Unterwegs nach Huahine

Fünf Uhr morgens, es ist kurz vor Neumond und noch stocke finster. Ich höre wie die Ankerwinsch arbeitet und die Kette rasselt. Nun gut, dann mal raus aus dem kuscheligen Bett. Ich kann den Käpt’n schließlich nicht alles alleine machen lassen. Dabei habe ich so gut, wie seit Wochen nicht, geschlafen! Ruhig und dunkel und die Luft duftet so frisch. Wir sind nämlich nicht mehr in der Marina Papeete, sondern am Anker in der Cook‘s Bay auf Moorea.

In den letzten Wochen hatten wir ausgesprochen nette Gesellschaft in der Marina. Hauptsächlich Europäer und bunt zusammengewürfelt, wurde mal auf diesem, mal auf jenem Boot, auf spanisch, deutsch oder englisch, geplaudert, geholfen und spontanen Konzerten gelauscht. Pianist, Journalistin, Ärztin oder Koch – alle haben sich für einige Zeit zu einem Leben unter Segeln entschlossen.

Die Jungs haben ihre Freunde von der OLENA wiedergetroffen und auch der deutsche Fritz ist mal wieder für ein paar Tage über unser Boot getobt. Wir haben die nette Auswahl guter Restaurants ausgiebig genutzt, und uns durch die Maskenpflicht möglichst wenig stören lassen. Es ist allerdings schon ein bisschen merkwürdig, wenn zum Einkaufen Kleidchen oder Hemd nicht dünn genug sein können, man aber seinen Kopf, mit Sonnenhut, -Brille und Maske, regelmäßig auf Siedetemperatur bringen muss. Nun ja, wenigstens verbrennt einem die Nase nicht mehr, weil man die Sonnencreme vergessen hat!

Seit im Juli wieder regelmäßige Flüge, mit Touristen und französischen Beamten stattfinden, hat sich der Virus natürlich auch in Polynesien wieder verbreitet. Die Fälle konzentrieren sich aber zum Glück, fast ausschließlich, auf die Hauptinsel Tahiti und es scheint alles einigermaßen unter Kontrolle zu sein.

Vor ein paar Tagen haben sich schließlich vier von den netten Booten, fast gleichzeitig, aber völlig unabhängig voneinander, entschlossen wieder Segel zu setzten. Alles repariert und gewartet? Die Schapps voll mit Lebensmitteln, die es nur in Tahiti gibt? Alle Brüche verheilt? Dann mal los, denn der Wind war gerade günstig! Nick und Lauri von SEA BEAR und Javier der Koch, haben uns die Leinen losgeworfen und nach einem wunderschönen ersten Segeltag, mit gutem Wind, Genaker, flacher See und Walsichtungen(!) haben wir für zwei Nächte in Moorea geankert. Keine Marinabeleuchtung mehr, kein Straßenlärm oder Superyacht-Partys bis zum Morgengrauen, kein schwarzer Staub in der Luft, von Stadt und Hafen. Nur leises Geplätscher und dieser zarte, typisch polynesische, Blütenduft in der Luft. Wunderbare Nächte.

Aber wir wollten ja weiter, zu den etwas entfernteren Gesellschaftsinseln. Deshalb muss ich jetzt auch zum Bug krabbeln und versuchen, im Dunkeln die Kette zu erkennen, um dem Käpt’n die Richtung zum Anker im Sand zu weisen. Denn nur wenn man Kette und Anker möglichst senkrecht an Bord hievt, vermeidet man so weit wie möglich, Schäden an Korallen und Ankerwinsch. Die Kinder schlafen einfach weiter, während wir im Morgengrauen durch den Pass von Moorea fahren und draußen Groß und Genaker setzten. Bleibt uns Aeolos gesonnen, sollten wir noch vor Sonnenuntergang in Huahine sein und bei LOLA und ATREJU ankern können.

Der Tag ist nicht ganz so gemütlich wie erhofft. Zwar bleibt der Wind beständig, aber die, für den Pazifik leider so typischen Kreuzseen, machen es vor allem Michel schwer. Zum Glück haben wir ja mittlerweile eine riesige Auswahl an Hörbüchern. So begleiten uns für 13 Stunden die drei ???, Mogli und Rüdiger, der kleine Vampier. Kochen geht auch gerade noch, daher können die Lütten den ganzen Nachmittag pürierte Gemüsesuppe mit Strohhalmen nuckeln. Das ist perfekt für solche Seetage!

Perfekt ist auch die Ankunft in Huahine: es ist gerade noch hell, Carlos eilt sofort im Dinghi herbei und weißt uns einen super Ankerplatz mit 12 Metern auf sehr gut haltenden Sand. Und der Hefeteig ist auch gut gegangen. So sitzen wir schon nach kurzer Zeit, müde aber gemütlich Pizza schmausend, im Cockpit und freuen uns auf ein neu heruntergeladenes ZDF Märchen: „Der Zauberlehrling“.

Von Freud und Leid

Zu unser aller großer Freude ist Michels Bein bestens verheilt und am 11. August konnte der Gips ganz abgenommen werden. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut sich Kinder nach so etwas wieder regenerieren! Er konnte tatsächlich sofort aufstehen und die ersten staksigen Schritte machen! Den Rollstuhl haben wir trotzdem noch etwas behalten. Bis in den Park, oder zu manchem Restaurant ist es noch zu weit und anstrengend, aber Frisbee spielen geht schon wieder und schwimmen sowieso.

