Viel Gesellschaft in den Gesellschaftsinseln

14. September 2019

Wir liegen vor Bora Bora, inmitten der vermutlich schönsten Farbenpracht, die unsere Erde zu bieten hat. Das Meer unter uns schimmert in klarstem türkisblau, über fast weißem Korallensand. Teile des Aussenriffs sind bewaldetes und palmengesäumt, mit breitem, sauberen Sandstrand. Nur ein paar Meter weiter, verläuft eine schnurgerade Grenze durchs Wasser, hinter der die Farbe abrupt zu einem sehr hellen grünblau wechselt. In diesem, nur 1,20 Meter tiefen Bereich, kann man bemerkenswert viele Adler- und Stachelrochen über den Grund fliegen sehen.

Kurz vor der Insel wird es noch einmal richtig tief, und auch hier wechselt die Meeresfarbe schlagartig – diesmal in tief strahlendes Blau.

Bora Bora, üppig grün bewachsen, ist der Prototyp einer Südseeschatzinsel. Ihre Mitte erhebt sich zu einer steilen Felsformation – offensichtlich die Überreste eines längst erloschenen Vulkans. Wenn ich mir hier, von Bord aus, dieses Panorama begucke, würde ich mich gar nicht wundern, irgendwo ein großes, rotes Kreuz zu entdecken: Die Stelle natürlich, wo der letzte Pirat das Versteck zu seinem großen Schatz markiert hat!

OLENA, Laure, Jana, Jost und Stephan vor dem Außenriff

Selbstverständlich kann man hier wunderbar Schnorcheln oder Muscheln suchen. Für uns war die letzte Woche allerdings mehr durch gesellschaftliches Treiben geprägt: Wir wussten, dass SERENITY und OLENA hier ihre letzte gemeinsame Zeit verbrachten und haben uns gefreut noch mal mit ihnen allen zusammen zu sein. SERENITY bricht jetzt, von hier aus, nach Westen auf, während OLENA, wie wir, noch eine Saison in Französisch-Polynesien bleibt.

Während die kleinen Olenas und JaJapamis, glücklich jeden Tag nach der Schule zusammen gespielt haben, konnten die Großen gemütlich plaudern, sundownern und Potluck Dinner veranstalten.

Sundowner

Die Bremer MARISOL war eines der ersten Blauwasserboote, die wir auf unserer Reise kennengelernt haben – vor knapp zwei Jahren in La Palma! Und auch Sie haben eine Nacht neben uns an der Boje verbracht und sind zum Kaffeeklatsch und Strandspaziergang rüber gekommen.

Gestern war dann Schichtwechsel: kurz nachdem die drei Boote abgelegt hatten, traf Lady Jane hier ein. Es wird also bestimmt nicht langweilig…

Dinghiausflug zum Bora Bora Beach Club

Am Montag machen wir uns gemütlich auf den Rückweg nach Papeete. Von den übrigen Gesellschaftsinseln haben wir, ausser kurzen Übernachtungsstops auf Huahine und Tahaa, noch nicht viel gesehen. Jetzt wartet niemand auf uns, LADY JANE und OLENA kommen mit, und wir können uns Zeit lassen.

Maria und Jana auf koralligen Pfaden

Also auf ins Blaue – Wortwörtlich!

Tahiti – Moorea, Moorea – Tahiti

September 2019

Seit zwei Monaten sind wir schon hier! Ich kann kaum glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wochenweise sind wir zwischen Tahiti und Moorea gependelt und haben ausgiebig genossen, keinem Zeitplan folgen zu müssen. Viele kleine Erlebnisse reihen sich zu einer Perlenkette wunderbarer Erinnerungen.

Ankerplatz vor Vaina, Moorea

LADY JANE kommt mal zu uns in die Marina, dann wieder treffen wir sie am Ankerplatz vor Moorea. Zur Zeit sind sie in Raiatea, der übernächsten Insel im Westen. Wir hoffen sie bald wieder zu sehen, denn wir wollen jetzt aufbrechen und die anderen Gesellschaftsinseln erkunden.

Zwischendurch treffen wir immer wieder alte und neue Bekannte – die Südsee ist echt ein Dorf! Mit der Schweizer OLENA verbringen wir eine nette Woche in der Marina Taina (Tahiti) und unsere vier Kleinen verbringen viel Zeit miteinander.

Ausblick von Taina Marina: Moorea im Abendlich

In Papeete fühlt sich Michel unglaublich cool und selbstständig, wenn er „mal eben Nick besuchen“ geht, und dafür alleine um das halbe Hafenbecken, zu dem blauen, deutschen Katamaran flitzen darf. Als wir vor einer Woche mal wieder in Papeete einliefen, wartete noch eine nette Überraschung auf uns: BELUGA, die mit uns von Galapagos aufgebrochen waren, hatte endlich auch Tahiti erreicht. Drei kleine Jungs hatten ganz viel Spass und Fritz hat drei Nächte, bei uns, mit Paul, in der sogenannten „Pulpo“-Kabine geschlafen.

Die Matrosen von BELUGA und JaJapami

Ich freue mich schon darauf, mit anderen Kinderschiffen auf so einem traumhaften Ankerplatz wie vor Vaiare (Moorea), zu liegen. Dort haben wir zum ersten Mal unseren Sea-Pool aus den Abgründen unseres Ankerkastens gewuchtet, und aufgeblasen. Ein tolles Spielzeug! Gedacht war er für die Kinder, als Schutz vor Quallen oder starker Strömung. Das hierfür vorgesehene, einhängbare Netz haben wir allerdings nicht mit ausgepackt, denn keins von beidem ist uns innerhalb der Atolle begegnet. Viel mehr ist es aber eine ganz tolle Badespaß-Plattform! Rennen darauf, abrutschen und platsch. So geht es dann stundenlang. Und JD liebt es, seinen Morgenkaffee auf der breiten Fläche sitzend mit den Beinen im Wasser zu genießen; und dabei die vielen dutzend verschiedenen Rifffische zu beobachten. Es gibt hier viele Nemos (Clownfische) und verschiedenste Arten Dorys (Doktorfische). Wunderbar, wenn der Sea-Pool dann über so einen Korallenfleck quasi schwebt.

Unsere Abenteuer sind auf ein nervenschonendes Mass geschrumpft:

Wo bleibt das Paket aus Frankreich, mit unseren Ersatzteilen? Nun, drei Tage bis Tahiti und dann 15 Tage im Zoll! Als es dann, völlig unspektakulär, mit einer Vespa, von FedEx auf der Mole abgeliefert wird, ist die Freude groß! Die letzten Garantiearbeiten auf der Pami können nun zügig erledigt werden.

Damit uns zwischendurch nicht langweilig wird, versenke ich in Taina unsere Aluleiter auf 16 Meter, die wir dort als Planke benutzt haben. Mit einem selbstgebastelten Haken aus einem Kleiderbügel und einem Taucherblei, angeln wir stundenlang in der Tiefe. Dank unserer mitabgesenkten Kamera, können wir sie genau lokalisieren – aber die ungünstige Lage hinter einem Pfeiler der Mole und die starke Strömung, verhindern, das wir den Haken über ihr absenken können. Doch Hilfe naht! Der Marinamanager erkundigt sich interessiert, was wir den da treiben und meint, nach erfolgter Auskunft, das dies ja wohl kein Problem sein. Am nächsten Tag wollten seine Taucher eh weitere Einkaufswagen vom Carrefour rauftauchen – da könnten sie die Leiter direkt mitbringen! Super! Aber auch ein bisschen skurril, oder? Tatsächlich hatten wir auf der Mole schon einige Wagen gesehen, die offensichtlich längere Zeit auf dem Meeresgrund verbracht hatten. Des Rätsels Lösung? Yachties, die ihren Großeinkauf vom nahegelegenen Carrefour, nicht zurückschleppen können oder wollen, nehmen einfach den Wagen mit zum Hafen und lassen ihn dort stehen. Der Weg auf den Meeresgrund ist dann nur einen kleine Schubs weit entfernt. Nun ja, die Leiter haben wir auf jeden Fall wiederbekommen und es hat nicht einen Cent gekostet. Die sah nach einem Tag im Wasser aus, als wäre sie uralt. Das blanke Alu wird von dem Seewasser unglaublich schnell angegriffen.

