Auf den Marquesas

16.Juni

Eigentlich wollte ich heute mit den Jungs an den Strand und mal wieder so richtig ausgiebig im Wasser planschen, schwimmen und im Sand toben. Unser neuer Ankerplatz vor Ua Pou ist dafür ideal. Wir liegen mit drei anderen Seglern in einer fast runden Bucht, gut geschützt durch eine kleine Mole. Vielleicht ein Viertel der Bucht ist Sandstrand, auf dem sich jetzt, an einem Sonntag Nachmittag, das halbe Dorf zu tummeln scheint. Das Wasser ist viel klarer und einladender als vor Taiohae auf Nuku Hiva und ich hatte mich schon richtig gefreut, da ich tatsächlich das letzte mal auf Galapagos, vor etwa vier Wochen, schwimmen war.

Dank eines blöden Felsbrockens auf der Strasse, der im Schattenspiel eines Baumes Mimikry auf dem Schotter gemacht hat, liege ich jetzt hier rum und kühle meinen großen Zeh, statt die Strandtasche zu packen. Schlimm genug, dass ich ein Viertel des Nagels verlieren werde, aber zwei, drei Tage nicht ins Wasser zu können, ist im Moment echt gemein!

Natürlich hätte man auch in Taiohae ins Meer gekonnt. Geri war stundenlang drin und hat die Pami, die LADY und noch ein Boot geputzt, ohne das ihn ein Hai angeknabbert hätte. Aber mir war es doch etwas gruselig, nachdem ich den Fischern am Pier zugeschaut habe. Die schmeißen natürlich beim Fische putzen alle Abfälle ins Meer und, was auf Galapagos die Seelöwen und Pelikane so erfreut hat, macht hier die Haie glücklich! Fünf kapitale Burschen habe ich beim Freßrausch beobachtet. Keiner der gefährlichen Drei (Bullen-, Tieger-, oder Weißspitzenriffhai) war dabei, und weit draußen, bei den Yachten, hat sich ihr Mütchen sicherlich soweit abgekühlt, daß sie eine humanoide Pobacke bestimmt nicht mehr mit einem verletzten Kugelfisch verwechselt hätten. Dennoch haben wir uns lieber nur mit der Decksdusche und viel Pampelmusensaft erfrischt!

Die Pampelmusen sind hier nämlich einfach nur großartig! Es sind noch nicht die riesigen, eiförmigen Pomelos, die mancher vielleicht kennt, aber sehr nahe dran. Süß und saftig, mit nur einem hauch Bitter, so dass man jeden Tag eine Essen oder trinken möchte. Auch Mangos und Papayas gibt es wieder in Hülle und Fülle. Daneben sind Brotfrucht und Manyok als Beilagen zu Schwein- oder Ziegenfleisch, das Nationalessen. Meistens sehr köstlich, ist die Art das Fleisch mitsamt Knochen und Allem in den Topf zu schubsen, immer noch eine Herausforderung für uns.

Die erste Woche in französisch Polynesien ist schnell vergangen. Wir haben die Insel erkundet, alte und neue Bekannte getroffen, uns nach der Passage ausgeruht und mal wieder körbeweise Obst und Gemüse gebunkert.

Gestern ging es dann, zusammen mit Lady Jane, zur Nachbarinsel Ua Pou. Leider war auch diese Passage weit von dem entfernt, was uns immer als traumhaftes Südsee-Segeln beschrieben wurde. Viel zu viel Wind und Welle, natürlich immer aus der falschen Richtung, haben uns einige, sehr ungemütliche, Stunden beschert.

Vor Anker hier, ist es immer noch schaukelig und unruhig. Übermorgen wollen wir uns gemeinsam auf zu den Tuamotus machen. Eine drei Tages Passage, die SERENITY und OLENA gerade hinter sich gebracht haben und deren Bericht uns nicht gerade vor Vorfreude glühen lässt.

Internet gibt es hier, es ist aber ziemlich bescheiden. Daher werden meine Blogs vorerst ohne Fotos auskommen müssen. Das Wifi in den Restaurants ist nicht viel besser als unsere gekauften SIM Karten. Aber mit den Karten können wir nicht nur WhatsAppen, sondern auch lokal telefonieren. So ankern wir hier, irgendwo im Nirgendwo, neben Lady Jane und anstatt rüber zu schwimmen oder zu funken, rufen wir sie einfach an!

So ein richtiges Robinson-Gefühl kommt dabei irgendwie nicht mehr auf…

Sporadisches Logbuch der Pazifiküberquerung

Tag 1

Am 17.05.2019 um 11.20 Uhr gehen wir Anker auf vor Galapagos. 2974 Seemeilen bis zu den Marquesas liegen vor uns. Alle sind glücklich, dass es endlich los geht und wir sehen dieser, für JaJapami längsten, Ozeanpassage ganz gelassen entgegen.

Um die Tragweite des Ganzen in aller Deutlichkeit noch einmal aufzuzeigen, möchte ich mich des Ausdrucks einer unserer Mitsegler bedienen: „ Oh shit, 3000 Meilen ist echt eine ver..piep..piep, mega Strecke!“

Tag 4 (noch 2579 nm) auf dem Weg zu den Marquesas ist angebrochen. Die Sonne ist eben dramatisch, vis-a-vis mit dem silbernen Vollmond, aufgegangen. Wir fliegen mit 9-10 Knoten, bei halbem Wind unserem Ziel entgegen. So macht segeln Spaß!

Tag 6, noch 2233 nm.

Wir kommen bestens voran. Schon zwei Etmale über 180 Seemeilen. Zum Vergleich: an Tag 2 hatten wir die Passtwinde noch nicht erreicht und sind nicht über 100 nm gekommen. Die Stimmung an Bord ist prima, die Jungs toben fröhlich um mich rum und üben mit Stäbchen zum essen. Das kommt nicht von ungefähr: wir haben einen schönen, großen Mahi Mahi (oder Dorado, Dolphin-Fish, Goldmakrele, Kynegos… auf jeden Fall der Fisch mit den meisten Namen, den ich kenne) gefangen. Als erstes gab es Cevice, das haben auch Paul und Michel richtig gerne gegessen. Abends dann den Schwanzteil vom Grill (sehr zart!) und gestern hat sich Geri zwei Stunden in die Küche gestellt und Sushi zubereitet! Maki mit Avokado, Gurke und Fisch, Nigiri und nochmal das wunderbare Cevice. Eine echte Meisterleistung, und wir haben geschlemmt, bis wir fast geplatzt sind. Für einmal Fischstäbchen und Suppe ist auch noch genug im Tiefkühler. Das ist auch gut so, denn das Riesenvieh hat sich einen solchen Kampf mit dem Käpt’n geliefert, das die Angelrolle kaputt gegangen ist. Wir brauchen also erstmal Zeit um ein neues Equipment zusammen zu stellen, da ja die gute Angel in Galapagos geklaut wurde.

