„Un des Atoll, des is a toll“ , sprach der Österreicher

Ahé im Abendlicht

Tahiti, 15.07.2019

Von den Marquesas auf die Tuamotus sind wir drei Tage unterwegs. Kommt uns vor wie ein Katzensprung, im Vergleich zu den Meilen, die wir bis vor Kurzem noch abgerissen haben.

Auf dieser Passage ist uns Aeolus wohl gesonnen. Wie kommen sehr gut voran. Aber dann drehte der Wind, die Vorhersage ändert sich, und das geplante Ziel wird schwieriger erreichbar. Zudem sieht es so aus als würden wir für mindestens fünf Tage in dem Atoll, dass wir gemeinsam mit LADY JANE ansteuern wollten, eingeweht werden. Also ändern wir spontan das Ziel und steuern Rangiroa anstatt Kauehi an. Es wird spannend! Am Abend vor der Ankunft scheint es noch sehr unwahrscheinlich, dass wir zu einem einigermaßen passendem Zeitpunkt vor dem Pass ankommen, der uns in das große Ringatoll führen soll. Diese Pässe in den Tuamotus sind für alle Segler eine Herausforderung. Man stelle sich ein Korallenschälchen mitten im Pazifik vor, in das, durch eine kleine Macke im Rand, die geballte Kraft von Ebbe und Flut hinein und heraus gezwängt wird.

Morgens um halb Sieben bin ich besonders erleichtert, als der Käpt’n ungewöhnlich früh zur Wachablösung erscheint. Wir nähern uns dem Atoll Ahé und ein riesiges Squallfeld nähert sich uns. Wer weiß wieviel Wind da drin steckt? Das Groß ist schon im 1. Reff, die Genua hole ich noch alleine ins 1. Reff. JD rollt sie in der nächsten Stunde immer weiter ein, bis wir nur noch mit weit offenem Groß von den Windböen getrieben werden. In Shorts und Segeljacke wettert er zwei Stunden im strömenden Regen ab, während wir unten, mit allen Folienwänden geschlossen, gemütlich frühstücken. Ein bisschen gemein, oder?

Der Käpt’n hat aber trotzdem gute Laune, denn dieses Intermezzo führt uns flott zum genau richtigen Zeitpunkt vor den Pass von Ahé. (Dieser Zeitpunkt ist der des Stauwassers, also dem Wechsel von ablaufender zu auflaufender Tide oder eben umgekehrt.) Warum also nicht hier einlaufen? Der bevorstehende Wind soll in Ahé nochmal deutlich geringer sein, als in Rangiroa. Und vor dem Pass von Rangiroa wären wir am späten Abend angekommen. Das hätte bedeutet, die Nacht durch vor dem Pass abzuwarten, denn eine Pass-Durchfahrt in der Nacht, besonders wenn es die erste überhaupt ist, wäre zu gefährlich. Aber nun sind wir ja perfekt um 14:30h am Pass von Ahé, einem der wohl schwierigeren der Tuamotus. Dort kann die Strömung bis zu 8 Knoten erreichen! Und dazu bilden sich dann hohe stehende Wellen von bis zu 2 m Höhe.

Es macht sich eine gewisse Aufregung unter der Crew breit. Wie stark ist die Strömung im Pass tatsächlich? Ist die Karte, und damit die Lage der zwei Sandbänke, wirklich aktuell? Wie kabbelig ist das Wasser an dem Punkt, wo strömendes und stehendes Wasser aufeinander treffen und wie hoch ist die dort stehende Welle? Auch heute noch havarieren immer wieder Segler bei den Ein- und Ausfahrten in die Atolle und jeder Skipper tut gut daran, das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Es ist genau Stauwasser! Während JD unter höchster Konzentration steuert, hält die Crew vorne vorsorglich nach Korallenköpfen Ausschau. Wir fahren durch sehr ruhiges Wasser im Pass und erreichen nach etwa 1 km die Innenseite. Hier steht uns dann tatsächlich noch eine auslaufende Strömung von 2 Knoten entgegen, aber das ist kein Problem. Mit 3 Knoten über Grund fahren wir weiter. Geschafft!