Aktuell liegen wir in der Marina Papeete, wo alle Garantiearbeiten erledigt wurden. Eigentlich wollten wir vor einer Woche los über Moorea nach Huahine, aber da kündigte sich unser zweites großes und sehnlichst erwartetes Paket an: Ulf war so lieb, ein paar Bestellungen aus Deutschland zu konsolidieren und alles zusammen in einem 31,5 kg schweren Paket bei der Deutschen Post aufzugeben. Das Paket ging dann zur französischen Post und von dort auf eine Odyssey durch Frankreich, wie sich mit einem Anruf bei der Post-Hotline herausstellte. Man hatte tatsächlich versucht, es unter der Münchner (!) Postleitzahl in Frankreich zuzustellen! Da scheinbar niemand bei der Post die Adresse gelesen hatte (Yacht JaJapami, Marina de Papeete, Papeete, Französisch-Polynesien), und die Zustellung unter der Absende-PLZ nicht möglich war (oh Wunder), sollte es an den Absender zurückgeführt werden! Aber wie durch ein Wunder gab es viele Tage später dann die Information, dass es in Tahiti beim Zoll eingegangen ist! Letzte Woche haben wir dann einen Zollagenten mit der Abwicklung beauftragt. Es sollte eigentlich zum Freitag abholbereit sein, aber leider hatte die Polynesischen Post am Freitag schon früh geschlossen, so dass wir bis Montag warten mussten. Und schwups, hat sich bis dahin das Wetter zu Starkwind entwickelt. Daher mussten wir also eine Woche länger warten mit der Abfahrt. Wir versuchen, nach Maupiti zu segeln. Eine wohl unwirklich schöne Insel. Aber es gibt dort nur einen Pass im Außenriff und der gehört wohl eher zu den haarsträubenden Pässen mit brechenden Wellen davor und einer ordentlichen Strömung dahinter. Die Lücke im Riff ist auch nur 70 Meter breit, also eine spannende und zum falschen Zeitpunkt auch gefährliche Angelegenheit. Wir werden es uns erstmal in Ruhe ansehen, und dann entscheiden, ob wir da durchfahren wollen. Drückt uns die Daumen! Wir würden gern von dort berichten.

BELUGA und JaJapami bei Lou Pescadou in Papeete

Ausflug nach Moorea

Tahiti, 1. August 2019

Liegt man in einer Marina und möchte schwimmen gehen, sollte man nicht unbedingt einfach von Bord springen. Klar, Betrunkene und Kleinkinder laufen Gefahr auf den Ponton zu krachen, aber das meinte ich nicht. Auch wenn das Wasser so klar aussieht wie hier, schwimmt mit Sicherheit immer so einiges Ekeliges herum. Und dabei denke ich nicht an die Hinterlassenschaften der Bootsbewohner, sondern der Boote selbst.

Paul, Michel und Oli rudern durchs Hafenbecken.

Wer hier in Papeete ankommt, hat meist seit Monaten kein fließendes Wasser mehr zur Verfügung gehabt und fängt daher als erstes an, wie Meister Propper persönlich, sein Schiff von oben bis unten zu wienern. Was da alles an Dreck und Reinigungsmitteln ins Wasser fließt, möchte man gar nicht so genau wissen. Liegt die Marina dann noch wie hier in einem riesigen Hafenbecken mit Containerterminal und Fähranleger ist es schon bemerkenswert wenn man ein halbwegs intaktes, marines Ökosystem vorfindet.

Neben der Uferpromenade ist ein kleiner Korallengarten auf Gittern angelegt worden. Nachts blau angeleuchtet ist das ein echter Hingucker! Da sich tatsächlich einiges an Rifffischen eingefunden hat, sieht man auch immer wieder größere Räuber, wie Barracudas, am Rande des Lichts lauern. Dazu noch Schildkröten zwischen den Schiffen und einmal ein kleiner Hai – für einen Hafen wirklich nicht schlecht. Trotzdem, schwimmen sollen die Jungs hier nicht.

Also haben wir einen kleinen Badeausflug nach Moorea, der Nachbarinsel, gemacht. 20 nm sind ein Katzensprung und in ein paar Stunden waren wir da. Ein bisschen ruppig war es allerdings! Nach so langer Zeit fest vertäut am Steg, war von unseren Seebeinen nicht mehr viel übrig und ich war froh, als wir die Nordöstliche Ecke der Insel gerundet hatten und es ein bisschen ruhiger wurde.

In der berühmten Cooksbay soll es zwar sehr hübsch sein, aber schlecht zu ankern. Wir sind daher direkt eine weiter, in die Opunuohu Bay. Bei ziemlich heftigem Westwind haben wir das Aussenriff passiert und natürlich wurde die See damit schlagartig ganz ruhig. Der Wind allerdings blieb, und wir konnten nicht verstehen, warum so viele Yachten vor dem Eingang der Bucht lagen. Die Ketten stramm gespannt und immer in der wagen Angst, dass der Anker des Nachbarn, oder vielleicht auch der eigene, nicht hält, sind keine guten Voraussetzungen für einen ruhige Nacht!

Wir sind also bis zum Ende der tief eingeschnittenen Bucht gefahren und haben dort gemütlich und windstill mit zwei anderen Yachten gelegen. Hier münden zwei Flüsschen, daher ist das Wasser recht trüb – dennoch ein hübsches Plätzchen!

Trampolin springen vor Traumkulisse

Nachmittags habe ich eine nette Kayaktur gemacht. Am dem kleinen Strand saßen ein paar Männer in den besten Jahren und haben immer wieder freundlich, mit viel alt-Herren-Charme, versucht mich auf ein Bier einzuladen. Vielleicht beim nächsten mal Jungs! Diesmal wollte ich ein Stückchen den Fluss raufpaddeln.

Auf der Brücke, welche die Mündung überspannt, hatte sich eine Horde kleiner Jungs mit waghalsigen Sprüngen ins Wasser vergnügt. Ich bin also schön vorsichtig drunter durch und habe erst mal nach oben gespäht, bevor ich ganz aufgetaucht bin, damit mir keiner von den kleinen Rackern aufs Boot springt. Wie dumm von mir! Als ob sie mich nicht gesehen hätten! Ich guckte in fünf strahlende Kindergesichter, die, mit dem Schalk im Nacken, zu mir runter spähten, und nur darauf warteten, dass ich gänzlich auftauchte. Natürlich kann man dann nicht kneifen! Also Augen zu, stabil hinsetzen, zwei Paddelschläge – und schon gab fünf gut platzierte Platscher direkt neben mir, die ein späteres Badengehen völlig obsolet machten. Mit viel Gekicher ihrerseits und „Mau ru uru“s (Danke), meinerseits, bin ich weiter den Fluss hoch. Natürlich in der Gewissheit, dass sie gewiss nicht heimgehen würden, ohne mich auf meinem Rückweg noch einmal erwischt zu haben.

Ich hätte Paul und Michel ja mit der Horde bekannt gemacht, aber wir sind am nächsten Morgen wieder raus aus der Bucht und auf zum nächsten Ankerplatz. An der Nordwestlichen Ecke der Insel war es auch ausgesprochen hübsch, allerdings hat uns der Wind ganz schön eins ausgewischt! Wir sind raus aus dem Riff und am nächsten Pass, nach Seekarte und Sicht (Augapfelnavigation) wieder hineinmotort. Das Fahrwasser war gut betonnt, aber ziemlich schmal und drum herum alles voller Riffen und Bommies. Bei Böen von über 25 kn von Backbord ist uns schon ganz schön die Düse gegangen, ob wir hier problemlos durchkommen!

