In Quarantäne im Paradis, trotzdem schwierig

Auch Französisch Polynesien hat den Lock Down beschlossen. Seit Anfang März sind 42 Covid-19 Fälle bestätigt worden, fast alle auf Tahiti und einige auf der Nachbarinsel Moorea plus zwei weitere in Raiatea (auch Gesellschaftsinseln).

Es gab einen Fall in Fakarava, ein Schweizer Tourist, und einen Fall auf Rangioa, wohl eine Frau, die von Tahiti zurück kam. Beide Erkrankten sind sehr zügig nach Tahiti in das dortige Universitätskrankenhaus geflogen worden.

Stand heute sind also alle anderen Inseln und Atolle dieses flächenmäßig riesigen Landes „sauber“, und müssten es auch bleiben, da mittlerweile seit 16 Tagen keine regulären Passagierflüge stattgefunden haben.

Um dem 21. März herum wurden alle Touristen ausgewiesen und heimgeflogen und Alles nicht lebensnotwendige geschlossen. In Tahiti warten wohl noch einige hundert Nichtpolynesier, ausgeflogen zu werden. In dieser Woche sollen Flüge alle zehn Tage nach Pars beginnen. Damit sollen diese Menschen dann abfliegen und auf dem Rückweg Luftfracht transportiert werden. Polynesier, die noch in Frankreich sind, werden nicht (!) heimgeflogen.

Wir Segler sind in Quarantäne. Seit 17 Tagen dürfen die Schiffe nicht mehr bewegt, und auch nicht mehr verlassen werden. Natürlich gibt es Ausnahmen, wenn es wirklich notwendig ist.

Wir sind in Rangiroa geblieben. Hier ist es sehr ruhig und es gibt keine Probleme. Von Freunden in anderen Ankerbuchten, z.B. auf den Marquesas, wo zur Zeit sehr viele Segler sind, hören wir auch anderes. Mancherorts darf nicht einmal eine Einzelperson zum Einkaufen gehen, aber immerhin werden Bestellungen irgendwie geliefert. Auch Schwimmengehen, selbst zur Bootspflege ist dort verboten.

Für uns ist es hier wie auf einer luxuriösen Ozeanpassage: keine Wellen, keine Nachtwachen und immerhin ein bisschen Internet, aber sonst sehr ähnlich. Wenn wir gewusst hätten was kommt, hätten wir allerdings besser proviantiert! Wir dürfen natürlich einkaufen, aber die Minimärkte, hier in den Tuamotus, haben auch zu normalen Zeiten kein besonders spannendes Angebot. Jetzt sind zwei Versorgungsschiffe ausgefallen und wir müssen langsam echt kreativ werden beim Kochen! Verhungern werden wir natürlich nicht, aber zum Frühstück gibt es keinen Camembert und Schinken mehr, sondern Corned Beef… seufz.

Wir gehen davon aus, dass diese Woche noch ein Recht großes Schiff kommt, von dem hoffentlich auch wir wieder frische Ware bekommen. Nur Bier wird es nicht geben. Die Prohibition besteht solange der Lock Down besteht. Also mindestens bis zum 15. April – vielleicht wird auch verlängert.
Noch einmal aus ganzer Seele: „Seufz!“


Kurzer Zwischenkommentar: In den Tuamotus ist vor ein paar Tagen ein Chinesischer Fischtrawler gestrandet. Die Besatzung ist auf andere chinesische Schiffe mit dem Hubschrauber umgeladen worden. JD hat nun gerade gelesen, dass sie bei einer Inspektion vor dem Bergen des Schiffs am Grunde der Tiefkühler Flossen und Fleisch von Haifischen gefunden haben. Das ist so eine Schweinerei! Und so traurig! Und selbst wenn es irgendwo eine Zeitungsnotiz wert ist, wird sich in Corona-Zeiten wohl kaum einer darüber aufregen… immerhin soll das Fischereiunternehmen aus China verklagt werden. Ob das was wird?

Bleibt gesund und lasst von Euch hören!

Rangiroas zauberhafter Süden

Bevor es Richtung Süden ging, hatten wir noch mal richtig Glück beim Einkaufen: Ananas, Mangos, Bananen und Trauben – wunderbar! Daher war die Stimmung bestens, als früh Morgens der Anker aufgeholt wurde. Noch vor dem Mittagessen tauchten auch noch drei Große Tümmler auf und haben vor unserem Bug ein Weilchen mit uns geschäkert. Die großen Meeressäuger wirken sooo wach und intelligent, wenn sie sich, knapp unter der Oberfläche auf die Seite drehen, um uns auf kürzeste Distanz, mit einem großen Auge, genau zu mustern.

Kristallklares Wasser und weite Sandflächen mit vereinzelten Korallenblöcken, bieten einen wunderbaren Ankerplatz vor dem Motu Ai Ai. Es gibt weit und breit keine Wohnhäuser. Für die paar Tagestouristen, die hin und wieder mit kleinen, schnellen Booten hergebracht werden, ist ein hübscher, schlichter Picknickplatz eingerichtet und auf dem Inselchen nebenan, ist eine der üblichen Hütten für die Copra Herstellung. Ein paar Matratzen auf einem Podest, eine einfache Kochstelle, ein großer Wassertank und Werkzeuge. Mehr brauchen die Männer nicht, die ab und an zur Kokosernte herkommen. (Copra ist das getrocknete Nussfleisch, aus dem später Kokosöl hergestellt wird.)

Mit Michel zusammen erkunde ich den Bereich um die Hütte. Wir wollen nicht neugierig sein, sondern suchen etwas: Aha! Da am Strand ist er! Ein langer Metallspieß, tief in die Erde eingegraben. Das einzig ware Werkzeug, um die Kokosnuss aus ihrer dicken, faserigen Schale zu pellen. Mühsam schälen wir drei Nüsse, um sie später an Bord trinken zu können und Kokosmilch herzustellen.

