Kurs Tahiti – zum Röntgen!

Fiel herab, fiel herab
Und das linke Bein war ab.
Kam der Doktor angerannt,
mit der Nadel in der Hand,
näht es an, näht es an,
dass sie wieder laufen kann.

Seit zwei Wochen gehen mir diese Verse im Kopf herum. Dabei war es Michels rechtes Bein, dass brach!

Ausgerechnet an Tuia’s Geburtstag, auf den wir uns schon so gefreut hatten. Denn unser letzter Kindergeburtstag, mit Party und Torte, ist schon eine ganze Weile her!

Wir saßen am Tisch, im Cockpit und haben nicht gesehen, was passiert ist, aber Michel hat es uns später ausführlich erklärt: Paul und er haben im Wasser gespielt und Michels Auftrag war, ein Teil vom Boot zu holen. Als er die Badeleiter hochkletterte, ist ihm die Leine von dem kleinen Surfboard entglitten und er wollten hinterher springen, um es wieder einzufangen. Irgendwie hat sich dabei der rechte Fuß oben in der Leiter verhakt und das Schienbein ist, unter seinem eigenen Gewicht, glatt durchgebrochen.

Die erste Stunde war die schlimmste. Wir haben mit Schmerzmittel und Ruhigstellen getan, was wir konnten und zum Glück war die Nummer des kleinen Medical Centers von Rangiroa gleich zur Hand. Sie haben den Krankenwagen zum Dock geschickt, während wir den armen Wurm ins Dingi verladen haben. Gott sei Dank war es ein ruhiger Tag und die Boote lagen ganz still!

Nach einer Viertelstunde holperiger Fahrt, wurden Michel und ich von einer Flasche Lachgas und ein paar ruhiger, erfahrener Hände in Empfang genommen, das Bein vorsichtig abgetastet und dann fachmännisch eingegipst. (Ich lasse den Satz mal so stehen – wer mag, darf schmunzeln 😉

Leider gibt es kein Röntgen- oder Ultrschallgerät auf Rangiroa. Wir mussten also möglichst schnell nach Tahiti ins dortige Krankenhaus, um sicherzustellen, dass keine OP nötig war.

Auf perfekten Wind konnten wir natürlich nicht warten, aber ein paar Tage, bis es zumindest halbwegs vernünftig aussah, mussten es schon sein. Im Nachhinein war das auch in Bezug auf den Bruch ziemlich gut, da die ersten zwei Tage, mit Abstand die schlimmsten waren. Als wir schliesslich Anker auf gegangen sind, hatten alle vorher wieder eine Nacht durchschlafen können und Michel war in Ruheposition, auch ohne Medikamente, fast schmerzfrei.

Wir haben nur schweren Herzens von Rangiroa Abschied nehmen können, aber es wäre auch ohne den Unfall an der Zeit gewesen. Es gibt viele, reizende Menschen dort und die Wasserwelt ist einfach unvergleichlich. Die Tauchgänge im Pass waren mit weitem Abstand die schönsten, die ich jemals gemacht habe. Auch Schnorcheln an der kleinen Koralleninsel, oder schlicht unter dem Rumpf der Pami, ist so wunderbar, wie man es sich nur vorstellen kann. Dennoch war es schließlich eindeutig an der Zeit, mal wieder Stadtluft schnuppern zu gehen.

Wie so oft in diesen Breiten, war auch für diesen Törn die Wettervorhersage knapp vorbei an der Realität. Leider auch diesmal wieder zu unseren Ungunsten… Den ersten Tag und die Nacht mussten wir fast permanent die Motoren bemühen. Dafür wurde die Welle und der Wind, mit 8 Bft, am zweiten Tag so ungemütlich, dass wir drei Kleinen nur in der Ecke hängen und Hörbuch hören konnten. Auch das hatte irgendwann ein Ende und wir konnten gegen 23 Uhr, direkt neben unserem alten Liegeplatz vom letzten Jahr, in der Marina Papeete festmachen. Hat sich angefühlt, wie nach einem langen Urlaub nach Hause zu kommen!

Als JD am nächsten Vormittag, beim Anmelden im Marinabüro unsere Geschichte erzählt hat, war der nette Hafenmeister nicht davon abzuhalten, sofort einen Krankenwagen für Michel zu rufen. Als Folge wurden er noch vor dem Mittagessen, von drei Feuerwehrleuten, mit einer Trage vom Boot abgeholt. Das Brimborium fanden die Jungs natürlich großartig!

Das Krankenhaus hier, speziell auch die Notaufnahme, hat einen hervorragenden Eindruck auf mich gemacht. Wir wurden schnell und professionell versorgt und da eine OP zum Glück nicht notwendig war, konnte Michel schon am Nachmittag, mit neuem, leichtem Gips, zurück aufs Boot.

Mit dem Kinderrollstuhl, den wir hier mieten konnten, flitzt er mittlerweile alleine durch die Restaurants, den Park, und sogar auf der Pami kann er von drinnen nach draussen rangieren. Es ist ja mittlerweile Winter hier. Um die 27 Grad tagsüber und 20 Nachts, also eigentlich perfekt und auch mit Gips gut auszuhalten. Wenn ich mir vorstelle, das wäre nach Weihnachten, bei 34 Grad passiert – Eieiei.