Letzte Woche hatten wir noch einmal Karten für eine der lokalen Heiva-Tanzaufführungen. Während letztes Jahr wochenlang Tanzwettbewerbe zwischen verschiedenen Inselgruppen, und kleinere und größere Shows überall stattfanden, war dieses Jahr, Covid-bedingt, nur sehr wenig los. Wir hatten echt Glück, dass wir diese tolle Darbietung noch genießen konnten. Zwischenzeitlich hat sich Polynesien nämlich wieder ganz den Touristen geöffnet. Von unserem Liegeplatz sehen wir nun täglich „Covid-Bomber“ landen und können spekulieren, wieviele positive Amerikaner und Europäer wohl diesmal an Bord sind. Trotz freiwilliger Quarantäne und Selbsttests, ist die Fallzahl hier, binnen Tagen, von 0 auf über 150 gestiegen. Es herrscht wieder Maskenpflicht und moderate Einschränkungen in der Gastronomie. Nun gut, das war zu erwarten und wir sind froh, dass es wenigstens keinen weiteren Lock down geben soll.

Das Versammlungsverbot von über 50 Leuten, kam zum Glück erst kurz nach der Show. So hatten wir einen langen Abend Zeit, uns die bemerkenswerten Tänze dieser schönen Polynesier, die mit allem geschmückt und dekoriert waren, was die Natur hier zu bieten hat, anzuschauen. Anmutig sind sie, und vor allem die Männer, unglaublich kräftig. Der Hüftschwung der Mädels, läßt sicherlich sämtliche, orientalische Bauchtänzerinnen erblassen und dazu diese unglaublich Flut von langen, dichten, dunklen Haaren! Einfach toll!

Die Jungs haben tatsächlich erst kurz vor dem Ende angefangen zu quengeln, dass sie nach Hause wollen und das will echt was heissen!

Hier ein paar Fotos (Quelle: Fotograf Mike Leyral für Tahiti Nui Television, https://www.tntv.pf/tntvnews/o-tahiti-e-rend-son-dernier-souffle/)

Natürlich ist auch mal wieder etwas am Schiff kaputt gegangen: Der Wassersammler des Generators war durchgerostet. Zum Glück ist uns das hier, in Tahiti, bei einer Motorraum-Putzaktion, aufgefallen, bevor mehr als nur ein paar Tropfen austreten konnten. In Papeete ist es kein Problem gewesen, einfach bei unserem Lieblingsschweißer ein neues Teil fertigen zu lassen. Das Original vom Hersteller THOR hatte zwar Edelstahl V4A, aber mit einer Wand“stärke“ von weniger als einem Millimeter. Jetzt haben wir Dank Jean-Philippe ein Teil aus 4 mm! Das sollte für einige Jahrzehnte halten 🙂

Passend zu Michels wiedergewonnener Beinfreiheit, gab es auch Nettes für die Jungs. OLENA hat mit ihren drei Kindern, nach über einem halben Jahr, mal wieder in der Nähe geankert. Sie kamen uns schon für einen langen, glücklichen Spieltag besuchen und wir werden sicher die Tage mal zum Schwimmen und spielen, mit dem Dinghi, zu ihnen rausfahren.

Es gab auch einen Kindergeburtstag, wie immer im Park, mit Topfschlagen und Torte und allem was dazugehört.

Und dann sind wir vorgestern noch alle zusammen Blumen sammeln gegangen. Blumen für Eddies Trauerfeier. Wir kannten ihn nicht gut, er und seine Schwester waren und sind schon Teenager, so haben die Kinder, in den zwei Wochen die wir Nachbarn waren, sich nicht zum Spielen gefunden. Dennoch war natürlich die Nachricht von seinem Tot, für uns, und alle um uns herum, ein großer Schock. Eddie ist beim Schnorcheln von einem Boot überfahren worden und an den schlimmen Verletzungen noch am Strand gestorben.

Um ihn zu verabschieden, haben sich über 50 Dinghis und Boote im flachen Wasser der Lagune versammelt und Blumen auf das Meer gestreut. Es war herzergreifend.

Dank der vielen, anwesenden Kinder, wurden die Tränen aber bald weggewaschen. Seine Schwester ist als Erste, einfach aus dem Boot gesprungen. Eddie hat das Meer so geliebt, hat sie gesagt und wir sollen doch zu ihr kommen. Auf so etwas hatten die Kleinen natürlich nur gewartet und mit ihnen sind auch die meisten Großen, wie sie grad waren, in die Blüten getaucht. „Bittersüß“ war das Erste, was mir dazu in den Sinn kam.

Das Leben hier, geht natürlich weiter. Unsere Schule läuft im Moment sehr gut. Paul und JD kommen in Englisch-Unterricht sehr gut voran, während Michel bei mir gerade erstaunlich schnell Lesen und Schreiben lernt. Er profitiert sicher auch davon, dass ich durch Paul schon weiss, wie hier der Hase läuft (nämlich sehr hasig: hakenschlagend im stopp-and-go 😉

Für Sonntags haben wir Musikunterricht eingeführt. Das Internet bietet hier tolle Sachen und so saßen wir gestern stundenlang bei Strawinskys „Feuervogel“ und letzte Woche bei „Peter und der Wolf“. Ein Themenkreis, bei dem zumindest ich mit den Kindern zusammen was lernen kann.

