Der Panamakanal

März 2019, La Payita Marina, Panama, Pazifik

Man mag ja denken: Der Panamakanal sind auch bloß Schleusen. Reinfahren, rauf oder runter, rausfahren. Das ist zwar grundsätzlich richtig, dennoch ist es für uns Segler ein sehr aufregendes Abenteuer, das mit viel Vorbereitung verbunden ist.

Erst einmal braucht man neben dem Kapitän, vier line handler mit Leinen und zusätzliche Fender. Damit fing unser Abenteuer schon an! Gerald, einer von unseren zwei neuen Crewmitgliedern für den Pazifik, war schon an Bord. Damit fehlten, neben mir, noch zwei line handler. Eigentlich wollten wir Profis anheuern, aber dann hat uns der Marinamanager gefragt, ob er und sein Sohn mitkommen dürften. Das machen sie gelegentlich zum Spaß und um neue Schiffe kennenzulernen. Super! Könnte nicht besser sein, dachten wir. Bis sie 24 Stunden vorher absagen mussten und auch keinen Ersatz hatten.

Was nun? JD hat online nach Profis gesucht, Geri ist zum schwarzen Brett der Marina geflitzt und ich habe überlegt, welcher Segler in der Marina Lust und Zeit haben könnte. Für Profis war es zu kurzfristig, aber Geri hat eine Notiz von einer Norwegerin (Kamilla) gefunden und sie sofort kontaktiert, und mir ist Jürgen eingefallen. Diesen Marinabesitzer haben wir schon vor Monaten in Bocas kennengelernt und nun war er auch in Shelter Bay, um sein Schiff an Land zu überholen.

Um es kurz zu machen: Beide wollten und konnten und so hat sich die Pami am nächsten Mittag, mit ausgesprochen netter Besatzung, auf den Weg zum Kanal gemacht.

Jürgen, JD, Kamilla, Geri mit Paul, Jana mit Michel

Die erste Station ist ein Ankerfeld, wo die Adviser an Bord kommen. Sie kamen auch, der Chef und sein Eleve, und sie hießen: Hans und Jan! Zwei Milch- und Zartbitter braune Panamenier, die genauso lange wie wir gebraucht haben, den Knoten aus der Vorstellung mit noch einem Jan und Jana zu lösen!

Alle Mann bereit! Es kann losgehen!

Dort haben wir ein Weilchen neben LADY JANE, KRABAT und einem französischem Kat geschaukelt. Am frühen Nachmittag kam für uns und den Kat die Order zum Aufbruch. Unsere britischen Freunde sollten erst um 17.30 Uhr losmachen.

Wieviele Fender passen eigentlich zwischen zwei Kats?

Das „nesten“ mit den Franzosen verlief problemlos und gemeinsam sind wir hinter einem Frachter in die erste Schleuse gefahren. Geri und Camilla hatten die steuerbord Leine vorne, Jürgen und ich die Heckleine. Backbord lag natürlich in den Händen der Franzosen. Hoch über uns, auf den Schleusenwänden, standen die Lockarbeiter mit den Wurfleinen, an deren Ende die kleinen, harten Affenfäuste sind, die sie mit erstaunlicher Präzision auf die Schiffe werfen. Für alle Fälle hatten auch wir unsere Solarpaneele mit Kissen abgedeckt. Tatsächlich war jedoch das einzige Objekt, dass Gefahr lief getroffen zu werden, unser Adviser! Das war allerdings erst am zweiten Tag und ich will nicht vorgreifen.

Jürgen bevor es losgeht

Sobald man die Affenfaust gefangen hat, wird sie an die dicken, blauen Festmacher geknotet, welche dann nach oben gezogen und am Schleusenrand vertäut werden. Nachdem sich die Schleusentore völlig lautlos geschlossen hatten, strömte das Wasser ein und der Chefadviser auf dem französischen Steuerstand fing an, mehr oder weniger sinnvolle Kommandos zu brüllen. „Pull! Pull! Pull!“ war sicherlich erst einmal richtig und Jürgen und ich haben die Leine durch die Klampe gezogen, bis die Muskeln schmerzten und die Finger rauchten. Dennoch drifteten wir ganz langsam immer weiter Richtung backbord. Der französische Kapitän war des Englischen wohl nicht wirklich mächtig und hat gerne auch mal rückwärts eingekuppelt, wenn er eigentlich hätte vorwärts fahren sollen. Unser Adviser hatte mittlerweile – sehr freundlich und ungewöhnlich für seine Position – bei Geri und Kamilla vorne mit angepackt, so dass JD freie Hand am Steuer hatte und unbeobachtet (und dank des Elektroantriebs auch ungehört) nach eigenem Ermessen gegensteuern konnte. Dennoch konnten wir hinten irgendwann nicht weiter durchholen und mussten belegen, bevor die Leine ausrauschen konnte.

Die Rettung war die achterliche Backbordwinsch. Dummerweise war der Grill im Weg und wir konnten echt von Glück sagen, dass er dem Druck der über ihn hinweg gespannten Leine standgehalten hat!

Der Blick zurück auf den Atlantik

Kurz darauf war der Spuk vorbei und wir konnten von oben auf den Atlantik hinuntersehen. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass diese erste Schleuse immer die mit der meisten Strömung und am gefährlichsten ist. Da fragt man sich doch, warum einem das niemand vorher sagt!

Einfahrt in die zweite Schleusenkammer

Nummer Zwei und Drei folgten auf dem Fuße und verliefen völlig unproblematisch. Die blauen Leinen werden an Land gelöst, man zieht sich die Affenfaust an dem dünnen Tau wieder an Bord und dann sieht es so aus, als würden die vier Lockarbeiter am Schleusenrand, mit ihren Schiffen von einer Schleuse zur nächsten Gassi gehen.

Gatunsee voraus!

Sobald wir den Gatunsee erreicht hatten, haben wir uns von dem Franzosen gelöst und sind noch eine Meile weiter zu zwei riesigen Bojen gefahren, an denen die Segler gewöhnlich die Nacht verbringen.