Mittlerweile ist der Unfall drei Wochen her, also noch drei weitere und dann kann der Kurze wieder laufen lernen! Langweilig war es seit dem keinen einzigen Tag hier. Es sind so viele nette Segler da, die wir teils neu kennen gelernt haben und teils schon vor Jahren getroffen haben. Lauri und Nick von SEA BEAR zum Beispiel, sind uns schon vor zwei Jahren in Panama gute Freunde geworden. Sie gehören zu den Seglern, die mitten auf dem Pazifik vom Lock down erwischt wurden. Galapagos hatte bereits zu gemacht, als sie dort ankamen. So mussten sie mit frischem Fisch, Reis und Dosenbohnen bis zu den Marquesas durchhalten. Ging wohl auch ganz gut.

Viele hier haben spannende bis dramatische Geschichten durch die Corona-bedingten Schließungen erlebt und nur die wenigsten haben einen echten Plan, wie es nun weitergehen soll. Französisch Polynesien ist noch ein virus- und touristenfreies Paradis. Zumindest Letzteres wird sich aber bald ändern und wir werden sehen wie es dann weiter geht. JaJapami macht auf jeden Fall noch keine Pläne. Es ist alles noch viel zu unsicher und uns geht es, von dem Gipsbein mal abgesehen, ja bestens hier.

In den letzten Tagen haben wir eine knackige Erkältung, Michels und JDs Geburtstag überlebt. Die beiden Partys haben aber eindeutig einen eigenen Blog verdient und JD beendet auch gerade die Vorlesestunde mit Tim und Struppi. So gehabt Euch denn wohl, liebe Leser!

Coq au Vin á la Lili

Hier in Rangiroa gibt es leider keine genießbaren Hühnchen zu kaufen. Gelegentlich findet man ganz gute, tiefgekühlte Schenkel, sehr selten auch mal Hühnerbrüste. Ich würde aber so gerne mal wieder ein Hühnchen aus dem Ofen essen!

Lili (unsere Freundin vom „Snack Lili“) war natürlich total verständnisvoll und wir haben schon vor Wochen überlegt, eines der freien, verwilderten Hühner zu fangen. Aber diese Streuner sind wie die Hunde: mager und verlaust und damit nicht besonders appetitlich. So gab es erst mal weiterhin hauptsächlich Fisch, Steak-Frites und Hamburger (Lilis Mahi-Mahi in Vanilla-Sauce ist übrigens sagenhaft lecker!!).

Vorgestern waren nur wir und ein weiterer Gast/Freund beim Dinner und nachdem die Bestellungen in der Küche gelandet war, kam Sie strahlend zu mir und hat in ihrem unvergleichlichen Lili-Englisch verkündet: „Anna (das bin ich)! My havn surprise for you!!! Come, come. Lookin!“ Also sind wir hintenrum, durch die Küche in ihr Haus. Und da saßen sie. Ein Hahn und ein Huhn, gackernd in ihrem Verandawohnzimmer.

Irgendwer hatte ihr dieses gar nicht verwildert aussehende Federvieh angeboten und sie hat an mich gedacht und zugeschlagen. Da gestern hier, und auch in Lilis Heimat Madagaskar, Muttertag war, und das Restaurant geschlossen, hat sie uns zum frischesten Coq au Vin eingeladen, das nur möglich ist.

Aus der Nummer kam ich nun nicht mehr raus. Erst rumtönen, dass ich für frisches Hühnchen auch selbst zum Hackebeil greifen würde und dann kneifen, geht natürlich nicht. Nach kurzer Einweisung, habe ich also schnell, zwischen Aperitif und Hauptgang, zwei Seelen in den Hühnerhimmel geschickt.

Nach dem Essen kam das Abbrühen und dann haben wir uns, zu viert, gemütlich an einen der Draußentische gesetzt, geplaudert und Lili und ich haben nebenbei die Hühner gerupft. Was für ein Idyll!

Paul und Michel fanden das alles übrigens nicht weiter bemerkenswert. Michel hat sich zwar ein Weilchen das gerupfte Huhn näher beguckt, wollte dann aber auch lieber wieder mit Paul und Lilis Sohn Tuja spielen.

Gestern morgen bin ich zum Ausnehmen und Filetieren noch mal schnell rübergefahren, wodurch wir abends nur noch schmoren mussten. Um es gleich zu sagen: geschmacklich war es ganz gut, allerdings war das Fleisch recht zäh. Nächstes mal mindestens zwei Stunden länger schmoren!

Ich fand die ganze Aktion sehr lehrreich, gar nicht ekelig, erstaunlich unblutig und ausgesprochen gesellig. Klar würde ich das wieder machen, allerdings entweder mit jungen, fetten Hühnern, oder dem Ziel einer Suppe, denn dann würden es meine Männer auch gerne essen!

Kissen überbord!

Zur Zeit herrscht eine sehr unglückliche Wettersituation in unserem Teil Polynesiens. Es ist schon seit Tagen windig und regnerisch, aber gestern und heute kam’s richtig dicke: 44 Knoten spitze und bestimmt 20 Minuten mit über 35 kt!