Unser zehnjähriger Hochzeitstag liegt zwar schon ein paar Tage zurück, aber mit diesem Bild soll er auch kurz gewürdigt werden.

Jetzt ruft der nächste Geburtstag. Der dänische Papa von schräg gegenüber hat zum Sundowner geladen. Da gehe ich wohl besser noch mal schnell Duschen…

Geburtstage und Gips

Unser Geburtstagsmarathon liegt nun auch schon wieder zwei Wochen zurück.

In der Marina ist es viel ruhiger geworden. Wer dringend Richtung Westen musste, konnte, mit negativem Covid-Test, ein Permit für Fiji bekommen. So sind zwei befreundete Boote in der letzten Woche ausgelaufen. Auch das Familienschiff, mit Michels Geburtstagsgästen, hat sich auf den Weg nach Hawaii gemacht, unser netter Nachbar ist zurück nach Spanien geflogen und die Brieten kreuzen in Polynesien. Ein paar Freunde sind aber noch da und wer weiß, wer als Nächstes kommt? Wir müssen auf jeden Fall noch knapp drei Wochen bleiben: heute war Kontrolle für Michels Bein und obwohl alles bestens heilt, kommt der Gips nicht vor dem 11. runter. Nun gut, dass schaffen wir auch noch. Außerdem konnten sie den Gips um ein Drittel kürzen, so dass er jetzt das Knie wieder beugen kann.

Die versprochenen Fotos von JD’s Geburtstagsparty muss ich euch leider vorenthalten. Einige der Abgebildeten befinden sich zur Zeit auf hoher See und ich kann sie daher schlecht um Erlaubnis fragen. Aber seid versichert, das wir standesgemäß gefeiert haben! Xavier von nebenan hat, auf der Pami, Paella für 20 Leute zubereitet und nach einem glücklichen Geschlemme, wurde noch lange gefeiert und getanzt!
Bemerkenswert: keine zwei Gäste in der ersten Runde, stammten aus dem selben Land! Schweden, Kanada, Kanaren, Chile, Deutschland, Basken, Australien, England und Frankreich – ein sehr geselliges Durcheinander!

Auch Michel ist, trotz Gipsbein, nicht zu kurz gekommen. Zu seinem Geburtstag haben wir eine große Schokotorte bestellt und neben dem deutschen Peter und zwei weiteren Crews, haben die Mädels der CHASING WATERFALLS die Kinderfahne hochgehalten. Topfschlagen und Dosenwerfen im Park, war auch vom Rollstuhl aus möglich!

Weil es so ein erstaunlicher Zufall ist, sei hier noch kurz erzählt, dass Peter selbst Papa von zwei Jungs im gleichen Alter ist und seine deutsche Adresse tatsächlich in der gleichen Straße (!!!) wie unser vormaliges Domizil liegt! Die Welt ist ein Dorf, oder?

Tanzeinlagen mit Gips

Kurs Tahiti – zum Röntgen!

Fiel herab, fiel herab
Und das linke Bein war ab.
Kam der Doktor angerannt,
mit der Nadel in der Hand,
näht es an, näht es an,
dass sie wieder laufen kann.

Seit zwei Wochen gehen mir diese Verse im Kopf herum. Dabei war es Michels rechtes Bein, dass brach!

Ausgerechnet an Tuia’s Geburtstag, auf den wir uns schon so gefreut hatten. Denn unser letzter Kindergeburtstag, mit Party und Torte, ist schon eine ganze Weile her!

Wir saßen am Tisch, im Cockpit und haben nicht gesehen, was passiert ist, aber Michel hat es uns später ausführlich erklärt: Paul und er haben im Wasser gespielt und Michels Auftrag war, ein Teil vom Boot zu holen. Als er die Badeleiter hochkletterte, ist ihm die Leine von dem kleinen Surfboard entglitten und er wollten hinterher springen, um es wieder einzufangen. Irgendwie hat sich dabei der rechte Fuß oben in der Leiter verhakt und das Schienbein ist, unter seinem eigenen Gewicht, glatt durchgebrochen.

Die erste Stunde war die schlimmste. Wir haben mit Schmerzmittel und Ruhigstellen getan, was wir konnten und zum Glück war die Nummer des kleinen Medical Centers von Rangiroa gleich zur Hand. Sie haben den Krankenwagen zum Dock geschickt, während wir den armen Wurm ins Dingi verladen haben. Gott sei Dank war es ein ruhiger Tag und die Boote lagen ganz still!

Nach einer Viertelstunde holperiger Fahrt, wurden Michel und ich von einer Flasche Lachgas und ein paar ruhiger, erfahrener Hände in Empfang genommen, das Bein vorsichtig abgetastet und dann fachmännisch eingegipst. (Ich lasse den Satz mal so stehen – wer mag, darf schmunzeln 😉

Leider gibt es kein Röntgen- oder Ultrschallgerät auf Rangiroa. Wir mussten also möglichst schnell nach Tahiti ins dortige Krankenhaus, um sicherzustellen, dass keine OP nötig war.