Das zweite Highlight bislang, geht auch auf Geris Konto: er hat, mit begeisterter Hilfe von Paul, die Siedler von Catan aus Pappe, Korken und Farbe nachgebaut. Es ist ein wunderschönes Spiel geworden und hat uns schon viele Stunden bestens unterhalten.

Über Langeweile können wir uns auch sonst nicht beklagen. Neben navigieren, kochen, putzen, Schule und Kinder bespassen, gibt es immer wieder kleine Reparaturen zu meistern. Gestern haben wir zum Beispiel endlich, das kleine Leck im Spiegel vom Backbordrumpf entdeckt. Da meist recht ordentlicher Seegang ist, bis zu drei Meter Welle mit Schaumkrönchen, wird die kleine Badeplattform fast ständig überspült. Dadurch konnte JD endlich, nach über einem Jahr, die Stelle finden, durch die manchmal Wasser in den Motorraum eindringt. Zum Glück ist unsere Crew nicht ganz so groß wie der Käpt’n und so konnte sich Cyrill in den kleinen Raum schlängeln, und alles von innen abdichten.

Apropos abdichten: Pauls Platzwunde verheilt auch völlig problemlos. Er war einen Tag vor Abfahrt, beim Rumhampeln, auf die Kante vom Wohnzimmertisch geknallt und ich musste seine Stirn mit drei Steristrips wieder zusammenkleben. Zum Glück war auch diesmal Nähen nicht nötig und ich konnte mir Rat von Johanna, der Kinderchirurgin, holen. Die CHASING WATERFALLS ankerte nämlich direkt neben uns und wir hatten schon fast das Gefühl, es herbei geredet zu haben, da wir am Mädelsabend einen Tag vorher alle Kinderunfälle unserer Reisen durchgehechelt hatten. Man, man, man.

Tag 12, noch 1386 nm

Wir kommen gut voran, aber man könnte sich die Bedingungen deutlich komfortabler vorstellen. Der Anfangs so friedliche, blaue Ozean, zeigt mittlerweile eindeutig Nordseeattitüden. Eine hohe, steile Welle aus Südost mit dem alten Schwell aus Süd noch oben drauf. Dazu Wolken mit gelegentlichem Niesel und alles in tristem Graublau gehalten. Naja, was soll’s. Wir haben ja alle 6 ordentlich stabile Seebeine mittlerweile, es hat immer noch fast Bikini-Temperatur und die Pami schiebt für diesen Seegang eine angenehm stabile Lage.

Nur unter Genua, denn das Groß würde bei den Wellen ganz schön scheppern, machen wir konstante 7 Knoten. Etmale zwischen 130 und 170 Seemeilen sind ganz gut, allerdings hatte uns die ursprüngliche Wettervorhersage auf deutlich bessere Bedingungen hoffen lassen.

Gestern war Bergfest – Halbe Strecke geschafft! Zur Feier des Tages gab es eine Schnitzeljagd für die Jungs und abends ein köstliches Dattelhuhn aus dem Ofen. Könnte wahrlich schlechter sein.

Tag 14, noch 1109 nm

Neues von der deutschsprechenden Kinderflotte: Die CHASING WATERFALLS ist weiterhin zwei bis drei Tage hinter uns. BELUGA ist etwa eine Woche nach uns gestartet und segelt weiter südlich, da sie sich noch nicht entschieden haben, ob sie wirklich zu den Gambier-Inseln, oder doch uns Richtung Marquesas folgen wollen. ALKYONE hat ihren Weg über die Osterinseln und Pitkern nach Gambier erfolgreich gemeistert und ist dort fast zeitgleich mit SAGO angekommen. OLENA und SERENITY (ohne Kinder aber deutsch 😉 sind schon vor über drei Wochen auf den Marquesas angekommen. Das gleiche gilt für unsere drei britischen Crews, wobei die LADY JANE auf den Marquesas warten will bis wir angekommen sind.

Mit allen stehen wir mehr oder weniger regelmäßig in Sat-Email Kontakt.

Tag 17, noch 649 nm

Ein Tag schön, ein Tag nicht so doll, ein Tag konstante 20 kt unter blauem Himmel, der nächste böig mit Nieselregen und steiler Welle. Seit Tagen ist das einzig konstante am Wetter, dass es nicht konstant ist. Wir haben von Booten gehört, die 2000 sm mit den gleichen Segeln gemacht haben und kaum mal die Stellung verändern mussten. Wie langweilig! Wir haben jedes Stückchen Tuch, das wir an Bord haben, schon mehrfach gesetzt und geborgen! Auch unsere Etmale variieren zwischen 120 und 170 nm.

Vorgestern war aller Fisch aufgegessen und wir haben die Angeln wieder rausgehängt. JD und Geri haben sich tatsächlich ein interessantes Konstrukt einfallen lassen um das Handrad in Richtung einer Angelrolle aufzupimpen. Das Problem ist nämlich, dass wir dauernd Köder verlieren, da die Fische einfach zu groß sind. Bei einer richtigen Angel, puffert die Bremse an der Trommel, starken Zug und einen heftigen Ruck ab. Am Handrad ist am Ende nur ein Meter Gummiband. Ist das ausgedehnt und der Fisch stark genug, reißt die Leine und ein weiterer Fisch kreuzt den Ozean mit einem fetten Pearcing im Gesicht…

Jetzt sitzt das Handrad auf einer großen Papprolle, durch die ein lager Bambus gesteckt und verkeilt ist. Der Fisch kann mit variabler Bremswirkung Leine ziehen und wenn er sich müde gekämpft hat, sollte man ihn problemlos an Bord ziehen können. Soweit die Theorie. In der Praxis brauchte es zumindest einen Testlauf: Kurz vor Sonnenuntergang waren alle Mann damit beschäftigt, den Wingaker, das riesige, grüne Leichtwindsegel, zu bergen, als erst die Angel surrte und dann das Glöckchen am Handrad zu bimmeln begann! Der arme Paul konnte nur Alarm geben und musste dann tatenlos zusehen, wie sich beide Fische wieder losgerissen haben, bis einer von uns kommen konnte!