Nachmittags erkunden wir die Lavaküste. Hierfür ist dieser Bereich Rangiroas schließlich bekannt! Die erstarrte Lava hat bizarre Formen angenommen. Wir tasten uns – natürlich mit Wasserschuhen – durch ein richtiges, mannshohes und sehr scharfkantiges, Labyrinth. Mal sind die Tümpel flach und ganz warm, mal kühler und durch Kanäle mit dem Ozean verbunden. Ein toller Ausflug!

Auch in den nächsten Tagen besuchen wir mit dem Dingi immer neue Lagunen und Mini-Pässe, bis es Zeit wird, einen neuen Ankerplatz zu suchen.

Neben dem Wind, sind die Haie der Hauptgrund für den Ortswechsel. Anfangs waren es nur fünf, die, wie immer, einen riesen Bogen um uns gemacht haben, sobald wir ins Wasser gesprungen sind. Dann hat der Käpt’n seine Superbolognese gekocht und zu unseren vegetarischen Abfällen, mischten sich Fleischsaft und Hackkrümelchen ins Abwasser. Kurze Zeit später hatte sich die Zahl der Raubfische verdreifacht! Am nächsten Morgen sind wir zögerlich die Badeleiter runter – und gleich wieder hoch, als der nächste Black Tip nicht reißaus nahm, sondern auf uns zu kam! Wie bei wilden Hunden sind einzelne Streuner harmlos bis feige, aber vor einem ganzen Rudel auf Futtersuche, nimmt man sich besser in Acht!

Bevor wir zurück zu unserm Basislager, dem Ankerplatz vor dem Dorf, gesegelt sind, hat uns auch mal wieder ein Seglerschicksal ereilt: Um 2.36 Uhr sprang auf einmal die Backbordbilgepumpe mit lautem Warngepipse an: Wasser im Schiff!! Und zwar Viel! Süß oder salzig? Süß, außerdem ist unser Tank fast leer! Mist verdammter, wo ist das Leck?

Während JD den Haupthahn zudreht, erlausche ich die Quelle: der Druckbehälter unter dem Bett ist durchgerostet und mit drei Bar schießt ein dünner Strahl unseres kostbaren Wassers heraus… Man man man. Am nächsten Tag stopfen wir das Loch mit Sikaflex, Silikonmatte, Brettchen und Schraubzwinge. Das wird wohl bis Tahiti halten.

Zur Blauen Lagune von Rangiroa

Man man man. Diese seitliche Welle und das ständige gerumpse geht mir vielleicht auf die Nerven! Wir sind in einem Atoll, nicht auf hoher See, und müssen trotzdem seit Stunden gegenan Motoren!

Selber Schuld! Wir wollten ja unbedingt zur Blauen Lagune und haben schon wieder der Wettervorhersage vertraut – obwohl wir es mittlerweile besser wissen müssten…

Seit 10 Tagen sind wir in Rangiroa, dem großen Nachbaratoll von Tikehau, und haben sehr das „Etwas Mehr“ an Zivilisation genossen. Mehrere kleine Supermärkte mit Joghurt, Käse und frischem Gemüse, die Möglichkeit Abends Essen zu gehen und ein ruhiger Ankerplatz, waren wunderbar.

Gesellschaft haben wir auch gefunden. Zwei Schiffe aus Tikehau sind mit uns rübergesegelt und mit neuen Bekannten gab es mal einen Sundowner und mal ein Abendessen.

Wolfgang und Maria fanden wir besonders nett und haben sie daher zu einem Tagesausflug auf der Pami eingeladen. Vier Stunden waren wir bis zur Blauen Lagune unterwegs. Ein wunderbarer Tripp quer durch das Atoll, mit perfekten Wind für den Genaker. Das große Tuch hatten wir seit Ewigkeiten nicht mehr aus der Segelkiste geholt und ich meine, ein glückliches Wispern gehört zu haben, als es sich endlich wieder entrollen durfte!

Zwischen den vorderen und den hinteren Motus liegt die Blaue Lagune

Leider endete die Wunderbarkeit auch in dem Moment, als wir den Genaker wieder eingeholt haben. Die Lagune, die sich in einem sehr breiten Abschnitt des Ringatolls gebildet hat, sah wirklich wunderschön aus, aber als wir versucht haben, uns mit der Pami zu nähern und einen Ankerplatz zu finden, wurde es zunehmend ungemütlich. Im geschützten Süden, wo wir gerne gelegen hätten, fand sich ein flächendeckendes Korallengebirge unter Wasser. Kein Fleckchen Sand zum ankern, dafür aber viel Adrenalin im Blut, denn es könnte jeden Moment zu flach für uns werden und alle haben die ganze Zeit konzentriert ins Wasser gestarrt, um einen zu hoch gewachsenen Korallenkopf, möglichst frühzeitig zu spotten.

Also vorsichtig zurück zur östlichen Grenze. Hier hatte sich aber mittlerweile eine ordentliche Windwelle aufgebaut und eine annehmbare Sandflächen fand sich auch nicht. Half aber alles nichts, wir mussten dableiben, denn unsere Gäste waren mit einem Taxiboot verabredet, das sie genau jetzt, hier irgendwo einsammeln sollte. Also Augen zu und den Anker auf sieben Meter fallen lassen, in der Hoffnung Sand zu treffen und sich nirgendwo zu verhaken. Auf sieben Meter kann ich auch immer noch runtertauchen und irgendwelche Kettenmanöver starten, falls es nötig wird.