Auf perfekten Wind konnten wir natürlich nicht warten, aber ein paar Tage, bis es zumindest halbwegs vernünftig aussah, mussten es schon sein. Im Nachhinein war das auch in Bezug auf den Bruch ziemlich gut, da die ersten zwei Tage, mit Abstand die schlimmsten waren. Als wir schliesslich Anker auf gegangen sind, hatten alle vorher wieder eine Nacht durchschlafen können und Michel war in Ruheposition, auch ohne Medikamente, fast schmerzfrei.

Wir haben nur schweren Herzens von Rangiroa Abschied nehmen können, aber es wäre auch ohne den Unfall an der Zeit gewesen. Es gibt viele, reizende Menschen dort und die Wasserwelt ist einfach unvergleichlich. Die Tauchgänge im Pass waren mit weitem Abstand die schönsten, die ich jemals gemacht habe. Auch Schnorcheln an der kleinen Koralleninsel, oder schlicht unter dem Rumpf der Pami, ist so wunderbar, wie man es sich nur vorstellen kann. Dennoch war es schließlich eindeutig an der Zeit, mal wieder Stadtluft schnuppern zu gehen.

Wie so oft in diesen Breiten, war auch für diesen Törn die Wettervorhersage knapp vorbei an der Realität. Leider auch diesmal wieder zu unseren Ungunsten… Den ersten Tag und die Nacht mussten wir fast permanent die Motoren bemühen. Dafür wurde die Welle und der Wind, mit 8 Bft, am zweiten Tag so ungemütlich, dass wir drei Kleinen nur in der Ecke hängen und Hörbuch hören konnten. Auch das hatte irgendwann ein Ende und wir konnten gegen 23 Uhr, direkt neben unserem alten Liegeplatz vom letzten Jahr, in der Marina Papeete festmachen. Hat sich angefühlt, wie nach einem langen Urlaub nach Hause zu kommen!

Als JD am nächsten Vormittag, beim Anmelden im Marinabüro unsere Geschichte erzählt hat, war der nette Hafenmeister nicht davon abzuhalten, sofort einen Krankenwagen für Michel zu rufen. Als Folge wurden er noch vor dem Mittagessen, von drei Feuerwehrleuten, mit einer Trage vom Boot abgeholt. Das Brimborium fanden die Jungs natürlich großartig!

Das Krankenhaus hier, speziell auch die Notaufnahme, hat einen hervorragenden Eindruck auf mich gemacht. Wir wurden schnell und professionell versorgt und da eine OP zum Glück nicht notwendig war, konnte Michel schon am Nachmittag, mit neuem, leichtem Gips, zurück aufs Boot.

Mit dem Kinderrollstuhl, den wir hier mieten konnten, flitzt er mittlerweile alleine durch die Restaurants, den Park, und sogar auf der Pami kann er von drinnen nach draussen rangieren. Es ist ja mittlerweile Winter hier. Um die 27 Grad tagsüber und 20 Nachts, also eigentlich perfekt und auch mit Gips gut auszuhalten. Wenn ich mir vorstelle, das wäre nach Weihnachten, bei 34 Grad passiert – Eieiei.

Mittlerweile ist der Unfall drei Wochen her, also noch drei weitere und dann kann der Kurze wieder laufen lernen! Langweilig war es seit dem keinen einzigen Tag hier. Es sind so viele nette Segler da, die wir teils neu kennen gelernt haben und teils schon vor Jahren getroffen haben. Lauri und Nick von SEA BEAR zum Beispiel, sind uns schon vor zwei Jahren in Panama gute Freunde geworden. Sie gehören zu den Seglern, die mitten auf dem Pazifik vom Lock down erwischt wurden. Galapagos hatte bereits zu gemacht, als sie dort ankamen. So mussten sie mit frischem Fisch, Reis und Dosenbohnen bis zu den Marquesas durchhalten. Ging wohl auch ganz gut.

Viele hier haben spannende bis dramatische Geschichten durch die Corona-bedingten Schließungen erlebt und nur die wenigsten haben einen echten Plan, wie es nun weitergehen soll. Französisch Polynesien ist noch ein virus- und touristenfreies Paradis. Zumindest Letzteres wird sich aber bald ändern und wir werden sehen wie es dann weiter geht. JaJapami macht auf jeden Fall noch keine Pläne. Es ist alles noch viel zu unsicher und uns geht es, von dem Gipsbein mal abgesehen, ja bestens hier.

In den letzten Tagen haben wir eine knackige Erkältung, Michels und JDs Geburtstag überlebt. Die beiden Partys haben aber eindeutig einen eigenen Blog verdient und JD beendet auch gerade die Vorlesestunde mit Tim und Struppi. So gehabt Euch denn wohl, liebe Leser!

Coq au Vin á la Lili

Hier in Rangiroa gibt es leider keine genießbaren Hühnchen zu kaufen. Gelegentlich findet man ganz gute, tiefgekühlte Schenkel, sehr selten auch mal Hühnerbrüste. Ich würde aber so gerne mal wieder ein Hühnchen aus dem Ofen essen!

