Propellerglück und schöne Fotos!

12. Mai 2019

Es ist vollbracht!

Nachdem der Propeller Vorgestern auf Santa Cruz, Galapagos gelandet ist, hat JD ihn gestern an Bord geholt und heute morgen kam der Taucher und hat ihn gemeinsam mit Geri montiert.

Ein gutes Gefühl! Ich schreibe mit breitem Grinsen im Gesicht! Jetzt können wir uns bereit machen für den langen Schlag zu den Marquesas. (Ja, Marquesas. Für Pitkern und Gambier ist es uns zu spät im Jahr geworden.)

Bevor alles Augenmerk aufs Wetter und die Proviantierung gerichtet wird, möchte ich Euch noch die schönsten Bilder der letzten Wochen zeigen:

Lavahöhle – es wurde echt eng zwischendurch!

Strassenschach à la Galapagos

…und hier ein Original:

Playa Tortuga Bay. Die Crew geht surfen und wir mit den Meerechsen planschen:

Nochmal der Fischmarkt: „Meins, meins meins!“

Vater und Sohn:

Sonntags nachmittags:

Ausflüge und Social life auf Galapagos

Läuft man in der Küstenregion umher, zum Beispiel auf den Weg zu Las Grietas, einer kleinen Schlucht im Vulkangestein, kommt man streckenweise durch ganze Opuntienwälder. Diese Kakteengewächse finden sich natürlich in den meisten heißen Regionen der Erde, allerdings habe ich sie noch nie als solche Baumriesen erlebt.

Bei den richtig alten Exemplaren blättern die Stachel von den Stämmen ab und zurück bleibt eine weiche, braune Rinde, die ich hier schon als Lampenschirme verarbeitet gesehen habe.

Dieses Exemplar müsste an die 400 Jahre alt sein. Es war also schon ein kleiner Baum, als Darwin auf dieser Insel forschte!

Las Grietas ist überhaupt ein schönes Ausflugsziel. Will man sich auf den Weg machen, lohnt es sich, erst einen kurzen Blick auf die Tide zu werfen, denn bei Niedrigwasser gerät der Badeausflug schnell zu einer unerwarteten Kletterpartie.

Um an Land zu kommen, muss man hier ein Wassertaxi rufen, denn mit dem eigenen Dingi darf man nirgendwo festmachen. Also Kanal 14 auf der Funke: „Taxi aquatiko, Taxi aquatiko para Katamaran ChaChapami!“ Sobald eines der vielen, gelben Taxibote naht, beginnt ein lustiger Einsteige-Eiertanz! Puerto Ayora hat nämlich mit Nichten eine gut geschützte Ankerbucht. Vielmehr ist es extrem schaukelig hier und wir sind wirklich froh auf einem dicken, schweren Katamaran zu wohnen, und nicht auf einem leichten Einrümpfer. Die schaukeln hier nämlich wie ein Seelöwe nach zu vielen Cognacbohnen!

Erst muss also ein Erwachsener rüberhüpfen, dann werden die Kinder mehr oder weniger nachgeworfen und der Rest kann springen, wie es die Wellen grad erlauben.

So war das nicht gemeint Geri!

Der Ausstieg ist vergleichsweise einfach. Alle kleinen Boote hier haben über den Bug ein dichtes, dickes Netzt gespannt, das beim Nase auflegen an Mole, oder Betonsteg, fast wie ein Klettverschluss wirkt. Sehr pfiffig! Wir überlegen ob das nicht auch etwas für und wäre!

Nach Las Grietas läuft man etwas eine halbe Stunde. Auf dem Weg passiert man als erstes den Playa Alemanes. Und weil es gerade so schön passt, schiebe ich hier unsere Osterfotos ein, denn für die „Eiersuche“ hat sich der Osterhase genau diesen Strand ausgesucht.

„Lauf Paul! Papi hat gesagt, der Osterhase war am Strand!“

Lässt man den Osterstrand links liegen, kommt man über einen nett gepflasterten Pfad, quer durch die Pampa, zu der kleinen Lavaschlucht. Ein bisschen kraxeln, ein Checkpoint wo die Zahl der Besucher notiert wird, und eine lange Holztreppe, führen in die drei kalten Becken mit leicht salzigem Wasser. Es ist ein wirklich erfrischendes Vergnügen, die riesigen, pastellfarbenen Papageienfische in dem klaren Wasser zu beobachte und die hohen Lavawände um einen herum zu bestaunen. Damit auch kleine Beinchen auf dem Rückweg nicht schlappmachen, gibt es noch eine Art Strandbude, die mit Eis, Bier und Kicker die letzte Meile versüßt.

Neben den Strandausflügen gab es in den ersten Wochen hier auch viele Kinderausflüge zu Nachbarboten. Die ALKYONE mit ihren 4,5 Kindern lag länger neben uns. SAGO ist deutsch-australisch mit Annika und Oli im passenden Alter.

ALKYONE bring JaJapami zu SAGO, der Miniskipper ist immerhin schon 14!

OLENAs Timeo (Schweiz) kam auch gerne zu uns, wenn die ALKYONE-Mädels bei seinen großen Schwestern spielten. Später wurden diese Boote von der US-deutschen CHASING WATERFALLS mit drei Mädchen und der deutschen BELUGA mit dem achtjährigen Fritz abgelöst.

Tschüss ALKYONE!

Natürlich haben sich auch unsere very dear friends von der LADY JANE zu uns gesellt und für ein paar ausgesprochen unterhaltsame Abende gesorgt!