Zum Glück gab es das gleiche Schauspiel am nächsten Abend wieder und wir waren alle zur Stelle und bereit. Zwei wunderschöne Mahi Mahis, Männchen und Weibchen, haben gleichzeitig angebissen und liegen jetzt sauber filetiert im Tiefkühler.

(Für Segler und Biologen: Wir haben gelesen, dass sie Parasiten haben können und man sie daher nicht sofort als Sushi essen soll. Also haben wir, wie beschrieben, den Magen von innen untersucht. Tatsächlich waren bei dem Männchen einige, ca. 4 mm lange, lebende, festgehakte Würmer zu finden. Sashimi gab es also nur vom Weibchen, und auch das hatten wir zuvor 24 hrs tiefgekühlt. Falls jemand mehr darüber weiß, würde ich mich sehr über Rückmeldungen freuen!)

Tag 18, noch 524 nm

Ein paar Tage noch, dann sind wir da. Wird auch langsam Zeit.

Tag 19, noch 350 nm

Gestern hat sich der Generator verabschiedet. Das gehört eindeutig zu den worst-case-Szenanarien, die JD und ich für eine Ozeanüberquerung durchdiskutiert haben! Autopilot, Generator, Wassermacher sind die Top Drei der schlimmsten Dinge die kaputt gehen können. Wobei der Generator natürlich den Strom für die beiden anderen liefert. Er ist aber selbstverständlich nicht unsere einzige Energiequelle und daher ist unsere Situation im Moment relativ entspannt. Die Solarpaneele und die Propeller haben im Laufe des Tages genug Strom geliefert, um die Batterien von 65 auf 88 % zu laden. Das ist so gut, dass wir morgen früh wohl den Watermaker anschmeissen können und ich den Landfall dann hoffentlich mit gewaschenen Haaren und sauber erleben kann!

Dazu gehört natürlich ein bisschen Glück und einige Einschränkungen im Komfort: In der Zeit, wo die Solarpaneele nicht von den Segeln beschattet werden, muss die Sonne auch kräftig scheinen und wir brauchen genug Wind, um mit mindestens 7 Knoten segeln zu können, damit die Propeller vernünftig Energie generieren. Hier sei erwähnt, das die herrschenden 20 kt Wind, in Böen auch mal 28, 30 Knoten, auch für einen ziemlich rauhen Seegang sorgen (bei manchen Wellen muss man sich auch im Sitzen kurz an der Tischkante festhalten, weil es so krass ist).

Was den Komfort angeht: der Herd, der Getränkekühlschrank, der Brotbackautomat, der Server mit den Filmen und -für mich am schlimmsten- die Kaffeemaschiene, sind erst mal ausser Betrieb. Die Inverter für 220 V sind ausgeschaltet, d.h. die normalen Steckdosen funktionieren nicht. Das 12 V Netz versorgt die überlebenswichtigen Funktionen, wie GPS, Autopilot, Navigation und würde bis zum letzten Moment funktionieren. Wir müssen nicht mal warmes Bier trinken, da unsere Vorräte soweit reduziert sind, dass im normalen Kühlschrank Platz genug ist. Das Trinkwasser wird aus dem, noch halb vollen, Tank durch einen UV-Filter gereinigt, aber auch dieser hängt an 220 V. Also haben wir heute Mittag kurz die Inverter eingeschaltet, Trinkwasser gezapft, das Notebook geladen und jeder hat zwei Kaffee bekommen. Alles in Allem bedeuten die Energiesparmaßnahmen eigentlich kaum Einschränkungen für uns.

Tag 20, noch 185 nm

Endspurt! Solange wir nicht längere Zeit motoren müssen, läuft alles im grünen Bereich. Die Essensqualität an Bord hat auch nicht weiter gelitten. Mittags machen wir Picknick und graben in allen vorhandenen Essenschaps nach vergessenen oder lange gehüteten Schätzen: spanische Delikatessen aus Vigo, Bonito in Dosen von den Kanaren oder Konserven von den Kap Verden. Abends nutzen wir den Gasbackofen und es gibt so tolle Sachen wie selbstgefangenen Mahi als Lemonato a la Pegasos.

Die Pami scheint auch ankommen zu wollen! Sie schlängelt sich mit der souveränen Entschlossenheit einer geübten Trinkerin durch eine extrem unruhige Kreuzsee, mit vereinzelten 3-4 Meter Brechern und macht dabei 8 Knoten im ersten Reff.

Tag 21, Landfall in Nuku Hiva, Marquesas!

Wir haben es geschafft! Genau drei Wochen auf See sind doch recht schnell vergangen. Der Seegang war vor allem Nachts ganz schön anstrengend, aber alles andere lief völlig problemlos. Wäre der Generator nicht gewesen, würde ich sagen: Super Überfahrt!

Das Einlaufen in die Bucht Taiohae, in Nuku Hiva, war großartig! Die Landschaft hier ist Atemberaubend, dazu die plötzliche Stille im Boot, kein Geschaukel, kein Wassertosen mehr. Vierzig andere Segler liegen hier, vor dem Hauptort der Marquesas, vor Anker. Zum ersten Mal seit langer Zeit ging die Funke: „JaJapami, JaJapami for Lady Jane!“ Da wären mir doch fast die Tränen gekommen – aber nur fast.

Nachtrag, 7. Juni

Die Pami schaukelt gemütlich am Haken neben der Lady Jane, die Jungs schaukeln in einem Mango Kletterbaum und wir vier Großen schaukeln im Wifi des Open-Air-Restaurants. JD hat heute morgen den Fehler im Generator gefunden: Alle Systeme laufen wieder!

Das Leben ist großartig.

Auf zu den Marquesas!

Wir haben Ausklariert, Aufgeräumt, die Wasserlinie am Rumpf und die Ankerkette geputzt und das Boot mal wieder mit Essen vollgestopft.

Es kann losgegeben! 2950 Seemeilen liegen vor uns. Das ist die längste Blauwasserstrecke, die wir bislang gesegelt sind und wir sehen ihr ganz gelassen entgegen. Die Crew ist mittlerweile ein eingespieltes Team und die Jungs freuen sich richtig auf eine gemütliche Zeit an Bord.