Schlafplatz für Schleusengänger

KRABAT und LADY JANE, die zusammen, nach uns geschleust wurden, kamen erst an, als ich schon lange in Morpheus Armen lag. Zum Glück hatten wir einen riesigen Topf Curry vorgekocht. Denn zu viel mehr als essen waren wir, nach dem Vertäuen an der Boje, alle nicht mehr fähig!

KRABAT an JaJapami

Als ich am nächsten Morgen als Erste nach oben gekrabbelt kam, lag KRABAT gemütlich an die Pami gekuschelt und die LADY bei dem anderen Kat. Überall konnte man schlafende line handler in den Cockpits sehen, die großen Ozeanriesen kreuzten von und zu den Schleusen und irgendwie hatte sich der Geruch verändert. Natürlich! Wir hatten das Meer verlassen und es roch nach Süßwasser!

„Da sind die großen Frachter!“
Die Advisor kommen

Statt um 7.30 Uhr, wie angekündigt, kamen die Adviser erst nach Neun an Bord. So konnten wir zwar gemütlich frühstücken, wurden aber später unbarmherzig gehetzt. 28 Meilen in vier Stunden. Das war der langerwartete Härtetest für unseren Antrieb! Würde die neu installierte Generatorkühlung ihren Zweck erfüllen? Und auch sonst keine wichtigen Teile überhitzen? Außer kochen gab es auf dieser Strecke nicht viel zu tun. Dennoch hätten wir nach einiger Zeit, mit gewissen Muskelpartien, Nüsse knacken können!

JD, Advisor und Geri mit Jungs im Kanal

Der Panamakanal

Kurz vor der Pedro Miguel Schleuse wurden wir angewiesen anzuhalten. Wir hatten es geschafft!

Ein leises, vielleicht etwas zitteriges, Lächeln des Triumphes umspielte die Lippen des Kapitäns… Eineinhalb Jahre lang hatte er immer wieder Blut und Wasser geschwitzt, um unseren Antrieb auf diese Leistung hin zu optimieren, und am Ende hatte er das gesetzte Ziel wirklich erreicht!

JaJapami stolz im Panamakanal

Die nächsten Schleusungen waren zwar etwas konfus organisiert, haben uns aber aber ohne Zwischenfälle in den Pazifik gebracht. Erst hieß es, wir sollen längsseits an einen Personenfähre gehen, dann doch wieder nicht, und schließlich sind wir alleine in „center position“ durchgegangen.

JaJapami und links LADY JANE, der Franzose und KRABAT auf der Web cam der Miraflores Schleusen

Durch dieses hin und her kam es auch zu der unglücklichen Situation, das „mein“ Schleusen-line handler seine Affenfaust genau in dem Moment fliegen ließ, als ich neben dem Steuerstand vorbei ging. JD hat meine Warnung gehört und sich weggeduckt, aber der Adviser kam just die Stufen hoch und hätte die harte Kugel vermutlich direkt auf die Nase bekommen, wenn ich sie nicht so gerade noch, am langen Arm, erwischt hätte! Glück gehabt.

LADY JANE im Kanal

Auch für Allen und Maria auf der LADY JANE wurde es zwischenzeitlich ganz schön ungemütlich: während wir alleine in die Schleuse fuhren, wurden sie angewiesen, zusammen mit KRABAT, mit dem anderen Kat zu nesten. Allen fuhr also langsam auf das Päckchen „Franzose mit KRABAT“ zu und legte im passenden Moment den Rückwärtsgang ein. Woraufhin die LADY langsam, vorwärts am Ziel vorbeischoss… Und so ist es bis heute. Sieben Knoten vorwärts im Vorwärtsgang und zwei Knoten vorwärts im Rückwärtsgang. Nun ja, that’s sailors life. Während wir hier noch schnell zwei zusätzliche Solarpaneele installieren (zusätzliche 630 Watt zu den 800 Watt), müssen sie noch mal rausgekrant werden und einen neuen Propeller einbauen. Wir hoffen also nach wie vor, gleichzeitig nach Galapagos zu segeln.

Prost Pazifik!
Panama City

Seit einer Woche sind wir nun in La Playita Marine, direkt bei Panama City.

Cyrill, unser schweizer Crewmitglied ist angekommen, und wir sechs auf der Pami sind uns alle einig, eine super Mannschaft zu bilden, die bis Tahiti zusammen bleiben will.

Paul will nur noch Schule mit Geri machen, Cyrill wird dauernd bekuschelt und muss Michel kitzeln und beide sind (im Gegensatz zu mir) bereit, den Lütten Comics vorzulesen. Um das Glück der Kleinen perfekt zu machen, sind sie seit über drei Wochen auch noch ständig mit den vier bayerischen Kindern von ALKYONE zusammen.

Jetzt müssen wir das Schiff nur noch bis oben hin mit Lebensmitteln vollstopfen und dann kann’s losgehen. Über die Las Perlas nach Galapagos und dann Richtung Gambier und Französisch Polynesien.

Erste Hilfe im Paradies

Februar 2019, San Blas, Coracon de Jesus

Irgendwo in Kuna Yala

Nachmittags, gerade als wir uns anschickten die etwas größere und von ein paar Kunas bewohnte Insel Tiadup neben uns zu besichtigen, kam ein Funkspruch von A CAPELLA OF BELFAST: bei ihnen am Boot seien zwei Gunas in ihrem Einbaum. Einer offensichtlich an der Hand verletzt. Da sie kein Spanisch sprechen, konnten sie nicht verstehen was die Beiden brauchten und haben daher uns um Hilfe gebeten. Fünf Minuten später war es dann plötzlich sehr voll auf der Pami. Wir fünf, Allen und Maria, Julian von A CAPELLA und die zwei Gunas. Der arme Kerl hatte sich beim Arbeiten, tief mit der Machete in die Hand gehackt! Sein Chief war mitgekommen um die Yachties nach Schmerzmitteln zufragen.