Tatsächlich haben wir vor der letzten S-Kurve, die zu dem beschriebenen Ankerplatz, vor den beiden Motus (Inselchen) führte, gekniffen! Auf drei Metern haben wir den Anker mitten im Fahrwasser fallen lassen. Wir wurden von vielen, Touristen transportierenden, Wassertaxis und Kitsurfern umkreist, aber niemand hat Anstoß an unserem, etwas ungewöhnlichem Ankerplatz genommen. Ein freundlicher Zuruf, dass das Wasser dahinten tiefer wäre, war alles.

Nun ja, den Wind haben natürlich alle gespürt. Die Surfer haben sich gefreut, aber alle die Kayaken wollten, hatten schwer zu kämpfen. So auch ich. Am ersten Nachmittag bin ich kaum bis zum Anker gekommen und habe den Weg zu den Motus gar nicht erst versucht. Auch am zweiten Tag wurde es nicht viel besser. Mit dem Kayak kam ich zwar an Land und zu den Inseln, aber um die ganze Familie mit dem kleinen Zweitdingi an Land zu rudern, war es immer noch entschieden zu viel. Aber kein Problem, der Anker hält. Dank Plastimo drei Wetter Taft usw…

Natürlich hätten wir das große Beiboot aus der Hochseeverschnürung, in der es noch von den Tuamotus steckte, befreien können. Damit ist Anlanden aber nicht so einfach, da es zu schwer ist, um es auf den Strand ziehen zu können. Alles in Allem zu viel Aufwand für zu wenig Sehenswertes. Und Schwimmen und Schnorcheln konnten wir auch von Bord aus ganz wunderbar! Unglaublich klares Wasser, durch das man metertief die Rifffischchen an den Korallenköpfen sehen kann. Über Wasser das Bild, für das die Südsee so berühmt ist: sattgrün bewachsene, steile Inselhänge, hinter leuchtend türkisfarbenen Wasser, gesprenkelt mit Korallenköpfen auf weissem Sand. Einfach wunderschön.

Für den Interessierten noch eine kleine Abhandlung zu den geologischen und geographischen Gegebenheiten dieser Inselwelt:

Unterseeische Vulkane, verursacht durch die Hot Spots, „Löcher“ zwischen Kontinentalplatten, lassen Inseln entstehen. Durch den vielen Regen entsteht eine üppige Vegetation auf den steilen Hängen. Repräsentanten dieses Stadiums sind die Marquesas, im Norden Französisch-Polynesiens.

Im nächsten Zeitabschnitt bilden Korallen, im Schutze der Berge, ein Ringriff um die Insel. Innerhalb des Riffes kann sich, in, von der großen Pazifikdünung völlig geschützen Umgebung, eine einzigartige Unterwasserwelt entwickeln. Voilà – wir sehen die Gesellschaftsinseln, mit Tahiti, Bora Bora, Moorea und den anderen, weniger touristischen Eilanden.

Schaukasten des Perlenmuseums in Papeete.

Die nächste Stufe der erdgeschichtlichen Entwicklung zeichnen die Tuamotus: tektonische Bewegungen der Erdkruste verschieben sozusagen die Inseln mit der Erdkruste weg von den Hot Spots und damit erlöschen die damit verbundenen Vulkanen. Die erkalteten Vulkanschlote kristallisieren hauptsächlich zu Basalt. Aufgrund ihres unglaublichen Gewichtes versinken sie dann über Jahrmillionen in der Erdkruste. Zurück bleibt einzig dass ringförmige Korallenriff, in dem sich viele Abschnitte zu richtigen Inseln, den Motus, geformt haben. Und es gibt südlich von Tahiti ringförmige Strukturen, die wohl versunkene Ringinseln sind… sie sind etwa 200 bis 500 Meter unter der Meeresoberfläche, aber eben entsprechend über den 4000 Metern die hier die „normale“ Meerestiefe ausmachen.

Was wir also hier in wenigen Wochen besegelt haben, spiegelt eine kaum vorstellbare Zeitspanne der Erdentwicklung dar. Und sie ist längst nicht abgeschlossen! Zur Zeit entsteht südöstlich des Gambier-Archipels eine neue Insel (Bank Mac Donald). Noch liegt sie 10 Meter unter der Meeresoberfläche, aber nur eine Eruption mehr könnte sie in einem, oder vielleicht in 10 Jahren, endgültig in die Luft erheben. Ein neues Südseeeiland wird entstehen und wir können nur hoffen, dass Klimawandel, Polareisschmelze, Korallenbleiche und alles was dazu gehört, die Entwicklung eines neuen Paradises nicht gleich im Keim erstickt.

Marinaleben in Papeete, Tahiti

Papeete, 7. – 28. Juli 2019

Wir sind wieder in einer Marina! Nach vier Monaten auf offener See und am Anker schaukelnd, ist es unglaublich toll mit einem Schritt an Land zu kommen!
Es war auch genau der richtige Zeitpunkt, hier einzulaufen. Der Mara’amu, der hiesige Starkwind, hatte gerade begonnen und alles was Rümpfe hat, war wenn möglich, an sichere Liegeplätze gehuscht. Der Hafen platze aus allen Nähten! Kurz nach uns kamen ALKYONE und SAGO an. So konnte Michels fünfter Geburtstag standesgemäß mit acht deutschsprachigen Kindern gefeiert werden.
Überhaupt hat sich unsere Anfangszeit hier als absolute Partywoche gestaltet! Gleich am zweiten Abend wurden wir von der britischen Hallelaboo geschangheit und zusammen mit den Eltern der SAGO und noch zwei Seglern, nach allen Regeln der Kust zum lustig sein verführt. Mein Weckruf am nächsten Morgen war daher unangenehm früh, obwohl ich sonst eigentlich immer die Erste bin. Aber es half nichts, wir hatten einen Platz in der richtigen Marina bekommen und mussten uns vom welcome-dock wegbewegen. Nach dem Minimanöver konnten wir erst mal einen Tag verschnaufen, um dann Michels Geburtstag vorzubereiten.

Wir haben schön gefeiert. Vormittags in Familie mit viel, mühsam seit Deutschland verstecktem, Lego und Nachmittags mit jeder Menge kleiner Gäste. Als ich die große Schokotorte auf den Tisch gebracht habe ist was Putziges passiert: Auf dem Steg vor dem Pami tauchten immer mehr hoffnungsvoll leuchtende Gesichtchen auf. „May I come on Bord?“ „Can you help my little brother?“ – Die müssen die Schokolade quer durch das Hafenbecken gerochen haben! Lucy und ihren Bruder aus Australien und die weißblonden Norwegerjungs habe ich erkannt. Der ganz kleine Mexikaner, den ich an Bord tragen musste, sprach nur Spanisch, aber wie alle anderen war er ganz niedlich und höflich und hat sich mit glücklichem Gesicht an den Tisch gepflanzt und sein Stück Torte gefuttert.


16 Lütte sind an dem Tag über die Pami getobt – und das war noch gar nichts im Vergleich zu der Kinderparty zwei Tage später im Park: 26 Boatkids, vom Toddler bis zum Teenager, hat der engagierte Vater dort bespaßt!

Schräg gegenüber von uns lag die deutsche CHEGLIA und zufällig hat Lydia am selben Tag wie Michel Geburtstag. So haben wir denn, als nur noch ALKYONE und SAGO da waren, den Kinder einen Film angemacht und sind nach drüben, zur Erwachsenenparty gepilgert. Was für ein toller Tag! Und was für ein Kontrast zu den Monaten auf See und am Anker!

