie hatte auch tatsächlich eine Telefonnummer von einem Klempner parat, der allerdings Sonntag morgens erst einmal nicht zu erreichen war. Es war dann auch gar nicht mehr nötig, denn JD kam nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Hilfe zurück. Manua, der im Minimarkt arbeitet, hat sich über unseren Einkauf so gewundert, dass er gefragt hat, ob etwas nicht in Ordnung wäre und ob er helfen könnte? Wie nett und aufmerksam! Das haben wir gerne angenommen! Der blöde Druckbehälter wohnt nämlich tief unter dem Bett und man kann die Rohrverbindung nur Kopfunter hineinhängend lösen. Außerdem fehlte uns die passende Rohrzange und etwas mehr Armschmalz in dieser Position.

Manua kam Mittags in seinem Außleger-Kanu. Viele Tahitiens sind sehr kräftig gebaut und diejenigen, die den Nationalsport Pirogue (Kanu) fahren, ernst nehmen, haben eine bemerkenswerte Muskulatur! So hatte es unser Helfer nicht gerade leicht, sich in Arbeitsposition zu manövrieren, aber er hat nicht nur Das geschafft, sondern auch, mit viel Kraft, die Rohrverbindung aufgeschraubt bekommen. Dann hat er das Ding mitgenommen, mal eben von seinem Kumpel schweißen lassen, und wieder zurückgebracht. So konnten wir uns am Nachmittag schon wieder das Meerwasser abduschen. Was das für ein Luxus ist, merkt man erst wieder, wenn es mal nicht möglich ist!

Mehr Aufregendes ist in letzter Zeit nicht passiert. Dafür erweitern wir allmählich unseren Bekanntenkreis hier im Atoll. Gestern haben wir tatsächlich den halben Tag in fröhlicher Gesellschaft verbracht, und was das für ein Stimmungsaufheller ist, merken ja viele von uns gerade sehr deutlich!

Während wir Großen, mit unseren neuen Bekannten, erst bei Joséphine und später bei Lili im Garten geplaudert haben, sind die Jungs rumgeklettert, haben Eis gegessen und selig, stundenlang Hundewelpen geknuddelt und bespielt. Ein schöner Tag für Alle!