LADY JANE vor Tiadup

Die Hand war stramm in blutige Lumpen gewickelt. Natürlich habe ich ihn sofort mit einer sehr hohen Dosis Schmermittel versorgt und nach 20 Minuten ging es ihm auch tatsächlich deutlich besser. Am nächsten Morgen sollte ihn ein Panga (kleines Holzmotorboot) zu einer nahen Insel mit einem kleinen Hospital bringen, aber bis dahin wäre die Wunde nicht weiter gereinigt oder versorgt worden. Daher haben wir ihn freundlich gedrängt, mich doch mal nachschauen zu lassen und soweit zu helfen wie es geht. Erst wollte er nicht sorecht, wohl aus Angst und Sorge darum unser Boot vollzubluten, aber nachdemauch sein Chief ein paar ermunternde Worte gesagt hatte, ist er mit mir zum Waschbecken gekommen. Der Schnitt war nicht lang, aber sehr tief und hatte offenbar eine kleine Arterie verletzt. Ich habe mein Bestes getan, alles zureinigen, zu desinfizieren und die Blutung mit einem sauberen Druckverband zustoppen. Aber falls Jemand, der mich sehr gut kennt, jetzt denkt ich hätte Spaß daran gehabt, oder es zumindest spanend gefunden, muss ich sagen: nein, nicht im Mindesten! Ich habe mich vor allem bemüht meinen Patienten meine Nervosität nicht spüren zu lassen und war heilfroh, das dass Nähen am nächsten Tag von richtigen Ärzten getan werden würde.

Auf den Pfaden der Kunas
Traditionelles Leben auf Tiadup…

 Nachdem wir versprochen hatten, später noch einmal nach ihm zu sehen, sind die Beiden zur Insel zurück. Auch wir sind kurz darauf, mit allen Mann an Land gefahren, haben uns die Hütten angesehen und die obligatorische Mola, eine landestypische Handarbeit, gekauft.

Die Molas der Kuna

Ob es richtig war, den Verband später noch einmal zuwechseln, weiß ich nicht. Aber ich wollte sicher sein, dass die Finger gut genug durchblutet werden und es scheint auch nicht geschadet zu haben.

Verbandwechsel mit vielen Zuschauern

Unser Patient auf dem Weg zum Hospital

Am nächsten Tag wollten wir eh zu der dicht besiedelten Insel Coracon de Jesus, um dort Wasser und Gemüse zu bunkern. Da kein Panga auftauchte, das unseren Patienten befördern könnte, haben wir ihn morgens, kurzer Hand, an Bord geholt und zusammen mit seinem Freund Lisandro zum Hospital gefahren. Bevor es losgehen konnte, wurde es noch einmal richtig trubelig umuns herum. Dingis sausten zwischen den Schiffen umher; erst kam Allen zu uns, dann Susanne von SERENETY (Freunde aus Bocas, die mittlerweile neben uns geankert hatten), die Mutter der kleinen österreichischen Jungs, mit denen unsere Tags zuvor lange gespielt hatten, brachte ihre Kontaktdaten, damit wiruns im Pazifik auch ja wieder finden, und zum Schluss der Patient und Lisandro.

Endlich wird der Patient an Land gebracht

Endlich ging es Anker auf und keine zwei Stunden später wieder Anker nieder. Genau gegenüber dem Hospitale. Dann gab es großes Gesuche und Gerufe, bis schließlich ein Guna in der Bucht die Lage begriff, längsseits kam und den Patient an Land übersetze. Wir wollten ein Stückchen weiter an den kleinen Betonanleger der Insel, um Wasser zu tanken. Der war allerding schon ganz schön voll, weshalb wir schließlich, in dritter Reihe, längsseits an einem kleinen, kolumbianischen Frachter festgemacht haben.  An Land zu gehen wurde daher zu einer heitern Kletterpartie und ich weiß nicht, wie die Männer es später geschafft haben, alle Einkäufe wieder heil an Bord zu bringen!

Bevor wir wieder an Bord gingen, haben wir noch unseren Patienten getroffen. Er strahlten glücklich von einem Ohr zum anderen: Die Hand war mit sieben Stichen genäht worden und würde wohl gut verheilen. Wie schön!

Wer findet die kleinen JaJapamis auf der Brücke zwischen den Inseln?
JaJapami und LADY JANE am Dock von Coracon de Jesus
Stiller kann ein stilles Örtchen kaum sein!

Am späten Nachmittag haben wir wieder losgemacht und sind zur nächsten Insel, Greenland, wo unsere britischen Freunde uns, und ihre Bestellungen, schon erwartet haben.

Coco Bandero, hier lagen wir mit LADY JANE und den anderen zwischen drei Inseln eingekuschelt

Abenteuer im Dunkeln

Capten und Minimatrose auf Landgang

Februar 2019, San Blas, Holandes Cays

Gemeinsam mit LADY JANE haben wir uns am 5. Feb. auf den Weg nach Guna Yala (San Blas) gemacht. Das Land der Guna Indianer gehört zwar formal zu Panama, wird aber in einer Teilautonomie durch ihre Chiefs regiert. Über 340 Inseln gehören zu diesem Archipel im Osten der panamesischen Karibik und noch zeichnet sich dieses Land besonders dadurch aus, dass seine Bewohner ihre Kultur und Traditionen am besten von allen heutigen Indianerstämmen bewahren konnten. Besucher sind willkommen, niederlassen darf man sich hier aber nicht. Was für ein Unterschied zu Bocas del Toro, wo die Ngobe eine recht unauffällige Existenz zwischen all den amerikanischen, europäischen und chinesischen Einwanderern führen!

Den zweiten Tag haben wir vor den Chichime Cays geankert, schön geschnorchelt, und uns am späten Nachmittag mit Allen und Maria und einer weiteren Crew in der kleinen Garküche der Insel getroffen. „Restaurant“ scheint mir nicht ganz das passende Wort für die kleine Bambusstangenhütte mit den vier Tischen und dem Grillplatz ein paar Meter neben an. Das Essen war landestypisch schlicht, aber lecker: Hühnchen oder Lobster vom Grill, frittierte Kochbananenscheiben und Kohlsalat.