Also dann: Anker auf und los gehts JaJapami!

Propellerglück und schöne Fotos!

12. Mai 2019

Es ist vollbracht!

Nachdem der Propeller Vorgestern auf Santa Cruz, Galapagos gelandet ist, hat JD ihn gestern an Bord geholt und heute morgen kam der Taucher und hat ihn gemeinsam mit Geri montiert.

Ein gutes Gefühl! Ich schreibe mit breitem Grinsen im Gesicht! Jetzt können wir uns bereit machen für den langen Schlag zu den Marquesas. (Ja, Marquesas. Für Pitkern und Gambier ist es uns zu spät im Jahr geworden.)

Bevor alles Augenmerk aufs Wetter und die Proviantierung gerichtet wird, möchte ich Euch noch die schönsten Bilder der letzten Wochen zeigen:

Lavahöhle – es wurde echt eng zwischendurch!

Strassenschach à la Galapagos

…und hier ein Original:

Playa Tortuga Bay. Die Crew geht surfen und wir mit den Meerechsen planschen:

Nochmal der Fischmarkt: „Meins, meins meins!“

Vater und Sohn:

Sonntags nachmittags:

Ausflüge und Social life auf Galapagos

Läuft man in der Küstenregion umher, zum Beispiel auf den Weg zu Las Grietas, einer kleinen Schlucht im Vulkangestein, kommt man streckenweise durch ganze Opuntienwälder. Diese Kakteengewächse finden sich natürlich in den meisten heißen Regionen der Erde, allerdings habe ich sie noch nie als solche Baumriesen erlebt.

Bei den richtig alten Exemplaren blättern die Stachel von den Stämmen ab und zurück bleibt eine weiche, braune Rinde, die ich hier schon als Lampenschirme verarbeitet gesehen habe.

Dieses Exemplar müsste an die 400 Jahre alt sein. Es war also schon ein kleiner Baum, als Darwin auf dieser Insel forschte!

Las Grietas ist überhaupt ein schönes Ausflugsziel. Will man sich auf den Weg machen, lohnt es sich, erst einen kurzen Blick auf die Tide zu werfen, denn bei Niedrigwasser gerät der Badeausflug schnell zu einer unerwarteten Kletterpartie.

Um an Land zu kommen, muss man hier ein Wassertaxi rufen, denn mit dem eigenen Dingi darf man nirgendwo festmachen. Also Kanal 14 auf der Funke: „Taxi aquatiko, Taxi aquatiko para Katamaran ChaChapami!“ Sobald eines der vielen, gelben Taxibote naht, beginnt ein lustiger Einsteige-Eiertanz! Puerto Ayora hat nämlich mit Nichten eine gut geschützte Ankerbucht. Vielmehr ist es extrem schaukelig hier und wir sind wirklich froh auf einem dicken, schweren Katamaran zu wohnen, und nicht auf einem leichten Einrümpfer. Die schaukeln hier nämlich wie ein Seelöwe nach zu vielen Cognacbohnen!

Erst muss also ein Erwachsener rüberhüpfen, dann werden die Kinder mehr oder weniger nachgeworfen und der Rest kann springen, wie es die Wellen grad erlauben.

So war das nicht gemeint Geri!

Der Ausstieg ist vergleichsweise einfach. Alle kleinen Boote hier haben über den Bug ein dichtes, dickes Netzt gespannt, das beim Nase auflegen an Mole, oder Betonsteg, fast wie ein Klettverschluss wirkt. Sehr pfiffig! Wir überlegen ob das nicht auch etwas für und wäre!

Nach Las Grietas läuft man etwas eine halbe Stunde. Auf dem Weg passiert man als erstes den Playa Alemanes. Und weil es gerade so schön passt, schiebe ich hier unsere Osterfotos ein, denn für die „Eiersuche“ hat sich der Osterhase genau diesen Strand ausgesucht.

„Lauf Paul! Papi hat gesagt, der Osterhase war am Strand!“

Lässt man den Osterstrand links liegen, kommt man über einen nett gepflasterten Pfad, quer durch die Pampa, zu der kleinen Lavaschlucht. Ein bisschen kraxeln, ein Checkpoint wo die Zahl der Besucher notiert wird, und eine lange Holztreppe, führen in die drei kalten Becken mit leicht salzigem Wasser. Es ist ein wirklich erfrischendes Vergnügen, die riesigen, pastellfarbenen Papageienfische in dem klaren Wasser zu beobachte und die hohen Lavawände um einen herum zu bestaunen. Damit auch kleine Beinchen auf dem Rückweg nicht schlappmachen, gibt es noch eine Art Strandbude, die mit Eis, Bier und Kicker die letzte Meile versüßt.

Neben den Strandausflügen gab es in den ersten Wochen hier auch viele Kinderausflüge zu Nachbarboten. Die ALKYONE mit ihren 4,5 Kindern lag länger neben uns. SAGO ist deutsch-australisch mit Annika und Oli im passenden Alter.

ALKYONE bring JaJapami zu SAGO, der Miniskipper ist immerhin schon 14!

OLENAs Timeo (Schweiz) kam auch gerne zu uns, wenn die ALKYONE-Mädels bei seinen großen Schwestern spielten. Später wurden diese Boote von der US-deutschen CHASING WATERFALLS mit drei Mädchen und der deutschen BELUGA mit dem achtjährigen Fritz abgelöst.

Tschüss ALKYONE!

Natürlich haben sich auch unsere very dear friends von der LADY JANE zu uns gesellt und für ein paar ausgesprochen unterhaltsame Abende gesorgt!

Unsere Sonnenbrillen, die von Meerbusch über UK zur A Capella of Belfast transportiert wurden, konnten ebenfalls hier übergeben werden. Wenn doch nur der vermaledeite Propeller auch auf diesem Weg hätte überbracht werden können! Darf ich öffentlich im Internet schreiben, dass Fedex ein Saftladen ist? Seit drei Wochen hängt unser heiß begehrtes Ersatzteil im ecuadorianischen Zoll und erst diese Woche durften wir die Gebühren bezahlen. Natürlich hat sich zwischenzeitlich die Bearbeitungsgebühr erhöht, was der geschätzte Kunde aber erst auf Nachfrage erfährt. So vergeht wieder ein Tag an dem nichts passiert und der Käpt’n muss sich erneut in die ewige Warteschlange vor dem Bankschalter einreihen um noch einmal 11 $ irgendwas einzahlen. 45 Emails haben wir heute gezählt, die er bislang in dieser Sache verschickt hat.