Als es gestern losging, war JD im Dorf einkaufen. So haben die Kinder und ich alles Regensicher dicht gemacht und wollten uns gerade zu einer Partie Risiko niederlassen, als sich die Windstärke in kürzester Zeit verdoppelte.

Ich stand drinnen und habe die Instrumente und die Anker der vier Boote in der Bucht beobachtet, als Paul bei der ersten 40-Knoten-Böe plötzlich schrie: „Mami! Die Kissen von oben sind ins Meer geweht!“ Tatsächlich, die beiden größten und schwersten Kissen vom Oberdeck, trieben direkt hinter dem Heck in den immer höher werdenden Wellen!

Ich habe Sekunden gezögert: Shorts ausziehen? Flossen suchen? Leine ausbringen? Schaff ich das?? Aber die Kissen trieben so schnell vom Schiff weg, das keine Zeit für irgendwas blieb – also bin ich einfach dem Aufruf meines Adrenalins gefolgt und gesprungen. Das erste hatte ich sofort beim auftauchen, das zweite nach zwei Schwimmzügen. Zum Glück haben die Kissen Laschen, an denen ich sie festhalten konnte und nachdem ich es geschafft hatte, beide in eine Hand zu bekommen, kam ich auch einigermaßen voran. Aber es war unglaublich anstrengend, zurück gegen die Wellen zu schwimmen. Ich habe viel Wasser geschluckt und konnte kaum etwas sehen.

Wenn die Kinder nicht gewesen wären, hätte ich es nicht geschafft und zumindest ein Kissen wieder loslassen müssen. Aber unsere cleveren Jungs hatten in der Zwischenzeit die lange Schwimmleine klargemacht, auf die Klampe belegt und mir entgegengeworfen! Die konnte ich gerade noch erreichen. Und dann haben sie mich auch noch bis zu Pami gezogen!

Als ich die Badeleiter erreicht hatte, konnte ich mich erst mal einen Moment ausruhen. Dann mussten die, mittlerweile völlig vollgesogenen, Matten an Bord. Wieder waren es die Jungs, die es gewuppt haben! Vom Wasser aus, konnte ich, vor allem bei dem ersten, kaum helfen. Wie gut, dass Paul schon so stark ist! Sie haben beide, nacheinander, an Deck gezerrt bekommen und waren nachher – absolut zurecht! – stolz wie Bolle und konnten es kaum abwarten, bis Papi endlich zurück war und sie die Geschichte erzählen konnten.

Ich dagegen, habe eine ganze Weile, in ein Handtuch gewickelt, nur still dagesessen, viel Wasser getrunken, und gewartet, dass sich mein Adrenalinpegel wieder auf ein normales Maß reduziert…

Confinement beendet

Französisch Polynesien hat das Confinement beendet. Wir sind wieder frei, im ganzen Land umherzusegeln. Die Grenzen bleiben aber weiterhin geschlossen.

JaJapami wird noch ein Weilchen in Rangiroa bleiben, bevor wir uns Richtung Tahiti aufmachen.

Unsere Haustiere hier! Oben: Jack und Jill die Schiffshalter, dann Elvis, dessen Frau nicht mit aufs Bild wollte. Die Stäflingsfische schwimmen interessanterweise oft Kieloben unter dem Propellerschaft. Und ein merkwürdiger Fisch, den wir Paul genannt haben!

Confinement Tag 55

Alles ruhig und entspannt auf der Pami. Die Tage vergehen in stetem Reigen aus Schwimmen, Schule, Kochen und Spielen. Nur gelegentlich unterbrochen, durch eine Einkaufsfahrt mit Lili, einen Landspaziergang zum Relais de Joséphine, oder eine Wasserversorgungs-Notaktion!

Regelmäßige Leser werden sich erinnern, dass uns Anfang März der Druckbehälter für die Frischwasserversorgung durchgerostet war. Mit Sikaflex, Brettchen und Schraubzwinge, war die provisorische Reparatur ganz gut – allerdings nur darauf ausgelegt, zu halten bis wir in Papeete einen neuen kaufen könnten. Dann kam das Confinement und wir sind Papeete noch keine Meile näher gekommen…

Ausgerechnet an einem Sonntag hat sich sich das Provisorium verabschiedet! Aber immerhin erst beim Frühstück, und nicht wieder mitten in der Nacht. Wir haben beide die Frischwasserpumpe anspringen hören, obwohl niemand an einem Hahn war, und wussten sofort Bescheid.

Zum Glück hat der Minimarkt auch Sonntag morgens auf, so dass JD gleich eine 25 l Wasserflasche kaufen konnte und wir nicht auf dem Trockenen saßen, nachdem der Haupthahn geschlossen war. Während er an Land war, habe ich Joséphine angerufen. Die nette Französin betreibt, mit ihrer Mutter, seit 20 Jahren das Relais, spricht sehr gut englisch und wusste sofort wer am Telefon ist. Schließlich sind wir im Moment fast die einzigen Gäste und plaudern, beim gelegentlichen Sundowner, immer sehr gerne mit Ihr.