Unsere Sonnenbrillen, die von Meerbusch über UK zur A Capella of Belfast transportiert wurden, konnten ebenfalls hier übergeben werden. Wenn doch nur der vermaledeite Propeller auch auf diesem Weg hätte überbracht werden können! Darf ich öffentlich im Internet schreiben, dass Fedex ein Saftladen ist? Seit drei Wochen hängt unser heiß begehrtes Ersatzteil im ecuadorianischen Zoll und erst diese Woche durften wir die Gebühren bezahlen. Natürlich hat sich zwischenzeitlich die Bearbeitungsgebühr erhöht, was der geschätzte Kunde aber erst auf Nachfrage erfährt. So vergeht wieder ein Tag an dem nichts passiert und der Käpt’n muss sich erneut in die ewige Warteschlange vor dem Bankschalter einreihen um noch einmal 11 $ irgendwas einzahlen. 45 Emails haben wir heute gezählt, die er bislang in dieser Sache verschickt hat.

Es wird Zeit, dass auch JaJapami die Segel gen Westen setzen kann!

Tief unter der menschlichen Rede, Bei den Ungeheuern der traurigen Öde

Schwarz wimmelten da, in grausem Gemisch,
Zu scheusslichen Klumpen geballt,
Der stachligte Roche, der Klippenfisch,
Des Hammers greuliche Ungestalt,
Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne
Der entsetzliche Hai, des Meeres Hyäne.

Friedrich Schiller, Der Taucher

Es tut mir leid, aber Schiller hat zwar wunderbare Gedichte geschrieben, hatte aber offensichtlich keine Ahnung, wie es unter dem Meer wirklich aussieht!

Hier kommen die schönsten Bilder von unserem Tauchgang:

Es war ein toller Ausflug! Geri und Cyrill waren mit, und Hans und Tobias von der ALKYONE. Manchmal waren bis zu fünf Haie um uns rum! Für mich ein atemberaubender Anblick, denn ich hatte noch nie beim Tauchen Haie beobachten können.

Galapagos – zwischen Seelöwen, Haien und Meerechsen

26. April 2019

Sie haben eine ganz eigentümliche Schönheit, diese schroffen Vulkaninseln direkt auf dem Äquator. Mangroven und Oppuncien prägen das Bild. Grün auf schwarzem Lavafels vor türkisblauem Wasser. Die Strände sind weiß. Kein Lavasand, sondern Fisch-Kakita, wie Paul so richtig bemerkte. Es ist bemerkenswert sauber und Müllfrei hier. Ecuador bemüht sich offensichtlich erfolgreich um sanften, nachhaltigen Tourismus.

Die Tierwelt ist so einzigartig, wie man sich das vorstellt wenn man an Galapagos denkt. Allerdings sind es viel weniger Arten als ich erwartet hatte! Die großen, imposanten Reptilien, Vögel und Säuger kann man an zwei Händen abzählen. Auch im kleinen ist die Auswahl nicht groß, aber exquisite: So habe ich zum Beispiel nur zwei Arten Schmetterlinge entdecken können, einen kleinen Blauen und einen großen Gelben. Beide sind allerdings ausgesprochen hübsch. Von den 13 Darwin-Finkenarten, die es auf den Inseln hier gibt, haben wir bislang zwei gesichtet; eine gelbe und eine schwarze.

In der Darwin-Station haben wir zum ersten Mal die gigantischen Riesenschildkröten gesehen. Diego ist schon über 100 Jahre alt und dennoch verantwortlich für die meisten Nachkommen auf dieser Insel. Happy Turtels!

Rund um den kleinen Hafen ist der Kindergarten der Meerechsen und Galapagos-Haie.

Seelöwen tummeln sich überall.

Vor ein paar Tagen hat mich Ohrenbetäubender Lärm aus dem Schlaf gerissen:

Piraten!!! – Quatsch.

Schwerverletzter!!! – Wo bin ich eigentlich? – Ohgott, jetzt weiß ich was das ist! Bitte lass den Letzten gestern Abend die Terassentür geschlossen haben!

Sie war zu und der Seelöwe saß gemütlich im Cockpit, auf der Bank am Tisch, lautstark nach seinen Kumpels rufend, weil es hier so weich und kuschelig ist.

Zum Glück ist er freiwillig gegangen, als ich das Licht angemacht haben. Aber nicht ohne noch einen dicken Haufen zu hinterlassen. Man man man.

Auch Tagsüber haben wir Besuch bekommen und es hat ihn überhaupt nicht gestört das Geri und Cyrill keine zwei Meter neben ihm am Tisch saßen!

Der Fischmarkt von Puerto-Ayora bietet ebenfalls eine einmalige Show. Seelöwen, Pelikane und Fregattvögel tummeln sich überall und werden großzügig, von den Fischern, mit den Abfällen bedacht. Manch einer der großen Säuger hat mich schwer an unseren Nick, den Labrador erinnert, wie er mit stoischer Gelassenheit einfach vor dem Filletiertisch hocken bleibt, ungeachtet dessen, dass alle ständig vor in stoßen und über ihn klettern müssen.

Auf dem Weg nach Galapagos

7. April, Pazifik

Am zweiten Tag auf See stirbt der Wind und wir wollen den Motor starten. Ungefähr fünf Sekunden nachdem er die Hebel umgelegt hat, kommt der Käpt’n vom Steuerstand runter und starrt fassungslos auf unser Kielwasser: „Der Propeller ist weg!“ Ich starre zurück und denke, dass ich mich verhört haben muss. Ein Propeller kann doch nicht einfach so abfallen!
Aber die Indizien sind erdrückend. Die Welle dreht, ohne jeden Widerstand, viel zu hoch und es zeigt sich kein Schraubenwasser. Ein Unterwasserfoto, mit der Kamera am Besenstiel, beweist die unfassbare Tatsache: aus dem Saildrive ragt nur noch das nackte Gewinde. Der gesamte Propeller ist einfach verschwunden.
Nach dem ersten Schreck setzen wir den Genaker und stellen wilde Vermutung an, wie das passieren konnte. Aber nichts ist wirklich schlüssig. Und es hilft uns auch nicht weiter.
Am Ende ist die Pami immer noch ein Segelschiff und mit den Segeln ist alles in Ordnung. Der Steuerbordantrieb funktioniert einwandfrei (ein Katamaran hat zwei Motoren), aber wir sind manövrierbehindert. Das Großsegel wollen wir, aus Sicherheitsgründen, jetzt auch nicht mehr setzen. So bleiben uns unsere drei Vorsegel, und als nach 24 Stunden Flaute der Wind wieder auffrischt, machen wir auch ganz gute Fahrt.