Nach einem sehr vergnüglichen Abend sind wir mit zwei Dingis in unser erstes San Blas-Abenteuer aufgebrochen; und natürlich, wie das bei den meisten Abenteuern so ist, wussten wir vorher nicht, dass es eines werden würde! LADY JANE ankerte zwischen dieser und einer zweiten, kleineren Insel. JaJapami und RAMBLER lagen im Süden der großen Insel, von LADY JANE durch ein lang gezogenes, von der Insel nach Süden zeigendes, Riff getrennt. In einer mondlosen, stockfinsteren Nacht haben wir mit unserer starken Taschenlampe problemlos den Weg zur LADY gefunden und Allen und Maria abgesetzt. RAMBLERS Dingi, in Ermangelung einer eigenen Lampe, folgte uns auf dem Fuße.

An beiden Ankerplätzen lagen etwa zehn Yachten und anfangs konnten wir uns gut zwischen ihren Ankerlichtern und der, von uns angestrahlten, kleineren Insel orientieren. Dann hätten wir in einem großen Linksbogen das Riff umfahren müssen und wären in unserem Ankerfeld gewesen. Irgendwie haben wir es aber geschafft, dass alle fünf Erwachsenen komplett die Orientierung verloren haben, fast auf Sand gelaufen sind, und unbemerkt in entgegengesetzter Richtung weiter am Strand entlang getuckert sind! Ich kann es immer noch nicht recht glauben, aber scheinbar haben wir die kleine Insel einmal ganz, in falscher Richtung, umrundet! Erst nach einer Weile kam die geniale Idee auf, doch mal das Handy mit der Karte zu zücken, zurück zur LADY zu fahren und einen neuen Anlauf zu nehmen. Bei zweitem Versuch haben wir wie die Schießhunde aufgepasst und wären auch ohne Probleme bei unseren Booten gelandet, wenn dieser blöde Hornhecht nicht genauso orientierungslos gewesenwäre wie wir! Der fast armlange Fisch ist dem Kapitän und den Kindern direkt auf den Schoss gesprungen, während ich vorne mit der Lampe saß und nicht helfen konnte. Lautes Gequieke, Gezeter und Geplatsche, bis es endlich Jelle gelungen war, den glitschigen Kameraden über Bord zu schmeißen! Im Nachhinein zum Totlachen, war es in dem Moment, dicht neben einem unsichtbaren, scharfkantigen Korallenriff, doch ziemlich Nerven aufreibend!

Schließlich sind wir ohne weitere Zwischenfälle auf unseren Booten angekommen und nach einem kurzen „Gute Nacht“ gleich in unsere Kojen gefallen.

Der nächste Tag brachte recht viel Wind, den wir genutzt haben, um zu den Hollandes Cays zu segeln. Hier haben uns KRABAT und A CAPELLA OF BELFAST erwartet. Zwei weitere, britische Schiffe, die mit uns den Atlantik überquert hatten. Es gab ein nettes Wiedersehen und dann wurde es offenbar Zeit, dass auf der Pami mal wieder etwas kaputt ging… Als wir planmäßig, nach einem halben Jahr, den ordnungsgemäß eingemotteten Watermaker wieder in Betrieb neben wollten, war die Pumpe kaputt. Schon wieder so ein Mist! JD hat gleich über Satelliten-E-Mail eine neue bestellt. Denn Mobilfunk, geschweige denn Internet ist hier sehr rar. So wird die To do-Liste für die Tage vor der Kanaldurchfahrt immer länger.

Am Srand mit LADY JANE

Unser Wassertank war noch ein Viertel voll und die anderen haben uns großzügig mit Trinkwasser und Duschmöglichkeiten versorgt. So konnten wir noch ein bisschen bleiben, ohne gleich Kurs auf die nächste Wasserquelle nehmen zu müssen. Herrliche Tage mit Traumstrand, Adler- und Stachelrochen, Lobster unter Steinen, viel viel Schwimmen für die Jungs, in bester Gesellschaft, folgten nun.

Jelle schnorchelt mit den Jungs

Im nächsten Blog gibt es Abenteuer Nummer zwei: nichts fürschwache Nerven, oder Leute die kein Blut sehen können!

Shelter Bay Marina

Februar 2019

Eine gute Woche waren wir in der Shelter Bay Marina, direkt neben der Einfahrt zum Panama Kanal. Es war nett dort, aber noch netter war es wieder auszulaufen. Shelter Bay liegt mitten im Dschungel, eine Busstunde entfernt vom nächsten Supermarkt. Es gibt einen großen Schiffskran und viele Schiffe stehen an Land um vor dem Pazifik noch mal ihre Rümpfe mit anti-fouling zu streichen, oder andere Reparaturen durchzuführen. Daneben das Marina Restaurant, welches auch ein paar Zimmer zu vermieten hat, und einen sehr nützlichen, klimatisierten Arbeits- und Chillout-Raum im ersten Stock zur Verfügung stellt. Pauls Schulstunden verliefen dort ziemlich gut, da neben uns immer noch mindestens drei andere Kinder Bordunterricht erhalten haben.

Zum Restaurant gehört noch ein viel genutzter Pool, denn der nächste Strand ist weit. Daneben ein Minimarkt, ein mini Schiffsausrüster und einer sehr große Segelwerkstatt. Das wars. Will man mal raus aus der Marina, gibt es einen kurzen Rundweg durch den Dschungel, auf dem man neben Flora und Fauna noch die 20 Jahre alten Ruinen des ehemaligen Armee Stützpunktes, auf dessen Gelände alles erbaut wurde, besichtigen kann. 

Nach unserem Familienspaziergang bin ich noch einmal mit Jelle zu dem völlig überwucherten Bunker des ehemaligen Dschungeltrainingstützpunktes gegangen. Gut ausgestattet mit solider Kleidung, einem Stock und Kopflampen, haben wir uns in die völlig finsteren, hinteren Gänge gewagt um die Fledermäuse zu beobachten und Geheimnisse zu entdecken. Geheimnisse gab es leider keine, aber die Fledertiere waren nett und ich persönlich habe ja auch ein Faible für Küchenschaben und Spinnen, und die gab es reichlich! 

