Wieder unter Segeln

Januar 2019, Punta Ricon und Shelter Bay

Wir sind wieder unterwegs und haben prompt eins auf die Mütze gekriegt! Am 20. Januar haben wir endgültig Bocas del Toro verlassen und uns auf den Weg nach Colon, zur Shelter Bay Marina gemacht. Der Zeitpunkt war sorgfältig mit dem Wind abgestimmt und als die Bedingungen für die nächsten zwei Tage gut aussahen, war plötzlich kaum noch Zeit eine Abschiedsparty zu organisieren. Schön war es trotzdem! Alle die wir liebgewonnen haben, sind gekommen und obwohl es am nächsten morgen früh losgehen sollte, haben wir bis Mitternacht geschnackt und tapfer jede Wehmut in Cuba Libres ertränkt!

Einige werden auch unserem Kielwasser folgen. Die deutsche SERENITY zum Beispiel werden wir schon in den nächsten Wochen in Shelter Bay oder auf den San Blas Inseln wieder treffen. Gefeiert hatten wir, ehrlich gesagt, seit Weihnachten eh schon ziemlich viel.

Seit gut einem halben Jahr lag die PAMI in der Red FrogMarina auf Bastimentos. Die hälfte der Zeit haben wir in Deutschland verbracht,die andere Hälfte mit Reparaturen, maintanance,Kampf dem Schimmel und natürlich, allem voran, dem Genießen des schönsten FleckchensErde das wir bislang gefunden haben! Nun wurde es Zeit unsere Reisefortzusetzen. Pauls siebten Geburtstag haben wir noch in vertrautem Kreisgefeiert, und dann kam Jelle als Crew an Bord. Ein junger Holländer, der mitdem Fahrrad auf dem Weg von Kanada zum Kap Horn unterwegs ist! Wir hatten perZufall von einander gehört und ihn spontan angeheuert. Für alle Fünf an Bordein glückliches Zusammentreffen! Statt uns am Festland wieder zu verlassen,wird er uns noch zu den San Blas Inseln begleiten.

Die erste Tagesetappe war noch recht entspannt und kurz. Nur das nachmittägliche Ankermanöver vor der Insel Escudo del Veragua wurde kurzfristig ziemlich spannend: auf der Suche nach einem ruhigen FleckchenWasser, habe ich vorne auf meinem Ausguckposten meinem ersten, riesigen, einzeln am Grund sitzenden Korallenkopf gesichtet. In zwei Metern Tiefe stellte er für uns keine Gefahr da, und so habe ich ihm fasziniert nachgestarrt, wie ermittig unter unserem Rumpf verschwand. In dem Moment, als ich die Augen wiedernach vorne richtete, war unser Bugspriet schon fast über dem Nächsten! …Ach duSch…!!! „Volle Kraft zurück!!!“ Das war knapp und hat zumindest meinenAdrenalinspiegel kurzfristig ganz schön in die Höhe getrieben. Netterweisehielt der Anker kurz darauf gleich beim ersten Versuch und wir hatten einenentspannten Abend und eine kurze, aber ruhige Nacht.

Morgens früh um fünf, sind wir planmäßig im Dunkeln Ankerauf gegangen, mit der Hoffnung, die Strecke nach Colon, bei gutem Wind, ineinem halben Tag zu schaffen. Die ersten Meilen waren noch nett. Alleine mitmeinem Mann auf der Ruderbank, bei leicht kabbeliger See, dem Morgengrauenentgegen – fast schon romantisch. Leider wurde die See immer rauer und einKnoten Strömung gegen an machte die Sache auch nicht besser. Der arme Michelwurde schon seekrank wach und Jelle und mir ging es auch nur an Deck, imfrischen Wind, wirklich gut. Wisst Ihr was Kreuzseen sind? Wenn zu derHauptwelle aus der einen Richtung noch eine zweite, von der Seite dazu kommt.Die Schiffsbewegung wird völlig unvorhersehbar und man fühlt sich wie auf einembockenden Pferd.