Spannend bleibt, wie lange es dauert einen neuen Propeller nach Galapagos zu schicken und zu montieren. Wir haben natürlich sofort, per Satellit, eine E-Mail nach Europa geschickt und hoffen, dass man dort so schnell wie möglich in Aktion tritt!
Auf den Inseln wissen unsere Seglerfreunde auch schon Bescheid und haben ausgekundschaftet, wo wir am besten vor Anker gehen. Mehr können wir im Moment nicht tun. Also zurück zum Alltag auf hoher See.

Der Pazifik macht seinem Namen alle Ehre – Stiller Ozean: eine unendliche, fast flache, tiefblaue Weite.
Am ersten Tag sehen wir von fern einen kleinen Wal, Delphine und einen Hai, der kurz, dicht an der Pami vorbei schlenzt. Danach sind die einzigen Wirbeltiere in unserer Nähe sieben Boobies (Möven ähnliche Vögel), die uns tagelang begleiten. Wir sehen zwar, was sie anrichten, bringen es aber trotzdem nicht übers Herz, die scheinbar erschöpften Tiere, nachts vom Schiff zu scheuchen.

Ganz vorne auf der Reling hocken die Racker und wenn man mit festem Seemannsschritt auf sie zuwankt, trippeln sie immer weiter Richtung Bug und starren einen mit so vorwurfsvollen, kleinen, schwarzen Knopfaugen an, dass man nicht „Uuah“ schreit, sondern es nur bei einer eindringlichen Ermanung belässt: „Nicht aufs Boot! Federpopo über die Reling!“
Nun, sie haben natürlich nicht zugehört. Als heute morgen wieder alles voll war, habe ich mir im ersten Licht des Tages, den Besen geschnappt und sie, im wahrsten Sinne des Wortes, von Bord gefegt.

Ich mache nämlich die Sonnenaufgangsschicht bei der Nachtwache. Daher hatten sie es als erstes mit mir zu tun! Der Käpt’n bleibt abends bis Mitternacht. Danach kommt Geri und um 5 Uhr löse ich Cyrill ab. Das klappt bestens und alle sind fit und munter. Die Kleinen kommen irgendwann gegen sieben zu mir auf den Steuerstand gekrabbelt und kuscheln erst mal ausgiebig, bevor der Tag richtig beginnt.
Wie immer auf See, ist die nächste Mahlzeit DAS Dauerthema unter der Mannschaft. Wunderbarerweise sind unsere neue Matrosen auch sehr gute Köche und da man offiziell nach Galapagos nicht mal tiefgekühltes Fleisch einführen darf, speisen wir hier ganz fürstlich.

Als wir den Äquator überqueren, erscheint Neptun und alle werden mit Südpazifikwasser getauft!

Die Stimmung ist bestens. Es wird viel gespielt und gelacht und der Spruch der Woche kam mal wieder von Michel: „Ich bin manchmal böse, wenn ich meine Lieblichkeit verloren habe!“

Aufbruch in den Pazifik

März 2019, Las Perlas, Panama

Zwei Wochen hatten wir geplant in der La Playita Marina neben Panama City zu liegen. Aufgrund widriger Umstände sind es nun doch drei Wochen geworden und alle Mann waren hoch erfreut, als es Gestern endlich losgehen konnte!

Alles mit Bleiche gewaschen und tatsächlich zwei Schaben gefunden!

Das Windinstrument war der Hauptgrund für die Verzögerung. Fällt die Windanzeige auf dem Plotter (Navigations- und Instrumentebildschirm) aus, ist es nicht so einfach zu sagen, wo der Fehler liegt. Oben auf der Mastspitze sitzt der Windmesser. Ein langes Kabel durch den Mast verbindet ihn mit einer Blackbox im Ankerkasten, von wo die Daten zum Plotter geleitet werden. Cyrill und JD haben Tage mit der Fehlersuche verbracht und gleichzeitig den Ersatzteilen hinterher telefoniert. Die verschlungenen Pfade, die so ein Garantiefall von einer französischen Yacht in Panama geht, führen auch durch die USA und sind nur schwer nachzuvollziehen!

Waschmaschine reparieren: Schwerstarbeit in der schwülen Hitze!

Parallel ist auch noch die Waschmaschine in Streik getreten. Das war immerhin der perfekte Ort hierfür: Man konnte einfach im Internet „Miele Panama City“ heraussuchen und einen Techniker bestellen!

Der hat ein Softwareupdate gemacht (ja, ehrlich! Bei der Waschmaschine!), meinte aber direkt, dass der Wasserzulauf auch verstopft sein könnte, und da könne er nicht heran, so wie die Maschine eingebaut ist.

Am Ende musste der Käpt’n tatsächlich die Wama ausbauen, drehen und den ZulaufFilter reinigen. Was für eine Arbeit!

Shoppingglück in Panama! Wir haben eine Dusche voll gebunkert

Danach haben wir uns erst mal mit wachsamen Augen überall umgesehen und überlegt, was denn noch so kaputt gehen könnte. Als Resultat hatte mein Mann, bei unserem nächsten Ausflug zu einer der großen Shopping Mals, die Kaffeemaschine, wie einen kleinen Hund, unter den Arm geklemmt.

Die Auskunft des Espressoshops: kein Problem, in sechs Stunden können wir sie, frisch gewartet, wieder mitnehmen! Wunderbar!

Seglerfrauen

Zwar war die To do Liste, die wir mit hatten, mal wieder ziemlich lang, dennoch konnten wir den Tag, als Paar, alleine in der Stadt, so richtig genießen! Zeit genug für einen Sushi-lunch und später ein entspanntes Bierchen, war alle mal, und ich persönlich fand shoppen in einem richtigen Baumarkt auch ganz wunderbar.

