Kurs Tahiti – zum Röntgen!

Fiel herab, fiel herab
Und das linke Bein war ab.
Kam der Doktor angerannt,
mit der Nadel in der Hand,
näht es an, näht es an,
dass sie wieder laufen kann.

Seit zwei Wochen gehen mir diese Verse im Kopf herum. Dabei war es Michels rechtes Bein, dass brach!

Ausgerechnet an Tuia’s Geburtstag, auf den wir uns schon so gefreut hatten. Denn unser letzter Kindergeburtstag, mit Party und Torte, ist schon eine ganze Weile her!

Wir saßen am Tisch, im Cockpit und haben nicht gesehen, was passiert ist, aber Michel hat es uns später ausführlich erklärt: Paul und er haben im Wasser gespielt und Michels Auftrag war, ein Teil vom Boot zu holen. Als er die Badeleiter hochkletterte, ist ihm die Leine von dem kleinen Surfboard entglitten und er wollten hinterher springen, um es wieder einzufangen. Irgendwie hat sich dabei der rechte Fuß oben in der Leiter verhakt und das Schienbein ist, unter seinem eigenen Gewicht, glatt durchgebrochen.

Die erste Stunde war die schlimmste. Wir haben mit Schmerzmittel und Ruhigstellen getan, was wir konnten und zum Glück war die Nummer des kleinen Medical Centers von Rangiroa gleich zur Hand. Sie haben den Krankenwagen zum Dock geschickt, während wir den armen Wurm ins Dingi verladen haben. Gott sei Dank war es ein ruhiger Tag und die Boote lagen ganz still!

Nach einer Viertelstunde holperiger Fahrt, wurden Michel und ich von einer Flasche Lachgas und ein paar ruhiger, erfahrener Hände in Empfang genommen, das Bein vorsichtig abgetastet und dann fachmännisch eingegipst. (Ich lasse den Satz mal so stehen – wer mag, darf schmunzeln 😉

Leider gibt es kein Röntgen- oder Ultrschallgerät auf Rangiroa. Wir mussten also möglichst schnell nach Tahiti ins dortige Krankenhaus, um sicherzustellen, dass keine OP nötig war.

Auf perfekten Wind konnten wir natürlich nicht warten, aber ein paar Tage, bis es zumindest halbwegs vernünftig aussah, mussten es schon sein. Im Nachhinein war das auch in Bezug auf den Bruch ziemlich gut, da die ersten zwei Tage, mit Abstand die schlimmsten waren. Als wir schliesslich Anker auf gegangen sind, hatten alle vorher wieder eine Nacht durchschlafen können und Michel war in Ruheposition, auch ohne Medikamente, fast schmerzfrei.

Wir haben nur schweren Herzens von Rangiroa Abschied nehmen können, aber es wäre auch ohne den Unfall an der Zeit gewesen. Es gibt viele, reizende Menschen dort und die Wasserwelt ist einfach unvergleichlich. Die Tauchgänge im Pass waren mit weitem Abstand die schönsten, die ich jemals gemacht habe. Auch Schnorcheln an der kleinen Koralleninsel, oder schlicht unter dem Rumpf der Pami, ist so wunderbar, wie man es sich nur vorstellen kann. Dennoch war es schließlich eindeutig an der Zeit, mal wieder Stadtluft schnuppern zu gehen.

Wie so oft in diesen Breiten, war auch für diesen Törn die Wettervorhersage knapp vorbei an der Realität. Leider auch diesmal wieder zu unseren Ungunsten… Den ersten Tag und die Nacht mussten wir fast permanent die Motoren bemühen. Dafür wurde die Welle und der Wind, mit 8 Bft, am zweiten Tag so ungemütlich, dass wir drei Kleinen nur in der Ecke hängen und Hörbuch hören konnten. Auch das hatte irgendwann ein Ende und wir konnten gegen 23 Uhr, direkt neben unserem alten Liegeplatz vom letzten Jahr, in der Marina Papeete festmachen. Hat sich angefühlt, wie nach einem langen Urlaub nach Hause zu kommen!

Als JD am nächsten Vormittag, beim Anmelden im Marinabüro unsere Geschichte erzählt hat, war der nette Hafenmeister nicht davon abzuhalten, sofort einen Krankenwagen für Michel zu rufen. Als Folge wurden er noch vor dem Mittagessen, von drei Feuerwehrleuten, mit einer Trage vom Boot abgeholt. Das Brimborium fanden die Jungs natürlich großartig!

Das Krankenhaus hier, speziell auch die Notaufnahme, hat einen hervorragenden Eindruck auf mich gemacht. Wir wurden schnell und professionell versorgt und da eine OP zum Glück nicht notwendig war, konnte Michel schon am Nachmittag, mit neuem, leichtem Gips, zurück aufs Boot.

Mit dem Kinderrollstuhl, den wir hier mieten konnten, flitzt er mittlerweile alleine durch die Restaurants, den Park, und sogar auf der Pami kann er von drinnen nach draussen rangieren. Es ist ja mittlerweile Winter hier. Um die 27 Grad tagsüber und 20 Nachts, also eigentlich perfekt und auch mit Gips gut auszuhalten. Wenn ich mir vorstelle, das wäre nach Weihnachten, bei 34 Grad passiert – Eieiei.

Mittlerweile ist der Unfall drei Wochen her, also noch drei weitere und dann kann der Kurze wieder laufen lernen! Langweilig war es seit dem keinen einzigen Tag hier. Es sind so viele nette Segler da, die wir teils neu kennen gelernt haben und teils schon vor Jahren getroffen haben. Lauri und Nick von SEA BEAR zum Beispiel, sind uns schon vor zwei Jahren in Panama gute Freunde geworden. Sie gehören zu den Seglern, die mitten auf dem Pazifik vom Lock down erwischt wurden. Galapagos hatte bereits zu gemacht, als sie dort ankamen. So mussten sie mit frischem Fisch, Reis und Dosenbohnen bis zu den Marquesas durchhalten. Ging wohl auch ganz gut.

Viele hier haben spannende bis dramatische Geschichten durch die Corona-bedingten Schließungen erlebt und nur die wenigsten haben einen echten Plan, wie es nun weitergehen soll. Französisch Polynesien ist noch ein virus- und touristenfreies Paradis. Zumindest Letzteres wird sich aber bald ändern und wir werden sehen wie es dann weiter geht. JaJapami macht auf jeden Fall noch keine Pläne. Es ist alles noch viel zu unsicher und uns geht es, von dem Gipsbein mal abgesehen, ja bestens hier.

In den letzten Tagen haben wir eine knackige Erkältung, Michels und JDs Geburtstag überlebt. Die beiden Partys haben aber eindeutig einen eigenen Blog verdient und JD beendet auch gerade die Vorlesestunde mit Tim und Struppi. So gehabt Euch denn wohl, liebe Leser!

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