Nachdem das Wassertaxi tatsächlich fast pünktlich unsere Gäste übernommen hat, sind auch wir ins Dingi und haben die heftig schaukelnde Pami sich selbst überlassen. Leider haben wir es nur bis an den Rand der Lagune geschafft. Erst wären wir fast auf ein Riff gebrettert und dann wurde es so flach, das ich ausgestiegen bin und gezogen habe. Eigentlich kein Problem, aber wenn man statt Wasserschuhen nur Flossen zum Schutz der Füße hat, muss man halt Rückwärts gehen – es gibt eindeutig bequemere Arten der Fortbewegung.

Das Planschen dort, war ganz nett, aber den schaukeligen Abend, und die noch schaukeligere Nacht nicht wert. Morgens haben wir schnell die Kurve gekratzt, bevor sich noch mehr Welle aufbauen konnte. Dennoch sitzt ich jetzt hier und kann nur froh sein, nicht seekrank zu werden…

Zwei Tage später

Natürlich hat alles ein Ende und sooo schlimm war es, im Vergleich zu anderen Törns dann auch nicht. Nachmittags haben wir gut geschütz vor dem Schwell, am Nordost-Zipfel von Rangiroa geankert und wunderbar an fast unberührten Riffen geschnorchelt.

Das Atoll von Rangiroa umschließt übrigens eine Fläche von ca. 1600 Quadratkilometern. Der Bodensee hat im Vergleich nur etwa 500! Wir könnten hier also noch lange rumschippern, ohne alles gesehen zu haben. Wollen wir aber gar nicht. Wir bleiben noch ein Weilchen und dann machen wir uns auf den Weg zurück nach Tahiti und den Gesellschaftsinseln. Scheinbar habe ich nie deutlich genug geschrieben, dass wir Hawaii, aufgrund des kaputten Generators, leider ganz aufgeben mussten. Daher sei es an dieser Stelle noch einmal erwähnt.

Morgen geht es weiter zur „Riffinsel“, mal sehen wie es dort wird!

Schwertfisch, Hotel und Sturm

Mittlerweile sind wir in Tikehau schon ganz gut rumgekommen. Auch wenn unser Batterieladestatus die zu motorenden Strecken limitiert. Wetter und das Versorgungsschiff DORI bestimmen den Rhythmus des Atolls und die Zugruten der Segler. DORI kommt Dienstags, also ankern auch wir Dienstags in der Nähe des Dorfes. Es sind ungefähr eineinhalb Stunden von dem Ankerplatz am Pass, bis dorthin.

Ist man schon vorher da, kann man in dem Mini-Markt eine kleine Bestellung aufgeben und muss sich dann nicht beeilen, Mittwoch morgens noch etwas frisches zu ergattern. Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Tomaten, Gurken, Äpfel und Birnen gibt es. Manchmal auch Salat und einmal sogar Mangos!

Als sich letzte Woche schlechtes Wetter ankündigte, sind wir mit der Pami in die kleine Marina gefahren und haben für zwei Nächte an dem Schwimmponton festgemacht. Das macht nicht nur das Versorgen, sondern auch das Entsorgen leichter! Der Müllplatz ist nämlich ein gutes Stück entfernt und wenn man kein Dingi, dafür aber einen Bollerwagen benutzen kann, tut man sich deutlich leichter!

Das Wetter war dann auch tatsächlich fürchterlich. 42 Knoten Spitze, das ist Sturmstärke und am Anker echt nichts für schwache Nerven. Wir haben daher gerne für eine zweite Nacht bezahlt, auch wenn die Gebühren, für diese Location, recht bemerkenswert waren. Dafür konnten wir aber die Energie für Mittagessen sparen und sind in den Regenpausen zur Snackbar gegangen: Fisch oder Hühnchen? Frittiert oder vom Grill? Lieber rohen Fisch, mit Kokos oder als Carpaccio! Mhhh…

Und dann gab es aus unverhoffter Quelle noch mehr Fisch! Neben uns hat ein Fischer mit einem bemerkenswerten Fang festgemacht: Ein drei Meter Schwertfisch, mit der Angel gefangen! Ein Riesenvieh mit erstaunlich blauen Augen! Drei Stunden haben wir zugesehen, wie mit Hilfe der schnell herbeigeholten Familie und viel Eis, der große Raubfisch in viele säuberliche, kleine Filets zerteilt wurde. Die Abfälle gingen natürlich über Bord. Über 20 Black Tips (die kleinen, harmlosen Haie hier in den Atollen) haben eine riesen Party gefeiert! Es war spektakulär die Meute beim zerreißen der Beute zu beobachten, selbst die Fischer, die ja bei der Arbeit waren, haben immer wieder kurz innegehalten um zuzusehen.

Nachdem auch der Kopf mit der langen, schwertartigen Nase, im Hafenbecken gelandet war (unter heftigem Flossenklatschen der Haie) wurde das Handy gezückt und eine Waage ausgepackt. Eine Stunde später war der halbe Fisch, an grüppchenweise auftauchende Kunden, verkauft und der Rest, in Eis, auf den Pickup verladen. Wir haben tatsächlich ein tolles Stück geschenkt bekommen, obwohl wir nicht mehr getan haben, als Mutter und Baby eine Zeit lang, mit dem Regenschirm, Schatten zu spenden.

Mariniert und vom Grill eine wahre Köstlichkeit, von der tatsächlich auch Paul mitgegessen hat!

Endlich kam die Sonne wieder raus und wir sind ganz langsam, um nicht zu viel Strom zu verbrauchen, zum Royal Tikehau motort und haben vor dem Hotel den Anker fallen gelassen. Nachmittags bin ich mit Michel rübergefahren, um zu fragen, ob wir mit dinieren können? Könnten wir gerne; na wunderbar!