Es folgten noch Antonias und JDs Geburtstag. Letzterer auch sehr schön, mit vier deutschen Crews und standesgemäßem Dinner in der Hausbrauerei Papeetes.

JDs Geburtstag

Dann wurde es langsam ruhiger. Ein Boot nach dem anderen hat sich wieder auf den Weg gemacht und wir haben endlich ernsthaft mit den verschiedensten Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen begonnen. Als auch SAGO und ALKYONE nach Hause aufbrachen – die einen nach Neuseeland, die anderen nach München (was wohl noch ein Jahr dauern wird) – hat sich Cyrill gleich mit verabschiedet. Er hat kurzerhand bei unseren bayrischen Freunden angeheuert und wir sind gespannt, bis wohin ihn der Wind wohl treibt.

Abschied von Cyrill und der ALKYONE

Uns gefällt es hier in Papeete sehr gut. Das Klima im hiesigen Winter ist angenehm. Die Nächte sind wunderbar kühl, so dass man prima schlafen kann und tagsüber wird es nur manchmal, mittags so richtig heiß. Die Stadt ist sehr französisch geprägt und es gibt praktisch alles zu kaufen.

Ein kostenloses Shuttle bringt die Segler zu zwei großen Carrefours, die entgegen aller Gerüchte gar nicht teurer sind, als ein guter deutscher Supermarkt. Von den vielen Restaurants gefällt uns Wakame-Sushi am besten, denn frischer kann der Thunfisch gar nicht sein! Die große Markthalle birgt unglaublich viele Stände mit Obst und Gemüse, Blumen, Fisch und Handarbeit aus Perlen Holz und Muscheln. Über allem liegt der Südseeflair mit buntesten Stoffen und Blumenketten, die es überall zu kaufen gibt.
Hier können wir es wohl noch ein Weilchen aushalten. Und falls es uns nach mehr Meer verlangt, setzen wir einfach, wie letzte Woche, die Segel und ankern in einer dieser paradiesischen, türkisfarbenen Buchten um uns herum.
Im nächsten Blog erzähle ich Euch also von unserm Ausflug nach Moorea, der Nachbarinsel, deren Silhouette ich jeden Tag im Abendlicht rot leuchten sehe.

„Un des Atoll, des is a toll“ , sprach der Österreicher

Ahé im Abendlicht

Tahiti, 15.07.2019

Von den Marquesas auf die Tuamotus sind wir drei Tage unterwegs. Kommt uns vor wie ein Katzensprung, im Vergleich zu den Meilen, die wir bis vor Kurzem noch abgerissen haben.

Auf dieser Passage ist uns Aeolus wohl gesonnen. Wie kommen sehr gut voran. Aber dann drehte der Wind, die Vorhersage ändert sich, und das geplante Ziel wird schwieriger erreichbar. Zudem sieht es so aus als würden wir für mindestens fünf Tage in dem Atoll, dass wir gemeinsam mit LADY JANE ansteuern wollten, eingeweht werden. Also ändern wir spontan das Ziel und steuern Rangiroa anstatt Kauehi an. Es wird spannend! Am Abend vor der Ankunft scheint es noch sehr unwahrscheinlich, dass wir zu einem einigermaßen passendem Zeitpunkt vor dem Pass ankommen, der uns in das große Ringatoll führen soll. Diese Pässe in den Tuamotus sind für alle Segler eine Herausforderung. Man stelle sich ein Korallenschälchen mitten im Pazifik vor, in das, durch eine kleine Macke im Rand, die geballte Kraft von Ebbe und Flut hinein und heraus gezwängt wird.

Morgens um halb Sieben bin ich besonders erleichtert, als der Käpt’n ungewöhnlich früh zur Wachablösung erscheint. Wir nähern uns dem Atoll Ahé und ein riesiges Squallfeld nähert sich uns. Wer weiß wieviel Wind da drin steckt? Das Groß ist schon im 1. Reff, die Genua hole ich noch alleine ins 1. Reff. JD rollt sie in der nächsten Stunde immer weiter ein, bis wir nur noch mit weit offenem Groß von den Windböen getrieben werden. In Shorts und Segeljacke wettert er zwei Stunden im strömenden Regen ab, während wir unten, mit allen Folienwänden geschlossen, gemütlich frühstücken. Ein bisschen gemein, oder?

Der Käpt’n hat aber trotzdem gute Laune, denn dieses Intermezzo führt uns flott zum genau richtigen Zeitpunkt vor den Pass von Ahé. (Dieser Zeitpunkt ist der des Stauwassers, also dem Wechsel von ablaufender zu auflaufender Tide oder eben umgekehrt.) Warum also nicht hier einlaufen? Der bevorstehende Wind soll in Ahé nochmal deutlich geringer sein, als in Rangiroa. Und vor dem Pass von Rangiroa wären wir am späten Abend angekommen. Das hätte bedeutet, die Nacht durch vor dem Pass abzuwarten, denn eine Pass-Durchfahrt in der Nacht, besonders wenn es die erste überhaupt ist, wäre zu gefährlich. Aber nun sind wir ja perfekt um 14:30h am Pass von Ahé, einem der wohl schwierigeren der Tuamotus. Dort kann die Strömung bis zu 8 Knoten erreichen! Und dazu bilden sich dann hohe stehende Wellen von bis zu 2 m Höhe.

Es macht sich eine gewisse Aufregung unter der Crew breit. Wie stark ist die Strömung im Pass tatsächlich? Ist die Karte, und damit die Lage der zwei Sandbänke, wirklich aktuell? Wie kabbelig ist das Wasser an dem Punkt, wo strömendes und stehendes Wasser aufeinander treffen und wie hoch ist die dort stehende Welle? Auch heute noch havarieren immer wieder Segler bei den Ein- und Ausfahrten in die Atolle und jeder Skipper tut gut daran, das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Es ist genau Stauwasser! Während JD unter höchster Konzentration steuert, hält die Crew vorne vorsorglich nach Korallenköpfen Ausschau. Wir fahren durch sehr ruhiges Wasser im Pass und erreichen nach etwa 1 km die Innenseite. Hier steht uns dann tatsächlich noch eine auslaufende Strömung von 2 Knoten entgegen, aber das ist kein Problem. Mit 3 Knoten über Grund fahren wir weiter. Geschafft!

Der Übergang von der Strömung durch das kabbelige Wasser in die totale Stille des Atolls ist wirklich magisch! Nach rechts und links sieht man den palmenbestandenen Ring aus Korallen, mit ganz vereinzelten Gebäuden darauf. Mit bloßem Auge ist gerade noch die andere Seite zu erkennen. Dort wollen wir als erstes hin. Ein kleines Dorf und einen Minisupermarkt soll es da geben.

Bevor man an Land kann, muss man aber erst einmal Ankern! Dies ist hier deutlich spannender als in Breiten ohne die „Bummies“ genannten Korallenköpfe im Wasser. Manche ragen als kleine Riffe aus dem sonst über 20 m tiefem Wasser heraus und sind sehr gut zu sehen. Die meisten allerdings liegen wie riesige Kalkballons unter der Oberfläche und sind nur sicher zu erkennen, wenn man die Sonne im Rücken hat. In dem kleinen, hafenähnlichem Bereich vor dem großen Betonpier, an dem dem Versorgungsschiff festmacht, ist nicht wirklich Platz für uns. Wir manövrieren uns, leicht gestresst, genauso vorsichtig wieder heraus, wie wir uns hereinmanövriert haben. Vier sind eindeutig Drei zufiel, die meinen sie wüssten wo es hingehen sollte! Der Käpt’n aber, weiß natürlich wo es richtig ist und lässt sich nicht beirren. Daher sitzt der Anker beim zweiten Versuch an sicherer Stelle außerhalb des Hafenbeckens, und wir können uns endlich entspannt zurücklehnen oder schwimmen gehen.