Lili (unsere Freundin vom „Snack Lili“) war natürlich total verständnisvoll und wir haben schon vor Wochen überlegt, eines der freien, verwilderten Hühner zu fangen. Aber diese Streuner sind wie die Hunde: mager und verlaust und damit nicht besonders appetitlich. So gab es erst mal weiterhin hauptsächlich Fisch, Steak-Frites und Hamburger (Lilis Mahi-Mahi in Vanilla-Sauce ist übrigens sagenhaft lecker!!).

Vorgestern waren nur wir und ein weiterer Gast/Freund beim Dinner und nachdem die Bestellungen in der Küche gelandet war, kam Sie strahlend zu mir und hat in ihrem unvergleichlichen Lili-Englisch verkündet: „Anna (das bin ich)! My havn surprise for you!!! Come, come. Lookin!“ Also sind wir hintenrum, durch die Küche in ihr Haus. Und da saßen sie. Ein Hahn und ein Huhn, gackernd in ihrem Verandawohnzimmer.

Irgendwer hatte ihr dieses gar nicht verwildert aussehende Federvieh angeboten und sie hat an mich gedacht und zugeschlagen. Da gestern hier, und auch in Lilis Heimat Madagaskar, Muttertag war, und das Restaurant geschlossen, hat sie uns zum frischesten Coq au Vin eingeladen, das nur möglich ist.

Aus der Nummer kam ich nun nicht mehr raus. Erst rumtönen, dass ich für frisches Hühnchen auch selbst zum Hackebeil greifen würde und dann kneifen, geht natürlich nicht. Nach kurzer Einweisung, habe ich also schnell, zwischen Aperitif und Hauptgang, zwei Seelen in den Hühnerhimmel geschickt.

Nach dem Essen kam das Abbrühen und dann haben wir uns, zu viert, gemütlich an einen der Draußentische gesetzt, geplaudert und Lili und ich haben nebenbei die Hühner gerupft. Was für ein Idyll!

Paul und Michel fanden das alles übrigens nicht weiter bemerkenswert. Michel hat sich zwar ein Weilchen das gerupfte Huhn näher beguckt, wollte dann aber auch lieber wieder mit Paul und Lilis Sohn Tuja spielen.

Gestern morgen bin ich zum Ausnehmen und Filetieren noch mal schnell rübergefahren, wodurch wir abends nur noch schmoren mussten. Um es gleich zu sagen: geschmacklich war es ganz gut, allerdings war das Fleisch recht zäh. Nächstes mal mindestens zwei Stunden länger schmoren!

Ich fand die ganze Aktion sehr lehrreich, gar nicht ekelig, erstaunlich unblutig und ausgesprochen gesellig. Klar würde ich das wieder machen, allerdings entweder mit jungen, fetten Hühnern, oder dem Ziel einer Suppe, denn dann würden es meine Männer auch gerne essen!

Kissen überbord!

Zur Zeit herrscht eine sehr unglückliche Wettersituation in unserem Teil Polynesiens. Es ist schon seit Tagen windig und regnerisch, aber gestern und heute kam’s richtig dicke: 44 Knoten spitze und bestimmt 20 Minuten mit über 35 kt!

Als es gestern losging, war JD im Dorf einkaufen. So haben die Kinder und ich alles Regensicher dicht gemacht und wollten uns gerade zu einer Partie Risiko niederlassen, als sich die Windstärke in kürzester Zeit verdoppelte.

Ich stand drinnen und habe die Instrumente und die Anker der vier Boote in der Bucht beobachtet, als Paul bei der ersten 40-Knoten-Böe plötzlich schrie: „Mami! Die Kissen von oben sind ins Meer geweht!“ Tatsächlich, die beiden größten und schwersten Kissen vom Oberdeck, trieben direkt hinter dem Heck in den immer höher werdenden Wellen!

Ich habe Sekunden gezögert: Shorts ausziehen? Flossen suchen? Leine ausbringen? Schaff ich das?? Aber die Kissen trieben so schnell vom Schiff weg, das keine Zeit für irgendwas blieb – also bin ich einfach dem Aufruf meines Adrenalins gefolgt und gesprungen. Das erste hatte ich sofort beim auftauchen, das zweite nach zwei Schwimmzügen. Zum Glück haben die Kissen Laschen, an denen ich sie festhalten konnte und nachdem ich es geschafft hatte, beide in eine Hand zu bekommen, kam ich auch einigermaßen voran. Aber es war unglaublich anstrengend, zurück gegen die Wellen zu schwimmen. Ich habe viel Wasser geschluckt und konnte kaum etwas sehen.

Wenn die Kinder nicht gewesen wären, hätte ich es nicht geschafft und zumindest ein Kissen wieder loslassen müssen. Aber unsere cleveren Jungs hatten in der Zwischenzeit die lange Schwimmleine klargemacht, auf die Klampe belegt und mir entgegengeworfen! Die konnte ich gerade noch erreichen. Und dann haben sie mich auch noch bis zu Pami gezogen!

Als ich die Badeleiter erreicht hatte, konnte ich mich erst mal einen Moment ausruhen. Dann mussten die, mittlerweile völlig vollgesogenen, Matten an Bord. Wieder waren es die Jungs, die es gewuppt haben! Vom Wasser aus, konnte ich, vor allem bei dem ersten, kaum helfen. Wie gut, dass Paul schon so stark ist! Sie haben beide, nacheinander, an Deck gezerrt bekommen und waren nachher – absolut zurecht! – stolz wie Bolle und konnten es kaum abwarten, bis Papi endlich zurück war und sie die Geschichte erzählen konnten.