Es wird Zeit, dass auch JaJapami die Segel gen Westen setzen kann!

Tief unter der menschlichen Rede, Bei den Ungeheuern der traurigen Öde

Schwarz wimmelten da, in grausem Gemisch,
Zu scheusslichen Klumpen geballt,
Der stachligte Roche, der Klippenfisch,
Des Hammers greuliche Ungestalt,
Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne
Der entsetzliche Hai, des Meeres Hyäne.

Friedrich Schiller, Der Taucher

Es tut mir leid, aber Schiller hat zwar wunderbare Gedichte geschrieben, hatte aber offensichtlich keine Ahnung, wie es unter dem Meer wirklich aussieht!

Hier kommen die schönsten Bilder von unserem Tauchgang:

Es war ein toller Ausflug! Geri und Cyrill waren mit, und Hans und Tobias von der ALKYONE. Manchmal waren bis zu fünf Haie um uns rum! Für mich ein atemberaubender Anblick, denn ich hatte noch nie beim Tauchen Haie beobachten können.

Galapagos – zwischen Seelöwen, Haien und Meerechsen

26. April 2019

Sie haben eine ganz eigentümliche Schönheit, diese schroffen Vulkaninseln direkt auf dem Äquator. Mangroven und Oppuncien prägen das Bild. Grün auf schwarzem Lavafels vor türkisblauem Wasser. Die Strände sind weiß. Kein Lavasand, sondern Fisch-Kakita, wie Paul so richtig bemerkte. Es ist bemerkenswert sauber und Müllfrei hier. Ecuador bemüht sich offensichtlich erfolgreich um sanften, nachhaltigen Tourismus.

Die Tierwelt ist so einzigartig, wie man sich das vorstellt wenn man an Galapagos denkt. Allerdings sind es viel weniger Arten als ich erwartet hatte! Die großen, imposanten Reptilien, Vögel und Säuger kann man an zwei Händen abzählen. Auch im kleinen ist die Auswahl nicht groß, aber exquisite: So habe ich zum Beispiel nur zwei Arten Schmetterlinge entdecken können, einen kleinen Blauen und einen großen Gelben. Beide sind allerdings ausgesprochen hübsch. Von den 13 Darwin-Finkenarten, die es auf den Inseln hier gibt, haben wir bislang zwei gesichtet; eine gelbe und eine schwarze.

In der Darwin-Station haben wir zum ersten Mal die gigantischen Riesenschildkröten gesehen. Diego ist schon über 100 Jahre alt und dennoch verantwortlich für die meisten Nachkommen auf dieser Insel. Happy Turtels!

Rund um den kleinen Hafen ist der Kindergarten der Meerechsen und Galapagos-Haie.

Seelöwen tummeln sich überall.

Vor ein paar Tagen hat mich Ohrenbetäubender Lärm aus dem Schlaf gerissen:

Piraten!!! – Quatsch.

Schwerverletzter!!! – Wo bin ich eigentlich? – Ohgott, jetzt weiß ich was das ist! Bitte lass den Letzten gestern Abend die Terassentür geschlossen haben!

Sie war zu und der Seelöwe saß gemütlich im Cockpit, auf der Bank am Tisch, lautstark nach seinen Kumpels rufend, weil es hier so weich und kuschelig ist.

Zum Glück ist er freiwillig gegangen, als ich das Licht angemacht haben. Aber nicht ohne noch einen dicken Haufen zu hinterlassen. Man man man.

Auch Tagsüber haben wir Besuch bekommen und es hat ihn überhaupt nicht gestört das Geri und Cyrill keine zwei Meter neben ihm am Tisch saßen!

Der Fischmarkt von Puerto-Ayora bietet ebenfalls eine einmalige Show. Seelöwen, Pelikane und Fregattvögel tummeln sich überall und werden großzügig, von den Fischern, mit den Abfällen bedacht. Manch einer der großen Säuger hat mich schwer an unseren Nick, den Labrador erinnert, wie er mit stoischer Gelassenheit einfach vor dem Filletiertisch hocken bleibt, ungeachtet dessen, dass alle ständig vor in stoßen und über ihn klettern müssen.

Auf dem Weg nach Galapagos

7. April, Pazifik

Am zweiten Tag auf See stirbt der Wind und wir wollen den Motor starten. Ungefähr fünf Sekunden nachdem er die Hebel umgelegt hat, kommt der Käpt’n vom Steuerstand runter und starrt fassungslos auf unser Kielwasser: „Der Propeller ist weg!“ Ich starre zurück und denke, dass ich mich verhört haben muss. Ein Propeller kann doch nicht einfach so abfallen!
Aber die Indizien sind erdrückend. Die Welle dreht, ohne jeden Widerstand, viel zu hoch und es zeigt sich kein Schraubenwasser. Ein Unterwasserfoto, mit der Kamera am Besenstiel, beweist die unfassbare Tatsache: aus dem Saildrive ragt nur noch das nackte Gewinde. Der gesamte Propeller ist einfach verschwunden.
Nach dem ersten Schreck setzen wir den Genaker und stellen wilde Vermutung an, wie das passieren konnte. Aber nichts ist wirklich schlüssig. Und es hilft uns auch nicht weiter.
Am Ende ist die Pami immer noch ein Segelschiff und mit den Segeln ist alles in Ordnung. Der Steuerbordantrieb funktioniert einwandfrei (ein Katamaran hat zwei Motoren), aber wir sind manövrierbehindert. Das Großsegel wollen wir, aus Sicherheitsgründen, jetzt auch nicht mehr setzen. So bleiben uns unsere drei Vorsegel, und als nach 24 Stunden Flaute der Wind wieder auffrischt, machen wir auch ganz gute Fahrt.

Spannend bleibt, wie lange es dauert einen neuen Propeller nach Galapagos zu schicken und zu montieren. Wir haben natürlich sofort, per Satellit, eine E-Mail nach Europa geschickt und hoffen, dass man dort so schnell wie möglich in Aktion tritt!
Auf den Inseln wissen unsere Seglerfreunde auch schon Bescheid und haben ausgekundschaftet, wo wir am besten vor Anker gehen. Mehr können wir im Moment nicht tun. Also zurück zum Alltag auf hoher See.