Sie hatte auch tatsächlich eine Telefonnummer von einem Klempner parat, der allerdings Sonntag morgens erst einmal nicht zu erreichen war. Es war dann auch gar nicht mehr nötig, denn JD kam nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Hilfe zurück. Manua, der im Minimarkt arbeitet, hat sich über unseren Einkauf so gewundert, dass er gefragt hat, ob etwas nicht in Ordnung wäre und ob er helfen könnte? Wie nett und aufmerksam! Das haben wir gerne angenommen! Der blöde Druckbehälter wohnt nämlich tief unter dem Bett und man kann die Rohrverbindung nur Kopfunter hineinhängend lösen. Außerdem fehlte uns die passende Rohrzange und etwas mehr Armschmalz in dieser Position.

Manua kam Mittags in seinem Außleger-Kanu. Viele Tahitiens sind sehr kräftig gebaut und diejenigen, die den Nationalsport Pirogue (Kanu) fahren, ernst nehmen, haben eine bemerkenswerte Muskulatur! So hatte es unser Helfer nicht gerade leicht, sich in Arbeitsposition zu manövrieren, aber er hat nicht nur Das geschafft, sondern auch, mit viel Kraft, die Rohrverbindung aufgeschraubt bekommen. Dann hat er das Ding mitgenommen, mal eben von seinem Kumpel schweißen lassen, und wieder zurückgebracht. So konnten wir uns am Nachmittag schon wieder das Meerwasser abduschen. Was das für ein Luxus ist, merkt man erst wieder, wenn es mal nicht möglich ist!

Mehr Aufregendes ist in letzter Zeit nicht passiert. Dafür erweitern wir allmählich unseren Bekanntenkreis hier im Atoll. Gestern haben wir tatsächlich den halben Tag in fröhlicher Gesellschaft verbracht, und was das für ein Stimmungsaufheller ist, merken ja viele von uns gerade sehr deutlich!

Während wir Großen, mit unseren neuen Bekannten, erst bei Joséphine und später bei Lili im Garten geplaudert haben, sind die Jungs rumgeklettert, haben Eis gegessen und selig, stundenlang Hundewelpen geknuddelt und bespielt. Ein schöner Tag für Alle!

In der YACHT

Yacht 10/2020

Meine erste, lange Fassung, mit einem Beitrag von Johanna (Familienkatamaran CHASING WATERFALLS), könnt ihr im folgenden lesen:

JaJapami liegt neben dem Tiputa-Pass in Rangiroa vor Anker. Wenn die Kinder kurz still sind, ist das einzige Geräusch das ich hören kann, der Ozean, der aussen vor das Atoll brandet. Das ist zwar eigentlich wunderschön, aber für dieses Fleckchen in den Tuamotus höchst ungewöhnlich! Hier, an einem der besten Tauchspots in ganz Polynesien, summt und brummt der Touristenverkehr normalerweise von morgens bis abends.

Jetzt sind Hotels und Tauchschulen verweist und neben uns liegen nur zwei andere Yachten an dem Ankerplatz, den wir vor vier Wochen noch mit 16 weiteren Booten geteilt haben.

Als der Lock down für Französisch Polynesien (FP), mit allen Konsequenzen für uns Segler, beschlossen wurde, waren wir gerade sieben bewohnte Yachten hier. Wir haben über Freunde und Internet von den neuen Verordnungen erfahren – aus Rangiroa hat sich erst einmal niemand bei uns gemeldet. Bis zum 18. März gab es nur Gerüchte, dass Covid-19 tatsächlich auch das Leben in FP beeinflussen könnte und dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse.

Vier Fälle wurden gemeldet: Drei in Tahiti und ein Schweizer Tourist auf Fakarava, einem weiterem Tauchtouristischer Hotspot in den Tuamotus. Die Regierung hat daraufhin die Heimsendung aller nicht hier wohnhaften Menschen beschlossen. In kürzester Zeit wurden alle Hotels, Restaurants Tauchschulen etc. geschlossen, mit den letzten Innerpolynesischen Passagierflügen alle Touristen nach Tahiti geschickt, und eine Verordnung für alle Segler erlassen, die sehr kurzgefasst besagt: Keine Schiffsbewegungen mehr!

Zu uns an den Ankerplatz kam die Gandarmerie am 22. März und hat alle Schiffe aufgefordert, Rangiroa sofort zu verlassen. Das Dorf hätte weder die medizinischen Kapazitäten uns mitzuversorgen, noch könnte eine ausreichende Lebensmittelversorgung sichergestellt werden. Daher sollten wir uns umgehend auf den Weg nach Tahiti machen.

Der Erlass mit dem Verbot der Schiffsbewegung trat interessanterweise bereits am 21. März um Mitternacht inkraft.

Wir haben uns daher via Email mit offiziellen Behörden in Tahiti in Verbindung gesetzt, um uns Rückzuversichern, und aus dieser Quelle ebenfalls bestätigt bekommen, dass wir uns möglichst schnell auf den Weg nach Tahiti machen sollten. Daher sind wir noch am Nachmittag mit zwei anderen Booten ausgelaufen. Wir hatten die Hoffnung, dass der Wind gerade noch ausreichen würde, um uns mit 2 bis 3 Knoten nach Tahiti zu bringen. Dem war aber leider nicht so. Ausreichend Diesel um die 200 Meilen komplett zu Motoren hatten wir nicht an Bord, daher haben wir einen Freund in dem kleinen, verschlafenen Nachbaratoll Tikehau angerufen und uns nach der Situation dort erkundigt. Leider hat dieser Freund die Lage ziemlich verkannt und uns gesagt, es wäre alles easy und wir könnten gerne kommen.