Ungenutzter Aussenposten der Perlenfarm

Am nächsten Morgen macht Geri mit den Jungs einen langen Schnorchelausflug, während Cyrill und JD tatsächlich zwei Kisten Bier ergattern. Danach machen wir uns zu einem anderen Motu (Inselähnlicher Abschnitt eines Tuamotus) auf. Laut unseres Führers soll es bei der Kamoka Perlenfarm des Franzosen Patrick, Mooring-Bojen und Abendessen für Segler geben. Eine komplette Fehlinformation, wie sich herausstellt! Eine sichere Mooring für uns gibt es zum Glück, auch wenn das Anlegen ziemlich abenteuerlich ist, aber Kamoka hat keinerlei Form von Restaurantbetrieb. Das wird uns auf Anhieb klar, als wir vom Dingi aus, auf die hausähnliche Konstruktion auf Stelzen im Wasser klettern. Zwischen Austernkörben und Arbeitsbänken steht ein kleiner Tisch, um den ein paar tiefenentspannte, junge Leute sitzen. Im angrenzenden Bereich, der einer Art Wohnküche ähnelt, lernen wir Patrick kennen. Ein echter Charakter! Während wir uns ein bisschen unterhalten, jagen die Jungs vorne Küchenschaben und Geri verschmilzt gleichsam mit der Gruppe um den Tisch.

Da es schon dunkel ist und wir alle Hunger haben, machen wir uns recht bald auf zurück zum Schiff – ohne Geri. Er kann sich vom ersten Moment an vorstellen, auf Kamoka zu bleiben und als Perlentaucher anzuheuern und verbringt gleich die erste Nacht dort in irgendeiner Hängematte.

Geri und sein neues Zuhause

Am nächsten Vormittag macht sich die Pami gemütlich auf den Weg zur Cocoperle Lodge. Auch hier soll es Moorings und Essen geben. Diesmal ist es aber keine Perlenfarm, sonder ein winziges Feriendomizil mit vier kleinen, aber feinen Holzbungalows unter Palmen und einen hervorragenden Restaurant mit genau zwei Tischen.

Als wir uns nähern, versuchen wir sie über Funk zu rufen, um zu fragen wo wir festmachen können. Leider antwortet niemand und es schwimmen so viele Bojen an der Oberfläche, dass man unmöglich sagen kann, welche für Dingis, für große Schiffe oder einfach nur für Austernkörbe sind. Also pirschen wir uns vorsichtig auf Ankertiefe heran. Im flachen, türkisfarbenen Wasser werden überall Korallenköpfe sichtbar. Cyrill und ich stehen wieder vorne und versuchen einzuschätzen, über welche wir wohl drüber fahren können und welche eine Höhe erreicht haben, die bei unserem Tiefgang gefährlich wird. Mir flattern die Nerven. Unsere Ruder sind 1,25 Meter tief – liegt der Bummy voraus jetzt 1 oder 2 Meter unter der Oberfläche? Mehrfach schreie ich „Hard steuerbord! Der ist bestimmt zu hoch!“ aber der Käpt’n bleibt cool, behält den Tiefenmesser scharf im Auge und fährt vorsichtig drüber hinweg. Offensichtlich habe ich mich noch nicht genug kalibriert und immer locker um 1-2 Meter verschätzt.

Zu meiner grenzenlosen Erleichterung kommt auf einmal ein kleines Motorboot angebraust: Frank, der Chef, mit neuen Gästen. Er ruft herüber, dass wir da vorne an die gelbe Mooring gehen und später zum Sundowner rüberkommen sollen. Wie wunderbar.

Wir verbringen ein paar sehr schöne Tage dort. Das Schnorchel an den Korallen ist traumhaft, auch wenn ich es immer noch sehr schwierig finde, gelassen zu bleiben, wenn drei Meter neben mir ein Hai vorbeischlenzt. Dann kündigt sich der nächste Starkwind an und wir entscheiden, dass wir lieber vorher noch nach Tahiti segeln wollen. Außerdem hat Michel einen merkwürdigen Ausschlag bekommen, der sich langsam vom Rumpf aus immer weiter ausbreitet und ich will ihn nicht mehr in Wasser lassen und fände es auch sehr beruhigend, einen Arzt in der Nähe zu wissen. Die Pami macht auf dem Weg zum Pass noch einmal bei Geris neuem Heim fest. Ein letztes gemeinsames Abendessen, dann zieht er endgültig aus. Wir sind wirklich gespannt, wie es ihm als Perlentaucher so ergehen wird und haben fest vor ihn noch einmal zu besuchen.

Und so kann eine missglückte Passdurchfahrt enden!

Das die Überfahrt nach Tahiti nicht so doll wird, wussten wir schon im Voraus. Erst ein Tag Flaute, dann zu viel Wind und Welle. Egal – nach drei Tagen sind wir da und genießen seit dem das Marinaleben in vollen Zügen. Auch das Problem mit Michels Haut löst sich auf wunderbare Weise: Das Schicksal sendet uns einen nette, deutsche Hautärztin vom Nachbarboot an Bord! Renate wirft nur einen Blick auf Michel und diagnostiziert Röschenflechte. Völlig harmlos und verschwindet von selbst wieder. So können wir ganz entspannt in den Geburtstagsmarathon der nächsten Woche starten. Michel und JD sind nämlich nur zwei von vier deutschen Geburtagskindern, die hier in der Marina gefeiert werden!

Auf den Marquesas

16.Juni

Eigentlich wollte ich heute mit den Jungs an den Strand und mal wieder so richtig ausgiebig im Wasser planschen, schwimmen und im Sand toben. Unser neuer Ankerplatz vor Ua Pou ist dafür ideal. Wir liegen mit drei anderen Seglern in einer fast runden Bucht, gut geschützt durch eine kleine Mole. Vielleicht ein Viertel der Bucht ist Sandstrand, auf dem sich jetzt, an einem Sonntag Nachmittag, das halbe Dorf zu tummeln scheint. Das Wasser ist viel klarer und einladender als vor Taiohae auf Nuku Hiva und ich hatte mich schon richtig gefreut, da ich tatsächlich das letzte mal auf Galapagos, vor etwa vier Wochen, schwimmen war.

Dank eines blöden Felsbrockens auf der Strasse, der im Schattenspiel eines Baumes Mimikry auf dem Schotter gemacht hat, liege ich jetzt hier rum und kühle meinen großen Zeh, statt die Strandtasche zu packen. Schlimm genug, dass ich ein Viertel des Nagels verlieren werde, aber zwei, drei Tage nicht ins Wasser zu können, ist im Moment echt gemein!

Natürlich hätte man auch in Taiohae ins Meer gekonnt. Geri war stundenlang drin und hat die Pami, die LADY und noch ein Boot geputzt, ohne das ihn ein Hai angeknabbert hätte. Aber mir war es doch etwas gruselig, nachdem ich den Fischern am Pier zugeschaut habe. Die schmeißen natürlich beim Fische putzen alle Abfälle ins Meer und, was auf Galapagos die Seelöwen und Pelikane so erfreut hat, macht hier die Haie glücklich! Fünf kapitale Burschen habe ich beim Freßrausch beobachtet. Keiner der gefährlichen Drei (Bullen-, Tieger-, oder Weißspitzenriffhai) war dabei, und weit draußen, bei den Yachten, hat sich ihr Mütchen sicherlich soweit abgekühlt, daß sie eine humanoide Pobacke bestimmt nicht mehr mit einem verletzten Kugelfisch verwechselt hätten. Dennoch haben wir uns lieber nur mit der Decksdusche und viel Pampelmusensaft erfrischt!

