Auf dem Weg nach Galapagos

7. April, Pazifik

Am zweiten Tag auf See stirbt der Wind und wir wollen den Motor starten. Ungefähr fünf Sekunden nachdem er die Hebel umgelegt hat, kommt der Käpt’n vom Steuerstand runter und starrt fassungslos auf unser Kielwasser: „Der Propeller ist weg!“ Ich starre zurück und denke, dass ich mich verhört haben muss. Ein Propeller kann doch nicht einfach so abfallen!
Aber die Indizien sind erdrückend. Die Welle dreht, ohne jeden Widerstand, viel zu hoch und es zeigt sich kein Schraubenwasser. Ein Unterwasserfoto, mit der Kamera am Besenstiel, beweist die unfassbare Tatsache: aus dem Saildrive ragt nur noch das nackte Gewinde. Der gesamte Propeller ist einfach verschwunden.
Nach dem ersten Schreck setzen wir den Genaker und stellen wilde Vermutung an, wie das passieren konnte. Aber nichts ist wirklich schlüssig. Und es hilft uns auch nicht weiter.
Am Ende ist die Pami immer noch ein Segelschiff und mit den Segeln ist alles in Ordnung. Der Steuerbordantrieb funktioniert einwandfrei (ein Katamaran hat zwei Motoren), aber wir sind manövrierbehindert. Das Großsegel wollen wir, aus Sicherheitsgründen, jetzt auch nicht mehr setzen. So bleiben uns unsere drei Vorsegel, und als nach 24 Stunden Flaute der Wind wieder auffrischt, machen wir auch ganz gute Fahrt.

Spannend bleibt, wie lange es dauert einen neuen Propeller nach Galapagos zu schicken und zu montieren. Wir haben natürlich sofort, per Satellit, eine E-Mail nach Europa geschickt und hoffen, dass man dort so schnell wie möglich in Aktion tritt!
Auf den Inseln wissen unsere Seglerfreunde auch schon Bescheid und haben ausgekundschaftet, wo wir am besten vor Anker gehen. Mehr können wir im Moment nicht tun. Also zurück zum Alltag auf hoher See.

Der Pazifik macht seinem Namen alle Ehre – Stiller Ozean: eine unendliche, fast flache, tiefblaue Weite.
Am ersten Tag sehen wir von fern einen kleinen Wal, Delphine und einen Hai, der kurz, dicht an der Pami vorbei schlenzt. Danach sind die einzigen Wirbeltiere in unserer Nähe sieben Boobies (Möven ähnliche Vögel), die uns tagelang begleiten. Wir sehen zwar, was sie anrichten, bringen es aber trotzdem nicht übers Herz, die scheinbar erschöpften Tiere, nachts vom Schiff zu scheuchen.

Ganz vorne auf der Reling hocken die Racker und wenn man mit festem Seemannsschritt auf sie zuwankt, trippeln sie immer weiter Richtung Bug und starren einen mit so vorwurfsvollen, kleinen, schwarzen Knopfaugen an, dass man nicht „Uuah“ schreit, sondern es nur bei einer eindringlichen Ermanung belässt: „Nicht aufs Boot! Federpopo über die Reling!“
Nun, sie haben natürlich nicht zugehört. Als heute morgen wieder alles voll war, habe ich mir im ersten Licht des Tages, den Besen geschnappt und sie, im wahrsten Sinne des Wortes, von Bord gefegt.

Ich mache nämlich die Sonnenaufgangsschicht bei der Nachtwache. Daher hatten sie es als erstes mit mir zu tun! Der Käpt’n bleibt abends bis Mitternacht. Danach kommt Geri und um 5 Uhr löse ich Cyrill ab. Das klappt bestens und alle sind fit und munter. Die Kleinen kommen irgendwann gegen sieben zu mir auf den Steuerstand gekrabbelt und kuscheln erst mal ausgiebig, bevor der Tag richtig beginnt.
Wie immer auf See, ist die nächste Mahlzeit DAS Dauerthema unter der Mannschaft. Wunderbarerweise sind unsere neue Matrosen auch sehr gute Köche und da man offiziell nach Galapagos nicht mal tiefgekühltes Fleisch einführen darf, speisen wir hier ganz fürstlich.

Als wir den Äquator überqueren, erscheint Neptun und alle werden mit Südpazifikwasser getauft!

Die Stimmung ist bestens. Es wird viel gespielt und gelacht und der Spruch der Woche kam mal wieder von Michel: „Ich bin manchmal böse, wenn ich meine Lieblichkeit verloren habe!“

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