Während wir in die Nacht hinein nach Tikehau motort sind, erreichte uns eine Nachricht von unserem Nachbarboot in Rangiroa: Die Gandarmerie wäre noch einmal zu Ihnen gekommen, nun mit der Anweisung Vorort zu bleiben und den Quarantäneanweisungen, die für ganz FP gelten, für die nächsten 14 Tage Folge zu leisten. Wir sind daher mit einem höchst flauen Gefühl im Magen, kurz nach Sonnenaufgang des nächsten Tages, durch den Pass nach Tikehau eingelaufen.

An dem uns vertrauten Ankerplatz direkt neben dem Pass, lagen fünf Segler. Kaum waren wir sichtbar, lösten sich zwei Dinghis aus der Gruppe und kamen auf uns zu. Ein guter Bekannter und ein fremder Segler, begrüßten uns unfreundlich mit dem Worten: „You can’t come in! You must leave Tikehau right now! Der Bürgermeister wird Euch inhaftieren und uns andere Segler rausschmeissen, wenn ihr nicht sofort wieder auslauft! Alle haben furchtbare Angst, das wir Touristen den Einheimischen die Krankheit bringen.“

Da es uns nicht gelungen ist, jemand offizielles zu kontaktieren, haben wir nach etwa einer halben Stunden auf dem Teller gedreht und uns auf den Rückweg nach Rangiroa gemacht. Nach einer weiteren durchmotorten Nacht, waren wir, wiederum früh morgens, zurück in Rangiroa und der Käpt’n hat die dortige Gandarmerie angerufen. Wir waren verflixt erleichtert, als wir zu hören bekamen: „SY JaJapami? Ja, Sie dürfen an Ihren früheren Ankerplatz gehen und erst einmal unbegrenzt bleiben.“

Und da sind wir nun. Die Quarantäne ist vom 5. auf den 15. April verlängert worden. Der aktuelle Erlass, besagt sinngemäß, dass Schiffsbewegungen, Landgänge und Wassersport während der Quarantäne untersagt sind. Natürlich gibt es Ausnahmen, die das Lebensnotwendige regeln.

Neben Tahiti stehen vor allem die Marquesas, Nuku Hiva und Hiva Oa, im Brennpunkt des Seglerinteresses. Hier haben nicht nur viele Segler die Zyklonsaison verbracht, sondern es kommen immer noch neue Boote aus dem Osten an, die gerade den Pazifik überquert haben. Die Situation ist sensibel und niemand sollte unvorbereitet in FP einlaufen!

Johanna, CHASING WATERFALLS, Opunohu Bay, Moorea:

„Als vor einer Woche das Confinement begonnen hat, haben wir hier ein VHF net gestartet. Eine Kanadische Familie hat sich bereit erklärt, als Sprecher zwischen uns und den Behörden zu fungieren. Wir hatten einige Probleme hier, z.B. wohin mit dem Müll, da es hier keine Mülltonnen gibt. Sie übersetzen uns auch jeden Morgen die lokalen Nachrichten aus dem Französischen, das hilft. Die lokalen Behörden sind sehr nett hier. Wir haben noch nichts Negatives erlebt. Die Regeln sind in ganz FP dieselben. Wir sind seit dem Confinement noch nicht an Land gegangen, wollen uns vor dem Virus schützen. Wir sind hier alle guter Dinge und sehr froh, unter diesen Umständen auf einem Boot leben zu dürfen. Wir können schwimmen, sind ans Homeschooling gewöhnt und insofern ist es für uns wie eine lange, sehr komfortable Ozeanüberquerung mit Internet und ohne Wellen.

Der einzige Wehmutstropfen: Als Weltumsegler plant man immer schon den nächsten Schritt. Wir wollten im Oktober Neuseeland erreichen, damit wir aus der Zyklonsaison sind. Pläne kann man unter diesen Umständen nicht machen. Wir wissen nicht, wie unsere Tour weitergeht. So geht es der ganzen Welt, jeder steht still.“

Hier in Rangiroa ist die Lage ähnlich wie bei der Chasing Waterfalls. So lange das Wetter nicht kritisch für diesen Ankerplatz wird, ist unsere Familie während der Krise hier gut aufgehoben. Was danach kommt, ist ungewiss.

NACHTRAG: Die geschilderten Ereignisse sind natürlich lange vor dem letzten Blog passiert. Aber ich konnte das ja schlecht vor der Yacht publizieren.

Confinement Tag 33

Französisch Polynesien hat nun 57 positiv getestete Fälle (davon 36 inzwischen wieder ohne Symptome), alle versammelt auf Tahiti und der Nachbarinsel Moorea. Die vier übrigen polynesischen Archipels mit ihren vielen Inseln und Atolle (auch „unser“ Rangiroa) sind wohl coronavirusfrei.

Daher wurden die Confinement-Bedingungen, außer für Tahiti und Moorea, am Montag gelockert. Unsere Freunde von der LADY JANE, vor einer kleinen Marquesasinsel geankert, durften nach 31 Tagen an Bord zum ersten Mal wieder an Land! Auch die Prohibition wurde eingeschränkt: Wein und Bier sind, wohl dosiert, wieder erhältlich.

