Tag 30 – die Ankuft in Brisbane, Teil 2

3.30 Uhr morgens, tiefschwarze Nacht, wir sind kalt, müde und aufgeregt. Ein Scheinwerfer blitzt, vom Büro aus, über uns hinweg. Wir sind also gesehen worden, aber keiner kommt um die Festmacher anzunehmen.

JD manövriert vorsichtig an einen Finger der Box heran, so das Carlos rüberspringen und die Leinen annehmen kann. Dann sind wir fest. Ruhe im Karton, nach knapp 30 Tagen Geschaukel. Einmal tief durchatmen.

Nur kurze Zeit später, erscheint schon das Empfangskommando. Sechs oder sieben schwarz gekleidete, natürlich maskierte, Beamte mit Taschenlampen und vielen Fragen. Zoll, Einwanderung, Agricultur, Queensland Health stehen vor uns auf dem Ponton: Bitte nicht das Boot verlassen! Haben alle Masken an? Ist jemand krank? Bitte die Pässe, und diese Formulare ausfüllen, bitte alle einmal in den Lichtkegel und kurz die Maske abnehmen. Wo sind Paul und Michel? Weibliche Stimme aus dem Off: Lass sie schlafen bis wir fertig sind, wir können sie zum Schluss angucken! (Danke Schwester.)

Kann jemand schon mal mit dem Ausfüllen beginnen während wir den Kapitän befragen? Wir wollen uns doch alle ein bisschen beeilen, right? Von den Gesprächen kriege ich nicht so viel mit, während ich gehetzt Namen und Passdaten eintrage und parallel überlege, ob ich den Kindern schon warme Sachen rausgesucht habe und ob ich jetzt wirklich Brotmesser und Brett noch mitnehmen soll.

Dann fragt eine junge Frau, wer denn den Blog geschrieben hätte? (Schluck, das haben die Behörden gelesen? Was habe ich nochmal genau geschrieben?) Ich! Sie guckt mich freundlich an und meint, ich solle die Nähmaschine unbedingt mit ins Hotel nehmen… wie nett! Wird gemacht!

Der Druck wird erhöht, wir sollen uns jetzt wirklich mal beeilen. Das Taxi wartet schon vor dem Marina Gate! Warum wohl, wüsste ich gerne. Wollen die einfach nur schnell wieder ins Bett? Oder gibt es einen anderen Grund? Wir werden es wohl nicht erfahren.

Die Jungs werden geholt. Zitternd aber munter zeigen sie dem Zollbeamten ihr Gesicht und beantworten ein paar Fragen in flüssigem Englisch. Gut gemacht!

Im Angesicht unserer Gepäckberge, werden wir ermahnt, dass wir auf keinen Fall zweimal zum Taxi laufen dürfen und das sie nichts von uns anfassen dürfen. Kein Problem, wir haben ja unseren Klapptrolly! Ein letzter Rundumblick: alles aus und verschlossen? Okay, dann kann’s losgehen. Polizei vor und hinter uns, werden wir wie Sträflinge zum Taxi eskortiert. Und auch während der Fahrt bleibt die Polizei hinter uns.

Hier muss ich erst noch einmal meine Schilderung, der Realität anpassen. Es ist schon sehr interessant, wie der Blickwinkel und der emotionale Zustand, die Wahrnehmung beeinflussen!

JD sagt, dass sie alle ausgesprochen freundlich waren! Sie durften nichts anfassen, haben aber geholfen, so gut sie konnten. Zum Beispiel, die Festmacher mit den Füßen runter gedrückt, um uns näher ranzuholen. Auch waren mitnichten alle schwarz gekleidet. Ich habe halt nur die schwarze Polizeiuniform wahrgenommen. Es war auch nicht nur eine Frau, die die Kinder schlafen lassen wollte, sondern es waren sich alle einig. Und den Zeitdruck hat er auch nicht so krass empfunden wie ich. Tja, so schnell kann man ein falsches Bild erschaffen, wenn man die Dinge zu einseitig betrachtet!

Vor dem Hotel müssen wir lange warten und dürfen nicht aussteigen. Dann werden Carlos und Julie gerufen und verschwinden. Wir können nicht mal Tschüss sagen, so überrumpelt sind wir. Dann kommt der junge Polizist zurück und erklärt, als wäre es die normalste Sache der Welt, das kein Doppelzimmer mehr frei wäre und wir, je ein Elter ein Kind, für die zwei Wochen in getrennte Zimmer müssten.

Mich überflutet nackte Panik, schlimmer als vor jedem Sturm, und das sieht und hört man mir wohl auch an, als wir lautstark protestieren. Der junge Mann wird unsicher, versucht zu beruhigen und verschwindet schließlich wieder Richtung Rezeption.

Nach bangen Minuten, in denen JD schon die Nummer der Deutschen Botschaft raussucht, kommt er wieder und bietet uns folgendes an: die Kinder können zusammen bleiben und einer von uns geht für ein, zwei Nächte in ein Einzelzimmer. Dann können wir gemeinsam in ein freiwerdendes Doppelzimmer umziehen. Wir willigen zögerlich ein. Können wir uns auf das Wort verlassen? Oder werden aus den 2 Nächten vielleicht doch 5, oder 10?

In aller Eile sucht JD ein bisschen Wäsche, Kosmetik und ein iPad aus den verschiedenen Taschen zusammen. Ein letzter Blick zurück, dann verschwindet unser Papi mit einem Polizisten Richtung Aufzug. Ich kriege kaum noch mit, was mir erzählt wird und stolpere irgendwann, mit beiden Jungs und all dem Gepäck, in ein kleines Zimmer mit zwei Betten.

Die große Überraschung ist ein Minibalkon und die Tür ist nicht zugeschraubt! Wir können ihn betreten! Als ich am Geländer stehe geht die Sonne auf und es riecht nach Land und Grün und Stadt. Die Kinder erkunden fröhlich und munter jede Ecke und Papi ruft uns schon aus seinem Zimmer an. Gleich gibts Frühstück und danach ein kuscheliges, gar nicht schwankendes Bett. Wird schon alles irgendwie gutgehen!

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