Nebenbei kam mir der Akzent der blonden Frau, die nach einem Sonnenschirm fragte, doch sehr vertraut vor. Eine Berlinerin – ob wir nicht ihre Familie kennenlernen wollten? Natürlich wollten wir und zehn Minuten später waren Michel und der fünfjährige Emil schon dabei, über unterschiedliche Taucherbrillen zu fachsimpeln.

Vier Nachmittage haben die drei Jungs zusammen verbracht und auch für uns war es eine nette Abwechslung. Danach hat die Familie ihren Elternzeit-round-the-world-Tripp fortgesetzt und wir hatten nochmal einen richtig aufregenden Abend:

Zum Abschied gab es gleich zwei Cocktails, weil es halt gerade so schön war. Darüber ist es dunkel geworden und wir haben erst auf dem Weg zur Pami gemerkt, wie hoch die Wellen bei dem stetig zunehmenden Wind geworden waren. Triefend nass sind wir längsseits gegangen und ausgesprochen mühsam an Bord geklettert. Schon 28 Knoten Wind! Dafür haben wir eigentlich viel zu flach geankert! Aber in keiner Vorhersage war das angekündigt. Um das Dingi hochzuziehen war es schon viel zu schaukelig, also musste es an einen langen Festmacher und alleine zusehen, dass es in den immer höheren Wellen nicht kentert.

32 Knoten, jetzt aber schnell. JD hat versucht das bockende Beiboot nahe genug zu halten, dass ich den Festmacher einfädeln konnte, ohne dass es uns die unterste Stufe vom Rumpf kaputt hauen konnte. Dann war das Tau durch, aber bevor ich den Knoten machen konnte, kam die verflixte, hohe Welle und hat mir ein ausgesprochen unfreiwilliges, spätes Bad beschert. Nach nur einem Cocktail wäre das vermutlich nicht passiert… Es war nicht wirklich gefährlich, aber zwischen der stampfenden Pami und dem tanzenden Dingi, im Dunkeln die Badeleiter zu erwischen, war echt kein Spass.

Ich nass und JD fluchend, haben wir das Manöver schließlich doch zu Ende geführt. 37 Knoten spitze, bei 2,60 Meter Wassertiefe war ganz schön wild, aber unser Anker hat, wie immer, super gehalten und dem Dingi ist auch nichts passiert. Nach ein paar Stunden war der Spuk vorbei und wir konnten beruhigt schlafen gehen. Man man man.

War diese Piña Colada schuld?

Am nächsten Tag sind wir zurück zum Ankerplatz am Pass gesegelt, um – man höre und staune! – den Generator zu reparieren. Zwischenzeitlich kam nämlich die erlösende Nachricht, dass der Wärmetauscher in Tahiti angekommen ist. Nach nur sechs Tagen! Sensationell!

Unser Freund, der Inhaber von Wakame-Sushi, hat uns den Kontakt zu jemand vermittelt, der schnell und effizient, das Paket in den nächsten Flieger nach Tikehau verladen hat. Hier hat es JD, nach 24 Stunden, dann auch aufgestöbert. Es stand zwar dick JAJAPAMI TIKEHAU VILLAGE drauf, ist aber trotzdem erstmal im Hotel „Tikehau Village“ gelandet…

Zusammen mit dem hilfsbereiten Ryen von der SOUL REBEL, hat JD den nächsten Tag im Motorraum geschwitzt. Es sieht so aus, als wären wir wieder mobil! Während ich hier schreibe, läuft der Generator zum ersten Mal wieder unter Volllast und die Temperatur bleibt im tollerierbaren Bereich.

Wir hoffen das Beste und planen mal vorsichtig, in den nächsten Tagen nach Rangiroa, dem wesentlich größeren Nachbaratoll zu segeln!

Ein Barbecue auf Tikehau

Tikehau ist ein Atoll ganz im Westen der Tuamotus. Nicht besonders groß, aber immerhin kann man die Motus auf der gegenüberliegenden Seite des Ringriffs nur an ganz klaren Tagen erkennen.

Kommt man durch den einzigen Pass des Atolls, stehen direkt links einige Häuser, die von einer Fischer Familie bewohnt werden. Eingerahmt von zwei Mini-Pässen, die wie flache, stark fliesende Flüsschen wirken, liegt daneben ein ausgesprochen malerisches Inselchen, auf dem Yannik eine Wellblechhütte und einen Wassertank errichtet hat. Hier wohnt er zum Copra machen und Fischen. Sein richtiges Haus steht in dem kleinen Dorf, auf dem größten Motu des Atolls.

Yannik ist der angeheiratete Cousin von Helmer, und Helmer, der Columbianer, ist ein Taucher-Freund von „unserem“ Geri, der hier lebt und uns erwartet hat.

Helmer (sprich: Elmähr) mit dem Käpt’n

So kamen wir also gleich in den Genuss, von Freunden begrüßt und hier herumgeführt zu werden. Helmer arbeitet für die Tauchschule, verbringt aber viel Zeit bei Yannik und hilft wo er gebraucht wird.

Gleich an einem der ersten Abende, wurden wir zum polynesischen Barbecue eingeladen! Großartig! Während wir friedlich am Anker schaukelten, mit Frühstück und Schule beschäftigt, sind die beiden zum Aussenriff getuckert und haben, mal eben, ein Duzend kleine Rifffische gefangen.