Für uns hat sich nicht sooo viel geändert. Wir dürfen wieder offiziell zusammen an Land. Aber da es nicht viel Interessantes gibt, wo wir hinlaufen könnten, bleiben wir auch weiter, hauptsächlich an Bord.

Manchmal treffen wir Lili an Land. Ihr gehört das Restaurant, in dem wir „vorher“ viele Abende zum Essen waren. Wir hatten uns angefreundet, unsere Söhne zusammen UNO gespielt und sie hat uns, mit dem Auto, mit zum Einkaufen genommen.

Netterweise dürfen wir jetzt, hin und wieder ihr Auto leihen, um ins 8 km entfernte Dorf von Avatoru zu fahren. Dort gibt es mehrere und besser bestückte Minimärkte, als die zwei hier beim Anleger in Ohotu. Um ausgiebig zu Plaudern reicht leider weder unser Französisch noch ihr Englisch, aber sobald sie wieder aufmacht, werden wir die ersten Gäste sein! Sie hatte sowieso den Plan, größer umzubauen und die Küche zu modernisieren. Zufällig fiel nun die Schließung wegen Umbaus in die Confinement-Zeit, also glücklicherweise keine böse Überraschung für sie.

Bislang ist der 29. April der nächste Stichtag für das Deconfinement. Falls keine weiteren Fälle auftreten, wird es dann vermutlich weitere Lockerungen geben. Wann aber tatsächlich wieder Verkehr (und erst recht Segeln) zwischen den Inseln erlaubt sein wird, ist noch ungewiss.

Wie viele, mit denen wir sprechen und schreiben, sind wir etwas einsam und würden gerne alte Freunde und neue Bekannte treffen. Aber das muss wohl noch warten.

Die Jungs sind ganz zufrieden. Wir haben so viel Zeit für sie, wie noch nie vorher. Gehen dauernd schwimmen, spielen ständig Spiele und sind sehr geduldig und erklärungsbereit beim Bordunterricht.

Uns fehlt eigentlich nur Gesellschaft und Käse! Dann wäre alles super 😉

Parmesan zur Pasta, Camembert oder Gauda auf Brot, Greyezer oder Bergkäse zum Überbacken, Schafskäse für den griechischen Salat…. Oh man, ich muss aufhören, sonst fange ich an zu sabbern!!!

In Quarantäne im Paradis, trotzdem schwierig

Auch Französisch Polynesien hat den Lock Down beschlossen. Seit Anfang März sind 42 Covid-19 Fälle bestätigt worden, fast alle auf Tahiti und einige auf der Nachbarinsel Moorea plus zwei weitere in Raiatea (auch Gesellschaftsinseln).

Es gab einen Fall in Fakarava, ein Schweizer Tourist, und einen Fall auf Rangioa, wohl eine Frau, die von Tahiti zurück kam. Beide Erkrankten sind sehr zügig nach Tahiti in das dortige Universitätskrankenhaus geflogen worden.

Stand heute sind also alle anderen Inseln und Atolle dieses flächenmäßig riesigen Landes „sauber“, und müssten es auch bleiben, da mittlerweile seit 16 Tagen keine regulären Passagierflüge stattgefunden haben.

Um dem 21. März herum wurden alle Touristen ausgewiesen und heimgeflogen und Alles nicht lebensnotwendige geschlossen. In Tahiti warten wohl noch einige hundert Nichtpolynesier, ausgeflogen zu werden. In dieser Woche sollen Flüge alle zehn Tage nach Pars beginnen. Damit sollen diese Menschen dann abfliegen und auf dem Rückweg Luftfracht transportiert werden. Polynesier, die noch in Frankreich sind, werden nicht (!) heimgeflogen.

Wir Segler sind in Quarantäne. Seit 17 Tagen dürfen die Schiffe nicht mehr bewegt, und auch nicht mehr verlassen werden. Natürlich gibt es Ausnahmen, wenn es wirklich notwendig ist.

Wir sind in Rangiroa geblieben. Hier ist es sehr ruhig und es gibt keine Probleme. Von Freunden in anderen Ankerbuchten, z.B. auf den Marquesas, wo zur Zeit sehr viele Segler sind, hören wir auch anderes. Mancherorts darf nicht einmal eine Einzelperson zum Einkaufen gehen, aber immerhin werden Bestellungen irgendwie geliefert. Auch Schwimmengehen, selbst zur Bootspflege ist dort verboten.

Für uns ist es hier wie auf einer luxuriösen Ozeanpassage: keine Wellen, keine Nachtwachen und immerhin ein bisschen Internet, aber sonst sehr ähnlich. Wenn wir gewusst hätten was kommt, hätten wir allerdings besser proviantiert! Wir dürfen natürlich einkaufen, aber die Minimärkte, hier in den Tuamotus, haben auch zu normalen Zeiten kein besonders spannendes Angebot. Jetzt sind zwei Versorgungsschiffe ausgefallen und wir müssen langsam echt kreativ werden beim Kochen! Verhungern werden wir natürlich nicht, aber zum Frühstück gibt es keinen Camembert und Schinken mehr, sondern Corned Beef… seufz.