In dieser Mal gab es übrigens wirklich alles! Von Armani über Appel oder Lego, bis zum Kaufhaus mit großer Gerschirrabteilung – nur ein neues Coolpack habe ich nicht gefunden.

Dabei wäre das fast so wichtig wie neue Teller gewesen, wie Paul eindrucksvoll bewiesen hat.

Der ist nämlich (womit wir eigentlich schon seit Reiseantritt gerechnet hatten) vom Oberdeck der Pami gefallen… Hätte sicher schlimmer sein können, aber wir haben schon einen ganz schönen Schreck gekriegt! Er ist an der Seite kopfüber auf den Laufgang gekippt und binnen zehn Sekunden hat sich auf der Stirn eine wirklich riesige, blaue Beule gebildet. Zum Glück weder eine Platzwunde noch eine Gehirnerschütterung. Man man man.

Paul will nur noch Schule mit Geri machen

Übrigens hat sich (als Beruhigung der Ängstlichen unter uns), in den Reigen der Segler, die mit uns über den Pazifik schwappen, neben dem Zahnarzt, noch eine Kinderchirurgin eingereiht.

Apropos Helfen unter Seglern: es ist doch zu lustig, wie das manchmal funktioniert! Zum Beispiel JDs Sonnenbrillen; die haben wir via Internet erst mal zu meiner Schwester bestellt. Als sie da waren, habe ich in die Runde der Segler um uns rum gewhatsappt, ob irgendwer Crew von Europa nach Galapagos erwartet? Ja, Stuart, UK, zu A Capella of Belfast! Stuart freut sich, dass es nur 2 Brillen sind, die zu dem Sack an Ersatzteilen dazu kommen!

Oder: Drei Pakete Ersatzteile für ITSARA, die wir in Shelter Bay kennen gelernt haben und die in Playita neben uns lagen. Sie wollten los, die Teile waren nicht da. Also haben sie uns gefragt, ob wir sie mit nach Galapagos bringen können. Klar! Dann wurde es bei uns aber immer später – also haben wir Hans von ALKYONE gefragt. Und jetzt dürften sie schon auf halbem Weg zu den Inseln sein! So läuft das hier!

Mami ist die beste Hängematte der Welt!

Jetzt habe ich schon so viel geschrieben und noch nicht von den hunderten von Pelikanen um uns rum erzählt, oder davon wie braun und wenig dschungelig Panama am Ende der Trockenzeit aussieht.

Morgens schreiten die Reiher…
…und abends wuseln die Waschbären.

Auch den Aufwand und die Kosten, die ein Besuch auf Galapagos bedeutet, müsste man eigentlich näher beschreiben. Ganz zu schweigen von der Proviantierung für sechs Personen, deren Grundstock bis Französisch Polynesia reichen soll…

Supermarkt Lieferservice ist großartig!

Ich hoffe, mein bisschen Internet hier, vor den Las Perlas, reicht aus um auch einige Fotos hochladen zu können!

Sobald sich günstige Winde zeigen und wir das Unterwasserschiff nochmal geschrubbt haben, geht es auf zu den Galapagos-Inseln. Wir rechnen mit grob einer Woche auf See.

Der Panamakanal

März 2019, La Payita Marina, Panama, Pazifik

Man mag ja denken: Der Panamakanal sind auch bloß Schleusen. Reinfahren, rauf oder runter, rausfahren. Das ist zwar grundsätzlich richtig, dennoch ist es für uns Segler ein sehr aufregendes Abenteuer, das mit viel Vorbereitung verbunden ist.

Erst einmal braucht man neben dem Kapitän, vier line handler mit Leinen und zusätzliche Fender. Damit fing unser Abenteuer schon an! Gerald, einer von unseren zwei neuen Crewmitgliedern für den Pazifik, war schon an Bord. Damit fehlten, neben mir, noch zwei line handler. Eigentlich wollten wir Profis anheuern, aber dann hat uns der Marinamanager gefragt, ob er und sein Sohn mitkommen dürften. Das machen sie gelegentlich zum Spaß und um neue Schiffe kennenzulernen. Super! Könnte nicht besser sein, dachten wir. Bis sie 24 Stunden vorher absagen mussten und auch keinen Ersatz hatten.

Was nun? JD hat online nach Profis gesucht, Geri ist zum schwarzen Brett der Marina geflitzt und ich habe überlegt, welcher Segler in der Marina Lust und Zeit haben könnte. Für Profis war es zu kurzfristig, aber Geri hat eine Notiz von einer Norwegerin (Kamilla) gefunden und sie sofort kontaktiert, und mir ist Jürgen eingefallen. Diesen Marinabesitzer haben wir schon vor Monaten in Bocas kennengelernt und nun war er auch in Shelter Bay, um sein Schiff an Land zu überholen.

Um es kurz zu machen: Beide wollten und konnten und so hat sich die Pami am nächsten Mittag, mit ausgesprochen netter Besatzung, auf den Weg zum Kanal gemacht.

Jürgen, JD, Kamilla, Geri mit Paul, Jana mit Michel

Die erste Station ist ein Ankerfeld, wo die Adviser an Bord kommen. Sie kamen auch, der Chef und sein Eleve, und sie hießen: Hans und Jan! Zwei Milch- und Zartbitter braune Panamenier, die genauso lange wie wir gebraucht haben, den Knoten aus der Vorstellung mit noch einem Jan und Jana zu lösen!

Alle Mann bereit! Es kann losgehen!

Dort haben wir ein Weilchen neben LADY JANE, KRABAT und einem französischem Kat geschaukelt. Am frühen Nachmittag kam für uns und den Kat die Order zum Aufbruch. Unsere britischen Freunde sollten erst um 17.30 Uhr losmachen.

Wieviele Fender passen eigentlich zwischen zwei Kats?

