Tag 2 und 3 Polynesien nach Australien

Tag 2

Der Wind lässt nach und dreht auf NO. Die See wird ruhiger.
Wir denken immer mal an eine Halse, am Ende ist das aber doch nicht nötig, denn ein bisschen weiter nach Süden kann nicht schaden. Eine Halse auf der Pami, dass heißt den Hintern durch den Wind und die Segel auf die andere Seite bringen, ist bei moderatem Wind keine große Sache. Wir können, mit Traveller und Großschot, den Baum schön mittig fixieren, so dass das Großsegel nicht mit einem lauten Knall auf die andere Seite haut, sondern nur mit einem leisen „Flapp“ einfach umschlägt.

Nachmittags sehen wir auf dem Satellitenbild, weit nordwestlich von uns, eine Gewitterfront. Sieht nicht so aus, als würde sie uns streifen, aber wer weiß. Vorsorglich werden zur Nacht die großen Deckskissen reingebracht, der kleine Kräutergarten sicher verstaut und am Ende auch das Groß eingeholt. So können alle auf Freiwache ruhig schlafen. Besser so, auch wenn wir jetzt nur noch 4 bis 5 Knoten mit der Genua machen.

Mittags haben wir noch mal JDs köstliche Bolognese zum aufwärmen und abends gibt es griechischen Salat mit frischem Brot. Einige Tomaten und Gurken müssen dringend weg.

Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen. Die Nacht war sehr ruhig, es gab nur einen kleinen Schauer. Um 5 Uhr, im ersten Licht des Tages, habe ich Carlos abgelöst. Meine Familie zu finden, ist wie Ostereier suchen: wer hat denn wohl diesmal wo geschlafen? Paul liegt unübersehbar im Salon, auf dem Sofa ausgebreitet. JD findet sich alleine im Kinderbett, denn Michel hat wohl mitten in der Nacht beschlossen, sich ein bisschen mit Julie am Steuerstand zu unterhalten. So schläft er tief, in die grüne Wolldecke gekuschelt, neben Carlos, als ich komme. Schönes Bild.

Tag 3

Es fing alles ganz friedlich an. Bei 8 bis 10 Knoten achterlichem Wind, haben wir den Genaker gesetzt und sind ein Weilchen butterfly, mit Genua rechts und Genaker, links dahingeglittene. Immer ein toller Anblick! Um auf Kurs zu bleiben, kam die Genua dann doch weg. Wir mussten weiter nach Süden um einer drohenden Front auszuweichen. Met–Bob, unser Wetter–router hatte von einzelnen Wetterzellen geschrieben, die durchaus ungemütlich werden könnten. Eine echte Untertreibung, muss man jetzt sagen!
Wir waren gewarnt, alles war sicher verstaut und verschlossen, der Genaker zurück in seiner Segelbox und die Genua gerefft. Erst Platzregen, dann 36 kt drehender Wind. Ich habe Böen bis 44 kt gesehen und die See hat sich natürlich auch ordentlich aufgebaut! Nur mit einem Fetzchen Genua, sind wir in die Nacht hinein dadurch gebuckelt.
Nach zwei Stunden war der Spuk vorbei. Die Anderen haben es tatsächlich noch geschafft, das aufgetaute Fleisch zu braten. Etwas skurrile, nach so einem Sturm, Rinderfilet im Blätterteigmantel zu essen — aber köstlich!

Ein Kommentar zu „Tag 2 und 3 Polynesien nach Australien

  1. Mir gefällt eure zeitnahe, dichte Berichterstattung. Das ist wie Mitsegeln, gut nachvollziehbar, zumal ich einst von Hamburg nach Australien mit einem Containerschiff fuhr.
    Macht also weiter so. Herzlichen Dank und weiter gute Reise!
    Dr. Rudolf Luers
    Lübeck

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