2019 an Bord von JaJapami

JaJapami in der Lagune von Bora Bora

 Ich sitze hier und schwitze im Tropischen Sommer, obwohl noch nicht einmal die Sonne scheint. Der Himmel ist grau bedeckt und hie und da türmen sich riesige Wolkenberge. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Tropischer Sommer heißt nämlich nicht: endlich gutes Wetter; sondern Regenzeit! Und die haben wir im letzten Jahr in Panama, schon zur Genüge kennengelernt.

In Panama, genauer gesagt in Bocas del Toro, nahe der Costa Ricanischen Grenze im Atlantik, fing auch unser Jahr 2019 an. Die ersten Minuten hatte die Crew der JaJapami damit verbracht, den Marina Steg mit chinesischen Sylvester Krachern zu verkokeln und den tausenden von Seemeilen, die vor uns lagen, entgegenzublicken. Denn dies sollte das Jahr unserer Pazifiküberquerung werden!

Vor dem Aufbruch lag noch Pauls siebter Geburtstag und eine Menge Planungsarbeit. Außerdem hatten wir ganz schön Hafenfäule angesetzt und die wollte erst einmal überwunden werden. „Hafenfäule“ haben viele Blauwassersegler, die längere Zeit in einer Marina verbringen. Man merkt es immer daran, dass ständig neue Gründe auftauchen, mit dem Auslaufen noch ein paar Tage länger zu warten. Noch eine Abschiedsparty, schnell noch diese Reparatur und dann kündigte sich auch noch spontan Crew an, auf die wir natürlich warten wollten.  

Nachdem wir Jelle, den „OrangeGuyOnA Bike“ mitsamt seinem Fahrrad an Bord genommen hatten, ging es endlich los. Bei fiesestem Seegang erst einmal zur Shelter Bay Marina, an der Atlantikseite des Panamakanals. Der Ozean schien sich nicht gerade auf uns gefreut zu haben, so wie er sich in diesen ersten Segeltagen aufgeführt hat! Zum Glück wurden es auf der Strecke zu den San Blas Inseln (Kuna Yala) wesentlich besser! Bevor wir dieses südlichste Archipel von Panama erreicht hatten, gab es erst einmal ein lang ersehntes Wiedersehen mit unseren britischen Freunden von der LADY JANE. 

Gemeinsam mit Allen und Maria, Jelle und vielen anderen alten und neuen Bekannten, hatten wir eine tolle und aufregende Zeit bei den Kunas auf ihren wunderschönen, kleinen Palmeninseln: Als der Wassermacher nicht anspringen wollte, durften wir bei Freunden an Bord duschen und wurden mit Wassersäcken versorgt. Unvergesslich: Der verletzte Kuna, der sich mit der Machete in die Hand gehakt hatte und den schließlich die Pami notversorgt und zum nächsten Inselkrankenhaus gefahren hat. Jelle, der soviel lustiges Leben an Bord gebracht hat und stundenlang, mit holländischem Akzent, den Kindern Comics vorgelesen hat (ohne zu verstehen was er liest). Die Tonnen von Plastikmüll, die scheinbar aus der gesamten Karibik hier angeschwemmt wurden. Lobster und Kokosnüsse. Hühnchen mit Reis und Platanos in Palmengedeckten Strandbars. Eine lange Dingi-Irrfahrt in stockfinsterer Nacht.

Zurück in Shelter Bay Marina ging es an die letzten Vorbereitungen für den Pazifik und die Kanaldurchfahrt. Segel flicken, Crew finden, neues Kühlsystem für den Generator und die dicke Pami, für ein neues Antifouling, aus dem Wasser hieven, waren nur die großen Sachen. Wir lernten ALKYONE mit ihren 4,5 Kindern kennen und Geri klopfte eines Tages an unseren Rumpf.

Crewwechsel vor dem ultimativen Härtetest für JaJapamis Antriebssystem: Jelle setzte seine Radtour von Nordkanada nach Südchile fort, Geri zog ein und wir brachen zum Panamakanal auf. In zwei unglaublich spannenden Tagen durchquerten wir Mittelamerika und machten im Pazifik fest. Die Pami hatte den Test bestanden und die ganze Strecke, mit gutem Tempo, durchmotort!   

Es folgten noch mehr Reparaturen, zusätzliche Solarpaneele, Proviant bunkern für Monate und Cyrill kam an Bord um die Pazifikcrew komplett zu machen. Ein kurzer Zwischenstopp auf den Las Perlas, wo Geri, der Taucher, viel Mühe hatte, die alten Opferanoden an den Propellern, auszutauschen. Dann ging es endlich los! Pazifik wir kommen – auf nach Galapagos!

Quasi zum Einstieg in den Pazifik ereilt uns mal wieder ein Bootsbewohnerschicksal. Bei uns riss nicht das Segel, auch das Ruder verklemmte sich nicht und Wassereinbruch hatten wir auch nicht. Nein, wir verloren einen Propeller. Einfach so – nicht mehr da. Hatten wir auch noch nie gehört. Neptun zeigte sich davon ungerührt und als wir am 9. April den Äquator querten, erschien er tatsächlich an Bord und alle bekamen eine Pütz Äquatorwasser über den Kopf. 