Wir gehen davon aus, dass diese Woche noch ein Recht großes Schiff kommt, von dem hoffentlich auch wir wieder frische Ware bekommen. Nur Bier wird es nicht geben. Die Prohibition besteht solange der Lock Down besteht. Also mindestens bis zum 15. April – vielleicht wird auch verlängert.
Noch einmal aus ganzer Seele: „Seufz!“


Kurzer Zwischenkommentar: In den Tuamotus ist vor ein paar Tagen ein Chinesischer Fischtrawler gestrandet. Die Besatzung ist auf andere chinesische Schiffe mit dem Hubschrauber umgeladen worden. JD hat nun gerade gelesen, dass sie bei einer Inspektion vor dem Bergen des Schiffs am Grunde der Tiefkühler Flossen und Fleisch von Haifischen gefunden haben. Das ist so eine Schweinerei! Und so traurig! Und selbst wenn es irgendwo eine Zeitungsnotiz wert ist, wird sich in Corona-Zeiten wohl kaum einer darüber aufregen… immerhin soll das Fischereiunternehmen aus China verklagt werden. Ob das was wird?

Bleibt gesund und lasst von Euch hören!

Rangiroas zauberhafter Süden

Bevor es Richtung Süden ging, hatten wir noch mal richtig Glück beim Einkaufen: Ananas, Mangos, Bananen und Trauben – wunderbar! Daher war die Stimmung bestens, als früh Morgens der Anker aufgeholt wurde. Noch vor dem Mittagessen tauchten auch noch drei Große Tümmler auf und haben vor unserem Bug ein Weilchen mit uns geschäkert. Die großen Meeressäuger wirken sooo wach und intelligent, wenn sie sich, knapp unter der Oberfläche auf die Seite drehen, um uns auf kürzeste Distanz, mit einem großen Auge, genau zu mustern.

Kristallklares Wasser und weite Sandflächen mit vereinzelten Korallenblöcken, bieten einen wunderbaren Ankerplatz vor dem Motu Ai Ai. Es gibt weit und breit keine Wohnhäuser. Für die paar Tagestouristen, die hin und wieder mit kleinen, schnellen Booten hergebracht werden, ist ein hübscher, schlichter Picknickplatz eingerichtet und auf dem Inselchen nebenan, ist eine der üblichen Hütten für die Copra Herstellung. Ein paar Matratzen auf einem Podest, eine einfache Kochstelle, ein großer Wassertank und Werkzeuge. Mehr brauchen die Männer nicht, die ab und an zur Kokosernte herkommen. (Copra ist das getrocknete Nussfleisch, aus dem später Kokosöl hergestellt wird.)

Mit Michel zusammen erkunde ich den Bereich um die Hütte. Wir wollen nicht neugierig sein, sondern suchen etwas: Aha! Da am Strand ist er! Ein langer Metallspieß, tief in die Erde eingegraben. Das einzig ware Werkzeug, um die Kokosnuss aus ihrer dicken, faserigen Schale zu pellen. Mühsam schälen wir drei Nüsse, um sie später an Bord trinken zu können und Kokosmilch herzustellen.

Nachmittags erkunden wir die Lavaküste. Hierfür ist dieser Bereich Rangiroas schließlich bekannt! Die erstarrte Lava hat bizarre Formen angenommen. Wir tasten uns – natürlich mit Wasserschuhen – durch ein richtiges, mannshohes und sehr scharfkantiges, Labyrinth. Mal sind die Tümpel flach und ganz warm, mal kühler und durch Kanäle mit dem Ozean verbunden. Ein toller Ausflug!

Auch in den nächsten Tagen besuchen wir mit dem Dingi immer neue Lagunen und Mini-Pässe, bis es Zeit wird, einen neuen Ankerplatz zu suchen.

Neben dem Wind, sind die Haie der Hauptgrund für den Ortswechsel. Anfangs waren es nur fünf, die, wie immer, einen riesen Bogen um uns gemacht haben, sobald wir ins Wasser gesprungen sind. Dann hat der Käpt’n seine Superbolognese gekocht und zu unseren vegetarischen Abfällen, mischten sich Fleischsaft und Hackkrümelchen ins Abwasser. Kurze Zeit später hatte sich die Zahl der Raubfische verdreifacht! Am nächsten Morgen sind wir zögerlich die Badeleiter runter – und gleich wieder hoch, als der nächste Black Tip nicht reißaus nahm, sondern auf uns zu kam! Wie bei wilden Hunden sind einzelne Streuner harmlos bis feige, aber vor einem ganzen Rudel auf Futtersuche, nimmt man sich besser in Acht!

Bevor wir zurück zu unserm Basislager, dem Ankerplatz vor dem Dorf, gesegelt sind, hat uns auch mal wieder ein Seglerschicksal ereilt: Um 2.36 Uhr sprang auf einmal die Backbordbilgepumpe mit lautem Warngepipse an: Wasser im Schiff!! Und zwar Viel! Süß oder salzig? Süß, außerdem ist unser Tank fast leer! Mist verdammter, wo ist das Leck?

Während JD den Haupthahn zudreht, erlausche ich die Quelle: der Druckbehälter unter dem Bett ist durchgerostet und mit drei Bar schießt ein dünner Strahl unseres kostbaren Wassers heraus… Man man man. Am nächsten Tag stopfen wir das Loch mit Sikaflex, Silikonmatte, Brettchen und Schraubzwinge. Das wird wohl bis Tahiti halten.