Ich dagegen, habe eine ganze Weile, in ein Handtuch gewickelt, nur still dagesessen, viel Wasser getrunken, und gewartet, dass sich mein Adrenalinpegel wieder auf ein normales Maß reduziert…

Confinement beendet

Französisch Polynesien hat das Confinement beendet. Wir sind wieder frei, im ganzen Land umherzusegeln. Die Grenzen bleiben aber weiterhin geschlossen.

JaJapami wird noch ein Weilchen in Rangiroa bleiben, bevor wir uns Richtung Tahiti aufmachen.

Unsere Haustiere hier! Oben: Jack und Jill die Schiffshalter, dann Elvis, dessen Frau nicht mit aufs Bild wollte. Die Stäflingsfische schwimmen interessanterweise oft Kieloben unter dem Propellerschaft. Und ein merkwürdiger Fisch, den wir Paul genannt haben!

Confinement Tag 55

Alles ruhig und entspannt auf der Pami. Die Tage vergehen in stetem Reigen aus Schwimmen, Schule, Kochen und Spielen. Nur gelegentlich unterbrochen, durch eine Einkaufsfahrt mit Lili, einen Landspaziergang zum Relais de Joséphine, oder eine Wasserversorgungs-Notaktion!

Regelmäßige Leser werden sich erinnern, dass uns Anfang März der Druckbehälter für die Frischwasserversorgung durchgerostet war. Mit Sikaflex, Brettchen und Schraubzwinge, war die provisorische Reparatur ganz gut – allerdings nur darauf ausgelegt, zu halten bis wir in Papeete einen neuen kaufen könnten. Dann kam das Confinement und wir sind Papeete noch keine Meile näher gekommen…

Ausgerechnet an einem Sonntag hat sich sich das Provisorium verabschiedet! Aber immerhin erst beim Frühstück, und nicht wieder mitten in der Nacht. Wir haben beide die Frischwasserpumpe anspringen hören, obwohl niemand an einem Hahn war, und wussten sofort Bescheid.

Zum Glück hat der Minimarkt auch Sonntag morgens auf, so dass JD gleich eine 25 l Wasserflasche kaufen konnte und wir nicht auf dem Trockenen saßen, nachdem der Haupthahn geschlossen war. Während er an Land war, habe ich Joséphine angerufen. Die nette Französin betreibt, mit ihrer Mutter, seit 20 Jahren das Relais, spricht sehr gut englisch und wusste sofort wer am Telefon ist. Schließlich sind wir im Moment fast die einzigen Gäste und plaudern, beim gelegentlichen Sundowner, immer sehr gerne mit Ihr.

Sie hatte auch tatsächlich eine Telefonnummer von einem Klempner parat, der allerdings Sonntag morgens erst einmal nicht zu erreichen war. Es war dann auch gar nicht mehr nötig, denn JD kam nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Hilfe zurück. Manua, der im Minimarkt arbeitet, hat sich über unseren Einkauf so gewundert, dass er gefragt hat, ob etwas nicht in Ordnung wäre und ob er helfen könnte? Wie nett und aufmerksam! Das haben wir gerne angenommen! Der blöde Druckbehälter wohnt nämlich tief unter dem Bett und man kann die Rohrverbindung nur Kopfunter hineinhängend lösen. Außerdem fehlte uns die passende Rohrzange und etwas mehr Armschmalz in dieser Position.

Manua kam Mittags in seinem Außleger-Kanu. Viele Tahitiens sind sehr kräftig gebaut und diejenigen, die den Nationalsport Pirogue (Kanu) fahren, ernst nehmen, haben eine bemerkenswerte Muskulatur! So hatte es unser Helfer nicht gerade leicht, sich in Arbeitsposition zu manövrieren, aber er hat nicht nur Das geschafft, sondern auch, mit viel Kraft, die Rohrverbindung aufgeschraubt bekommen. Dann hat er das Ding mitgenommen, mal eben von seinem Kumpel schweißen lassen, und wieder zurückgebracht. So konnten wir uns am Nachmittag schon wieder das Meerwasser abduschen. Was das für ein Luxus ist, merkt man erst wieder, wenn es mal nicht möglich ist!

Mehr Aufregendes ist in letzter Zeit nicht passiert. Dafür erweitern wir allmählich unseren Bekanntenkreis hier im Atoll. Gestern haben wir tatsächlich den halben Tag in fröhlicher Gesellschaft verbracht, und was das für ein Stimmungsaufheller ist, merken ja viele von uns gerade sehr deutlich!

Während wir Großen, mit unseren neuen Bekannten, erst bei Joséphine und später bei Lili im Garten geplaudert haben, sind die Jungs rumgeklettert, haben Eis gegessen und selig, stundenlang Hundewelpen geknuddelt und bespielt. Ein schöner Tag für Alle!

In der YACHT

Yacht 10/2020

Meine erste, lange Fassung, mit einem Beitrag von Johanna (Familienkatamaran CHASING WATERFALLS), könnt ihr im folgenden lesen:

JaJapami liegt neben dem Tiputa-Pass in Rangiroa vor Anker. Wenn die Kinder kurz still sind, ist das einzige Geräusch das ich hören kann, der Ozean, der aussen vor das Atoll brandet. Das ist zwar eigentlich wunderschön, aber für dieses Fleckchen in den Tuamotus höchst ungewöhnlich! Hier, an einem der besten Tauchspots in ganz Polynesien, summt und brummt der Touristenverkehr normalerweise von morgens bis abends.