Ansonsten war die Woche sehr arbeitsreich. Alles muss vor dem Pazifik noch mal gecheckt und gewartet werden: Generator, Watermaker, das Rigg, der Genaker und und und.  Ausgesprochen hilfreich war hierbei Gerald. Der reisende, österreichische Tauchlehrer und Bauingenieur kam eines Morgens an unserem Heck vorbei und hat sich höflich erkundigt, ob wir nicht vielleicht Crew für den großen Ozean brauchen? Jawohl, brauchen wir! Wenn der potenzielle Matrose auch noch so gut mit den Kindern klarkommt und einen solchen, munteren Arbeitseifer an den Tag legt, wird er auch gleich vom Fleck weg, angeheuert! Gerry konnte es auch einrichten, ein paar Tage bei uns zu wohnen, so dass wir schauen konnten wie gut es zwischen uns läuft. Anfang März kommt er wieder an Bord, um mit uns den Kanal zu durchqueren und auf die große Reise zu gehen.

Jelle hat übrigens die Zeit genutzt „mal eben“ nach Panama City zu radeln. Ich gehe ja unter der panamesischen Mittagssonne nicht mal spazieren… und dann 200 km im Sattel! Wenn ihr seine Sicht der Dinge lesen wollt (auch wie er zur PAMI kam): www.orangeguyonabike.com .

Nach einer guten Woche haben wir uns auf den Weg zu den San Blas Inseln gemacht. Sonntag nachmittags kamen wir in der Linton Bay Marina an. Hier hatten wir vor einem dreiviertel Jahr in Panama einklariert, Tayrina an Bord genommen und waren nach Bocas del Toro aufgebrochen. Auch diesmal gab es hier für uns ein freudiges Wiedersehen mit alten Freunden: Die LADY JANE war, wie seit langem geplant, kurz vor uns angekommen und wir wurden mit lauten „JaJapami!!!“-Rufen willkommen geheißen! Wie Allen und Maria die Hurrikan Saison an der US-Ostküste und auf den Bahamas verbracht haben, ließt man mit sehr amüsantem, britischem Humor garniert unter www.untilthebuttermelts.com .

Zwei von über 340 San Blas Inseln

Jetzt dümpeln wir gemeinsam und gemütlich am Anker, inmitten des wunderschönen San Blas Archipels. Ohne Internet – weshalb die Veröffentlichung dieses Artikels wohl noch ein paar Tage warten muss.😉 l

Wieder unter Segeln

Januar 2019, Punta Ricon und Shelter Bay

Wir sind wieder unterwegs und haben prompt eins auf die Mütze gekriegt! Am 20. Januar haben wir endgültig Bocas del Toro verlassen und uns auf den Weg nach Colon, zur Shelter Bay Marina gemacht. Der Zeitpunkt war sorgfältig mit dem Wind abgestimmt und als die Bedingungen für die nächsten zwei Tage gut aussahen, war plötzlich kaum noch Zeit eine Abschiedsparty zu organisieren. Schön war es trotzdem! Alle die wir liebgewonnen haben, sind gekommen und obwohl es am nächsten morgen früh losgehen sollte, haben wir bis Mitternacht geschnackt und tapfer jede Wehmut in Cuba Libres ertränkt!

Einige werden auch unserem Kielwasser folgen. Die deutsche SERENITY zum Beispiel werden wir schon in den nächsten Wochen in Shelter Bay oder auf den San Blas Inseln wieder treffen. Gefeiert hatten wir, ehrlich gesagt, seit Weihnachten eh schon ziemlich viel.

Seit gut einem halben Jahr lag die PAMI in der Red FrogMarina auf Bastimentos. Die hälfte der Zeit haben wir in Deutschland verbracht,die andere Hälfte mit Reparaturen, maintanance,Kampf dem Schimmel und natürlich, allem voran, dem Genießen des schönsten FleckchensErde das wir bislang gefunden haben! Nun wurde es Zeit unsere Reisefortzusetzen. Pauls siebten Geburtstag haben wir noch in vertrautem Kreisgefeiert, und dann kam Jelle als Crew an Bord. Ein junger Holländer, der mitdem Fahrrad auf dem Weg von Kanada zum Kap Horn unterwegs ist! Wir hatten perZufall von einander gehört und ihn spontan angeheuert. Für alle Fünf an Bordein glückliches Zusammentreffen! Statt uns am Festland wieder zu verlassen,wird er uns noch zu den San Blas Inseln begleiten.

Die erste Tagesetappe war noch recht entspannt und kurz. Nur das nachmittägliche Ankermanöver vor der Insel Escudo del Veragua wurde kurzfristig ziemlich spannend: auf der Suche nach einem ruhigen FleckchenWasser, habe ich vorne auf meinem Ausguckposten meinem ersten, riesigen, einzeln am Grund sitzenden Korallenkopf gesichtet. In zwei Metern Tiefe stellte er für uns keine Gefahr da, und so habe ich ihm fasziniert nachgestarrt, wie ermittig unter unserem Rumpf verschwand. In dem Moment, als ich die Augen wiedernach vorne richtete, war unser Bugspriet schon fast über dem Nächsten! …Ach duSch…!!! „Volle Kraft zurück!!!“ Das war knapp und hat zumindest meinenAdrenalinspiegel kurzfristig ganz schön in die Höhe getrieben. Netterweisehielt der Anker kurz darauf gleich beim ersten Versuch und wir hatten einenentspannten Abend und eine kurze, aber ruhige Nacht.