Das „nesten“ mit den Franzosen verlief problemlos und gemeinsam sind wir hinter einem Frachter in die erste Schleuse gefahren. Geri und Camilla hatten die steuerbord Leine vorne, Jürgen und ich die Heckleine. Backbord lag natürlich in den Händen der Franzosen. Hoch über uns, auf den Schleusenwänden, standen die Lockarbeiter mit den Wurfleinen, an deren Ende die kleinen, harten Affenfäuste sind, die sie mit erstaunlicher Präzision auf die Schiffe werfen. Für alle Fälle hatten auch wir unsere Solarpaneele mit Kissen abgedeckt. Tatsächlich war jedoch das einzige Objekt, dass Gefahr lief getroffen zu werden, unser Adviser! Das war allerdings erst am zweiten Tag und ich will nicht vorgreifen.

Jürgen bevor es losgeht

Sobald man die Affenfaust gefangen hat, wird sie an die dicken, blauen Festmacher geknotet, welche dann nach oben gezogen und am Schleusenrand vertäut werden. Nachdem sich die Schleusentore völlig lautlos geschlossen hatten, strömte das Wasser ein und der Chefadviser auf dem französischen Steuerstand fing an, mehr oder weniger sinnvolle Kommandos zu brüllen. „Pull! Pull! Pull!“ war sicherlich erst einmal richtig und Jürgen und ich haben die Leine durch die Klampe gezogen, bis die Muskeln schmerzten und die Finger rauchten. Dennoch drifteten wir ganz langsam immer weiter Richtung backbord. Der französische Kapitän war des Englischen wohl nicht wirklich mächtig und hat gerne auch mal rückwärts eingekuppelt, wenn er eigentlich hätte vorwärts fahren sollen. Unser Adviser hatte mittlerweile – sehr freundlich und ungewöhnlich für seine Position – bei Geri und Kamilla vorne mit angepackt, so dass JD freie Hand am Steuer hatte und unbeobachtet (und dank des Elektroantriebs auch ungehört) nach eigenem Ermessen gegensteuern konnte. Dennoch konnten wir hinten irgendwann nicht weiter durchholen und mussten belegen, bevor die Leine ausrauschen konnte.

Die Rettung war die achterliche Backbordwinsch. Dummerweise war der Grill im Weg und wir konnten echt von Glück sagen, dass er dem Druck der über ihn hinweg gespannten Leine standgehalten hat!

Der Blick zurück auf den Atlantik

Kurz darauf war der Spuk vorbei und wir konnten von oben auf den Atlantik hinuntersehen. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass diese erste Schleuse immer die mit der meisten Strömung und am gefährlichsten ist. Da fragt man sich doch, warum einem das niemand vorher sagt!

Einfahrt in die zweite Schleusenkammer

Nummer Zwei und Drei folgten auf dem Fuße und verliefen völlig unproblematisch. Die blauen Leinen werden an Land gelöst, man zieht sich die Affenfaust an dem dünnen Tau wieder an Bord und dann sieht es so aus, als würden die vier Lockarbeiter am Schleusenrand, mit ihren Schiffen von einer Schleuse zur nächsten Gassi gehen.

Gatunsee voraus!

Sobald wir den Gatunsee erreicht hatten, haben wir uns von dem Franzosen gelöst und sind noch eine Meile weiter zu zwei riesigen Bojen gefahren, an denen die Segler gewöhnlich die Nacht verbringen.

Schlafplatz für Schleusengänger

KRABAT und LADY JANE, die zusammen, nach uns geschleust wurden, kamen erst an, als ich schon lange in Morpheus Armen lag. Zum Glück hatten wir einen riesigen Topf Curry vorgekocht. Denn zu viel mehr als essen waren wir, nach dem Vertäuen an der Boje, alle nicht mehr fähig!

KRABAT an JaJapami

Als ich am nächsten Morgen als Erste nach oben gekrabbelt kam, lag KRABAT gemütlich an die Pami gekuschelt und die LADY bei dem anderen Kat. Überall konnte man schlafende line handler in den Cockpits sehen, die großen Ozeanriesen kreuzten von und zu den Schleusen und irgendwie hatte sich der Geruch verändert. Natürlich! Wir hatten das Meer verlassen und es roch nach Süßwasser!

„Da sind die großen Frachter!“
Die Advisor kommen

Statt um 7.30 Uhr, wie angekündigt, kamen die Adviser erst nach Neun an Bord. So konnten wir zwar gemütlich frühstücken, wurden aber später unbarmherzig gehetzt. 28 Meilen in vier Stunden. Das war der langerwartete Härtetest für unseren Antrieb! Würde die neu installierte Generatorkühlung ihren Zweck erfüllen? Und auch sonst keine wichtigen Teile überhitzen? Außer kochen gab es auf dieser Strecke nicht viel zu tun. Dennoch hätten wir nach einiger Zeit, mit gewissen Muskelpartien, Nüsse knacken können!

JD, Advisor und Geri mit Jungs im Kanal

Der Panamakanal

Kurz vor der Pedro Miguel Schleuse wurden wir angewiesen anzuhalten. Wir hatten es geschafft!

Ein leises, vielleicht etwas zitteriges, Lächeln des Triumphes umspielte die Lippen des Kapitäns… Eineinhalb Jahre lang hatte er immer wieder Blut und Wasser geschwitzt, um unseren Antrieb auf diese Leistung hin zu optimieren, und am Ende hatte er das gesetzte Ziel wirklich erreicht!

JaJapami stolz im Panamakanal

Die nächsten Schleusungen waren zwar etwas konfus organisiert, haben uns aber aber ohne Zwischenfälle in den Pazifik gebracht. Erst hieß es, wir sollen längsseits an einen Personenfähre gehen, dann doch wieder nicht, und schließlich sind wir alleine in „center position“ durchgegangen.

JaJapami und links LADY JANE, der Franzose und KRABAT auf der Web cam der Miraflores Schleusen

Durch dieses hin und her kam es auch zu der unglücklichen Situation, das „mein“ Schleusen-line handler seine Affenfaust genau in dem Moment fliegen ließ, als ich neben dem Steuerstand vorbei ging. JD hat meine Warnung gehört und sich weggeduckt, aber der Adviser kam just die Stufen hoch und hätte die harte Kugel vermutlich direkt auf die Nase bekommen, wenn ich sie nicht so gerade noch, am langen Arm, erwischt hätte! Glück gehabt.