Die Pampelmusen sind hier nämlich einfach nur großartig! Es sind noch nicht die riesigen, eiförmigen Pomelos, die mancher vielleicht kennt, aber sehr nahe dran. Süß und saftig, mit nur einem hauch Bitter, so dass man jeden Tag eine Essen oder trinken möchte. Auch Mangos und Papayas gibt es wieder in Hülle und Fülle. Daneben sind Brotfrucht und Manyok als Beilagen zu Schwein- oder Ziegenfleisch, das Nationalessen. Meistens sehr köstlich, ist die Art das Fleisch mitsamt Knochen und Allem in den Topf zu schubsen, immer noch eine Herausforderung für uns.

Die erste Woche in französisch Polynesien ist schnell vergangen. Wir haben die Insel erkundet, alte und neue Bekannte getroffen, uns nach der Passage ausgeruht und mal wieder körbeweise Obst und Gemüse gebunkert.

Gestern ging es dann, zusammen mit Lady Jane, zur Nachbarinsel Ua Pou. Leider war auch diese Passage weit von dem entfernt, was uns immer als traumhaftes Südsee-Segeln beschrieben wurde. Viel zu viel Wind und Welle, natürlich immer aus der falschen Richtung, haben uns einige, sehr ungemütliche, Stunden beschert.

Vor Anker hier, ist es immer noch schaukelig und unruhig. Übermorgen wollen wir uns gemeinsam auf zu den Tuamotus machen. Eine drei Tages Passage, die SERENITY und OLENA gerade hinter sich gebracht haben und deren Bericht uns nicht gerade vor Vorfreude glühen lässt.

Internet gibt es hier, es ist aber ziemlich bescheiden. Daher werden meine Blogs vorerst ohne Fotos auskommen müssen. Das Wifi in den Restaurants ist nicht viel besser als unsere gekauften SIM Karten. Aber mit den Karten können wir nicht nur WhatsAppen, sondern auch lokal telefonieren. So ankern wir hier, irgendwo im Nirgendwo, neben Lady Jane und anstatt rüber zu schwimmen oder zu funken, rufen wir sie einfach an!

So ein richtiges Robinson-Gefühl kommt dabei irgendwie nicht mehr auf…

Sporadisches Logbuch der Pazifiküberquerung

Tag 1

Am 17.05.2019 um 11.20 Uhr gehen wir Anker auf vor Galapagos. 2974 Seemeilen bis zu den Marquesas liegen vor uns. Alle sind glücklich, dass es endlich los geht und wir sehen dieser, für JaJapami längsten, Ozeanpassage ganz gelassen entgegen.

Um die Tragweite des Ganzen in aller Deutlichkeit noch einmal aufzuzeigen, möchte ich mich des Ausdrucks einer unserer Mitsegler bedienen: „ Oh shit, 3000 Meilen ist echt eine ver..piep..piep, mega Strecke!“

Tag 4 (noch 2579 nm) auf dem Weg zu den Marquesas ist angebrochen. Die Sonne ist eben dramatisch, vis-a-vis mit dem silbernen Vollmond, aufgegangen. Wir fliegen mit 9-10 Knoten, bei halbem Wind unserem Ziel entgegen. So macht segeln Spaß!

Tag 6, noch 2233 nm.

Wir kommen bestens voran. Schon zwei Etmale über 180 Seemeilen. Zum Vergleich: an Tag 2 hatten wir die Passtwinde noch nicht erreicht und sind nicht über 100 nm gekommen. Die Stimmung an Bord ist prima, die Jungs toben fröhlich um mich rum und üben mit Stäbchen zum essen. Das kommt nicht von ungefähr: wir haben einen schönen, großen Mahi Mahi (oder Dorado, Dolphin-Fish, Goldmakrele, Kynegos… auf jeden Fall der Fisch mit den meisten Namen, den ich kenne) gefangen. Als erstes gab es Cevice, das haben auch Paul und Michel richtig gerne gegessen. Abends dann den Schwanzteil vom Grill (sehr zart!) und gestern hat sich Geri zwei Stunden in die Küche gestellt und Sushi zubereitet! Maki mit Avokado, Gurke und Fisch, Nigiri und nochmal das wunderbare Cevice. Eine echte Meisterleistung, und wir haben geschlemmt, bis wir fast geplatzt sind. Für einmal Fischstäbchen und Suppe ist auch noch genug im Tiefkühler. Das ist auch gut so, denn das Riesenvieh hat sich einen solchen Kampf mit dem Käpt’n geliefert, das die Angelrolle kaputt gegangen ist. Wir brauchen also erstmal Zeit um ein neues Equipment zusammen zu stellen, da ja die gute Angel in Galapagos geklaut wurde.

Das zweite Highlight bislang, geht auch auf Geris Konto: er hat, mit begeisterter Hilfe von Paul, die Siedler von Catan aus Pappe, Korken und Farbe nachgebaut. Es ist ein wunderschönes Spiel geworden und hat uns schon viele Stunden bestens unterhalten.

Über Langeweile können wir uns auch sonst nicht beklagen. Neben navigieren, kochen, putzen, Schule und Kinder bespassen, gibt es immer wieder kleine Reparaturen zu meistern. Gestern haben wir zum Beispiel endlich, das kleine Leck im Spiegel vom Backbordrumpf entdeckt. Da meist recht ordentlicher Seegang ist, bis zu drei Meter Welle mit Schaumkrönchen, wird die kleine Badeplattform fast ständig überspült. Dadurch konnte JD endlich, nach über einem Jahr, die Stelle finden, durch die manchmal Wasser in den Motorraum eindringt. Zum Glück ist unsere Crew nicht ganz so groß wie der Käpt’n und so konnte sich Cyrill in den kleinen Raum schlängeln, und alles von innen abdichten.

Apropos abdichten: Pauls Platzwunde verheilt auch völlig problemlos. Er war einen Tag vor Abfahrt, beim Rumhampeln, auf die Kante vom Wohnzimmertisch geknallt und ich musste seine Stirn mit drei Steristrips wieder zusammenkleben. Zum Glück war auch diesmal Nähen nicht nötig und ich konnte mir Rat von Johanna, der Kinderchirurgin, holen. Die CHASING WATERFALLS ankerte nämlich direkt neben uns und wir hatten schon fast das Gefühl, es herbei geredet zu haben, da wir am Mädelsabend einen Tag vorher alle Kinderunfälle unserer Reisen durchgehechelt hatten. Man, man, man.

Tag 12, noch 1386 nm

Wir kommen gut voran, aber man könnte sich die Bedingungen deutlich komfortabler vorstellen. Der Anfangs so friedliche, blaue Ozean, zeigt mittlerweile eindeutig Nordseeattitüden. Eine hohe, steile Welle aus Südost mit dem alten Schwell aus Süd noch oben drauf. Dazu Wolken mit gelegentlichem Niesel und alles in tristem Graublau gehalten. Naja, was soll’s. Wir haben ja alle 6 ordentlich stabile Seebeine mittlerweile, es hat immer noch fast Bikini-Temperatur und die Pami schiebt für diesen Seegang eine angenehm stabile Lage.

Nur unter Genua, denn das Groß würde bei den Wellen ganz schön scheppern, machen wir konstante 7 Knoten. Etmale zwischen 130 und 170 Seemeilen sind ganz gut, allerdings hatte uns die ursprüngliche Wettervorhersage auf deutlich bessere Bedingungen hoffen lassen.

Gestern war Bergfest – Halbe Strecke geschafft! Zur Feier des Tages gab es eine Schnitzeljagd für die Jungs und abends ein köstliches Dattelhuhn aus dem Ofen. Könnte wahrlich schlechter sein.