Morgens früh um fünf, sind wir planmäßig im Dunkeln Ankerauf gegangen, mit der Hoffnung, die Strecke nach Colon, bei gutem Wind, ineinem halben Tag zu schaffen. Die ersten Meilen waren noch nett. Alleine mitmeinem Mann auf der Ruderbank, bei leicht kabbeliger See, dem Morgengrauenentgegen – fast schon romantisch. Leider wurde die See immer rauer und einKnoten Strömung gegen an machte die Sache auch nicht besser. Der arme Michelwurde schon seekrank wach und Jelle und mir ging es auch nur an Deck, imfrischen Wind, wirklich gut. Wisst Ihr was Kreuzseen sind? Wenn zu derHauptwelle aus der einen Richtung noch eine zweite, von der Seite dazu kommt.Die Schiffsbewegung wird völlig unvorhersehbar und man fühlt sich wie auf einembockenden Pferd.

Jelles erster Tag auf See

Mittags hatten wir die Nase voll und haben neuen Kurs,Richtung Punta Rincon gesetzt. Die Kupfermiene hat einen kleinen Industriehafenmit Wellenbrecher. Daneben kann man auch ankern; nicht besonders schön, abersicher. Kaum waren wir in ruhigem Wasser, wurden wir von der Security über Funkgerufen: was wir denn da wollten? Tja, nun, tatsächlich war das ein emergency stopp. Ein seekrankes, kleines Kind und eine ziemlich erschöpfteCrew. Sicherlich hätten wir es auch heil bis Shelter Bay geschafft, aber esbestand ja nun wirklich kein Grund uns, und vor allem Michel, solchen Strapazenauszusetzen! In dem verrauschten spanisch-deutschem Funk-Kauderwelch ist aberoffensichtlich nur „emergency -kleine Kinder – krank“ angekommen. Wir wurden also aufgefordert, längsseits anden hohen Metallpier zu gehen, unsere Papiere rüberzureichen und zu warten. 20Minuten später kamen nicht nur unsere Papiere zurück, sondern auch ein Krankenwagen!Dem Notarzt war es aber nicht gestattet, diese Hafenplattform der Miene zubetreten (geschweige denn auf unser Boot zu kommen) und so sollten wir unsereKinder hoch über Metall und Beton an Land reichen! Zum Glück haben Alleverstanden, dass wir hierzu klar und deutlich „Nein“ gesagt haben. „Just seasick – need a rest – will recover“. „Okay, alles klar, sagt Bescheid, wennnoch was ist.” War am Ende der ausgesprochen freundliche Kommentar desVerantwortlichen.

Während die Jungs putzmunter und fröhlich im Salon gespielthaben, haben JD und Jelle eine wunderbare Bolognese zubereitet. Denn hungrigwaren wir! Und wie! 

Bolognese in Arbeit!

Zum Feierabend wurdenoch einmal nach uns geschaut und als sie sich überzeugt hatten, dass beideJungs wohlauf waren, wurden wir freundlich gefragt, ob wir jetzt nicht draußen,neben dem Hafen ankern könnten. Denn sonst wären sie verpflichtet uns permanentzu überwachen und müssten dafür extra Leute abstellen. Natürlich waren wirbereit dazu. Zwar war es am Anker immer noch sehr schaukelig, aber dennoch vielschöner und gemütlicher, als in dem Industriehafen. Außerdem wollten wir diesenfreundlichen und bemühten Männern, die strickte Regeln für solche Notfälle zubefolgen haben, bestimmt nicht noch mehr abverlangen.

Jelle kämpft sich nach kurzem Landausflug zurück ins Kayak

Der nächste Tag brachte tatsächlich Sturmwarnung für unsere Region. Kein Gedanke daran Auszulaufen. Aber am übernächsten Tag haben wir uns gut vorbereitet auf die nächste Etappe gewagt. Zehn Stunden durch sehr kabbelige See, in die Dunkelheit hinein zum Eingang des Panamakanals.

Im Hintergrund die Kupfermiene

Wie war das wunderbar, als die ersten Lichter der großen Frachter vor Anker zu sehen waren! Dann passiert man einen riesigen Wellenbrecher und ist plötzlich in ganz ruhigem Wasser. Alles klarmachen zum Festmachen, Fender, Leinen, Jelle einweisen (ach ja: der hatte noch draußen, in den Wellen, heldenhaft mit mir gekämpft, das Großsegel in seinem Sack zu sperren) und dann war schon die Taschenlampe des Marineros zu sehen, der uns geholfen hat für die Nacht am fuel dock festzumachen. Ein Manöverschluck und ein schnelles Abendessen und dann ab ins Bett.

Wie es in der, mitten im Dschungel gelegenen, Shelter Bay Marina ist und wann und mit wem wir uns aufmachen zu den Kuna Indios auf den San Blas Inseln, könnt Ihr dann im nächsten Blog lesen!

Verflixte Technik

Was ist ein DC/DC Inverter? Offensichtlich ein völlig unterschätztes, kleines Stück Bordelektronik!

Rick’s und Judy’s Insel

Aber fangen wir von vorne an. Vor gut vier Wochen wollten wir mal wieder für ein paar Tage durch das Archipel gondeln. Denn auch der schönste Platz wird irgendwann langweilig, wenn man zwischendurch nicht ein bisschen rumkommt. Die fünf Katamarane die, wie wir, dauerhaft in der Marina liegen, sind von Land aus gesehen gleich links am Ponton aufgereiht. Danach gehen noch zwei Ponton-Finger nach links ab, an denen die viele Einrümpfer und ein paar andere Kats liegen. Wollen wir auslaufen, müssen wir einmal halb um dieses spiegelverkehrte „F“ drum rum, denn die Ausfahrt ist sozusagen hinten rechts.