Jelles erster Tag auf See

Mittags hatten wir die Nase voll und haben neuen Kurs,Richtung Punta Rincon gesetzt. Die Kupfermiene hat einen kleinen Industriehafenmit Wellenbrecher. Daneben kann man auch ankern; nicht besonders schön, abersicher. Kaum waren wir in ruhigem Wasser, wurden wir von der Security über Funkgerufen: was wir denn da wollten? Tja, nun, tatsächlich war das ein emergency stopp. Ein seekrankes, kleines Kind und eine ziemlich erschöpfteCrew. Sicherlich hätten wir es auch heil bis Shelter Bay geschafft, aber esbestand ja nun wirklich kein Grund uns, und vor allem Michel, solchen Strapazenauszusetzen! In dem verrauschten spanisch-deutschem Funk-Kauderwelch ist aberoffensichtlich nur „emergency -kleine Kinder – krank“ angekommen. Wir wurden also aufgefordert, längsseits anden hohen Metallpier zu gehen, unsere Papiere rüberzureichen und zu warten. 20Minuten später kamen nicht nur unsere Papiere zurück, sondern auch ein Krankenwagen!Dem Notarzt war es aber nicht gestattet, diese Hafenplattform der Miene zubetreten (geschweige denn auf unser Boot zu kommen) und so sollten wir unsereKinder hoch über Metall und Beton an Land reichen! Zum Glück haben Alleverstanden, dass wir hierzu klar und deutlich „Nein“ gesagt haben. „Just seasick – need a rest – will recover“. „Okay, alles klar, sagt Bescheid, wennnoch was ist.” War am Ende der ausgesprochen freundliche Kommentar desVerantwortlichen.

Während die Jungs putzmunter und fröhlich im Salon gespielthaben, haben JD und Jelle eine wunderbare Bolognese zubereitet. Denn hungrigwaren wir! Und wie! 

Bolognese in Arbeit!

Zum Feierabend wurdenoch einmal nach uns geschaut und als sie sich überzeugt hatten, dass beideJungs wohlauf waren, wurden wir freundlich gefragt, ob wir jetzt nicht draußen,neben dem Hafen ankern könnten. Denn sonst wären sie verpflichtet uns permanentzu überwachen und müssten dafür extra Leute abstellen. Natürlich waren wirbereit dazu. Zwar war es am Anker immer noch sehr schaukelig, aber dennoch vielschöner und gemütlicher, als in dem Industriehafen. Außerdem wollten wir diesenfreundlichen und bemühten Männern, die strickte Regeln für solche Notfälle zubefolgen haben, bestimmt nicht noch mehr abverlangen.

Jelle kämpft sich nach kurzem Landausflug zurück ins Kayak

Der nächste Tag brachte tatsächlich Sturmwarnung für unsere Region. Kein Gedanke daran Auszulaufen. Aber am übernächsten Tag haben wir uns gut vorbereitet auf die nächste Etappe gewagt. Zehn Stunden durch sehr kabbelige See, in die Dunkelheit hinein zum Eingang des Panamakanals.

Im Hintergrund die Kupfermiene

Wie war das wunderbar, als die ersten Lichter der großen Frachter vor Anker zu sehen waren! Dann passiert man einen riesigen Wellenbrecher und ist plötzlich in ganz ruhigem Wasser. Alles klarmachen zum Festmachen, Fender, Leinen, Jelle einweisen (ach ja: der hatte noch draußen, in den Wellen, heldenhaft mit mir gekämpft, das Großsegel in seinem Sack zu sperren) und dann war schon die Taschenlampe des Marineros zu sehen, der uns geholfen hat für die Nacht am fuel dock festzumachen. Ein Manöverschluck und ein schnelles Abendessen und dann ab ins Bett.

Wie es in der, mitten im Dschungel gelegenen, Shelter Bay Marina ist und wann und mit wem wir uns aufmachen zu den Kuna Indios auf den San Blas Inseln, könnt Ihr dann im nächsten Blog lesen!

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