Ia orana! Vom Leben in Tahiti

Wir haben nichts Exotisches erlebt, in letzter Zeit hier in der Marina von Papeete, Hauptstadt von Französisch Polynesien auf Tahiti. Zum Glück, muss man sagen! Es gibt also eigentlich keine bestimmte Geschichte, über die wir schreiben könnten. Daher ist jetzt vermutlich ein guter Moment, von den kleinen Dingen zu berichten, die mich und uns hier so umtreiben.

Immer wenn wir mal länger mit Familie und Freunden telefoniert haben, wird uns wieder bewusst, wie schön es hier ist und was für ein Glück wir haben, ausgerechnet in diesen Zeiten auf einem Schiff und in Polynesien zu leben! Klar treibt auch hier der Virus sein Unwesen, aber vergleichsweise moderat. Heute gab es nur noch vier Neuinfektionen im ganzen Archipel! – ca. 280 000 Einwohner. Aber hier wurde von der Regierung, trotz einer Spitzen-7-Tage-Inzidenz von etwa 900 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, kein allgemeines Confinement oder Lockdown befohlen. Stattdessen wurden auf Tahiti und der Nachbarinsel Moorea, wo etwa 180 000 Einwohner leben, schon einschneidende Maßnahmen getroffen. Dies betraf aber nicht die Leewärtigen Inseln – Raiatea, Bora Bora, Tahaa, Huahine – auf denen wir uns zu der Zeit aufhielten. Nachdem durch die strikte Umsetzung der Maßnahmen mit der Unterstützung fast der gesamten Bevölkerung zurück gingen, konnten nach und nach die Maßnahmen zurückgenommen werden. Als wir im letzten Dezember nach Tahiti zurückkamen, war die Gastronomie und Geschäfte alle geöffnet. Das Einschneidendste war die Ausgangssperre zwischen 21 und 4 Uhr. Und nun konnte auch diese auf 22 bis 4 Uhr verkürzt werden.

Vor kurzem wurde die gesamte Bevölkerung über 18 aufgerufen, sich gegen COVID impfen zu lassen. Interessant ist, dass viele Tahitianer abwartend sind und erst sehen wollen, wie es den Erstgeimpften ergeht.

Aber zurück zu unserer quasi-residente Marina-Zeit. Segler sind es gewohnt, viel Zeit unter sich auf ihrem Boot zu verbringen – da muss man eher aufpassen, nicht kauzig zu werden, als sich anzustecken.

Außerdem spielt sich das Leben hier meist im Freien ab. Gerade jetzt – im hiesigen Spätsommer – blühen ganz viele Bäume, was einfach wunderbar aussieht! Hier in Papeete, der einzigen richtigen Stadt, in diesem Land das aufgrund der riesigen Ozeanflächen zwischen den Archipelen größer ist als Europa, bringen die Wandmalereien – Graffiti ist eindeutig das falsche Wort – viel Farbe in die Straßen. Hier kommt eine Auswahl meiner Favoriten, die ich Euch schon lange einmal zeigen wollte:

Von surreal, …
…über romantisch, …
…zu animalisch…
…und ein bisschen kitschig.

Einkaufen: und es gibt doch alles!

Das moderne Französisch-Polynesien ist kulinarisch, welch Wunder, ganz dicht dran an Frankreich. Croissant, Baguette, Paté und Camembert sind allgegenwärtig und haben es auch auf die einsamen Atolle geschafft. Während wirklich jeder Baguette zu essen scheint, ist Rohmilchkäse bei den Polynesiern allerdings nicht sonderlich beliebt.

Noch während der Zeit in Panama, hätte ich mir nie träumen lassen, welches Schlaraffenland ein tahitianischer Carrefour sein kann! Klar, nicht immer gibt es alle und so manche Importware sprengt preislich jeden Rahmen, aber wenn ich aufschreiben soll, was ich wirklich vermisse, komme ich schon ins Grübeln…. Ah: Frische Pilze! Champignons und Portobellos kann man schon finden, aber sicher keine frischen Steinpilze oder Pfifferlinge. Oder Nachschub für unseren Brita-Wasserfilter, solche Systeme sind hier weitestgehend unbekannt. Wenn dann werden große Akkivkohlefilter angeboten. Und, ja, eine kleine Eiswürfelmaschine ist auch nicht aufzutreiben – klar, kleines Luxusproblem, aber schön wäre es schon…

Obwohl – wer weiß? Denn das Problem ist meistens nicht die Verfügbarkeit, sondern das Aufspüren. Online Shopping kannste hier (fast) vergessen und auch Google kann nichts finden, wenn niemand seine Waren im Internet anpreist. Fast alle Geschäfte haben eine FaceBook-Seite. Aber die ist völlig nutzlos um einen Überblick über das angebotene Sortiment zu liefern. Online-Kataloge sind eine außergewöhnliche Seltenheit.

