JaJapami an Land in Portimao

11 Uhr, Gibraltar

Jana: „Kinder, wir laufen aus!“

Michel: “Ja, Michel dleich krotzen!“

Jana: “Nein Michel, musst Du nicht.“

Michel: „Ah! Ich Tblette nommen! Is nis krotzen!“

Ich hatte leider keine Zeit Ihm genau auseinanderzusetzen, dass die 300 m von der Tanke in Gibraltar bis zu unserer Marina in Spanien ihn bestimmt nicht spuken lassen, auch nicht ohne Tablette! Man sieht aber deutlich, dass das Thema Seekrankheit kein Schreckgespenst ist, sondern mehr als ein vorübergehendes, unvermeidliches Übel angesehen wird.

Was für eine Odyssey! Nun sind wir endlich in Gibraltar und bräuchten nur noch einen Stempel und eine Unterschrift um frei zu sein und unseren Skipper nach Hause fliegen zu lassen. Leider können diese Formalitäten nur erledigt werden, wenn JaJapami offiziell in der Marina von Gibraltar einklariert ist. Und in der Marina gibt es keinen Platz mehr. Wir liegen also noch ein bisschen an der Tankstelle rum und suchen nach einer Lösung…!

Die Lösung sind Fotos: von uns vor dem Gibraltar Fels, vom Kartenplotter, von der Pami in Gibraltar. Das reicht wohl als Beweis.

Jetzt sind wir endlich in familias. Niemand schaut uns mehr auf die Finger wann wir wohin und mit wieviel Knoten und welchem Segel fahren. Morgen früh wird auch keiner mehr da sein, mit dem ich vor der ersten Tasse Kaffee reden muss. Toll!!!

Es war ganz schön viel die letzten Tage. Wir kamen um Mitternacht in Portimao an und haben uns an den erstbesten Pier geknallt. Nach kurzer Verwunderung am nächsten Morgen warum keiner kommt, stellten wir dann fest, dass dies ein Restaurant-Pier ist und wir ohne Code nicht mal auf festen Boden kommen. Also erst mal verholen. An den „Warte-Pier“ der Marina. Dann einklarieren und versuchen in so eine kleine Box mit diesem riesen Kahn zu manövrieren. Das ist sowieso schon echt schwierig. In diesem Fall wurde es in dem Moment unmöglich, als der defekte, aber immer noch ein bisschen funktionierende Steuerbordantrieb endgültig ausfiel. Zumindest bei mir gab es kurzfristig echte Panik! Ein paar Meter nur und wir treiben hilflos gegen das nächste Schiff! JD ruft sofort über Funk die Marina um Hilfe und zum Glück ist der Marinero tatsächlich ganz schnell in seinem Schlauchboot vor Ort. Ein bisschen können wir ja noch mit dem Backbordantrieb, wie die Möwe gestern mit dem gebrochenen Flügel. Aber mit diesem Schiff in diesem Hafen müssten wir Tetris spielen können um einzuparken! Der Marinero schiebt und schubst uns und irgendwie kommen wir rein und können festmachen.

Ab dann beginnen zwei Tage mit warten auf den Kran, die wir schön mit Strand verbracht haben und unser Profiskipper in ungeduldigem Wartemodus. Hier muss ich mal sagen, dass wir ENDLICH im warmen Süden angekommen sind. In Vigo war es ja nachts teilweise noch so kalt, dass wir die Jungs zu uns ins Bett geholt haben, damit sie nicht frieren. Hier in Portugal können die wärmeren Sachen endgültig in den Karton. 36°C im Schatten braucht auch nachts kein Jäckchen mehr. (Dabei fällt mir gerade Pris Bemerkung an unserem letzten Abend in Vigo ein: „Eine wahre Galizierin erkennt man daran, dass sie IMMER was zum Überziehen mithat.“)

