Von Bucht zu Hafen in La Graciosa, Kanaren

Genau 4 Tage und 4 Nächte haben wir für die 601 sm von Gibraltar auf die Kanaren gebraucht. Erst viel Wind, dann weniger und zum Schluss einen super Nordost der uns hierher gefegt hat.

Gestern Morgen viel der Anker in der netten Bucht Playa Francesa, kurz vor dem kleinen Hafenstädtchen Caleta auf der Isla La Graciosa. Ob wir müde waren? Ja schon, aber die Zeit mit dem neugeborenen Michel plus klein Pauli war deutlich heftiger 😉.

Erst nachmittags haben wir uns mit dem Dinghi auf den Weg gemacht. Dinner fast am Strand in dem kleinen Ort. Nach ein bisschen Geschnacke mit dem Restaurantchef ergaben sich dann plötzlich Möglichkeiten für heute Morgen einen Platz im Hafen zu bekommen. Für diese Aussicht sind wir dann auch heute früh aufgestanden (nach einer herrlich langen und ruhigen Nacht vor unserem tollen Plastimo DC Anker mit 40 kg Gewicht, Danke an Jens, und der dicken Ankerkette!).

Mit meiner ersten Tasse Kaffee begann dann ein am Ende sehr erfreuliches Abenteuer: Erst habe ich mir bei dem kleinen Schlauchboot da draußen nichts gedacht. Wir lagen schließlich mit 9 Schiffen in der Bucht – vielleicht war jemand zum Fischen rausgefahren. Als es aber zwei Minuten später deutlich mit dem Wind abgetrieben war, habe ich das Fernglas geholt. Keiner an Bord! „JD?? Dinghi oder Pami??“ – „Anker auf mit der Dicken!“ Wie gesagt, wir wollten ja eh gleich los und die Kinder schliefen noch. Also so schnell es geht den Anker an Bord geholt und hinter dem fremden Beiboot her. Das war eine gute Übung für uns! Es ist wirklich keine Kleinigkeit sich mit einem größeren Schiff, einem auf, oder im Wasser treibenden Gegenstand zu nähern! Zweimal hatte ich es fast am Enterhaken, aber man muss natürlich ein Tau oder eine Öse erwischen um Festhalten zu können. Das ist erst bei dritten Mal gelungen und da hatte ich die Heckleine erwischt und am Heck sitzt der Motor, der natürlich Schrammen am Heck von JaJapami machen könnte… also Vorsicht, Vorsicht! JD kam mir von Steuer aus zu Hilfe geeilt und so konnten wir es verträuen und mit uns schleppen.

Zurück am Ankerplatz stellte sich das nächste Problem. Alle Schiffe lagen noch im Dornröschenschlaf und bei drei von neun war kein Dinghi zu sehen. Also habe ich das Nebelhorn rausgeholt, JD ist so nahe an den ersten, möglichen Kandidaten heran motort wie bei dem Wind vertretbar war und dann habe ich aus vollen Lungen getrötet! Nach dem zweiten mal kamen sie an Deck und per Handzeichen konnten wir klären, dass das, was da an unserem Heck schleift NICHT ihr Dinghi ist. Auf dem Weg zu den Nächsten kamen wir an unsern „Nachbarn“ vorbei, dem Katamaran „Cocktail 2“. Das Paar stand mit Hund an Deck und hatte offensichtlich schon begriffen, was los war. Er hatte selbst das Fernglas am Auge und wies dann deutlich auf die BonBon. Ein Schiff mit Fahrrädern und Kinderschwimmwesten an Deck. Wir also auch hier so nahe ran, wir der Wind es zuließ und dann getrötet. Dreimal und lautes Rufen (BonBon wake up!!) brachte sie an Deck: aufgeregtes Gebaren, dann erscheint auch er. Ein Boot weiter löst sich ein kleines Schlauchboot und kommt zu uns. Klar, ALLE Schiffe in der Bucht sind mittlerweile wach und beobachten, was passiert. Hafenkino nennt sich das, auch wenn wir in einer Bucht ankern. Der Nachbar kann nur etwas gebrochenes Englisch, aber bedankt sich ganz herzlich im Namen der BonBon und schleppt den kleinen Ausreißer mit sich. Als wir dann endlich Richtung Hafen aufbrechen schaue ich mich noch mal um: Von mindestens vier Schiffen bekommen wir Daumen hoch und standing ovations – wie nett!!!

Drei Stunden später, nach einem sehr windig-anstrengendem Anleger im Hafen, läuft auch die BonBon hier ein. Sie hatten sich schon per Funk gemeldet als wir noch auch halber Strecke waren: „JaJapami, JaJapami, JaJapami for BonBon, please switch to channel 15“ um uns dann auf Kanal 15 Danke zu sagen. So hatten wir heute Nachmittag netten Besuch mit zwei kleinen Mädchen etwas älter als unsere Jungs. Die polnische Familie hat auch eine interessante Langzeitseglergeschichte und morgen wollen wir bestimmt noch mal den Nachmittag zusammen verbringen.

Jetzt wollen wir mal zum Dinner rausgehen – vom Steg aus deutlich einfacher als vom Anker 😉. Caleta ist süß und ein bisschen hippimäßig. Weiße Häuschen vor schwarzem Vulkangestein. Kein Tourismus, wenig Geschäfte und sehr zu meinem Entzücken, ein Mini Museum mit einem Delphinskelett und Informationen zu einheimischen Walen.

Ein paar Tage werden wir es hier schon aushalten!

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