Wo gibt es … ? Gute Frage! Wohl dem, der Einheimische kennt, denen er diese stellen kann. Und nicht jeder Restaurantbesitzer weiß, wo man nach einer bestimmten Schiffspumpe suchen kann. (Unser Sushi-Dominique allerdings schon!)

Sogar noch in Panama, haben wir von vielen verschiedenen Quellen gehört, dass es im Südpazifik praktisch nichts zu kaufen gibt. Lebensmittel, Ersatzteile, Alkohol, was du nicht auf deinem Boot hast, bekommst du erst wieder in Australien. Was für ein hartnäckiges Gerücht! Okay, man muss natürlich nach Tahiti kommen, um aus dem Vollen schöpfen zu können. Aber selbst auf den abgelegenen Inseln gibt es gute Möglichkeiten, sich Dinge auch aus Tahiti schicken zu lassen. Und was die Preise angeht; nun wenn man geradewegs aus Lateinamerika kommt, darf man natürlich keinen direkten Vergleich ziehen, aber mit Europa durchaus! Gute Qualität kostet hier wie dort das Gleiche. Allerdings haben es die Schnäppchenjäger hier wirklich schwieriger.

Allein als wir hier das erste mal an Land gingen und dann im Bus an einem großen Porsche-Händler vorbei fuhren, vielen uns erstmal die Augen aus dem Kopf. Sowas hatten wir nicht erwartet. Später haben wir gehört, dass auf Tahiti eine der höchsten Porsche-Dichte geben soll. Das kommt wohl auch daher, dass es in Paris als chic gilt, ein Domizil auf Tahiti zu haben.

Um nochmal aufs Essen zurückzukommen: manches bleibt uns einfach Unerklärlich, z.B. die Kühlregale für Gemüse. Wir haben hier so viele, mühsam importierte Tomaten, Brokkoli, Karotten, Auberginen, Salate und selbst Kartoffeln schon den Kältetod sterben sehen, dass es wirklich traurig ist. Ob es wohl einen Grund dafür gibt? Hängt das vielleicht irgendwie mit dem Transport zusammen? Aber warum werden lokal aquaponisch erzeugte Bio-Tomaten ausgeliefert mit dem Lagerhinweis auf dem Etikett „Lagern bei +0 bis +4 *C“???

Wir werden es wohl nie erfahren. Auch wenn wir so gerne den Filialleitern sagen würde, dass die schwarzen Flecken auf den Möhren nicht weniger werden, wenn man die Temperatur noch näher an den Gefrierpunkt bringt! Und die Tomaten bestimmt auch besser schmecken, wenn sie nicht unter 6 Grad gelagert werden.

Medizin, Ärzte und wie kann ich mich noch dünner anziehen

Die medizinische Versorgung hier auf Tahiti, ist hervorragend. Das hatten wir ja schon bei Michels Beinbruch festgestellt. Das Krankenhaus ist modern und es gibt jede Menge niedergelassener Fachärzte. Allerdings sind alle die wir bisher getroffen haben, Franzosen und da gibt es gelegentlich Sprachprobleme, wenn wir uns auf Englisch verständigen müssen. Andererseits sprachen zwei von zehn fließend Deutsch!