Der Übergang von der Strömung durch das kabbelige Wasser in die totale Stille des Atolls ist wirklich magisch! Nach rechts und links sieht man den palmenbestandenen Ring aus Korallen, mit ganz vereinzelten Gebäuden darauf. Mit bloßem Auge ist gerade noch die andere Seite zu erkennen. Dort wollen wir als erstes hin. Ein kleines Dorf und einen Minisupermarkt soll es da geben.

Bevor man an Land kann, muss man aber erst einmal Ankern! Dies ist hier deutlich spannender als in Breiten ohne die „Bummies“ genannten Korallenköpfe im Wasser. Manche ragen als kleine Riffe aus dem sonst über 20 m tiefem Wasser heraus und sind sehr gut zu sehen. Die meisten allerdings liegen wie riesige Kalkballons unter der Oberfläche und sind nur sicher zu erkennen, wenn man die Sonne im Rücken hat. In dem kleinen, hafenähnlichem Bereich vor dem großen Betonpier, an dem dem Versorgungsschiff festmacht, ist nicht wirklich Platz für uns. Wir manövrieren uns, leicht gestresst, genauso vorsichtig wieder heraus, wie wir uns hereinmanövriert haben. Vier sind eindeutig Drei zufiel, die meinen sie wüssten wo es hingehen sollte! Der Käpt’n aber, weiß natürlich wo es richtig ist und lässt sich nicht beirren. Daher sitzt der Anker beim zweiten Versuch an sicherer Stelle außerhalb des Hafenbeckens, und wir können uns endlich entspannt zurücklehnen oder schwimmen gehen.

Ungenutzter Aussenposten der Perlenfarm

Am nächsten Morgen macht Geri mit den Jungs einen langen Schnorchelausflug, während Cyrill und JD tatsächlich zwei Kisten Bier ergattern. Danach machen wir uns zu einem anderen Motu (Inselähnlicher Abschnitt eines Tuamotus) auf. Laut unseres Führers soll es bei der Kamoka Perlenfarm des Franzosen Patrick, Mooring-Bojen und Abendessen für Segler geben. Eine komplette Fehlinformation, wie sich herausstellt! Eine sichere Mooring für uns gibt es zum Glück, auch wenn das Anlegen ziemlich abenteuerlich ist, aber Kamoka hat keinerlei Form von Restaurantbetrieb. Das wird uns auf Anhieb klar, als wir vom Dingi aus, auf die hausähnliche Konstruktion auf Stelzen im Wasser klettern. Zwischen Austernkörben und Arbeitsbänken steht ein kleiner Tisch, um den ein paar tiefenentspannte, junge Leute sitzen. Im angrenzenden Bereich, der einer Art Wohnküche ähnelt, lernen wir Patrick kennen. Ein echter Charakter! Während wir uns ein bisschen unterhalten, jagen die Jungs vorne Küchenschaben und Geri verschmilzt gleichsam mit der Gruppe um den Tisch.

Da es schon dunkel ist und wir alle Hunger haben, machen wir uns recht bald auf zurück zum Schiff – ohne Geri. Er kann sich vom ersten Moment an vorstellen, auf Kamoka zu bleiben und als Perlentaucher anzuheuern und verbringt gleich die erste Nacht dort in irgendeiner Hängematte.

Geri und sein neues Zuhause

Am nächsten Vormittag macht sich die Pami gemütlich auf den Weg zur Cocoperle Lodge. Auch hier soll es Moorings und Essen geben. Diesmal ist es aber keine Perlenfarm, sonder ein winziges Feriendomizil mit vier kleinen, aber feinen Holzbungalows unter Palmen und einen hervorragenden Restaurant mit genau zwei Tischen.