Speerfischen heisst, mit Armbrustähnlichem Gerät zu jagen – selbstverständlich ohne Tauchequipment. Man muss also ordentlich lange die Luft anhalten können, sehr zielsicher sein, und seinen Fang, furchtlos vor den zahlreichen Haien, zurück ins Boot befördern. Ist der Fisch zu groß und stark, zieht er den Pfeil mit der Leine und allem was daran häng in die Tiefe. In der Regel ist das die Abschussvorrichtung; also ein teurer Verlust. Läuft es irgendwie dumm, hängt auch der Taucher mit dran und dann kann es gefährlich werden. Wir haben schon viele Segler, Männer, Draufgänger, langes Tauchergarn spinnen hören, was sie dabei so erlebt haben.

Mir würde das wohl auch Spaß machen, allerdings schreckt mich die Vorstellung, mit einem blutenden Fisch in der Hand, durch ein Meer voller Haie – nur bildlich gesprochen – zu meinem Boot schwimmen zu müssen dermaßen, dass ich es dann doch lieber bleiben lasse.

Nun, Yannik hat damit offenbar keinerlei Probleme. Klar, er stammt ja auch von hier. Vermutlich würde er dafür niemals die B7 ohne Ampel überqueren!

Die Fische kommen auf einen selbstgebastelten Riesenrost, über ein heruntergebranntes Feuer am Strand. Gleichzeitig werden die großen, grünen Brotfrüchte in die Asche gelegt. In einer unglaublich kurze Zeit wird Kokosmilch hergestellt: die braunen, halb verrottet aussehenden Nüsse werden auf einen Metallpin aufgespießt und die faserige Hülle abgerissen und -gehebelt. Die eigentliche Nuss wird nun mit der Machete halbiert und mit einem interessanten Metall-draufsitz-Raspeler, zu Brei geschabt. Den Brei fluchs in einem Tuch ausdrücken, und voila, frische Kokosmilch für Poissont Crue ist fertig! Rohen Papageifisch in Limone garen, Tomate, Gurke, Zwiebel und Kokosmilch dazu: fertig ist das Nationalgericht von Polynesien!

Yannik und der erste Schritt zu Kokosmilch

Leider sind beide Jungs gerade in einer totalen anti-Fisch Phase… auch diese wunderbare Brotfrucht in Kokosssauce, mag von uns nur ich. So müssen die Lütten von mitgebrachtem Reis und Sojasauce Sattwerden, während wir in Fisch schwelgen!

Mehr als zehn Segler sind nicht in Tikehau. Die meisten haben wir schon kennengelernt: beim ersten Grillen ein Norwegisch-Französich/Polynesiches Paar, etwas jünger als wir; SOUL REBEL mit der zweijährigen Chloe, die schon seit Jahren hier sind und sehr nett und hilfsbereit; der drahtige Franzose; das australische, junge Pärchen; die spanischen Musiker, die zu viert auf einem kleinen Monohull hausen und die älteren Amerikaner, die pausenlos angeln.

Alles in allem ein sehr netter Trupp, der beim zweiten Barbecue auf Yanniks Motu, fast vollständig anwesend war!

Ryan, der junge Vater von der Soul Rebel, hat einiges Verständnis für Generatoren und ist sehr interessiert an unserem Antrieb. Gleich in den ersten Tagen hat er mit JD zusammen im Motorraum rumgeschraubt, und versucht den Fehler für die neuerlichen Überhitzungen unseres Mist-Generators zu finden. Leider war es nicht der Thermostat – und mittlerweile macht sich ein Wärmetauscher aus Deutschland, auf den langen, beschwerlichen Weg zu diesem Südseeatoll. Ich staune immer wieder, was nötig und auch möglich ist, um ein Boot, in diesem abgelegenen Teil der Welt, zu reparieren!

Wir üben uns derweil weiter im Energiesparen. Würde ständig die Sonne auf unsere Solarpaneele scheinen, müssten wir uns kaum Gedanken machen. Aber es ist Regenzeit in diesen Breitengraden, und drei Tage dicke Wolken und Regen, ist nicht ungewöhnlich. Sieht man mal von Pamis Batterieladestatus ab, ist das auch ganz gut so. 30-34 Grad ist verflixt warm und der ständig nötige Sonnenschutz für unsere kleine, blonde Familie, kann ganz schön anstrengend werden, wenn man ihn immer und immer wieder den spielfreudigen, kindlichen Gemütern erklären muss.

Den Jungs geht es übrigens super hier! Sie werden es nicht müde, in diesem warmen, klaren Wasser und an den Korallensandstränden zu spielen. Es gibt wenig Streit und sie scheinen auch keine anderen Kinder zu vermissen. Unser Fünfjähriger hat seinen Nachmittag heute mit Haie-Necken verbracht (von Land aus 😉 – schon ein bisschen cool, oder?

Noch eine Anekdote zum Abschluss: Kleine, mehr oder weniger braune Mischlingshunde, gibt es hier überall. Zwei natürlich auch auf Yanniks Motu. Anfangs habe ich mich gewundert, warum die beiden Streuner weite Strecken schwimmend und über kleine Sandbänke watend, bis zur Grenze in tiefere Wasser unterwegs waren. Was wollen Hunde da? Die Aussicht genießen? Von Wegen! Die wollen Haie jagen! An Land gibt es ja nichts ausser Krabben, will man als Hund also ein bisschen Spass haben, muss man schon ins Wasser gehen!

Als wir beim Grillen, die Gräten ins flache Wasser um die Insel geworfen haben, kamen die vielleicht ein Meter großen Black Tips ganz nahe und die Hunde hatten ihre Show: sie sind in Wasser gespritzt, auf den nächste Hai los, und haben ihn mal ordentlich durchs Wasser gescheucht! Unglaublich, mit welcher Kraft und Geschwindigkeit sich dieser kleine Hai durch so flaches Wasser gearbeitet hat! Von Schwimmen konnte keine Rede sein, er war höchsten zur Hälfte in Wasser, dennoch kam er irgendwie schneller voran, als der kleine Mischling, der ihm auf den Färsen war. Endlich tiefes Wasser – und schwups weg war er. Gut so für alle, denn schon mal werden die Hund auch von den Haien verletzt und das möchte natürlich niemand.