Wir verbrachten sechs Wochen auf den einzigartigen Galapagos. Seelöwen, Riesenschildkröten, Meerechsen, Haie, Lavaschluchten und Opuntienwälden hielten uns in Atem. Dennoch wurde die Zeit lang, bis endlich der Ersatzpropeller den Zoll passiert hatte und angebracht werden konnte. LADY JANE, ALKYONE; SAGO; SERENITY; OLENA; BELUGA; CHASING WATERFALLS und viele andere kamen und legten wieder ab, bis endlich auch wir zu den Marquesas aufbrechen konnten.

21 Tage auf hoher See. Zwischenzeitlich sogar ziemlich hoher See! Von wegen Stiller Ozean – die Atlantiküberquerung war dagegen ein Kindergeburtstag. Dennoch war die Stimmung durchweg ziemlich gut. Wir fingen Fische, spielten viel und Geri und Cyrill liefen in der Küche zu Höchstleistungen auf, so dass alle ein paar Kilo mehr auf den Rippen hatten, als wir endlich in Nuku Hiva den Anker warfen. Natürlich gab es auch auf dieser Etappe eine größere Bootspanne. Ohne scheint es niemals und bei niemandem zu gehen!

Der Generator fiel aus. Bei einem Boot mit Elektroantrieb keine Kleinigkeit. Wir reduzierten sofort allen Stromverbrauch auf ein Minimum und stellten schon am nächsten Tag erleichtert fest, dass wir über Solar- und Regenerierungsenergie durch die Propeller, die Batterien genug laden konnten, um Kaffeemaschine und E-Herd, zumindest begrenzt, nutzen können. Da es nur noch drei Tage bis zum Ziel waren, wurde auch kein Reparaturversuch in schwerer See gestartet.

 Auf den Marquesas verbrachten wir mehrere Wochen. Der Generator war schnell wieder einsatzfähig und wir trafen viele Freunde und Bekannte wieder. Märchenhafte Dschungelinseln und schaukelige Ankerplätze prägten das Bild. Zum Baden lud das trübe Wasser leider nicht wirklich ein. So waren die Wasserratten an Bord überglücklich, als wir nach dreitägiger Überfahrt in den Tuamotus ankamen. Das Atoll Ahé war ein wunderbarer Schnorchelplatz! Wir machten unter anderem bei der Perlenfarm Kamoka fest und Geri entschied sehr spontan, hier sein Glück zu suchen – unter Wasser natürlich. Allzulange blieben wir nicht in den Tuamotus, denn wir wollten ja wiederkommen, und uns lockte ein Liegeplatzt im Hafen einer größeren Stadt. So erreichte die Pami, mit leicht reduzierter Crew, Ende Juni, nach vier Monaten auf See und am Anker, die Marina Papeete auf Tahiti.

Tahiti wurde unsere Basis, wir fühlten und fühlen uns hier wohl. Wir haben viele Touren zur Nachbarinsel Moorea unternommen und die verschiedenen Ankerplätze dort genossen. Auch die weiteren Gesellschaftsinseln bis hin zu Bora Bora, erkundeten wir in einem längeren Trip. Hier ist wirklich das sprichwörtliche Südseeparadies! Glasklare, türkisfarbene Lagunen vor kleinen Palmen- und großen Urwaldinseln. Auch JaJapami wurde noch ein bisschen verwöhnt: nötige Reparaturen, Schönheitsreparaturen und vier zusätzliche Solarpaneele. 

 Bis in den Oktober waren noch viele, befreundete Boote, mit und ohne Kinder, um uns herum. Dann wurde es leerer, denn die meisten zogen weiter nach Westen. Wir mussten uns überlegen, wo wir die Zyklonsaison verbringen wollten. Monate auf den – nördlich genug gelegenen – Marquesas, erschien uns wenig Reizvoll. Daher planten wir kurzentschlossen eine Flugreise nach Neuseeland, wo wir unter anderem auch US Visa für Hawaii erhalten konnten. Kurz vor Abflug sahen wir Geri wieder: er machte den Bootsitter für JaJapami, während wir uns bei den Kiwis rumtrieben. 

Nach vier Wochen im frühlingshaften Neuseeland, kamen wir glücklich wieder auf unserem schwimmenden Heim an und konnten in Ruhe Weihnachten vorbereiten, Geri verabschieden und schnell noch Crew aus der Schweiz einfliegen lassen. 

Weihnachten war schön, Ramon ist eingezogen und der Regen der tropischen Sommermonate auch. Über sechstausend Seemeilen haben wir im vergangenen Jahr im Kielwasser gelassen. Freud und Leid, Langeweile und Hochspannung, viele bemerkenswerte Menschen und Orte haben wir erlebt. Das neue Jahr kann kommen und danach bitte ein schönes Wetterfenster für den Weg nach Norden – auf zu neuen JaJapami-Abenteuern!

 

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