Nachtwache um 1 Uhr morgens

Meine zweite Nachtwache hat gerade begonnen: zwei Fischerboote am Horizont, ansonsten 360° Atlantik unterm Sternenzelt. Noch ist der Wind gut und wir segeln mit gemütlichen 6 Knoten Richtung Galizien. Wenn er später dreht oder zu schwach wird, müssen wir den Motor anwerfen. DEN Motor, nicht DIE Motoren, denn die Steuerbordmaschine ist heute Nachmittag ausgefallen.

Bei dem plötzlichen, klopfenden Geräusch dachen wir zuerst an ein Fischernetz in der Schraube. Nach kurzem Kontrollbilck mit der Tauchermaske war das aber auszuschließen und klar, dass der Fehler beim Motor selber liegt. Der tolle, neue Elektromotor! Jetzt heißt es cool bleiben und das beste hoffen – im nächsten Hafen wartet schon jemand auf uns, der es hoffentlich richten kann und bis dahin bleibt der zweite Motor und der Wind. Sehr beruhigend übrigens, dass auch hier draußen wo die Handys schon lange nicht mehr funktionieren, ein Anruf mit dem Satellitentelefon in Helsinki, beim Motorhersteller, kein Problem war.

So, „MariaDelCarmen“ das Fischerboot ist backbord quer ab, d.h. wir sind vorbei und ich muss nicht mehr ständig hochgucken. Natürlich bräuchte Bernard mich nicht, aber unser Profiskipper mit dem ich mir gerade die Wache teile ist ja nur bis Gibraltar an Bord. Ab dann müssen wir alles alleine im Griff haben. Netter Kerl, der Bernard. Hat uns schon viele Kniffe und Tricks beigebracht. Nicht nur beim Segeln, sondern heute auch schon beim Bonito filetieren. Das war was für mich! Wir hatten die Angelleine noch nicht mal richtig vertäut, da hing schon einer am Haken. Der Thunfischverwante hatte bestimmt 3 kg und sah wunderschön aus.

Natürlich wollte ich das präparieren gerne selber machen. Hat, mit Anleitung, für das erste Mal auch ganz gut geklappt und der erste Happen selbstgefangenes Saschimi war köstlich! Leider haben sich weder mein Mann noch Ansgar oder die Kinder so recht mitreißen lassen. Paul war allerdings mutig und hat sowohl den rohen als auch den gebratenen Fisch beim Abendessen probiert: roh geht gar nicht. Gebraten wurde immerhin nicht wieder ausgespuckt. Das wird schon. Was Bernard und ich nicht geschafft haben, ist säuberlich filetiert im Tiefkühler und wird hoffentlich gegessen wenn die Erinnerung ans köpfen nicht mehr so frisch ist.

Wenn ich überlege, wie schlecht es uns gestern, an unserem ersten Tag auf See ging, kommt es mir vor, als wären seit dem Jahre und nicht Stunden vergangen. Ich bin schon so richtig angekommen – auf dem Meer und auf der Pami. Ich war ja auf alles gefasst, direkt am Anfang durch die Biskaya, drei Tage und Nächte auf See, aber irgendwie war ich immer davon ausgegangen, dass Alle, aber ich nicht seekrankt werden. Ich war noch nie seekrank! Tja… In folgender Reihenfolge wurde gespuckt: Ansgar, Paul, Michel, Ansgar, Michel, Jana, Michel, Ansgar, Jana. Nur JD, der mit Ruder, Kurs und Segel gut beschäftigt war ist davongekommen. Paul hat sich als erster erholt und Ansgar kämpft immer noch ein bisschen.

Das war aber auch eine fiese, kabbelige See gestern! Wir hätten die Abfahrt aus LA Rochelle beinahe noch mal um eine Woche verschoben, weil wir genau das vermeiden wollten. Vor allem damit die Jungs nicht direkt am Anfang keinen Bock mehr aufs segeln haben. Die Sorge war aber unbegründet. Sie sind hier heute übers Schiff getobt, als hätte sie nie auf festem Boden gelebt. Allerding war die See heute auch sehr ruhig und sah aus als hätte Aeolos einen Schuss Öl draufgegossen. Dazu diese riesigen, langen Atlantikwellen – eine bemerkenswerte Aussicht. Zur Krönung hatten wir in der Abenddämmerung auch noch einen Wal ganz nahe. Zwei Mal habe ich den Blas gehört und Rücken und Schwanzflosse gesehen.

Ich werde langsam steif, wie ich hier so in meinen Segelklamotten auf dem gemütlichen Steuerstand hocke. Zeit für einen letzten Rundgang bevor ich wieder schlafen gehen darf.

Abendstimmung auf der Flybridge. Vergessen ist die Seekrankheit an diesem zweiten Abend draussen.

Guten Morgen Atlantik…

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