Ankunft auf Tikehau, Tuamotus

Gestern (Sonntag, 19.01.20) am sehr späten Nachmittag sind wir gerade noch eben durch den Pass vom Atoll Tikehau gefahren. Es war ziemlich wildes Wasser im Pass und die Motoren liefen fast auf Vollgas, um uns sicher und zügig durch die 150 Meter breite und 1 km lange Einfahrt, den Pass, reinzubringen. Eine halbe Stunde später wäre es wegen der einsetzenden Dämmerung zu riskant gewesen. Puh.
Wir hatten eine unangenehme Überfahrt von Papeete, anfangs mit viel Wind (6-7 Bft) und schwierigem Seegang aus verschiedenen Richtungen. Das Segeln war aber zügig, nur sehr laut und wüst. Die Nacht haben wir Beiden dann abwechselnd Wache gehabt und ein munteres Ausweichspiel mit den Squalls, teilweise auch kleinen Gewittersystemen, durchgestanden. Es war nicht schön. Am Morgen klarte es dann sofort auf, aber der Wind verließ uns ebenso nach und nach. 30 Meilen vor Tikehau am Mittag haben wir dann die Motoren mit den Segeln laufen lassen, um die Geschwindigkeit zum Ziel zu halten. Dann kam der Generator zum Einsatz…
Nach 40 Minuten hatten wir die Akkubank wieder geladen und gleichzeitig die Motoren mit 8 kW im Betrieb versorgt. Nachdem wir ihn stoppten, kochte das Kühlmittel über, oh Gott!
Nach einiger Zeit des Abkühlens und wiederholtem Entlüften des Kühlkreislaufs (der interne, nicht die Seewasserkühlung) konnten wir ihn dann immer wieder für 12-14 Minuten betreiben und eine viertel Stunde auf Abkühlen warten. So ging das für 4 Stunden, bis wir dann doch noch den Pass erreichten. Die letzten 18 Seemeilen sind wir nur motort, da der Wind genau von vor kam. In dieser Situation hätten wir uns voll auf den Generator verlassen können müssen! Schade, dass das Stück aus Deutschland uns einmal mehr im Stich gelassen hat.
Glück nur, dass die Leute von Fischer Panda inzwischen intensiv und hilfsbereit mit uns an der Problemidentifizierung,und hoffentlich bald -lösung, arbeiten. Wir sind im ständigen Kontakt! Vielen Dank in jedem Fall dafür.

Kurs Nord-Nord-Ost

Musik in der Brauerei

Endlich ist das Wetter günstig, um sich auf den Weg nach Norden zu machen. Morgen wollen wir zu den Tuamotus aufbrechen. Geplantes Ziel ist Tikehau, gleich neben Rangiroa. Dort wohnt ein Freund von Geri, mit dem wir auf der Pami schon mal nett ein Bierchen geteilt haben. Er freut sich wenn wir kommen und will gerne mit mir Tauchen gehen – also nix wie hin!

An Bord sind auch alle wieder fit. Wir hatten nämlich mit diversen Pilzen und einer heftigen Erkältung bei Ramon zu kämpfen. Nicht witzig, in dieser schwülen Hitze!

Da wir seit Wochen darauf warten, aufbrechen zu können, herrscht hier überhaupt nicht die übliche Betriebsamkeit, die wir sonst vor dem Verlassen einer Marina für längere Zeit, an den Tag legen. Der häufige Regen hat die Pami schön sauber gehalten, selbst die Fender mussten nur untenrum einmal übergewischt werden. Bei der Proviantierung fehlt auch nur das Sahnehäubchen: frisches Obst und Gemüse und natürlich Bier!

Klar, gab es auch diesmal eine last minute Reparatur. Die ist aber kaum aufgefallen, da wir eh auf günstige Winde gewartet haben. Nur etappenweise sah es so aus, als ob eine langsame UPS-Lieferung, mit einer Generatorkühlpumpe, uns aufhalten würde. Tatsächlich waren wir aber eh nicht Willens, Tahiti zu verlassen, bevor das Wetter hierfür nicht wirklich gut aus sah und so hat uns auch ein Paket, dass drei Wochen hierher gebraucht hat, nicht aufgehalten. Nun ist die Pumpe eingebaut, und wie immer hoffen wir, dass es Das nun wirklich war und auch dieses Sorgenkind nun ein für alle Mal Ruhe gibt!

Nach Norden wollen wir hauptsächlich wegen der Zyklone. Ich weiss nicht, ob dass allen klar ist: Von November bis Mai ist hier offiziell Zyklonsaison. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Zyklon tatsächlich Tahiti erreicht, ist ausgesprochen gering. Dennoch, die Versicherung sagt, dass wir für Schäden eines benannten Tropischen Sturms (das heißt, wenn der Sturm stark genug ist, dass er einen Namen wie Maria oder Irma bekommt) nur nördlich von 10 Grad Süd versichert sind. „Oberhalb“ dieses versicherungsrelevanten Breitengrades, befinden sich zum Beispiel die Marquesas und natürlich auch Hawaii. Die Tuamotus Rangiroa (der Weite Himmel, das zweitgrößte Atoll unserer Erde) und Tikehau (die grob zwischen Tahiti und Marquesas liegen) hocken genau auf dem 15ten Breitengrad. Sollte uns also der Teufel einen Zyklon mit Kurs auf Französisch-Polynesien schicken, nehmen wir die Segel in die Hand und flitzen nach Norden.