Warum wir überhaupt so viele Ärzte getroffen haben? Nun, Dr. Sand, der Zahnarzt ist unter uns Seglern fast schon legendär: Mit neuester Technik (im-Mund-3D-Scanner und 3D-Drucker) hat er schon vielen Boaties, für kleines Geld, langersehnte, neue Zähne verpasst. Da mussten wir natürlich auch mal hin, wenn auch nur für ein paar kleine Füllungen. Auch die Dermatologen haben ganz gut an uns verdient. Bei dem Klima hier schimmelt nämlich nicht nur das Boot… Was wir alles für unterschiedliche Pilze an allen möglichen Stellen hatten, geht auf keine Kuhhaut! Dann der Beinbruch und langaufgeschobene Routinechecks; Mandelentzündung und Covid-Test, da kommt schon was zusammen. Ein Freund von uns hat ambulant fünf künstliche Bandscheiben in den Halswirbeln implantiert bekommen, und kurz zuvor hatte er auch noch Titanstiftzähne bekommen. Nach zehn Tagen war er schon wieder bei uns und ist gern mit uns zum Abendessen geblieben. Unglaublich.

Jetzt im Spätsommer in der Marina, stellt sich mir oft die Frage: wie kann ich mich noch dünner anziehen, ohne obenohne zu sein, wie die meisten Segler hier. Bikini aus Polyester? Nicht auszuhalten. Minikleidchen? Ist mir zu warm am Bauch. Der Griff zur Schere hat es schließlich gebracht: schneid dein dünnstes Hemdchen einfach überm Bauch ab und du hast den perfekten Hausanzug für hier. Das führt allerdings direkt zur nächsten Problematik: Wann und wo kann ich die nötige Gymnastik machen, um mich in diesem Outfit nicht zu schämen? Denn Raum, im Schatten auf dem Boot zu finden, wo man die Flügel mal so richtig aufspannen kann, ohne anzustoßen, ist auch eine Kunst.

Das schreibe ich natürlich in erster Linie, um Euch zum Schmunzeln zu bringen. Es hat aber auch eine gewisse medizinische Bewandtnis. Denn inkubiert man unsere europäische Haut, dauerhaft im eigenen Saft, bekommt man was? Richtig. Pilze. Womit wir wieder beim Thema wären…

Die letzten Ärzte haben wir übrigens noch am letzten Sonntag gesehen, als sie JD und mir kleine Nadeln in die Arme gepickst haben. Wir hatten nämlich das Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, als Tahiti jedem über 18, der sich in die Schlange gestellt hat, eine Covid-Impfung spendiert hat! Über kurz oder lang sollen alle, die sich im Land aufhalten, geimpft werden können. Aber das kann aus logistischen Gründen natürlich noch ein Weilchen dauern. Für uns war es praktisch; am 11.4. gibt’s den zweiten Schuss und danach können wir das Thema erst mal abhaken. Sollte uns wieder die Reiselust packen, wird es damit bestimmt viel einfacher!

Das „Schlangestehen“ war übrigens eher ein „Schlangesitzen“ und wie die Reise nach Jerusalem, eigentlich ganz lustig: Endlose, rote Stuhlreihen haben die wartenden aufgenommen und immer wenn zwei abgefertigt waren, rückte man eine Reihe auf. Im ersten Cluster zur Registrierung, im zweiten zur medizinischen Aufklärung und im dritten zu den Spritzen. Ziemlich gut organisiert, fanden wir.

Wir hatten echt Glück und waren schon nach einer Stunde durch. Es hat auch Phasen gegeben, wo die Leute noch vor den Stuhlreihen, bis zur Straße in der Sonne standen.

Ein Samstag in Tahiti

Zu Schluss nun doch noch eine kleine Geschichte: Wir haben ein ausgesprochen nettes Trüppchen Mittzwanziger, beim Ausgehen kennengelernt. Zwei sind hier geboren, zwei kamen vor ein paar Monaten aus Frankreich. Besonders Lena und Nathan sind total verspielt und haben schon Abende lang, mit den Jungs, Yenga, Schach und Verstecken im fast leeren Restaurant gespielt. Am Samstag haben wir uns dann alle zu einem gemeinsamen Ausflug verabredet und hatten einen herrlichen Tag! Vormittags kamen sie, mit Picknick, auf der Pami eingetrudelt und wir haben gemeinsam die Leinen losgeschmissen. Nach einem knappen Stündchen durch die Lagune tuckern (mit Genua!), viel der Anker auf wohlvertrautem, türkisen, Grund.

Schwimmen, spielen, toben, futtern – der Tag ist schnell vergangen und hat uns alles ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. Wenn wir das öfter machen, kriegen die Jungs noch einen französischen Akzent in ihrem Englisch – das wäre allerdings lustig!

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