Tag 14, noch 1109 nm

Neues von der deutschsprechenden Kinderflotte: Die CHASING WATERFALLS ist weiterhin zwei bis drei Tage hinter uns. BELUGA ist etwa eine Woche nach uns gestartet und segelt weiter südlich, da sie sich noch nicht entschieden haben, ob sie wirklich zu den Gambier-Inseln, oder doch uns Richtung Marquesas folgen wollen. ALKYONE hat ihren Weg über die Osterinseln und Pitkern nach Gambier erfolgreich gemeistert und ist dort fast zeitgleich mit SAGO angekommen. OLENA und SERENITY (ohne Kinder aber deutsch 😉 sind schon vor über drei Wochen auf den Marquesas angekommen. Das gleiche gilt für unsere drei britischen Crews, wobei die LADY JANE auf den Marquesas warten will bis wir angekommen sind.

Mit allen stehen wir mehr oder weniger regelmäßig in Sat-Email Kontakt.

Tag 17, noch 649 nm

Ein Tag schön, ein Tag nicht so doll, ein Tag konstante 20 kt unter blauem Himmel, der nächste böig mit Nieselregen und steiler Welle. Seit Tagen ist das einzig konstante am Wetter, dass es nicht konstant ist. Wir haben von Booten gehört, die 2000 sm mit den gleichen Segeln gemacht haben und kaum mal die Stellung verändern mussten. Wie langweilig! Wir haben jedes Stückchen Tuch, das wir an Bord haben, schon mehrfach gesetzt und geborgen! Auch unsere Etmale variieren zwischen 120 und 170 nm.

Vorgestern war aller Fisch aufgegessen und wir haben die Angeln wieder rausgehängt. JD und Geri haben sich tatsächlich ein interessantes Konstrukt einfallen lassen um das Handrad in Richtung einer Angelrolle aufzupimpen. Das Problem ist nämlich, dass wir dauernd Köder verlieren, da die Fische einfach zu groß sind. Bei einer richtigen Angel, puffert die Bremse an der Trommel, starken Zug und einen heftigen Ruck ab. Am Handrad ist am Ende nur ein Meter Gummiband. Ist das ausgedehnt und der Fisch stark genug, reißt die Leine und ein weiterer Fisch kreuzt den Ozean mit einem fetten Pearcing im Gesicht…

Jetzt sitzt das Handrad auf einer großen Papprolle, durch die ein lager Bambus gesteckt und verkeilt ist. Der Fisch kann mit variabler Bremswirkung Leine ziehen und wenn er sich müde gekämpft hat, sollte man ihn problemlos an Bord ziehen können. Soweit die Theorie. In der Praxis brauchte es zumindest einen Testlauf: Kurz vor Sonnenuntergang waren alle Mann damit beschäftigt, den Wingaker, das riesige, grüne Leichtwindsegel, zu bergen, als erst die Angel surrte und dann das Glöckchen am Handrad zu bimmeln begann! Der arme Paul konnte nur Alarm geben und musste dann tatenlos zusehen, wie sich beide Fische wieder losgerissen haben, bis einer von uns kommen konnte!

Zum Glück gab es das gleiche Schauspiel am nächsten Abend wieder und wir waren alle zur Stelle und bereit. Zwei wunderschöne Mahi Mahis, Männchen und Weibchen, haben gleichzeitig angebissen und liegen jetzt sauber filetiert im Tiefkühler.

(Für Segler und Biologen: Wir haben gelesen, dass sie Parasiten haben können und man sie daher nicht sofort als Sushi essen soll. Also haben wir, wie beschrieben, den Magen von innen untersucht. Tatsächlich waren bei dem Männchen einige, ca. 4 mm lange, lebende, festgehakte Würmer zu finden. Sashimi gab es also nur vom Weibchen, und auch das hatten wir zuvor 24 hrs tiefgekühlt. Falls jemand mehr darüber weiß, würde ich mich sehr über Rückmeldungen freuen!)

Tag 18, noch 524 nm

Ein paar Tage noch, dann sind wir da. Wird auch langsam Zeit.

Tag 19, noch 350 nm

Gestern hat sich der Generator verabschiedet. Das gehört eindeutig zu den worst-case-Szenanarien, die JD und ich für eine Ozeanüberquerung durchdiskutiert haben! Autopilot, Generator, Wassermacher sind die Top Drei der schlimmsten Dinge die kaputt gehen können. Wobei der Generator natürlich den Strom für die beiden anderen liefert. Er ist aber selbstverständlich nicht unsere einzige Energiequelle und daher ist unsere Situation im Moment relativ entspannt. Die Solarpaneele und die Propeller haben im Laufe des Tages genug Strom geliefert, um die Batterien von 65 auf 88 % zu laden. Das ist so gut, dass wir morgen früh wohl den Watermaker anschmeissen können und ich den Landfall dann hoffentlich mit gewaschenen Haaren und sauber erleben kann!

Dazu gehört natürlich ein bisschen Glück und einige Einschränkungen im Komfort: In der Zeit, wo die Solarpaneele nicht von den Segeln beschattet werden, muss die Sonne auch kräftig scheinen und wir brauchen genug Wind, um mit mindestens 7 Knoten segeln zu können, damit die Propeller vernünftig Energie generieren. Hier sei erwähnt, das die herrschenden 20 kt Wind, in Böen auch mal 28, 30 Knoten, auch für einen ziemlich rauhen Seegang sorgen (bei manchen Wellen muss man sich auch im Sitzen kurz an der Tischkante festhalten, weil es so krass ist).

Was den Komfort angeht: der Herd, der Getränkekühlschrank, der Brotbackautomat, der Server mit den Filmen und -für mich am schlimmsten- die Kaffeemaschiene, sind erst mal ausser Betrieb. Die Inverter für 220 V sind ausgeschaltet, d.h. die normalen Steckdosen funktionieren nicht. Das 12 V Netz versorgt die überlebenswichtigen Funktionen, wie GPS, Autopilot, Navigation und würde bis zum letzten Moment funktionieren. Wir müssen nicht mal warmes Bier trinken, da unsere Vorräte soweit reduziert sind, dass im normalen Kühlschrank Platz genug ist. Das Trinkwasser wird aus dem, noch halb vollen, Tank durch einen UV-Filter gereinigt, aber auch dieser hängt an 220 V. Also haben wir heute Mittag kurz die Inverter eingeschaltet, Trinkwasser gezapft, das Notebook geladen und jeder hat zwei Kaffee bekommen. Alles in Allem bedeuten die Energiesparmaßnahmen eigentlich kaum Einschränkungen für uns.

Tag 20, noch 185 nm

Endspurt! Solange wir nicht längere Zeit motoren müssen, läuft alles im grünen Bereich. Die Essensqualität an Bord hat auch nicht weiter gelitten. Mittags machen wir Picknick und graben in allen vorhandenen Essenschaps nach vergessenen oder lange gehüteten Schätzen: spanische Delikatessen aus Vigo, Bonito in Dosen von den Kanaren oder Konserven von den Kap Verden. Abends nutzen wir den Gasbackofen und es gibt so tolle Sachen wie selbstgefangenen Mahi als Lemonato a la Pegasos.

Die Pami scheint auch ankommen zu wollen! Sie schlängelt sich mit der souveränen Entschlossenheit einer geübten Trinkerin durch eine extrem unruhige Kreuzsee, mit vereinzelten 3-4 Meter Brechern und macht dabei 8 Knoten im ersten Reff.

Tag 21, Landfall in Nuku Hiva, Marquesas!

Wir haben es geschafft! Genau drei Wochen auf See sind doch recht schnell vergangen. Der Seegang war vor allem Nachts ganz schön anstrengend, aber alles andere lief völlig problemlos. Wäre der Generator nicht gewesen, würde ich sagen: Super Überfahrt!