LADY JANE im Kanal

Auch für Allen und Maria auf der LADY JANE wurde es zwischenzeitlich ganz schön ungemütlich: während wir alleine in die Schleuse fuhren, wurden sie angewiesen, zusammen mit KRABAT, mit dem anderen Kat zu nesten. Allen fuhr also langsam auf das Päckchen „Franzose mit KRABAT“ zu und legte im passenden Moment den Rückwärtsgang ein. Woraufhin die LADY langsam, vorwärts am Ziel vorbeischoss… Und so ist es bis heute. Sieben Knoten vorwärts im Vorwärtsgang und zwei Knoten vorwärts im Rückwärtsgang. Nun ja, that’s sailors life. Während wir hier noch schnell zwei zusätzliche Solarpaneele installieren (zusätzliche 630 Watt zu den 800 Watt), müssen sie noch mal rausgekrant werden und einen neuen Propeller einbauen. Wir hoffen also nach wie vor, gleichzeitig nach Galapagos zu segeln.

Prost Pazifik!
Panama City

Seit einer Woche sind wir nun in La Playita Marine, direkt bei Panama City.

Cyrill, unser schweizer Crewmitglied ist angekommen, und wir sechs auf der Pami sind uns alle einig, eine super Mannschaft zu bilden, die bis Tahiti zusammen bleiben will.

Paul will nur noch Schule mit Geri machen, Cyrill wird dauernd bekuschelt und muss Michel kitzeln und beide sind (im Gegensatz zu mir) bereit, den Lütten Comics vorzulesen. Um das Glück der Kleinen perfekt zu machen, sind sie seit über drei Wochen auch noch ständig mit den vier bayerischen Kindern von ALKYONE zusammen.

Jetzt müssen wir das Schiff nur noch bis oben hin mit Lebensmitteln vollstopfen und dann kann’s losgehen. Über die Las Perlas nach Galapagos und dann Richtung Gambier und Französisch Polynesien.

Erste Hilfe im Paradies

Februar 2019, San Blas, Coracon de Jesus

Irgendwo in Kuna Yala

Nachmittags, gerade als wir uns anschickten die etwas größere und von ein paar Kunas bewohnte Insel Tiadup neben uns zu besichtigen, kam ein Funkspruch von A CAPELLA OF BELFAST: bei ihnen am Boot seien zwei Gunas in ihrem Einbaum. Einer offensichtlich an der Hand verletzt. Da sie kein Spanisch sprechen, konnten sie nicht verstehen was die Beiden brauchten und haben daher uns um Hilfe gebeten. Fünf Minuten später war es dann plötzlich sehr voll auf der Pami. Wir fünf, Allen und Maria, Julian von A CAPELLA und die zwei Gunas. Der arme Kerl hatte sich beim Arbeiten, tief mit der Machete in die Hand gehackt! Sein Chief war mitgekommen um die Yachties nach Schmerzmitteln zufragen.

LADY JANE vor Tiadup

Die Hand war stramm in blutige Lumpen gewickelt. Natürlich habe ich ihn sofort mit einer sehr hohen Dosis Schmermittel versorgt und nach 20 Minuten ging es ihm auch tatsächlich deutlich besser. Am nächsten Morgen sollte ihn ein Panga (kleines Holzmotorboot) zu einer nahen Insel mit einem kleinen Hospital bringen, aber bis dahin wäre die Wunde nicht weiter gereinigt oder versorgt worden. Daher haben wir ihn freundlich gedrängt, mich doch mal nachschauen zu lassen und soweit zu helfen wie es geht. Erst wollte er nicht sorecht, wohl aus Angst und Sorge darum unser Boot vollzubluten, aber nachdemauch sein Chief ein paar ermunternde Worte gesagt hatte, ist er mit mir zum Waschbecken gekommen. Der Schnitt war nicht lang, aber sehr tief und hatte offenbar eine kleine Arterie verletzt. Ich habe mein Bestes getan, alles zureinigen, zu desinfizieren und die Blutung mit einem sauberen Druckverband zustoppen. Aber falls Jemand, der mich sehr gut kennt, jetzt denkt ich hätte Spaß daran gehabt, oder es zumindest spanend gefunden, muss ich sagen: nein, nicht im Mindesten! Ich habe mich vor allem bemüht meinen Patienten meine Nervosität nicht spüren zu lassen und war heilfroh, das dass Nähen am nächsten Tag von richtigen Ärzten getan werden würde.

Auf den Pfaden der Kunas
Traditionelles Leben auf Tiadup…

 Nachdem wir versprochen hatten, später noch einmal nach ihm zu sehen, sind die Beiden zur Insel zurück. Auch wir sind kurz darauf, mit allen Mann an Land gefahren, haben uns die Hütten angesehen und die obligatorische Mola, eine landestypische Handarbeit, gekauft.

Die Molas der Kuna

Ob es richtig war, den Verband später noch einmal zuwechseln, weiß ich nicht. Aber ich wollte sicher sein, dass die Finger gut genug durchblutet werden und es scheint auch nicht geschadet zu haben.

Verbandwechsel mit vielen Zuschauern

Unser Patient auf dem Weg zum Hospital

Am nächsten Tag wollten wir eh zu der dicht besiedelten Insel Coracon de Jesus, um dort Wasser und Gemüse zu bunkern. Da kein Panga auftauchte, das unseren Patienten befördern könnte, haben wir ihn morgens, kurzer Hand, an Bord geholt und zusammen mit seinem Freund Lisandro zum Hospital gefahren. Bevor es losgehen konnte, wurde es noch einmal richtig trubelig umuns herum. Dingis sausten zwischen den Schiffen umher; erst kam Allen zu uns, dann Susanne von SERENETY (Freunde aus Bocas, die mittlerweile neben uns geankert hatten), die Mutter der kleinen österreichischen Jungs, mit denen unsere Tags zuvor lange gespielt hatten, brachte ihre Kontaktdaten, damit wiruns im Pazifik auch ja wieder finden, und zum Schluss der Patient und Lisandro.