Der Pazifik macht seinem Namen alle Ehre – Stiller Ozean: eine unendliche, fast flache, tiefblaue Weite.
Am ersten Tag sehen wir von fern einen kleinen Wal, Delphine und einen Hai, der kurz, dicht an der Pami vorbei schlenzt. Danach sind die einzigen Wirbeltiere in unserer Nähe sieben Boobies (Möven ähnliche Vögel), die uns tagelang begleiten. Wir sehen zwar, was sie anrichten, bringen es aber trotzdem nicht übers Herz, die scheinbar erschöpften Tiere, nachts vom Schiff zu scheuchen.

Ganz vorne auf der Reling hocken die Racker und wenn man mit festem Seemannsschritt auf sie zuwankt, trippeln sie immer weiter Richtung Bug und starren einen mit so vorwurfsvollen, kleinen, schwarzen Knopfaugen an, dass man nicht „Uuah“ schreit, sondern es nur bei einer eindringlichen Ermanung belässt: „Nicht aufs Boot! Federpopo über die Reling!“
Nun, sie haben natürlich nicht zugehört. Als heute morgen wieder alles voll war, habe ich mir im ersten Licht des Tages, den Besen geschnappt und sie, im wahrsten Sinne des Wortes, von Bord gefegt.

Ich mache nämlich die Sonnenaufgangsschicht bei der Nachtwache. Daher hatten sie es als erstes mit mir zu tun! Der Käpt’n bleibt abends bis Mitternacht. Danach kommt Geri und um 5 Uhr löse ich Cyrill ab. Das klappt bestens und alle sind fit und munter. Die Kleinen kommen irgendwann gegen sieben zu mir auf den Steuerstand gekrabbelt und kuscheln erst mal ausgiebig, bevor der Tag richtig beginnt.
Wie immer auf See, ist die nächste Mahlzeit DAS Dauerthema unter der Mannschaft. Wunderbarerweise sind unsere neue Matrosen auch sehr gute Köche und da man offiziell nach Galapagos nicht mal tiefgekühltes Fleisch einführen darf, speisen wir hier ganz fürstlich.

Als wir den Äquator überqueren, erscheint Neptun und alle werden mit Südpazifikwasser getauft!

Die Stimmung ist bestens. Es wird viel gespielt und gelacht und der Spruch der Woche kam mal wieder von Michel: „Ich bin manchmal böse, wenn ich meine Lieblichkeit verloren habe!“

Aufbruch in den Pazifik

März 2019, Las Perlas, Panama

Zwei Wochen hatten wir geplant in der La Playita Marina neben Panama City zu liegen. Aufgrund widriger Umstände sind es nun doch drei Wochen geworden und alle Mann waren hoch erfreut, als es Gestern endlich losgehen konnte!

Alles mit Bleiche gewaschen und tatsächlich zwei Schaben gefunden!

Das Windinstrument war der Hauptgrund für die Verzögerung. Fällt die Windanzeige auf dem Plotter (Navigations- und Instrumentebildschirm) aus, ist es nicht so einfach zu sagen, wo der Fehler liegt. Oben auf der Mastspitze sitzt der Windmesser. Ein langes Kabel durch den Mast verbindet ihn mit einer Blackbox im Ankerkasten, von wo die Daten zum Plotter geleitet werden. Cyrill und JD haben Tage mit der Fehlersuche verbracht und gleichzeitig den Ersatzteilen hinterher telefoniert. Die verschlungenen Pfade, die so ein Garantiefall von einer französischen Yacht in Panama geht, führen auch durch die USA und sind nur schwer nachzuvollziehen!

Waschmaschine reparieren: Schwerstarbeit in der schwülen Hitze!

Parallel ist auch noch die Waschmaschine in Streik getreten. Das war immerhin der perfekte Ort hierfür: Man konnte einfach im Internet „Miele Panama City“ heraussuchen und einen Techniker bestellen!

Der hat ein Softwareupdate gemacht (ja, ehrlich! Bei der Waschmaschine!), meinte aber direkt, dass der Wasserzulauf auch verstopft sein könnte, und da könne er nicht heran, so wie die Maschine eingebaut ist.

Am Ende musste der Käpt’n tatsächlich die Wama ausbauen, drehen und den ZulaufFilter reinigen. Was für eine Arbeit!

Shoppingglück in Panama! Wir haben eine Dusche voll gebunkert

Danach haben wir uns erst mal mit wachsamen Augen überall umgesehen und überlegt, was denn noch so kaputt gehen könnte. Als Resultat hatte mein Mann, bei unserem nächsten Ausflug zu einer der großen Shopping Mals, die Kaffeemaschine, wie einen kleinen Hund, unter den Arm geklemmt.

Die Auskunft des Espressoshops: kein Problem, in sechs Stunden können wir sie, frisch gewartet, wieder mitnehmen! Wunderbar!

Seglerfrauen

Zwar war die To do Liste, die wir mit hatten, mal wieder ziemlich lang, dennoch konnten wir den Tag, als Paar, alleine in der Stadt, so richtig genießen! Zeit genug für einen Sushi-lunch und später ein entspanntes Bierchen, war alle mal, und ich persönlich fand shoppen in einem richtigen Baumarkt auch ganz wunderbar.

In dieser Mal gab es übrigens wirklich alles! Von Armani über Appel oder Lego, bis zum Kaufhaus mit großer Gerschirrabteilung – nur ein neues Coolpack habe ich nicht gefunden.

Dabei wäre das fast so wichtig wie neue Teller gewesen, wie Paul eindrucksvoll bewiesen hat.

Der ist nämlich (womit wir eigentlich schon seit Reiseantritt gerechnet hatten) vom Oberdeck der Pami gefallen… Hätte sicher schlimmer sein können, aber wir haben schon einen ganz schönen Schreck gekriegt! Er ist an der Seite kopfüber auf den Laufgang gekippt und binnen zehn Sekunden hat sich auf der Stirn eine wirklich riesige, blaue Beule gebildet. Zum Glück weder eine Platzwunde noch eine Gehirnerschütterung. Man man man.

Paul will nur noch Schule mit Geri machen

Übrigens hat sich (als Beruhigung der Ängstlichen unter uns), in den Reigen der Segler, die mit uns über den Pazifik schwappen, neben dem Zahnarzt, noch eine Kinderchirurgin eingereiht.