Morgens um 8.30 Uhr ist der Kran Termin. Um 8.15 Uhr verlassen wir den Liegeplatz. Diesmal ersetzt unser eigenes Dinghi den sb-Motor. Es läuft mal wieder nicht ganz rund mit Philippe, dem Skipper. Eigentlich hatte JD ihm gesagt, dass er das Dinghi fahren soll und JD die Pami, aber dann wurde es plötzlich kritisch beim Ausparken und jemand musste sofort in das Schlauchboot springen. Da JD näher dran war, hat er das gemacht und Phillipe ist dann einfach weitergefahren, ohne weitere Absprachen! Ich hatte alle Hände voll zu tun mit Fendern, Kindern und Festmachern und habe darum keine Fragen gestellt. Die Kinder haben übriges in solchen Situationen ihre Automatikwesten an und sind irgendwo angeleint. Oder sie sind drinnen im Wohnzimmer und spielen oder gucken DVD und die Tür ist verriegelt.

Dann kommen wir vor der Werft an und der Riesenkran ist weithin zu sehen. Wir fahren in ein Hufeisen aus Beton, auf dem der Kran mit seinen vier Füssen steht. Aus unserer Sicht geht alles viel zu schnell! Niemand sagt uns vorher, was getan werden muss und wie genau das Kranen vor sich geht. Wieso man uns diesen zweiten Profiskipper geschickt hat, der so wenig englisch kann, dass er nicht einmal das wichtigste vermitteln kann, verstehe ich nicht. Er scheint auch nicht mal die Notwendigkeit zu sehen, uns in diesem Moment irgendwie vorzuwarnen – dabei muss er doch schon öfter gekrant haben! Die fünf Männer am Kran rufen hektisch Anweisungen auf Portugiesisch – irgendwas mit den Fendern. Dass die so weit unten nutzlos sind sehe ich auch, aber sollen sie jetzt ganz hoch oder reingenommen werden? JD ist noch nicht da, er muss noch mit dem Dinghi schieben und drücken, dann irgendwo festmachen und dann erst mal an Bord finden. Ich tue also einfach was mir logisch erscheint: vorne, wo schon die Schlingen des Krans um das Schiff schlagen, hole ich die Fender ganz ein und dann mache ich die Hinteren nach ganz oben, wo der Beton am bedrohlichsten näherkommt. Falsche Seite!!! Phillipe schreit hektisch nach dem Dinghi an backbord! Ich renne also mit dem Fender in der Hand rüber und ramme ihn zwischen die Pami und den Beton – eine Sekunde zu spät. Wir haben einen ordentlichen Kratzer davongetragen. Zum Glück hauptsächlich an der Scheuerleiste, aber echt ärgerlich! Und mit vernünftiger Manöverbesprechung bestimmt vermeidbar gewesen!

Wir reichen die Festmacher den Männern am Kran und der lässt die riesigen Trageschlaufen unter das Boot gleiten. In dem Moment als ich mich frage, wie wir wohl von Bord kommen werden, geht es plötzlich aufwärts! Bis wir ca. 4 m über Bodenhöhe hängen. Erst noch über Wasser, dann über Land. Mit einer kleinen Hebebühne werden wir heruntergeholt und laufen in gemütlichem Michel-Tempo hinter dieser monströsen, vierbeinigen Rollspinne her, die unsere JaJapami unter sich festhält.

Nach einer Viertelstunde sind wir da und das Schiff wird völlig unprätentiös mit den beiden Kielen auf zwei Holzblöcke gestellt. Noch vier Stützen drunter – fertig. Wir können mit einer Leiter wieder an Bord. D.h. wie könnten, wenn die Kinder nicht durch den sensationellen Fund eines Chamäleons an den Boden gefesselt wären. Wenn ich mich nicht sehr täusche, ist es tatsächlich ein Jungtier derselben Art, die ich vor ca. 20 Jahren Clemens geschenkt habe! Großartig! Michel hat den Winzling trotz bester Tarnung am Werftzaun entdeckt: „Mami, Leguani da!“ Die Zeichnung der Seitenstreifen und die Variationen, bis hin zu kompletten Punkten, über den ganzen Körper, bei Angst oder Ärger ist absolut identisch mit der von dem Freund (so hieß Clemi´s). Nur Grüntöne hatte der Kleine nicht drauf. Vielleicht kommt das erst mit dem Alter. Er konnte nur von Sand über Braun bis Schwarz.