An diesem Morgen sind wir genau bis vor den hinteren Finger gekommen, als plötzlich die gesamte Motorelektronik ausfiel. Manövrierunfähig mitten im Hafenbecken. Blöde Situation. Echt blöd. Früher wäre ich in Panik geraten, heute lief es ungefähr so ab: JD: „…nee, es geht nichts mehr.“ Jana: „Okay, ich mach mal den Anker klar.“ JD: „Solange wir noch Fahrt machen kann ich uns näher ran manövrieren. Dann schmeiß rein.“  … Jana: „Anker hält! Da fährt Rex in seinem Panga (größeres Beiboot), der kommt bestimmt helfen. Und Hans und Hazel sind auch schon auf dem Steg und können Leinen annehmen.“

So war es dann auch. Ich habe Rex vorne einen Festmacher zugeworfen und er hat uns vorsichtig längsseits an den Ponton gezogen, wo Hans und Hazel die Leinen festmachen konnten. Leider gab es noch ein kleines Kommunikationsproblem: Ich hatte den Käpten gefragt ob ich den Anker noch aufholen soll, oder Kette geben bis wir am Steg sind. Ich dachte, ich hätte „Kette rauslassen“ verstanden… Naja, erstmal war es nicht weiter schlimm, denn unsere hundert Meter haben bis zum Steg gereicht und auch nicht weiter gestört.

JD hat sofort in Finnland, bei Oceanvolt angerufen und verschiedenen E-Mails verschickt und nach 5 Minuten war auch schon DeeCee, unser Marinamanager an Bord und das Troubleshooting in vollem Gange. Rick, der Mann von Judy, die unsere window coverings und den Segelsack genäht hat, ist Techniker und konnte noch am selben Tag kommen. In Gemeinschaftsarbeit wurde der Fehler gefunden: ein DC/DC Inverter war durchgeschmort und der zweite konnte die Last nicht alleine tragen. Die Inverter versorgen normalerweise das CAN Bus Netzwerk der Motorelektronik (für die Kommunikation der Geräte untereinander), auch die Gashebel und kleinen Motordisplays, mit 12 Volt. Die 12 V werden aus den 48 V der Batteriebank generiert. Ohne Gashebel, kann man natürlich auch kein Gas mehr geben!

Wir sind über Nacht an dieser Position geblieben und so hatte ich immerhin ein kleines Bisschen der erhofften Luftveränderung. Zu dem Zeitpunkt war es noch kein Komplettausfall der Platinen. Nachdem sie sich abgekühlt hatten, konnten wir tatsächlich am nächsten Morgen aus eigener Kraftzurück zu unserem eigentlichen Liegeplatz motoren. Allerdings musste erst noch der Anker wieder an Bord und der Käpten war nicht gerade glücklich über dieses ungewollte Manöver zu diesem Zeitpunkt! Knapp hundert Meter Kette raufholen braucht so seine Zeit. Rick war schon in seinem Panga angekommen und wartete am Steg, während ich vorne die Winsch heißlaufen ließ. (Übrigens muss man ungefähralle 20 Meter kurz unterbrechen, sich bäuchlings aufs Deck schmeißen, Kopf und Arme in den Ankerkasten hängen und den sich bildenden Kettenhaufen zur Seite zerren, damit sich die Kette nicht bis hoch zum Zahnrad staut und alles blockiert. Nicht gerade der schönste Job, wenn alles mit sämig-stinkendem Hafenschlick bedeckt ist!) Als die Kette stramm kam und wir direkt über dem Anker waren, fing die Winsch an auf vertraute Art zu ächzten. Erst hoffte ich noch, der Bodenschlamm wäre tatsächlich so zäh, dass die Kraft nur für das Ausbrechen des Ankers nötig wäre. Aber nach fünf Sekunden war klar, dass wir irgendetwas Größeres „geangelt“ haben. Nicht das auch noch! Wer weiß wie lange die Motoren noch funktionieren! Ein Hilferuf Richtung Ponton und Rick kam rübergefahren während ich vorsichtig weiter hochgezogen habe. Der Anker hatte sich unter einem in Boden verankertem Haltetau des Schwimmpontons verhakt :-O

Zum Glück gab es genug Spiel, dass wir die Leine bis knapp unter die Oberfläche heben konnten und es möglich war den Anker mit vereinter Kraft frei zu bekommen! Man, man, man. Fünf Minuten später waren wir sicher vertäut an unserem angestammten Liegeplatz und die Männer haben weitere Schadensanalysen durchgeführt. Am Ende blieb uns nichts anderes übrig, als auf neue Inverter aus Finnland zu warten.

Die kamen denn auch vor etwa einer Woche hier auf Bastimentos an, wurden flux von Rick eingebaut (wirklich kein Hexenwerk, jetzt kann JD das auch selber) und wir haben uns glücklich auf eine Probefahrt begeben. Zum Ziel haben wir sinniger Weise die kleine Insel genommen, auf der Rick und Judy ihr Domizil aufgeschlagen haben.  Wir lagen dort vor Anker, haben einen netten Nachmittag mit den beiden Amerikanern und ihren zwei Papageien verbracht, die Insel besichtigt (ein Rundgang fünf Minuten) und die Männer haben ausführlich JaJapamis Schaltkreise diskutiert. Die mit Finnland abgestimmte Lösung zur Vermeidung eines Wiederauftretens klingt simpel: Diese Inverter werden gar nicht mehr genutzt und Gashebel etc. direkt von dem „Haushalts“-12 Volt Stromkreis versorgt. Leuchtet sogar mir ein, dass sie dann nicht mehr kaputt gehen können!

JD repariert die Ankerwinsch

Rick war ja vor Ort und hatte das am nächsten morgen schneller erledigen können. Wir wollten uns hernach zum Blue Coconut verholen, ein gemütliches Mittagessen genießen und dann nach Hause um Pauls Geburtstag vorzubereiten. …Und schon wieder ließ sich der Anker nicht aufholen! Auch das Problem hat JD zum Glück schnell lösen können, während ich der hungrigen Brut „Petterson und Findus“ vorgelesen habe.

JaJapami vor dem Blue Coconut

Jetzt sind wir wieder hier, genießen die letzten Tage auf „unserer“ Insel und machen uns bereit, die große Reise fortzusetzen! Mal sehen, was als nächstes kaputt geht! 😉

Der Pazifik ruft!