Apropos Helfen unter Seglern: es ist doch zu lustig, wie das manchmal funktioniert! Zum Beispiel JDs Sonnenbrillen; die haben wir via Internet erst mal zu meiner Schwester bestellt. Als sie da waren, habe ich in die Runde der Segler um uns rum gewhatsappt, ob irgendwer Crew von Europa nach Galapagos erwartet? Ja, Stuart, UK, zu A Capella of Belfast! Stuart freut sich, dass es nur 2 Brillen sind, die zu dem Sack an Ersatzteilen dazu kommen!

Oder: Drei Pakete Ersatzteile für ITSARA, die wir in Shelter Bay kennen gelernt haben und die in Playita neben uns lagen. Sie wollten los, die Teile waren nicht da. Also haben sie uns gefragt, ob wir sie mit nach Galapagos bringen können. Klar! Dann wurde es bei uns aber immer später – also haben wir Hans von ALKYONE gefragt. Und jetzt dürften sie schon auf halbem Weg zu den Inseln sein! So läuft das hier!

Mami ist die beste Hängematte der Welt!

Jetzt habe ich schon so viel geschrieben und noch nicht von den hunderten von Pelikanen um uns rum erzählt, oder davon wie braun und wenig dschungelig Panama am Ende der Trockenzeit aussieht.

Morgens schreiten die Reiher…
…und abends wuseln die Waschbären.

Auch den Aufwand und die Kosten, die ein Besuch auf Galapagos bedeutet, müsste man eigentlich näher beschreiben. Ganz zu schweigen von der Proviantierung für sechs Personen, deren Grundstock bis Französisch Polynesia reichen soll…

Supermarkt Lieferservice ist großartig!

Ich hoffe, mein bisschen Internet hier, vor den Las Perlas, reicht aus um auch einige Fotos hochladen zu können!

Sobald sich günstige Winde zeigen und wir das Unterwasserschiff nochmal geschrubbt haben, geht es auf zu den Galapagos-Inseln. Wir rechnen mit grob einer Woche auf See.

Der Panamakanal

März 2019, La Payita Marina, Panama, Pazifik

Man mag ja denken: Der Panamakanal sind auch bloß Schleusen. Reinfahren, rauf oder runter, rausfahren. Das ist zwar grundsätzlich richtig, dennoch ist es für uns Segler ein sehr aufregendes Abenteuer, das mit viel Vorbereitung verbunden ist.

Erst einmal braucht man neben dem Kapitän, vier line handler mit Leinen und zusätzliche Fender. Damit fing unser Abenteuer schon an! Gerald, einer von unseren zwei neuen Crewmitgliedern für den Pazifik, war schon an Bord. Damit fehlten, neben mir, noch zwei line handler. Eigentlich wollten wir Profis anheuern, aber dann hat uns der Marinamanager gefragt, ob er und sein Sohn mitkommen dürften. Das machen sie gelegentlich zum Spaß und um neue Schiffe kennenzulernen. Super! Könnte nicht besser sein, dachten wir. Bis sie 24 Stunden vorher absagen mussten und auch keinen Ersatz hatten.

Was nun? JD hat online nach Profis gesucht, Geri ist zum schwarzen Brett der Marina geflitzt und ich habe überlegt, welcher Segler in der Marina Lust und Zeit haben könnte. Für Profis war es zu kurzfristig, aber Geri hat eine Notiz von einer Norwegerin (Kamilla) gefunden und sie sofort kontaktiert, und mir ist Jürgen eingefallen. Diesen Marinabesitzer haben wir schon vor Monaten in Bocas kennengelernt und nun war er auch in Shelter Bay, um sein Schiff an Land zu überholen.

Um es kurz zu machen: Beide wollten und konnten und so hat sich die Pami am nächsten Mittag, mit ausgesprochen netter Besatzung, auf den Weg zum Kanal gemacht.

Jürgen, JD, Kamilla, Geri mit Paul, Jana mit Michel

Die erste Station ist ein Ankerfeld, wo die Adviser an Bord kommen. Sie kamen auch, der Chef und sein Eleve, und sie hießen: Hans und Jan! Zwei Milch- und Zartbitter braune Panamenier, die genauso lange wie wir gebraucht haben, den Knoten aus der Vorstellung mit noch einem Jan und Jana zu lösen!

Alle Mann bereit! Es kann losgehen!

Dort haben wir ein Weilchen neben LADY JANE, KRABAT und einem französischem Kat geschaukelt. Am frühen Nachmittag kam für uns und den Kat die Order zum Aufbruch. Unsere britischen Freunde sollten erst um 17.30 Uhr losmachen.

Wieviele Fender passen eigentlich zwischen zwei Kats?

Das „nesten“ mit den Franzosen verlief problemlos und gemeinsam sind wir hinter einem Frachter in die erste Schleuse gefahren. Geri und Camilla hatten die steuerbord Leine vorne, Jürgen und ich die Heckleine. Backbord lag natürlich in den Händen der Franzosen. Hoch über uns, auf den Schleusenwänden, standen die Lockarbeiter mit den Wurfleinen, an deren Ende die kleinen, harten Affenfäuste sind, die sie mit erstaunlicher Präzision auf die Schiffe werfen. Für alle Fälle hatten auch wir unsere Solarpaneele mit Kissen abgedeckt. Tatsächlich war jedoch das einzige Objekt, dass Gefahr lief getroffen zu werden, unser Adviser! Das war allerdings erst am zweiten Tag und ich will nicht vorgreifen.

Jürgen bevor es losgeht

Sobald man die Affenfaust gefangen hat, wird sie an die dicken, blauen Festmacher geknotet, welche dann nach oben gezogen und am Schleusenrand vertäut werden. Nachdem sich die Schleusentore völlig lautlos geschlossen hatten, strömte das Wasser ein und der Chefadviser auf dem französischen Steuerstand fing an, mehr oder weniger sinnvolle Kommandos zu brüllen. „Pull! Pull! Pull!“ war sicherlich erst einmal richtig und Jürgen und ich haben die Leine durch die Klampe gezogen, bis die Muskeln schmerzten und die Finger rauchten. Dennoch drifteten wir ganz langsam immer weiter Richtung backbord. Der französische Kapitän war des Englischen wohl nicht wirklich mächtig und hat gerne auch mal rückwärts eingekuppelt, wenn er eigentlich hätte vorwärts fahren sollen. Unser Adviser hatte mittlerweile – sehr freundlich und ungewöhnlich für seine Position – bei Geri und Kamilla vorne mit angepackt, so dass JD freie Hand am Steuer hatte und unbeobachtet (und dank des Elektroantriebs auch ungehört) nach eigenem Ermessen gegensteuern konnte. Dennoch konnten wir hinten irgendwann nicht weiter durchholen und mussten belegen, bevor die Leine ausrauschen konnte.