Da wir aber davon ausgehen, nichts schlimmeres als heftigen Wind, verhedderte Ankerketten und Korallenschürfwunden zu erleben, freuen wir uns auf schöne Schnorcheltage in Traumhaften Atollen!

Unser schönes Tracking via Noforeignland, funktioniert leider nicht mehr. Über Satellit können und werden wir kurze Emails direkt in den Blog hochladen. So könnt ihr weiterhin unser Vorankommen, auch auf größeren Passagen, verfolgen.

Mittlerweile haben wir uns in die Brauerei verholt, für ein letztes Tahiti Bier. So denn: Prost – oder: Manuia! Auf das die nächste Nacht auf See (es wird nur eine sein bis Tikehau) eine entspannte wird!

2019 an Bord von JaJapami

JaJapami in der Lagune von Bora Bora

 Ich sitze hier und schwitze im Tropischen Sommer, obwohl noch nicht einmal die Sonne scheint. Der Himmel ist grau bedeckt und hie und da türmen sich riesige Wolkenberge. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Tropischer Sommer heißt nämlich nicht: endlich gutes Wetter; sondern Regenzeit! Und die haben wir im letzten Jahr in Panama, schon zur Genüge kennengelernt.

In Panama, genauer gesagt in Bocas del Toro, nahe der Costa Ricanischen Grenze im Atlantik, fing auch unser Jahr 2019 an. Die ersten Minuten hatte die Crew der JaJapami damit verbracht, den Marina Steg mit chinesischen Sylvester Krachern zu verkokeln und den tausenden von Seemeilen, die vor uns lagen, entgegenzublicken. Denn dies sollte das Jahr unserer Pazifiküberquerung werden!

Vor dem Aufbruch lag noch Pauls siebter Geburtstag und eine Menge Planungsarbeit. Außerdem hatten wir ganz schön Hafenfäule angesetzt und die wollte erst einmal überwunden werden. „Hafenfäule“ haben viele Blauwassersegler, die längere Zeit in einer Marina verbringen. Man merkt es immer daran, dass ständig neue Gründe auftauchen, mit dem Auslaufen noch ein paar Tage länger zu warten. Noch eine Abschiedsparty, schnell noch diese Reparatur und dann kündigte sich auch noch spontan Crew an, auf die wir natürlich warten wollten.  

Nachdem wir Jelle, den „OrangeGuyOnA Bike“ mitsamt seinem Fahrrad an Bord genommen hatten, ging es endlich los. Bei fiesestem Seegang erst einmal zur Shelter Bay Marina, an der Atlantikseite des Panamakanals. Der Ozean schien sich nicht gerade auf uns gefreut zu haben, so wie er sich in diesen ersten Segeltagen aufgeführt hat! Zum Glück wurden es auf der Strecke zu den San Blas Inseln (Kuna Yala) wesentlich besser! Bevor wir dieses südlichste Archipel von Panama erreicht hatten, gab es erst einmal ein lang ersehntes Wiedersehen mit unseren britischen Freunden von der LADY JANE. 

Gemeinsam mit Allen und Maria, Jelle und vielen anderen alten und neuen Bekannten, hatten wir eine tolle und aufregende Zeit bei den Kunas auf ihren wunderschönen, kleinen Palmeninseln: Als der Wassermacher nicht anspringen wollte, durften wir bei Freunden an Bord duschen und wurden mit Wassersäcken versorgt. Unvergesslich: Der verletzte Kuna, der sich mit der Machete in die Hand gehakt hatte und den schließlich die Pami notversorgt und zum nächsten Inselkrankenhaus gefahren hat. Jelle, der soviel lustiges Leben an Bord gebracht hat und stundenlang, mit holländischem Akzent, den Kindern Comics vorgelesen hat (ohne zu verstehen was er liest). Die Tonnen von Plastikmüll, die scheinbar aus der gesamten Karibik hier angeschwemmt wurden. Lobster und Kokosnüsse. Hühnchen mit Reis und Platanos in Palmengedeckten Strandbars. Eine lange Dingi-Irrfahrt in stockfinsterer Nacht.

Zurück in Shelter Bay Marina ging es an die letzten Vorbereitungen für den Pazifik und die Kanaldurchfahrt. Segel flicken, Crew finden, neues Kühlsystem für den Generator und die dicke Pami, für ein neues Antifouling, aus dem Wasser hieven, waren nur die großen Sachen. Wir lernten ALKYONE mit ihren 4,5 Kindern kennen und Geri klopfte eines Tages an unseren Rumpf.

Crewwechsel vor dem ultimativen Härtetest für JaJapamis Antriebssystem: Jelle setzte seine Radtour von Nordkanada nach Südchile fort, Geri zog ein und wir brachen zum Panamakanal auf. In zwei unglaublich spannenden Tagen durchquerten wir Mittelamerika und machten im Pazifik fest. Die Pami hatte den Test bestanden und die ganze Strecke, mit gutem Tempo, durchmotort!   

Es folgten noch mehr Reparaturen, zusätzliche Solarpaneele, Proviant bunkern für Monate und Cyrill kam an Bord um die Pazifikcrew komplett zu machen. Ein kurzer Zwischenstopp auf den Las Perlas, wo Geri, der Taucher, viel Mühe hatte, die alten Opferanoden an den Propellern, auszutauschen. Dann ging es endlich los! Pazifik wir kommen – auf nach Galapagos!

Quasi zum Einstieg in den Pazifik ereilt uns mal wieder ein Bootsbewohnerschicksal. Bei uns riss nicht das Segel, auch das Ruder verklemmte sich nicht und Wassereinbruch hatten wir auch nicht. Nein, wir verloren einen Propeller. Einfach so – nicht mehr da. Hatten wir auch noch nie gehört. Neptun zeigte sich davon ungerührt und als wir am 9. April den Äquator querten, erschien er tatsächlich an Bord und alle bekamen eine Pütz Äquatorwasser über den Kopf. 