Der Pazifik ruft uns immer lauter, daher wird auf der Pami jetzt viel Zeit für die Planung verwendet. Der Käpten wälzt die Bücher und das Internet um die Routenplanung zu komplettieren. Die Schiffe, die wir persönlich kennen, haben alle den Weg über Galapagos zu den Marquesas gewählt. Für uns aber, scheint eine südlichere Route sinnvoller. Dies hieße, nach einem Besuch auf dem Galapagos-Archipel, den Bug nach Südwesten zu richten und Kurs auf die Gambierinseln zu nehmen. Auf dem Weg dorthin liegt Pitkern, die Insel, welche durch die Meuterei auf der Bounty zu einiger Berühmtheit gelangt ist. Noch heute leben dort viele langnasige, hellhäutige Nachfahren der zurückgebliebenen Seefahrer und der häufigste Familienname ist Christian.

Wir sind nicht die einzigen aus unsere Atlantikflotte „Island Odyssee“, die nächstes Frühjahr durch den Panamakanal wollen. Drei weitere britische Segler, darunter auch unsere very dear friends von der LADY JANE, machen sich mit uns auf den Weg nach Westen. Dazu kommt vielleicht noch ein schweizer Schwesterschiff von JaJapami, ebenfalls mit Kindern, mit denen wir schreiben und auch schon telefoniert haben. Bevor es losgehen kann, steht noch ein – hoffentlich nicht allzu langer – Aufenthalt in der Shelter Bay Marina, nahe beim Kanaleingang, bevor. Dort muss PAMI nochmal aus dem Wasser um das Unterwasserschiff zu putzen. Außerdem gibt es – wie immer – einige technische Auf- und Umrüstungen zu erledigen.  

Auch hier an Bord ist die to do Liste nicht kurz: ein Duschpumpensensor und ein Toilettenventil müssen repariert werden,  Segelsack und äußere Sonnenschutzblenden sind in Auftrag gegeben, ein Fliegennetz war ausgerissen und JD ist schon zweimal umsonst nach Bocas gefahren um eine neue Gasflasche zu organisieren. Während unserer Abwesenheit hatten wir zum ersten Mal die Propeller mit schwarzen Müllsäcken umhüllt, um sie vor Bewuchszu schützen (s.h.: „Propellerbewuchs auf dem Weg zu Rana Azul“). Das hat bestens funktioniert! Letzte Woche habe ich sie abgenommen, da wir wieder einmal zu Rana Azul gefahren sind. Alles war noch genauso sauber wie vor der Umhüllung!

Nun liegen wir aber in der Marina fest. Wir warten auf einen Techniker, der jeden Tag „mañana“ (morgen) kommt. Karibien time eben… Außerdem ist das Wetter momentan echt bescheiden. Es regnet seit Tagen fast immer bis mittags, manchmal den ganzen Tag. Sobald es aufklart rennen wir dann zu Strand um die Jungs auszutoben und mal aus der Marina raus zu kommen. Also nicht die beste Zeit um rauszufahren und am Unterwasserschiff rumzuputzen. Wieder neue Säcke überzuziehen, womöglich nur für ein paar Tage, macht aber auch echt keinen Spaß, in dem vom Regen trüben Hafenwasser ohne Sonnenlicht. Vielleicht morgen, mañana

Die Nähmaschine kommt auch wieder zum Einsatz. Ein paar Deckskissen und Kleidungsstücke bedürfen dringender Ausbesserungsarbeiten. Daneben gibt es aber auch einige vergnügliche Aktivitäten! Palmblattkörbchen flechten und Weihnachtsdeko basteln zu Beispiel.

Leider mussten wir feststellen, dass Salzteig in diesen feuchten Breiten keine so gute Idee ist. Anstatt über Nachtzu trocknen, ist er pladdernass geworden und alle größeren Objekte waren nur noch matschige Klumpen. Schade.

Ein Faultier fällt vom Baum

Seit knapp einer Woche sind wir wieder hier und fühlen uns Pudel-, oder man könnte auch sagen, Faultierwohl. Ich kenne zwar nicht so viele Pudel, dafür aber mittlerweile einige Faultiere. Und die sahen bislang immer so aus, als wären sie mit ihrem Leben äußerst zufrieden!

P1020993.JPG

Alle – bis auf das eine, dass gestern Morgen unseren Weg zum Badhäuschen kreuzte. Für seine Gattung war es erstaunlich munter. Es kam aus einem Busch, krabbelte eine Palme hinauf, über einen Mangrovenast auf die andere Wegseite, um dann, wieder über eine Palme, in einen Futterbaum zu gelangen. Scheinbar schienen diese Blätter aber doch nicht so recht zu munden, denn schon nach kürzester Zeit machte es sich wieder auf den Rückweg. Gerade Zeit genug für mich, die Kamera zu holen. Denn dieser kleine Kamerad zeigte nicht nur eine bemerkenswerte Aktivität, sondern sah auch noch besonders putzig aus. Es hatte im Morgengrauen mal wieder wie aus Kübeln geschüttet und er war pladdern nass; wie ein begossener Pudel eben. (Erstaunlich wie oft man diese leicht aus der Mode gekommene Hunderasse noch im deutschen Sprachgebrauch führen kann!) Normalerweise lassen sich die hiesigen Faultiere durch Menschen mit, oder ohne Kamera überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Aber vielleicht bin ich diesem kleinen Kerl doch ein bisschen zu schnell nähergekommen, während er sich dicht über meinem Kopf zurück hangelte. Er wurde auf jeden Fall, auf Faultierart, nachgerade hektisch als er wieder nach der ersten Palme griff und hat sich mit der Stabilität des gewählten Wedels offensichtlich verschätzt. Zum Glück ist er in eine Art Pflanzkübel gepurzelt, der schön bewachsen, und so weich gefedert war.

P1020995.JPGNach einer kurzen Schrecksekunde, in der er ganz niedliche Schnauflaute von sich gab, hat er sich aufgerappelt und ist gemächlich wieder dahin verschwunden, wo er hergekommen war. Für uns vier war sein kleines Malheur auf jeden Fall ganz wunderbar zu beobachten! Selten sieht man diese Gesellen von so nahe in Aktion – und wenn, hat man garantiert keine Kamera dabei!