Endlich wird der Patient an Land gebracht

Endlich ging es Anker auf und keine zwei Stunden später wieder Anker nieder. Genau gegenüber dem Hospitale. Dann gab es großes Gesuche und Gerufe, bis schließlich ein Guna in der Bucht die Lage begriff, längsseits kam und den Patient an Land übersetze. Wir wollten ein Stückchen weiter an den kleinen Betonanleger der Insel, um Wasser zu tanken. Der war allerding schon ganz schön voll, weshalb wir schließlich, in dritter Reihe, längsseits an einem kleinen, kolumbianischen Frachter festgemacht haben.  An Land zu gehen wurde daher zu einer heitern Kletterpartie und ich weiß nicht, wie die Männer es später geschafft haben, alle Einkäufe wieder heil an Bord zu bringen!

Bevor wir wieder an Bord gingen, haben wir noch unseren Patienten getroffen. Er strahlten glücklich von einem Ohr zum anderen: Die Hand war mit sieben Stichen genäht worden und würde wohl gut verheilen. Wie schön!

Wer findet die kleinen JaJapamis auf der Brücke zwischen den Inseln?
JaJapami und LADY JANE am Dock von Coracon de Jesus
Stiller kann ein stilles Örtchen kaum sein!

Am späten Nachmittag haben wir wieder losgemacht und sind zur nächsten Insel, Greenland, wo unsere britischen Freunde uns, und ihre Bestellungen, schon erwartet haben.

Coco Bandero, hier lagen wir mit LADY JANE und den anderen zwischen drei Inseln eingekuschelt

Abenteuer im Dunkeln

Capten und Minimatrose auf Landgang

Februar 2019, San Blas, Holandes Cays

Gemeinsam mit LADY JANE haben wir uns am 5. Feb. auf den Weg nach Guna Yala (San Blas) gemacht. Das Land der Guna Indianer gehört zwar formal zu Panama, wird aber in einer Teilautonomie durch ihre Chiefs regiert. Über 340 Inseln gehören zu diesem Archipel im Osten der panamesischen Karibik und noch zeichnet sich dieses Land besonders dadurch aus, dass seine Bewohner ihre Kultur und Traditionen am besten von allen heutigen Indianerstämmen bewahren konnten. Besucher sind willkommen, niederlassen darf man sich hier aber nicht. Was für ein Unterschied zu Bocas del Toro, wo die Ngobe eine recht unauffällige Existenz zwischen all den amerikanischen, europäischen und chinesischen Einwanderern führen!

Den zweiten Tag haben wir vor den Chichime Cays geankert, schön geschnorchelt, und uns am späten Nachmittag mit Allen und Maria und einer weiteren Crew in der kleinen Garküche der Insel getroffen. „Restaurant“ scheint mir nicht ganz das passende Wort für die kleine Bambusstangenhütte mit den vier Tischen und dem Grillplatz ein paar Meter neben an. Das Essen war landestypisch schlicht, aber lecker: Hühnchen oder Lobster vom Grill, frittierte Kochbananenscheiben und Kohlsalat.

Nach einem sehr vergnüglichen Abend sind wir mit zwei Dingis in unser erstes San Blas-Abenteuer aufgebrochen; und natürlich, wie das bei den meisten Abenteuern so ist, wussten wir vorher nicht, dass es eines werden würde! LADY JANE ankerte zwischen dieser und einer zweiten, kleineren Insel. JaJapami und RAMBLER lagen im Süden der großen Insel, von LADY JANE durch ein lang gezogenes, von der Insel nach Süden zeigendes, Riff getrennt. In einer mondlosen, stockfinsteren Nacht haben wir mit unserer starken Taschenlampe problemlos den Weg zur LADY gefunden und Allen und Maria abgesetzt. RAMBLERS Dingi, in Ermangelung einer eigenen Lampe, folgte uns auf dem Fuße.

An beiden Ankerplätzen lagen etwa zehn Yachten und anfangs konnten wir uns gut zwischen ihren Ankerlichtern und der, von uns angestrahlten, kleineren Insel orientieren. Dann hätten wir in einem großen Linksbogen das Riff umfahren müssen und wären in unserem Ankerfeld gewesen. Irgendwie haben wir es aber geschafft, dass alle fünf Erwachsenen komplett die Orientierung verloren haben, fast auf Sand gelaufen sind, und unbemerkt in entgegengesetzter Richtung weiter am Strand entlang getuckert sind! Ich kann es immer noch nicht recht glauben, aber scheinbar haben wir die kleine Insel einmal ganz, in falscher Richtung, umrundet! Erst nach einer Weile kam die geniale Idee auf, doch mal das Handy mit der Karte zu zücken, zurück zur LADY zu fahren und einen neuen Anlauf zu nehmen. Bei zweitem Versuch haben wir wie die Schießhunde aufgepasst und wären auch ohne Probleme bei unseren Booten gelandet, wenn dieser blöde Hornhecht nicht genauso orientierungslos gewesenwäre wie wir! Der fast armlange Fisch ist dem Kapitän und den Kindern direkt auf den Schoss gesprungen, während ich vorne mit der Lampe saß und nicht helfen konnte. Lautes Gequieke, Gezeter und Geplatsche, bis es endlich Jelle gelungen war, den glitschigen Kameraden über Bord zu schmeißen! Im Nachhinein zum Totlachen, war es in dem Moment, dicht neben einem unsichtbaren, scharfkantigen Korallenriff, doch ziemlich Nerven aufreibend!

Schließlich sind wir ohne weitere Zwischenfälle auf unseren Booten angekommen und nach einem kurzen „Gute Nacht“ gleich in unsere Kojen gefallen.