Wir verbrachten sechs Wochen auf den einzigartigen Galapagos. Seelöwen, Riesenschildkröten, Meerechsen, Haie, Lavaschluchten und Opuntienwälden hielten uns in Atem. Dennoch wurde die Zeit lang, bis endlich der Ersatzpropeller den Zoll passiert hatte und angebracht werden konnte. LADY JANE, ALKYONE; SAGO; SERENITY; OLENA; BELUGA; CHASING WATERFALLS und viele andere kamen und legten wieder ab, bis endlich auch wir zu den Marquesas aufbrechen konnten.

21 Tage auf hoher See. Zwischenzeitlich sogar ziemlich hoher See! Von wegen Stiller Ozean – die Atlantiküberquerung war dagegen ein Kindergeburtstag. Dennoch war die Stimmung durchweg ziemlich gut. Wir fingen Fische, spielten viel und Geri und Cyrill liefen in der Küche zu Höchstleistungen auf, so dass alle ein paar Kilo mehr auf den Rippen hatten, als wir endlich in Nuku Hiva den Anker warfen. Natürlich gab es auch auf dieser Etappe eine größere Bootspanne. Ohne scheint es niemals und bei niemandem zu gehen!

Der Generator fiel aus. Bei einem Boot mit Elektroantrieb keine Kleinigkeit. Wir reduzierten sofort allen Stromverbrauch auf ein Minimum und stellten schon am nächsten Tag erleichtert fest, dass wir über Solar- und Regenerierungsenergie durch die Propeller, die Batterien genug laden konnten, um Kaffeemaschine und E-Herd, zumindest begrenzt, nutzen können. Da es nur noch drei Tage bis zum Ziel waren, wurde auch kein Reparaturversuch in schwerer See gestartet.

 Auf den Marquesas verbrachten wir mehrere Wochen. Der Generator war schnell wieder einsatzfähig und wir trafen viele Freunde und Bekannte wieder. Märchenhafte Dschungelinseln und schaukelige Ankerplätze prägten das Bild. Zum Baden lud das trübe Wasser leider nicht wirklich ein. So waren die Wasserratten an Bord überglücklich, als wir nach dreitägiger Überfahrt in den Tuamotus ankamen. Das Atoll Ahé war ein wunderbarer Schnorchelplatz! Wir machten unter anderem bei der Perlenfarm Kamoka fest und Geri entschied sehr spontan, hier sein Glück zu suchen – unter Wasser natürlich. Allzulange blieben wir nicht in den Tuamotus, denn wir wollten ja wiederkommen, und uns lockte ein Liegeplatzt im Hafen einer größeren Stadt. So erreichte die Pami, mit leicht reduzierter Crew, Ende Juni, nach vier Monaten auf See und am Anker, die Marina Papeete auf Tahiti.

Tahiti wurde unsere Basis, wir fühlten und fühlen uns hier wohl. Wir haben viele Touren zur Nachbarinsel Moorea unternommen und die verschiedenen Ankerplätze dort genossen. Auch die weiteren Gesellschaftsinseln bis hin zu Bora Bora, erkundeten wir in einem längeren Trip. Hier ist wirklich das sprichwörtliche Südseeparadies! Glasklare, türkisfarbene Lagunen vor kleinen Palmen- und großen Urwaldinseln. Auch JaJapami wurde noch ein bisschen verwöhnt: nötige Reparaturen, Schönheitsreparaturen und vier zusätzliche Solarpaneele. 

 Bis in den Oktober waren noch viele, befreundete Boote, mit und ohne Kinder, um uns herum. Dann wurde es leerer, denn die meisten zogen weiter nach Westen. Wir mussten uns überlegen, wo wir die Zyklonsaison verbringen wollten. Monate auf den – nördlich genug gelegenen – Marquesas, erschien uns wenig Reizvoll. Daher planten wir kurzentschlossen eine Flugreise nach Neuseeland, wo wir unter anderem auch US Visa für Hawaii erhalten konnten. Kurz vor Abflug sahen wir Geri wieder: er machte den Bootsitter für JaJapami, während wir uns bei den Kiwis rumtrieben. 

Nach vier Wochen im frühlingshaften Neuseeland, kamen wir glücklich wieder auf unserem schwimmenden Heim an und konnten in Ruhe Weihnachten vorbereiten, Geri verabschieden und schnell noch Crew aus der Schweiz einfliegen lassen. 

Weihnachten war schön, Ramon ist eingezogen und der Regen der tropischen Sommermonate auch. Über sechstausend Seemeilen haben wir im vergangenen Jahr im Kielwasser gelassen. Freud und Leid, Langeweile und Hochspannung, viele bemerkenswerte Menschen und Orte haben wir erlebt. Das neue Jahr kann kommen und danach bitte ein schönes Wetterfenster für den Weg nach Norden – auf zu neuen JaJapami-Abenteuern!

 

Weihnachten in Papeete, Tahiti

Wir haben gemütliche Weihnachten in der Marina verbracht. Viel gespielt, gebaut und gebastelt und unsere Weihnachtspalme dekoriert.

Unsere neue Crew ist angekommen. Ramon, ein junger Schweizer Biologe, passt prima zur JaJapami und will mit uns nach Hawaii. Jetzt muss nur noch das Wetter passen, dann können wir los. Vor Januar wird das aber nichts, das ist jetzt schon abzusehen. Macht aber nichts, denn hier lässt es sich, trotz Regenzeit, immer noch sehr gut aushalten!