Zur Blauen Lagune von Rangiroa

Man man man. Diese seitliche Welle und das ständige gerumpse geht mir vielleicht auf die Nerven! Wir sind in einem Atoll, nicht auf hoher See, und müssen trotzdem seit Stunden gegenan Motoren!

Selber Schuld! Wir wollten ja unbedingt zur Blauen Lagune und haben schon wieder der Wettervorhersage vertraut – obwohl wir es mittlerweile besser wissen müssten…

Seit 10 Tagen sind wir in Rangiroa, dem großen Nachbaratoll von Tikehau, und haben sehr das „Etwas Mehr“ an Zivilisation genossen. Mehrere kleine Supermärkte mit Joghurt, Käse und frischem Gemüse, die Möglichkeit Abends Essen zu gehen und ein ruhiger Ankerplatz, waren wunderbar.

Gesellschaft haben wir auch gefunden. Zwei Schiffe aus Tikehau sind mit uns rübergesegelt und mit neuen Bekannten gab es mal einen Sundowner und mal ein Abendessen.

Wolfgang und Maria fanden wir besonders nett und haben sie daher zu einem Tagesausflug auf der Pami eingeladen. Vier Stunden waren wir bis zur Blauen Lagune unterwegs. Ein wunderbarer Tripp quer durch das Atoll, mit perfekten Wind für den Genaker. Das große Tuch hatten wir seit Ewigkeiten nicht mehr aus der Segelkiste geholt und ich meine, ein glückliches Wispern gehört zu haben, als es sich endlich wieder entrollen durfte!

Zwischen den vorderen und den hinteren Motus liegt die Blaue Lagune

Leider endete die Wunderbarkeit auch in dem Moment, als wir den Genaker wieder eingeholt haben. Die Lagune, die sich in einem sehr breiten Abschnitt des Ringatolls gebildet hat, sah wirklich wunderschön aus, aber als wir versucht haben, uns mit der Pami zu nähern und einen Ankerplatz zu finden, wurde es zunehmend ungemütlich. Im geschützten Süden, wo wir gerne gelegen hätten, fand sich ein flächendeckendes Korallengebirge unter Wasser. Kein Fleckchen Sand zum ankern, dafür aber viel Adrenalin im Blut, denn es könnte jeden Moment zu flach für uns werden und alle haben die ganze Zeit konzentriert ins Wasser gestarrt, um einen zu hoch gewachsenen Korallenkopf, möglichst frühzeitig zu spotten.

Also vorsichtig zurück zur östlichen Grenze. Hier hatte sich aber mittlerweile eine ordentliche Windwelle aufgebaut und eine annehmbare Sandflächen fand sich auch nicht. Half aber alles nichts, wir mussten dableiben, denn unsere Gäste waren mit einem Taxiboot verabredet, das sie genau jetzt, hier irgendwo einsammeln sollte. Also Augen zu und den Anker auf sieben Meter fallen lassen, in der Hoffnung Sand zu treffen und sich nirgendwo zu verhaken. Auf sieben Meter kann ich auch immer noch runtertauchen und irgendwelche Kettenmanöver starten, falls es nötig wird.

Nachdem das Wassertaxi tatsächlich fast pünktlich unsere Gäste übernommen hat, sind auch wir ins Dingi und haben die heftig schaukelnde Pami sich selbst überlassen. Leider haben wir es nur bis an den Rand der Lagune geschafft. Erst wären wir fast auf ein Riff gebrettert und dann wurde es so flach, das ich ausgestiegen bin und gezogen habe. Eigentlich kein Problem, aber wenn man statt Wasserschuhen nur Flossen zum Schutz der Füße hat, muss man halt Rückwärts gehen – es gibt eindeutig bequemere Arten der Fortbewegung.

Das Planschen dort, war ganz nett, aber den schaukeligen Abend, und die noch schaukeligere Nacht nicht wert. Morgens haben wir schnell die Kurve gekratzt, bevor sich noch mehr Welle aufbauen konnte. Dennoch sitzt ich jetzt hier und kann nur froh sein, nicht seekrank zu werden…

Zwei Tage später

Natürlich hat alles ein Ende und sooo schlimm war es, im Vergleich zu anderen Törns dann auch nicht. Nachmittags haben wir gut geschütz vor dem Schwell, am Nordost-Zipfel von Rangiroa geankert und wunderbar an fast unberührten Riffen geschnorchelt.

Das Atoll von Rangiroa umschließt übrigens eine Fläche von ca. 1600 Quadratkilometern. Der Bodensee hat im Vergleich nur etwa 500! Wir könnten hier also noch lange rumschippern, ohne alles gesehen zu haben. Wollen wir aber gar nicht. Wir bleiben noch ein Weilchen und dann machen wir uns auf den Weg zurück nach Tahiti und den Gesellschaftsinseln. Scheinbar habe ich nie deutlich genug geschrieben, dass wir Hawaii, aufgrund des kaputten Generators, leider ganz aufgeben mussten. Daher sei es an dieser Stelle noch einmal erwähnt.

Morgen geht es weiter zur „Riffinsel“, mal sehen wie es dort wird!