Jetzt sind Hotels und Tauchschulen verweist und neben uns liegen nur zwei andere Yachten an dem Ankerplatz, den wir vor vier Wochen noch mit 16 weiteren Booten geteilt haben.

Als der Lock down für Französisch Polynesien (FP), mit allen Konsequenzen für uns Segler, beschlossen wurde, waren wir gerade sieben bewohnte Yachten hier. Wir haben über Freunde und Internet von den neuen Verordnungen erfahren – aus Rangiroa hat sich erst einmal niemand bei uns gemeldet. Bis zum 18. März gab es nur Gerüchte, dass Covid-19 tatsächlich auch das Leben in FP beeinflussen könnte und dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse.

Vier Fälle wurden gemeldet: Drei in Tahiti und ein Schweizer Tourist auf Fakarava, einem weiterem Tauchtouristischer Hotspot in den Tuamotus. Die Regierung hat daraufhin die Heimsendung aller nicht hier wohnhaften Menschen beschlossen. In kürzester Zeit wurden alle Hotels, Restaurants Tauchschulen etc. geschlossen, mit den letzten Innerpolynesischen Passagierflügen alle Touristen nach Tahiti geschickt, und eine Verordnung für alle Segler erlassen, die sehr kurzgefasst besagt: Keine Schiffsbewegungen mehr!

Zu uns an den Ankerplatz kam die Gandarmerie am 22. März und hat alle Schiffe aufgefordert, Rangiroa sofort zu verlassen. Das Dorf hätte weder die medizinischen Kapazitäten uns mitzuversorgen, noch könnte eine ausreichende Lebensmittelversorgung sichergestellt werden. Daher sollten wir uns umgehend auf den Weg nach Tahiti machen.

Der Erlass mit dem Verbot der Schiffsbewegung trat interessanterweise bereits am 21. März um Mitternacht inkraft.

Wir haben uns daher via Email mit offiziellen Behörden in Tahiti in Verbindung gesetzt, um uns Rückzuversichern, und aus dieser Quelle ebenfalls bestätigt bekommen, dass wir uns möglichst schnell auf den Weg nach Tahiti machen sollten. Daher sind wir noch am Nachmittag mit zwei anderen Booten ausgelaufen. Wir hatten die Hoffnung, dass der Wind gerade noch ausreichen würde, um uns mit 2 bis 3 Knoten nach Tahiti zu bringen. Dem war aber leider nicht so. Ausreichend Diesel um die 200 Meilen komplett zu Motoren hatten wir nicht an Bord, daher haben wir einen Freund in dem kleinen, verschlafenen Nachbaratoll Tikehau angerufen und uns nach der Situation dort erkundigt. Leider hat dieser Freund die Lage ziemlich verkannt und uns gesagt, es wäre alles easy und wir könnten gerne kommen.

Während wir in die Nacht hinein nach Tikehau motort sind, erreichte uns eine Nachricht von unserem Nachbarboot in Rangiroa: Die Gandarmerie wäre noch einmal zu Ihnen gekommen, nun mit der Anweisung Vorort zu bleiben und den Quarantäneanweisungen, die für ganz FP gelten, für die nächsten 14 Tage Folge zu leisten. Wir sind daher mit einem höchst flauen Gefühl im Magen, kurz nach Sonnenaufgang des nächsten Tages, durch den Pass nach Tikehau eingelaufen.

An dem uns vertrauten Ankerplatz direkt neben dem Pass, lagen fünf Segler. Kaum waren wir sichtbar, lösten sich zwei Dinghis aus der Gruppe und kamen auf uns zu. Ein guter Bekannter und ein fremder Segler, begrüßten uns unfreundlich mit dem Worten: „You can’t come in! You must leave Tikehau right now! Der Bürgermeister wird Euch inhaftieren und uns andere Segler rausschmeissen, wenn ihr nicht sofort wieder auslauft! Alle haben furchtbare Angst, das wir Touristen den Einheimischen die Krankheit bringen.“

Da es uns nicht gelungen ist, jemand offizielles zu kontaktieren, haben wir nach etwa einer halben Stunden auf dem Teller gedreht und uns auf den Rückweg nach Rangiroa gemacht. Nach einer weiteren durchmotorten Nacht, waren wir, wiederum früh morgens, zurück in Rangiroa und der Käpt’n hat die dortige Gandarmerie angerufen. Wir waren verflixt erleichtert, als wir zu hören bekamen: „SY JaJapami? Ja, Sie dürfen an Ihren früheren Ankerplatz gehen und erst einmal unbegrenzt bleiben.“

Und da sind wir nun. Die Quarantäne ist vom 5. auf den 15. April verlängert worden. Der aktuelle Erlass, besagt sinngemäß, dass Schiffsbewegungen, Landgänge und Wassersport während der Quarantäne untersagt sind. Natürlich gibt es Ausnahmen, die das Lebensnotwendige regeln.