Den Mann von Oceanvolt war absolut pünktlich. Er traf in den Moment ein, als der Kran sich wieder auf den Rückweg machte und hat sofort angefangen den Propeller zu demontieren. Der Defekt war sehr überraschend und auch für den Laien mehr als deutlich: das Faustgroße Zahnrad (oder Ritzel, oder wie man das nennt) im Saildrive war total zerstört. Die ganzen Zähnchen waren einfach weggebröselt! Wie das passieren konnte (vielleicht ein Fertigungsfehler bei der Aushärtung des Metalls?) weiß man noch nicht. Auf jeden Fall sind die Teile bei beiden Motoren ausgetauscht worden und wir hoffen, dass das nicht wieder passiert!

Am nächsten Tag ging es dann zurück ins Wasser. Sehr zum Ärger von Phillipe erst kurz nach 14 Uhr, obwohl der Kran den ganzen Vormittag nutzlos rumstand. Das Ausparken aus dem Betonhufeisen lief zu Glück reibungslos. JD war am Steuer und wir hatten unerwartet Hilfe an Bord: Christina hatten wir am Strand kennengelernt und es ergab sich so, dass sie mit dem Fender in der Hand höchst aktive beim Kranen geholfen hat! Gracias!

Ohne weitere Umstände sind wir nach kurzen Tankstopp Richtung Gibraltar aufgebrochen. Das Wetterfenster begann sich schon zu schließen! Das meint, der Zeitraum in dem man bei ganz guten Bedingungen durch die Straße von Gibraltar konnte, war fast vorbei. Starker bis sehr starker Wind war vorhergesagt und das für einige Tage. Vor allem Phillipe wollte, und sollte von Arbeitgeberseite her, endlich ankommen und nach Hause. Also sind wir durchgebrettert. 34 Stunden lang. Bei Hacksee mit Wind auf die Nase. Hacksee?: Das Boot fährt die Welle rauf und kracht danach ins Tal… rums!…rums!…rums! Hier hat Michel seine Tblette doch bekommen und ich habe auch eine genommen. Falls einer von Euch Ärzten dies liest: Nautamin heißt das Zeug, dass uns alle Franzosen empfohlen haben. Nach einer halben Tablette schläft Michel entspannt ein und wacht ein paar Stunden später, ohne jegliche Symptome, egal bei welcher Welle, wieder auf.

Wie ich höre, haben einige von Euch unseren Zickzack Kurs an Tarifa vorbei im Internet verfolgt und auch die großen Pötte gesehen, die da unterwegs sind. Im Dunklen möchte ich hier wirklich nicht durchmüssen! An dieser Stelle muss ich auch doch noch mal meinen Hut vor Phillipe ziehen! Hier hat er echt bewiesen, dass er was kann! Für mich ganz schön gruselig war es direkt vor der Hafeneinfahrt von Tarifa: Mit den Jungs im Salon hatte ich nicht mehr auf die Umgebung geachtet und als ein AIS-Alarm kam, der Kollisionsgefahr meldete, war ich nach einem kurzen Rundumblick vorne raus nicht weiter beunruhigt. Die Männer hatten den gleichen Alarm oben auf der Brücke und hatten ihn auch quittiert. Da war also eigentlich nichts – und dann ein ohrenbetäubendes Dreifachhupen! Von rechts hinter uns kam eine Fähre angebraust, die unbedingt auf ihrem exakten Kurs beharren wollte. Wäre sie ein bisschen früher als üblich nach links abgebogen (womit der Skipper gerechnet hatte), wäre sie glatt hinter uns in Ihren Hafen eingelaufen. So ist sie direkt rechts vor uns nach links abgebogen und hat uns zu einem heftigen Ausweichmanöver gezwungen – nicht lustig.

Über 40 Knoten scheinbarer Wind und über 30 Wahrer voll von vorne war dann auch der absolute Härtetest für unsere Maschinen!

Entgegen aller Prognosen haben wir es bis zum Einbruch der Dunkelheit nach Gibraltar geschafft. …Da seufzten drei Mäuse „was für ein Tag“ und sanken erschöpft in die Betten (Kinderbuch; Drei mal drei an einem Tag)…

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