Das Einlaufen in die Bucht Taiohae, in Nuku Hiva, war großartig! Die Landschaft hier ist Atemberaubend, dazu die plötzliche Stille im Boot, kein Geschaukel, kein Wassertosen mehr. Vierzig andere Segler liegen hier, vor dem Hauptort der Marquesas, vor Anker. Zum ersten Mal seit langer Zeit ging die Funke: „JaJapami, JaJapami for Lady Jane!“ Da wären mir doch fast die Tränen gekommen – aber nur fast.

Nachtrag, 7. Juni

Die Pami schaukelt gemütlich am Haken neben der Lady Jane, die Jungs schaukeln in einem Mango Kletterbaum und wir vier Großen schaukeln im Wifi des Open-Air-Restaurants. JD hat heute morgen den Fehler im Generator gefunden: Alle Systeme laufen wieder!

Das Leben ist großartig.

Auf zu den Marquesas!

Wir haben Ausklariert, Aufgeräumt, die Wasserlinie am Rumpf und die Ankerkette geputzt und das Boot mal wieder mit Essen vollgestopft.

Es kann losgegeben! 2950 Seemeilen liegen vor uns. Das ist die längste Blauwasserstrecke, die wir bislang gesegelt sind und wir sehen ihr ganz gelassen entgegen. Die Crew ist mittlerweile ein eingespieltes Team und die Jungs freuen sich richtig auf eine gemütliche Zeit an Bord.

Also dann: Anker auf und los gehts JaJapami!

Propellerglück und schöne Fotos!

12. Mai 2019

Es ist vollbracht!

Nachdem der Propeller Vorgestern auf Santa Cruz, Galapagos gelandet ist, hat JD ihn gestern an Bord geholt und heute morgen kam der Taucher und hat ihn gemeinsam mit Geri montiert.

Ein gutes Gefühl! Ich schreibe mit breitem Grinsen im Gesicht! Jetzt können wir uns bereit machen für den langen Schlag zu den Marquesas. (Ja, Marquesas. Für Pitkern und Gambier ist es uns zu spät im Jahr geworden.)

Bevor alles Augenmerk aufs Wetter und die Proviantierung gerichtet wird, möchte ich Euch noch die schönsten Bilder der letzten Wochen zeigen:

Lavahöhle – es wurde echt eng zwischendurch!

Strassenschach à la Galapagos

…und hier ein Original:

Playa Tortuga Bay. Die Crew geht surfen und wir mit den Meerechsen planschen:

Nochmal der Fischmarkt: „Meins, meins meins!“

Vater und Sohn:

Sonntags nachmittags:

Ausflüge und Social life auf Galapagos

Läuft man in der Küstenregion umher, zum Beispiel auf den Weg zu Las Grietas, einer kleinen Schlucht im Vulkangestein, kommt man streckenweise durch ganze Opuntienwälder. Diese Kakteengewächse finden sich natürlich in den meisten heißen Regionen der Erde, allerdings habe ich sie noch nie als solche Baumriesen erlebt.

Bei den richtig alten Exemplaren blättern die Stachel von den Stämmen ab und zurück bleibt eine weiche, braune Rinde, die ich hier schon als Lampenschirme verarbeitet gesehen habe.

Dieses Exemplar müsste an die 400 Jahre alt sein. Es war also schon ein kleiner Baum, als Darwin auf dieser Insel forschte!

Las Grietas ist überhaupt ein schönes Ausflugsziel. Will man sich auf den Weg machen, lohnt es sich, erst einen kurzen Blick auf die Tide zu werfen, denn bei Niedrigwasser gerät der Badeausflug schnell zu einer unerwarteten Kletterpartie.

Um an Land zu kommen, muss man hier ein Wassertaxi rufen, denn mit dem eigenen Dingi darf man nirgendwo festmachen. Also Kanal 14 auf der Funke: „Taxi aquatiko, Taxi aquatiko para Katamaran ChaChapami!“ Sobald eines der vielen, gelben Taxibote naht, beginnt ein lustiger Einsteige-Eiertanz! Puerto Ayora hat nämlich mit Nichten eine gut geschützte Ankerbucht. Vielmehr ist es extrem schaukelig hier und wir sind wirklich froh auf einem dicken, schweren Katamaran zu wohnen, und nicht auf einem leichten Einrümpfer. Die schaukeln hier nämlich wie ein Seelöwe nach zu vielen Cognacbohnen!

Erst muss also ein Erwachsener rüberhüpfen, dann werden die Kinder mehr oder weniger nachgeworfen und der Rest kann springen, wie es die Wellen grad erlauben.

So war das nicht gemeint Geri!

Der Ausstieg ist vergleichsweise einfach. Alle kleinen Boote hier haben über den Bug ein dichtes, dickes Netzt gespannt, das beim Nase auflegen an Mole, oder Betonsteg, fast wie ein Klettverschluss wirkt. Sehr pfiffig! Wir überlegen ob das nicht auch etwas für und wäre!

Nach Las Grietas läuft man etwas eine halbe Stunde. Auf dem Weg passiert man als erstes den Playa Alemanes. Und weil es gerade so schön passt, schiebe ich hier unsere Osterfotos ein, denn für die „Eiersuche“ hat sich der Osterhase genau diesen Strand ausgesucht.

„Lauf Paul! Papi hat gesagt, der Osterhase war am Strand!“

Lässt man den Osterstrand links liegen, kommt man über einen nett gepflasterten Pfad, quer durch die Pampa, zu der kleinen Lavaschlucht. Ein bisschen kraxeln, ein Checkpoint wo die Zahl der Besucher notiert wird, und eine lange Holztreppe, führen in die drei kalten Becken mit leicht salzigem Wasser. Es ist ein wirklich erfrischendes Vergnügen, die riesigen, pastellfarbenen Papageienfische in dem klaren Wasser zu beobachte und die hohen Lavawände um einen herum zu bestaunen. Damit auch kleine Beinchen auf dem Rückweg nicht schlappmachen, gibt es noch eine Art Strandbude, die mit Eis, Bier und Kicker die letzte Meile versüßt.

Neben den Strandausflügen gab es in den ersten Wochen hier auch viele Kinderausflüge zu Nachbarboten. Die ALKYONE mit ihren 4,5 Kindern lag länger neben uns. SAGO ist deutsch-australisch mit Annika und Oli im passenden Alter.

ALKYONE bring JaJapami zu SAGO, der Miniskipper ist immerhin schon 14!

OLENAs Timeo (Schweiz) kam auch gerne zu uns, wenn die ALKYONE-Mädels bei seinen großen Schwestern spielten. Später wurden diese Boote von der US-deutschen CHASING WATERFALLS mit drei Mädchen und der deutschen BELUGA mit dem achtjährigen Fritz abgelöst.

Tschüss ALKYONE!

Natürlich haben sich auch unsere very dear friends von der LADY JANE zu uns gesellt und für ein paar ausgesprochen unterhaltsame Abende gesorgt!

Unsere Sonnenbrillen, die von Meerbusch über UK zur A Capella of Belfast transportiert wurden, konnten ebenfalls hier übergeben werden. Wenn doch nur der vermaledeite Propeller auch auf diesem Weg hätte überbracht werden können! Darf ich öffentlich im Internet schreiben, dass Fedex ein Saftladen ist? Seit drei Wochen hängt unser heiß begehrtes Ersatzteil im ecuadorianischen Zoll und erst diese Woche durften wir die Gebühren bezahlen. Natürlich hat sich zwischenzeitlich die Bearbeitungsgebühr erhöht, was der geschätzte Kunde aber erst auf Nachfrage erfährt. So vergeht wieder ein Tag an dem nichts passiert und der Käpt’n muss sich erneut in die ewige Warteschlange vor dem Bankschalter einreihen um noch einmal 11 $ irgendwas einzahlen. 45 Emails haben wir heute gezählt, die er bislang in dieser Sache verschickt hat.

Es wird Zeit, dass auch JaJapami die Segel gen Westen setzen kann!