Neben Tahiti stehen vor allem die Marquesas, Nuku Hiva und Hiva Oa, im Brennpunkt des Seglerinteresses. Hier haben nicht nur viele Segler die Zyklonsaison verbracht, sondern es kommen immer noch neue Boote aus dem Osten an, die gerade den Pazifik überquert haben. Die Situation ist sensibel und niemand sollte unvorbereitet in FP einlaufen!

Johanna, CHASING WATERFALLS, Opunohu Bay, Moorea:

„Als vor einer Woche das Confinement begonnen hat, haben wir hier ein VHF net gestartet. Eine Kanadische Familie hat sich bereit erklärt, als Sprecher zwischen uns und den Behörden zu fungieren. Wir hatten einige Probleme hier, z.B. wohin mit dem Müll, da es hier keine Mülltonnen gibt. Sie übersetzen uns auch jeden Morgen die lokalen Nachrichten aus dem Französischen, das hilft. Die lokalen Behörden sind sehr nett hier. Wir haben noch nichts Negatives erlebt. Die Regeln sind in ganz FP dieselben. Wir sind seit dem Confinement noch nicht an Land gegangen, wollen uns vor dem Virus schützen. Wir sind hier alle guter Dinge und sehr froh, unter diesen Umständen auf einem Boot leben zu dürfen. Wir können schwimmen, sind ans Homeschooling gewöhnt und insofern ist es für uns wie eine lange, sehr komfortable Ozeanüberquerung mit Internet und ohne Wellen.

Der einzige Wehmutstropfen: Als Weltumsegler plant man immer schon den nächsten Schritt. Wir wollten im Oktober Neuseeland erreichen, damit wir aus der Zyklonsaison sind. Pläne kann man unter diesen Umständen nicht machen. Wir wissen nicht, wie unsere Tour weitergeht. So geht es der ganzen Welt, jeder steht still.“

Hier in Rangiroa ist die Lage ähnlich wie bei der Chasing Waterfalls. So lange das Wetter nicht kritisch für diesen Ankerplatz wird, ist unsere Familie während der Krise hier gut aufgehoben. Was danach kommt, ist ungewiss.

NACHTRAG: Die geschilderten Ereignisse sind natürlich lange vor dem letzten Blog passiert. Aber ich konnte das ja schlecht vor der Yacht publizieren.

Confinement Tag 33

Französisch Polynesien hat nun 57 positiv getestete Fälle (davon 36 inzwischen wieder ohne Symptome), alle versammelt auf Tahiti und der Nachbarinsel Moorea. Die vier übrigen polynesischen Archipels mit ihren vielen Inseln und Atolle (auch „unser“ Rangiroa) sind wohl coronavirusfrei.

Daher wurden die Confinement-Bedingungen, außer für Tahiti und Moorea, am Montag gelockert. Unsere Freunde von der LADY JANE, vor einer kleinen Marquesasinsel geankert, durften nach 31 Tagen an Bord zum ersten Mal wieder an Land! Auch die Prohibition wurde eingeschränkt: Wein und Bier sind, wohl dosiert, wieder erhältlich.

Für uns hat sich nicht sooo viel geändert. Wir dürfen wieder offiziell zusammen an Land. Aber da es nicht viel Interessantes gibt, wo wir hinlaufen könnten, bleiben wir auch weiter, hauptsächlich an Bord.

Manchmal treffen wir Lili an Land. Ihr gehört das Restaurant, in dem wir „vorher“ viele Abende zum Essen waren. Wir hatten uns angefreundet, unsere Söhne zusammen UNO gespielt und sie hat uns, mit dem Auto, mit zum Einkaufen genommen.

Netterweise dürfen wir jetzt, hin und wieder ihr Auto leihen, um ins 8 km entfernte Dorf von Avatoru zu fahren. Dort gibt es mehrere und besser bestückte Minimärkte, als die zwei hier beim Anleger in Ohotu. Um ausgiebig zu Plaudern reicht leider weder unser Französisch noch ihr Englisch, aber sobald sie wieder aufmacht, werden wir die ersten Gäste sein! Sie hatte sowieso den Plan, größer umzubauen und die Küche zu modernisieren. Zufällig fiel nun die Schließung wegen Umbaus in die Confinement-Zeit, also glücklicherweise keine böse Überraschung für sie.

Bislang ist der 29. April der nächste Stichtag für das Deconfinement. Falls keine weiteren Fälle auftreten, wird es dann vermutlich weitere Lockerungen geben. Wann aber tatsächlich wieder Verkehr (und erst recht Segeln) zwischen den Inseln erlaubt sein wird, ist noch ungewiss.

Wie viele, mit denen wir sprechen und schreiben, sind wir etwas einsam und würden gerne alte Freunde und neue Bekannte treffen. Aber das muss wohl noch warten.

Die Jungs sind ganz zufrieden. Wir haben so viel Zeit für sie, wie noch nie vorher. Gehen dauernd schwimmen, spielen ständig Spiele und sind sehr geduldig und erklärungsbereit beim Bordunterricht.

Uns fehlt eigentlich nur Gesellschaft und Käse! Dann wäre alles super 😉

Parmesan zur Pasta, Camembert oder Gauda auf Brot, Greyezer oder Bergkäse zum Überbacken, Schafskäse für den griechischen Salat…. Oh man, ich muss aufhören, sonst fange ich an zu sabbern!!!