Der nächste Tag brachte recht viel Wind, den wir genutzt haben, um zu den Hollandes Cays zu segeln. Hier haben uns KRABAT und A CAPELLA OF BELFAST erwartet. Zwei weitere, britische Schiffe, die mit uns den Atlantik überquert hatten. Es gab ein nettes Wiedersehen und dann wurde es offenbar Zeit, dass auf der Pami mal wieder etwas kaputt ging… Als wir planmäßig, nach einem halben Jahr, den ordnungsgemäß eingemotteten Watermaker wieder in Betrieb neben wollten, war die Pumpe kaputt. Schon wieder so ein Mist! JD hat gleich über Satelliten-E-Mail eine neue bestellt. Denn Mobilfunk, geschweige denn Internet ist hier sehr rar. So wird die To do-Liste für die Tage vor der Kanaldurchfahrt immer länger.

Am Srand mit LADY JANE

Unser Wassertank war noch ein Viertel voll und die anderen haben uns großzügig mit Trinkwasser und Duschmöglichkeiten versorgt. So konnten wir noch ein bisschen bleiben, ohne gleich Kurs auf die nächste Wasserquelle nehmen zu müssen. Herrliche Tage mit Traumstrand, Adler- und Stachelrochen, Lobster unter Steinen, viel viel Schwimmen für die Jungs, in bester Gesellschaft, folgten nun.

Jelle schnorchelt mit den Jungs

Im nächsten Blog gibt es Abenteuer Nummer zwei: nichts fürschwache Nerven, oder Leute die kein Blut sehen können!

Shelter Bay Marina

Februar 2019

Eine gute Woche waren wir in der Shelter Bay Marina, direkt neben der Einfahrt zum Panama Kanal. Es war nett dort, aber noch netter war es wieder auszulaufen. Shelter Bay liegt mitten im Dschungel, eine Busstunde entfernt vom nächsten Supermarkt. Es gibt einen großen Schiffskran und viele Schiffe stehen an Land um vor dem Pazifik noch mal ihre Rümpfe mit anti-fouling zu streichen, oder andere Reparaturen durchzuführen. Daneben das Marina Restaurant, welches auch ein paar Zimmer zu vermieten hat, und einen sehr nützlichen, klimatisierten Arbeits- und Chillout-Raum im ersten Stock zur Verfügung stellt. Pauls Schulstunden verliefen dort ziemlich gut, da neben uns immer noch mindestens drei andere Kinder Bordunterricht erhalten haben.

Zum Restaurant gehört noch ein viel genutzter Pool, denn der nächste Strand ist weit. Daneben ein Minimarkt, ein mini Schiffsausrüster und einer sehr große Segelwerkstatt. Das wars. Will man mal raus aus der Marina, gibt es einen kurzen Rundweg durch den Dschungel, auf dem man neben Flora und Fauna noch die 20 Jahre alten Ruinen des ehemaligen Armee Stützpunktes, auf dessen Gelände alles erbaut wurde, besichtigen kann. 

Nach unserem Familienspaziergang bin ich noch einmal mit Jelle zu dem völlig überwucherten Bunker des ehemaligen Dschungeltrainingstützpunktes gegangen. Gut ausgestattet mit solider Kleidung, einem Stock und Kopflampen, haben wir uns in die völlig finsteren, hinteren Gänge gewagt um die Fledermäuse zu beobachten und Geheimnisse zu entdecken. Geheimnisse gab es leider keine, aber die Fledertiere waren nett und ich persönlich habe ja auch ein Faible für Küchenschaben und Spinnen, und die gab es reichlich! 

Ansonsten war die Woche sehr arbeitsreich. Alles muss vor dem Pazifik noch mal gecheckt und gewartet werden: Generator, Watermaker, das Rigg, der Genaker und und und.  Ausgesprochen hilfreich war hierbei Gerald. Der reisende, österreichische Tauchlehrer und Bauingenieur kam eines Morgens an unserem Heck vorbei und hat sich höflich erkundigt, ob wir nicht vielleicht Crew für den großen Ozean brauchen? Jawohl, brauchen wir! Wenn der potenzielle Matrose auch noch so gut mit den Kindern klarkommt und einen solchen, munteren Arbeitseifer an den Tag legt, wird er auch gleich vom Fleck weg, angeheuert! Gerry konnte es auch einrichten, ein paar Tage bei uns zu wohnen, so dass wir schauen konnten wie gut es zwischen uns läuft. Anfang März kommt er wieder an Bord, um mit uns den Kanal zu durchqueren und auf die große Reise zu gehen.

Jelle hat übrigens die Zeit genutzt „mal eben“ nach Panama City zu radeln. Ich gehe ja unter der panamesischen Mittagssonne nicht mal spazieren… und dann 200 km im Sattel! Wenn ihr seine Sicht der Dinge lesen wollt (auch wie er zur PAMI kam): www.orangeguyonabike.com .

Nach einer guten Woche haben wir uns auf den Weg zu den San Blas Inseln gemacht. Sonntag nachmittags kamen wir in der Linton Bay Marina an. Hier hatten wir vor einem dreiviertel Jahr in Panama einklariert, Tayrina an Bord genommen und waren nach Bocas del Toro aufgebrochen. Auch diesmal gab es hier für uns ein freudiges Wiedersehen mit alten Freunden: Die LADY JANE war, wie seit langem geplant, kurz vor uns angekommen und wir wurden mit lauten „JaJapami!!!“-Rufen willkommen geheißen! Wie Allen und Maria die Hurrikan Saison an der US-Ostküste und auf den Bahamas verbracht haben, ließt man mit sehr amüsantem, britischem Humor garniert unter www.untilthebuttermelts.com .

Zwei von über 340 San Blas Inseln

Jetzt dümpeln wir gemeinsam und gemütlich am Anker, inmitten des wunderschönen San Blas Archipels. Ohne Internet – weshalb die Veröffentlichung dieses Artikels wohl noch ein paar Tage warten muss.😉 l