Die Rettung war die achterliche Backbordwinsch. Dummerweise war der Grill im Weg und wir konnten echt von Glück sagen, dass er dem Druck der über ihn hinweg gespannten Leine standgehalten hat!

Der Blick zurück auf den Atlantik

Kurz darauf war der Spuk vorbei und wir konnten von oben auf den Atlantik hinuntersehen. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass diese erste Schleuse immer die mit der meisten Strömung und am gefährlichsten ist. Da fragt man sich doch, warum einem das niemand vorher sagt!

Einfahrt in die zweite Schleusenkammer

Nummer Zwei und Drei folgten auf dem Fuße und verliefen völlig unproblematisch. Die blauen Leinen werden an Land gelöst, man zieht sich die Affenfaust an dem dünnen Tau wieder an Bord und dann sieht es so aus, als würden die vier Lockarbeiter am Schleusenrand, mit ihren Schiffen von einer Schleuse zur nächsten Gassi gehen.

Gatunsee voraus!

Sobald wir den Gatunsee erreicht hatten, haben wir uns von dem Franzosen gelöst und sind noch eine Meile weiter zu zwei riesigen Bojen gefahren, an denen die Segler gewöhnlich die Nacht verbringen.

Schlafplatz für Schleusengänger

KRABAT und LADY JANE, die zusammen, nach uns geschleust wurden, kamen erst an, als ich schon lange in Morpheus Armen lag. Zum Glück hatten wir einen riesigen Topf Curry vorgekocht. Denn zu viel mehr als essen waren wir, nach dem Vertäuen an der Boje, alle nicht mehr fähig!

KRABAT an JaJapami

Als ich am nächsten Morgen als Erste nach oben gekrabbelt kam, lag KRABAT gemütlich an die Pami gekuschelt und die LADY bei dem anderen Kat. Überall konnte man schlafende line handler in den Cockpits sehen, die großen Ozeanriesen kreuzten von und zu den Schleusen und irgendwie hatte sich der Geruch verändert. Natürlich! Wir hatten das Meer verlassen und es roch nach Süßwasser!

„Da sind die großen Frachter!“
Die Advisor kommen

Statt um 7.30 Uhr, wie angekündigt, kamen die Adviser erst nach Neun an Bord. So konnten wir zwar gemütlich frühstücken, wurden aber später unbarmherzig gehetzt. 28 Meilen in vier Stunden. Das war der langerwartete Härtetest für unseren Antrieb! Würde die neu installierte Generatorkühlung ihren Zweck erfüllen? Und auch sonst keine wichtigen Teile überhitzen? Außer kochen gab es auf dieser Strecke nicht viel zu tun. Dennoch hätten wir nach einiger Zeit, mit gewissen Muskelpartien, Nüsse knacken können!

JD, Advisor und Geri mit Jungs im Kanal

Der Panamakanal

Kurz vor der Pedro Miguel Schleuse wurden wir angewiesen anzuhalten. Wir hatten es geschafft!

Ein leises, vielleicht etwas zitteriges, Lächeln des Triumphes umspielte die Lippen des Kapitäns… Eineinhalb Jahre lang hatte er immer wieder Blut und Wasser geschwitzt, um unseren Antrieb auf diese Leistung hin zu optimieren, und am Ende hatte er das gesetzte Ziel wirklich erreicht!

JaJapami stolz im Panamakanal

Die nächsten Schleusungen waren zwar etwas konfus organisiert, haben uns aber aber ohne Zwischenfälle in den Pazifik gebracht. Erst hieß es, wir sollen längsseits an einen Personenfähre gehen, dann doch wieder nicht, und schließlich sind wir alleine in „center position“ durchgegangen.

JaJapami und links LADY JANE, der Franzose und KRABAT auf der Web cam der Miraflores Schleusen

Durch dieses hin und her kam es auch zu der unglücklichen Situation, das „mein“ Schleusen-line handler seine Affenfaust genau in dem Moment fliegen ließ, als ich neben dem Steuerstand vorbei ging. JD hat meine Warnung gehört und sich weggeduckt, aber der Adviser kam just die Stufen hoch und hätte die harte Kugel vermutlich direkt auf die Nase bekommen, wenn ich sie nicht so gerade noch, am langen Arm, erwischt hätte! Glück gehabt.

LADY JANE im Kanal

Auch für Allen und Maria auf der LADY JANE wurde es zwischenzeitlich ganz schön ungemütlich: während wir alleine in die Schleuse fuhren, wurden sie angewiesen, zusammen mit KRABAT, mit dem anderen Kat zu nesten. Allen fuhr also langsam auf das Päckchen „Franzose mit KRABAT“ zu und legte im passenden Moment den Rückwärtsgang ein. Woraufhin die LADY langsam, vorwärts am Ziel vorbeischoss… Und so ist es bis heute. Sieben Knoten vorwärts im Vorwärtsgang und zwei Knoten vorwärts im Rückwärtsgang. Nun ja, that’s sailors life. Während wir hier noch schnell zwei zusätzliche Solarpaneele installieren (zusätzliche 630 Watt zu den 800 Watt), müssen sie noch mal rausgekrant werden und einen neuen Propeller einbauen. Wir hoffen also nach wie vor, gleichzeitig nach Galapagos zu segeln.

Prost Pazifik!
Panama City

Seit einer Woche sind wir nun in La Playita Marine, direkt bei Panama City.

Cyrill, unser schweizer Crewmitglied ist angekommen, und wir sechs auf der Pami sind uns alle einig, eine super Mannschaft zu bilden, die bis Tahiti zusammen bleiben will.

Paul will nur noch Schule mit Geri machen, Cyrill wird dauernd bekuschelt und muss Michel kitzeln und beide sind (im Gegensatz zu mir) bereit, den Lütten Comics vorzulesen. Um das Glück der Kleinen perfekt zu machen, sind sie seit über drei Wochen auch noch ständig mit den vier bayerischen Kindern von ALKYONE zusammen.

Jetzt müssen wir das Schiff nur noch bis oben hin mit Lebensmitteln vollstopfen und dann kann’s losgehen. Über die Las Perlas nach Galapagos und dann Richtung Gambier und Französisch Polynesien.