Als wir uns nähern, versuchen wir sie über Funk zu rufen, um zu fragen wo wir festmachen können. Leider antwortet niemand und es schwimmen so viele Bojen an der Oberfläche, dass man unmöglich sagen kann, welche für Dingis, für große Schiffe oder einfach nur für Austernkörbe sind. Also pirschen wir uns vorsichtig auf Ankertiefe heran. Im flachen, türkisfarbenen Wasser werden überall Korallenköpfe sichtbar. Cyrill und ich stehen wieder vorne und versuchen einzuschätzen, über welche wir wohl drüber fahren können und welche eine Höhe erreicht haben, die bei unserem Tiefgang gefährlich wird. Mir flattern die Nerven. Unsere Ruder sind 1,25 Meter tief – liegt der Bummy voraus jetzt 1 oder 2 Meter unter der Oberfläche? Mehrfach schreie ich „Hard steuerbord! Der ist bestimmt zu hoch!“ aber der Käpt’n bleibt cool, behält den Tiefenmesser scharf im Auge und fährt vorsichtig drüber hinweg. Offensichtlich habe ich mich noch nicht genug kalibriert und immer locker um 1-2 Meter verschätzt.

Zu meiner grenzenlosen Erleichterung kommt auf einmal ein kleines Motorboot angebraust: Frank, der Chef, mit neuen Gästen. Er ruft herüber, dass wir da vorne an die gelbe Mooring gehen und später zum Sundowner rüberkommen sollen. Wie wunderbar.

Wir verbringen ein paar sehr schöne Tage dort. Das Schnorchel an den Korallen ist traumhaft, auch wenn ich es immer noch sehr schwierig finde, gelassen zu bleiben, wenn drei Meter neben mir ein Hai vorbeischlenzt. Dann kündigt sich der nächste Starkwind an und wir entscheiden, dass wir lieber vorher noch nach Tahiti segeln wollen. Außerdem hat Michel einen merkwürdigen Ausschlag bekommen, der sich langsam vom Rumpf aus immer weiter ausbreitet und ich will ihn nicht mehr in Wasser lassen und fände es auch sehr beruhigend, einen Arzt in der Nähe zu wissen. Die Pami macht auf dem Weg zum Pass noch einmal bei Geris neuem Heim fest. Ein letztes gemeinsames Abendessen, dann zieht er endgültig aus. Wir sind wirklich gespannt, wie es ihm als Perlentaucher so ergehen wird und haben fest vor ihn noch einmal zu besuchen.

Und so kann eine missglückte Passdurchfahrt enden!

Das die Überfahrt nach Tahiti nicht so doll wird, wussten wir schon im Voraus. Erst ein Tag Flaute, dann zu viel Wind und Welle. Egal – nach drei Tagen sind wir da und genießen seit dem das Marinaleben in vollen Zügen. Auch das Problem mit Michels Haut löst sich auf wunderbare Weise: Das Schicksal sendet uns einen nette, deutsche Hautärztin vom Nachbarboot an Bord! Renate wirft nur einen Blick auf Michel und diagnostiziert Röschenflechte. Völlig harmlos und verschwindet von selbst wieder. So können wir ganz entspannt in den Geburtstagsmarathon der nächsten Woche starten. Michel und JD sind nämlich nur zwei von vier deutschen Geburtagskindern, die hier in der Marina gefeiert werden!

2 Kommentare zu „„Un des Atoll, des is a toll“ , sprach der Österreicher

  1. Spontan als Perlentaucher
    anheuern, das hat Klasse! Danke für das schöne Update, lasst es euch weiter gut gehen und viele Grüße aus Düdo Ulrike

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    1. Vielen Dank Ulrike und an dieser Stelle auch an die lieben anderen Kommentatoren! Wir freuen uns immer sehr von Euch zu hören und besonders solche ermunternden Kommentare zu bekommen 🤩
      Leider schaffen wir es zu selten mal direkt darauf zu antworten. Wenn die Aufgaben hier abgearbeitet sind, wird das hoffentlich besser! Und erst recht jetzt da wir mit den neuen Solarpanels einfach viele Wartungsaufgaben an Bord durch die viele Sonnenenergie obsolet werden sollten! Herzliche Grüße nach Düdorf und überhaupt nach Deutschland! JD
      PS Geri sehen wir uns wohl hoffentlich bald in Tahiti wieder!

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